Deutsches Kurzarbeitssystem als Vorbild für die USA?

Auf Grund der Coroanvirus-Pandemie wurde alleine bis Ende April für 10,1 Millionen Deutsche Kurzarbeit beantragt. Rekord! Die Kurzarbeit dient dazu, Arbeitnehmer mit staatlicher Hilfe in ihrem Arbeitsplatz zu belassen und Entlassungen zu vermeiden. Der Anstieg der Arbeitslosenzahl verlief folgerichtig im Vergleich mit anderen Ländern bislang moderat: Laut der Bundesagentur für Arbeit waren im April 308.000 mehr Menschen arbeitslos als noch im Vormonat und 415.000 mehr als im April 2019.

In den Vereinigten Staaten von Amerika (mit 328 Millionen vier mal so viele Einwohner wie Deutschland), die ein solch ausgearbeitetes Kurzarbeitssystem wie in Deutschland nicht kennen, meldeten sich innerhalb von fünf Wochen schon mehr als 30 Millionen Personen arbeitslos. Nahezu jeder fünfte Erwerbstätige verlor somit seine Arbeit.

Während in Deutschland der Staat zumeist als positiv angesehen wird, stehen US-Amerikaner diesem aus historischen Gründen skeptisch gegenüber. In Bezug auf die Arbeitsmarktpolitik hat dies positive wie negative Auswirkungen. Einerseits ist es möglich, wie die Pandemie zeigt, dass innerhalb kürzester Zeit im Vergleich zu anderen Ländern überproportional viele Menschen ihre Arbeit verlieren. Andererseits ist der Arbeitsmarkt so liberal und flexibel gestaltet, dass viele Menschen in der Regel bei verbesserten Rahmenbedingungen auch wieder schneller in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden können.

Die kurzfristigen Auswirkungen auf die von Arbeitslosigkeit betroffenen US-Amerikaner sind jedoch immens. Existenzen stehen auf dem Spiel. Im politischen Sinne, zumal in einem Präsidentschaftswahljahr, fatal für die Partei, die den Präsidenten stellt. Der republikanische U.S. Senator Josh Hawley hat infolgedessen eine Initiative ins Leben gerufen, dessen Idee auf dem deutschen Kurzarbeitergeld fusst.

Laut dem Vorschlag des mit 40 Jahren gegenwärtig jüngsten U.S. Senators sollen Gehälter in Höhe von bis zu 80 Prozent durch den Staat, sofern für das Unternehmen notwendig, weiterbezahlt werden. Arbeitsplätze könnten somit erhalten bleiben, obwohl die gegenwärtige Situation Entlassungen notwendig machen würde. Des Weiteren soll es für alle Firmen, die im vergangenen Monat Mitarbeitende entlassen mussten und diese wieder anstellen, einen Bonus geben. Die Kosten würden sich hierfür schätzungsweise auf $250 Milliarden für drei Monate belaufen.

Ein für die USA ungewöhnlicher Vorschlag, zudem von einem Politiker der Republikanischen Partei. Bekanntlich werben Republikaner in der Regel mit einem fiskalpolitischen Konservatismus. Der Einfluss des Staates sollte zudem nach Ansicht der Grand Old Party gering gehalten werden. Senator Hawley begründet seinen Vorschlag mit den beispiellosen Herausforderungen, welche die Coronavirus-Pandemie mit sich bringt.

Für Senator Hawely sollte der Staat eine gewisse Verantwortung gegenüber den Arbeitnehmern, die ihren Arbeitsplatz verloren haben oder noch werden, aufbringen: „Die Regierung sollte sich darum kümmern, dass Amerikaner ihre Arbeitsplätze behalten können und sobald wie möglich an ihren Arbeitsplatz zurückkehren können, wenn es gesundheitspolitisch machbar ist.“

Hawleys Vorschlag orientiert sich an dem britischen Programm „Job Retention Scheme“. Großbritannien versucht mit solch einem Rettungsschirm einen chaotischen Arbeitsmarkt zu verhindern. Vorbild für das Vereinigte Königreich wiederum: das deutsche Kurzarbeitssystem. Doch ob die USA dem deutsch-britischen Weg folgen werden ist zweifelhaft.

Denn wie schon eingehend festgestellt, wird eine zu große Einmischung des Staates am Capitol Hill wie in der Bevölkerung kritisch gesehen. Senator Hawley weiß um diese Umstände. Dennoch wirbt er für seine europäischen Ideen bei seinen Kollegen über Parteigrenzen hinweg. Diskutabel wären Unterstützungsleistungen mit Orientierung an das deutsche Kurzarbeitssystem allemal.

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