Die Buchbesprechung: „Versprich es mir. Über Hoffnung am Rande des Abgrunds“ (Joe Biden)

Die politische Karriere von Joe Biden begann mit einer familiären Tragödie. Am 18. Dezember 1972 starben nach einem Autounfall Bidens erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi. Noch im Krankenhaus wurde Biden erstmals zum U.S. Senator für Delaware vereidigt.

Nach 36 Jahren im Amt folgte die Wahl zum Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten. In den acht Jahren an der Seite von Präsident Barack Obama mutierte Biden automatisch zum Mitfavoriten auf die demokratische Präsidentschaftskandidatur 2016. 

Doch ein weiterer Schicksalsschlag machte diesem Plan einen Strich durch die Rechnung. Sohn Beau Biden erkrankte an Krebs. Diagnose: Glioblastom – bösartiger Gehirntumor. Am 30. Mai 2015 erlag der älteste Sohn von Joe Biden im Alter von 46 Jahren seinem Krebsleiden, hinterließ Ehefrau und zwei Kinder. An eine Präsidentschaftskandidatur für die Wahl 2016, ein jeder US-Wahlkampf beginnt schon mehr als ein Jahr zuvor, war für Vater Joe nach einem langen Ringen mit sich selbst zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zu denken. 

In „Versprich es mir. Über Hoffnung am Rande des Abgrunds“ verarbeitet Joe Biden auf 250 sehr persönlichen Seiten die Erkrankung und den Verlust seines Sohnes Beau. Biden geht darauf ein, wie sehr ihm der Glaube und seine Familie Halt in einer schwierigen Zeit gab. Eine Beschreibung des persönlichen Verhältnisses zu Präsident Obama kommt ebenso nicht zu kurz: Die im Weißen Haus entwickelte gegenseitige Wertschätzung und Freundschaft half Biden zwar. Dennoch präferierte Obama Hillary Clinton als seine Nachfolgerin im Weißen Haus. Eine wenig komfortable Situation für Joe Biden.

Trotz schwieriger Umstände musste freilich auch der Vizepräsident der Vereinigten Staaten seinem Beruf, wie jeder normale Werktätige, weiterhin nachgehen. Wie Joe Biden damit umgegangen ist beschreibt er in seinem in deutschsprachiger Fassung im Verlag C.H. Beck  erschienenen Werk genauso wie seine Tätigkeiten als  Verantwortlicher für die Krisen in der Ukraine und dem Irak. Bidens Differenzen mit der deutschen Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel werden hierbei ebenso an den Tag gelegt wie der Kampf gegen Korruption in der ukrainischen Regierung zu Zeiten der russischen Aggression.

Ein emotionales Werk, welches allen empfohlen sei, die sich für den Menschen hinter der Fassade des 46. US-Präsidenten interessieren. 

Vielen Dank an den Verlag C.H. Beck für die Zusendung eines Rezensionsexemplars.  Weiterführende Informationen des Verlags (Klick hier).

Die offizielle Buchbeschreibung
Joe Bidens autobiografisches Buch «Versprich es mir» war in den USA wochenlang auf Platz 1 der Bestsellerliste und erscheint nun erstmals auf Deutsch. In seiner Zeit als Vizepräsident unter Barack Obama musste Joe Biden machtlos zusehen, wie sein ältester Sohn Beau, Hoffnungsträger der Demokratischen Partei, an einem unheilbaren Gehirntumor erkrankte und seinen Kampf gegen den Krebs schließlich verlor. Wie wird ein Vater, wie wird eine Familie mit einer solchen Tragödie fertig? Bidens ergreifendes Memoir bietet einen einmaligen Einblick in das Innenleben des designierten nächsten Präsidenten der USA.
Im November 2014 versammelten sich die Bidens in Nantucket, um gemeinsam Thanksgiving zu feiern – eine Familientradition seit vierzig Jahren. Aber diesmal fühlte sich alles anders an. Bei Beau, dem ältesten Sohn von Joe Biden, war zuvor ein Hirntumor diagnostiziert worden, und sein Überleben war ungewiss. «Versprich es mir», sagte der kranke Sohn seinem Vater. «Versprich mir, dass du klarkommst, ganz egal, was passiert.» Joe Biden gab ihm sein Wort.
Das darauffolgende Jahr stellte ihn auf eine schwere Probe. Der damalige Vizepräsident reiste mehr als hunderttausend Meilen quer durch die Welt und befasste sich mit schwierigen Krisen in der Ukraine, Mittelamerika und dem Irak. Während sein Sohn zu Hause um sein Leben kämpfte, stellte sich Joe Biden der Verantwortung für sein Land und versuchte dennoch für die Familie da zu sein. Bidens Memoir ist das Buch eines Politikers, aber mehr noch eines Vaters, Großvaters, Freundes und Ehemanns. Es ist die Geschichte vom Leid einer Familie, aber auch von Hoffnung und Zuversicht.

Die Buchbesprechung: „Henry Kissinger. Wächter des Imperiums“ (Bernd Greiner)

Als die Spielvereinigung Greuther Fürth in der Saison 2012/2013 erstmals der Fußball-Bundesliga angehörte, ließ es sich der bekannteste Sohn der Stadt nicht nehmen, dem traditionsreichen Ronhof einen Besuch abzustatten. Extra aus den Vereinigten Staaten von Amerika angereist, sah Henry Kissinger zwar keinen Sieg seiner Kleeblätter. Doch Kissingers Leidenschaft für den Fürther Flachpass, welcher der Mannschaft in den 1920er Jahren zu deutschlandweiter Berühmtheit verhalf, sollte freilich nicht verflachen.

Wie auch. Denn schon in eben jenen 1920er Jahren besuchte der als Heinz Alfred Kissinger geborene Fürther Junge regelmäßig die Spiele seiner Mannschaft. Doch die Idylle währte nicht lange, unruhige Zeiten brachen an. Auf die Weltwirtschaftskrise folgte die Machtergreifung der Nationalsozialisten. Familie Kissinger, jüdischen Glaubens wie so viele Familien in Fürth, musste das Land verlassen.

Es folgte eine Weltkarriere des ältesten Sohnes, welche Hollywood nicht besser schreiben hätte können: Auf den Militärdienst bei der U.S. Army folgte während des Zweiten Weltkriegs die Rückkehr nach Deutschland – militärische Aufklärung im Dienste der Vereinigten Staaten. Nach dem Krieg half Kissinger bei der Entnazifizierung der Bevölkerung mit. Stationen in seinem Leben, die ihn prägten. Insbesondere die geknüpften Kontakte sollten Kissinger im weiteren Karriereverlauf hilfreich sein. 

In seinem 480 Seiten starken Werk „Henry Kissinger. Wächter des Imperiums“ arbeitet der Historiker Bernd Greiner Kissingers Verbindungen ebenso detailliert heraus wie die weiteren Stationen des Fürthers. Stellvertretend seien an dieser Stelle Kissingers herausragende Positionen als Nationaler Sicherheitsberater sowie als Außenminister unter Präsident Richard Nixon genannt. Immer wieder zitiert der Autor aus den Gesprächen mit Beteiligung Kissingers, welche dank der zahlreichen Tonbandaufnahmen im damaligen Weißen Haus der Öffentlichkeit bekannt sind. 

Nicht zuletzt durch diesen Einsatz verfasste Greiner eine lebendige Biographie über Kissinger, die gleichzeitig immer eine kritische Distanz zur Hauptperson des im Verlag C.H. Beck erschienenen Werkes wahrt. Denn Henry Kissinger ist als Friedensnobelpreisträger nicht nur der berühmteste Sohn der Stadt Fürth. Er ist auch eine der umstrittensten Persönlichkeiten der Sicherheitspolitik seit dem Zweiten Weltkrieg. 

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Die offizielle Buchbeschreibung
Henry Kissinger, ein Scheinriese, der immer kleiner wird, je näher man ihm kommt. Auf diesen Nenner lässt sich sein politisches Denken und Handeln bringen. Zugleich verstand er es, sich zur Marke in Übergröße zu machen, egal, ob als Sicherheitsberater zweier amerikanischer Präsidenten, als Außenminister, Elder Statesman, Bestsellerautor, Politikberater oder Orakel. Sich immer im Gespräch zu halten, war und ist Kissingers größter Erfolg. Gestützt auf eine Vielzahl unbekannter Quellen, rekonstruiert Bernd Greiner das Leben eines Mannes, der für die Macht lebte und in die Geschichte eingehen wollte – mit allen Mitteln und um fast jeden Preis. Der Riese taumelte. Amerika führte einen Krieg, der nicht zu gewinnen war, seine Wirtschaft lebte auf Pump, mächtige Konkurrenten machten seinen Führungsanspruch streitig, die politische Elite war zerstritten wie selten zuvor. Ratlosigkeit und Zeitdiagnose im Panikmodus, wohin man auch blickte. Was macht eine Weltmacht, wenn ihr die Macht entgleitet? Wo war Amerikas Platz in einer multipolaren Welt? Welche Rolle sollten Militär und Diplomatie künftig spielen? War es ratsam, sich dem Wandel entgegenzustellen, ihn gar auf halten zu wollen? Oder musste von Grund auf neu über Ordnung und Sicherheit nachgedacht werden? Als diese Fragen Ende der 1960er Jahre auf die Tagesordnung drängten, betrat Henry Kissinger die große Bühne. In jungen Jahren vor den Nazis geflohen, schrieb er in der neuen Heimat eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Für die einen ist er unwiderstehlich, für andere unausstehlich und für alle unvermeidlich. Noch heute ist Kissinger aktuell – auf verstörende Weise und in jedem Fall anders, als er es selbst gerne hätte. Denn er wollte Grenzen verschieben, die nicht mehr zu verschieben waren. Im Grunde spiegelt seine Karriere ein Dauerproblem amerikanischer Außenpolitik und die Antiquiertheit ihrer bevorzugten Leitideen: Vorherrschaft, Wille zur Gewalt, Mehrung eigener Macht durch die Angst der anderen.

Die Buchbesprechung: „Im Wahn. Die amerikanische Katastrophe“ (Brinkbäumer, Lamby)

Eine Woche vor der US-Präsidentschaftswahl 2020 läuft auf der ARD die Dokumentation „Im Wahn – Trump und die amerikanische Katastrophe“ (Mo., 26.10.2020, 22.50 Uhr sowie in der Mediathek). Passend zum Dokumentarfilm haben die Verantwortlichen Klaus Brinkbäumer, ehemaliger Chefredakteur des Magazins „Der Spiegel“, und Stephan Lamby, vielfach ausgezeichneter Dokumentarfilmer, das Buch „Im Wahn. Die amerikanische Katastrophe“ veröffentlicht. 

Das Ergebnis ist eine 391 Seiten umfassende Reportage, welche die gegenwärtigen Herausforderungen der Vereinigten Staaten von Amerika thematisiert. Es ist ein Streifzug durch die seit Jahrzehnten sich immer stärker intensivierende Polarisierung in den USA: Parteien, Medien, Aktivisten sowie die gegenwärtige Administration werden ebenso betrachtet wie die Bewältigung der aktuellen Coronavirus-Pandemie.

Brinkbäumer/Lamby konterkarieren ihr eigentlich lesenswertes Werk allerdings immer dann, wenn sich die Autoren an einer eigenen Analyse der jeweiligen Thematik versuchen. Gleichwohl eine Reportage, ist die eigene Meinung der Autoren zu oft parteiisch, Kritik an bestehenden Problemen oftmals zu einseitig. Des Weiteren offenbaren die Autoren ein mangelndes Verständnis US-amerikanischer Kultur, welche im Gegensatz zu den meisten europäischen Ländern individuelle Freiheit einem starken Staat bevorzugt. 

Dieses Verständnis sowie eine nötige Differenzierung ist für eine tiefgehende Betrachtung eines jeden Landes, insbesondere in Zeiten starker Polarisierung, unabdingbar. Der eigene Blickwinkel der Autoren geht über den liberalen Küstenmetropolen nicht hinaus. Doch die Vereinigten Staaten sind mehr als das. Die Autoren versuchen dieses Manko mit Eindrücken von Gesprächspartnern aus allen politischen Lagern wettzumachen. 

Wenn die Autoren US-Amerikaner zu Wort kommen lassen, wird das im Verlag C.H. Beck erschienene Werk packend, nahezu spannend. Als Exempel sollen an dieser Stelle die Eindrücke von Anthony Scaramucci, kurzzeitiger Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses unter Präsident Donald Trump und mittlerweile Kritiker des Amtsinhabers, dienen. Alleine die Erfahrungsberichte und Meinungen dieser ausgewählten US-amerikanischer Persönlichkeiten macht das Werk „Im Wahn. Die amerikanische Katastrophe“ empfehlenswert. Eine Einordnung der Thematik hätte das Autorenduo jedoch besser den Lesenden überlassen sollen. 

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Die offizielle Buchbeschreibung

Nach vier Jahren einer fatalen Präsidentschaft sind die USA eine wütende, nur noch im Hass vereinte Nation – und erleben in der gegenwärtigen Weltkrise eine multiple Katastrophe. Der ehemalige Chefredakteur des SPIEGEL Klaus Brinkbäumer und der preisgekrönte Dokumentarfilmer Stephan Lamby berichten von den zahlreichen Fronten. Ihr Buch ist eine investigative Reportage über ein zerfallendes Land, das seinen Kompass und seine Wahrheiten verloren hat.

Die amerikanische Demokratie galt einstmals als unzerstörbar. Sie hat die Sklaverei und den Bürgerkrieg überlebt, den Vietnamkrieg, die Kuba-Krise und Watergate. Heute befinden sich die Vereinigten Staaten mitten in einem neuen Bürgerkrieg, der mit den Waffen der Mediengesellschaft ausgetragen wird. Auf Jahre hinweg scheint die Lage ausweglos, weil die unterschiedlichen politischen Lager ihre diplomatischen Beziehungen abgebrochen haben.

Die Kombattanten sind das Weiße Haus, Fox News, rechte Trolle und ultrakonservative Radiomoderatoren auf der einen, CNN, New York Times, Washington Post und progressive Blogger auf der anderen Seite. Apokalyptische Szenarien, wahnhafte Verdrehungen und permanente Attacken gegen den Feind bestimmen den politischen Alltag.

Die beiden Spitzenjournalisten Klaus Brinkbäumer und Stephan Lamby begannen im Juni 2019 mit ihren Recherchen, als Donald Trump seine Kampagne für die Wiederwahl eröffnete. Sie waren beim Vorwahlkampf der Demokraten dabei und beim Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Trump.

Immer wieder recherchierten Brinkbäumer und Lamby im Weißen Haus und trafen die Stars der amerikanischen Medienwelt von heute. Sie spürten zudem auf, wie sich die USA seit Jahrzehnten von ihren eigenen Idealen entfernten, und warum aus der ehemals so angesehenen Nation ein Land wurde, das so viele Feinde hat.

Von Januar 2020 an verfolgten sie die Ausbreitung des Corona-Virus in den USA und wurden schließlich Zeugen, wie der gewaltsame Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz eine landesweite Protestwelle gegen Rassismus und Polizeigewalt auslöste. Ihr Buch ist das Zeugnis einer gesundheitlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Katastrophe, einer Glaubwürdigkeitskrise von Medien und Politik – und das alles unter einem Präsidenten, der ums politische Überleben kämpft und zu allem bereit ist.

Die Buchempfehlung: „America First. Donald Trump im Weißen Haus“ (Stephan Bierling)

„Lest es von meinen Lippen ab: Keine neuen Steuern“ tönte es vom republikanischen Präsidentschaftskandidaten George H.W. Bush im August 1988. Der zu diesem Zeitpunkt noch als Vizepräsident amtierende Bush ging wenig später siegreich aus der Präsidentschaftswahl hervor. Bush beerbte seinen einstigen Vorgesetzten, den beliebten Präsidenten Ronald Reagan.

Vier Jahre später sollte Bush sein Satz zum Verhängnis werden. Denn auf Grund eines Rückgangs des Wirtschaftswachstums und Kompromisse mit der demokratischen Mehrheit im Kongress erhöhte Präsident Bush in seiner Amtszeit die Steuern. Das Volk vergaß nicht, Bush verlor die Wiederwahl.

Auch bei der US-Präsidentschaftswahl 2020 geht es primär um die Bilanz des Amtsinhabers. An dieser hat sich Stephan Bierling, Professor für Internationale Beziehungen an der Universität Regensburg, versucht. Auf 271 zeichnet Bierling in seinem Werk „America First. Donald Trump im Weißen Haus“ einen kurzen Überblick über die Amtszeit des 45. US-Präsidenten nach.

Bierling hat seine Bilanz der Präsidentschaft von Donald Trump in folgende Theman unterteilt: Migration, Handel, Deregulierung und Steuern, Kulturkriege, America First Doktrin, transatlantische Beziehungen, Russland, Mittlerer Osten, Ostasien, Amtsenthebungsverfahren, Wahljahr und Coronavirus.

Mit dieser Themensetzung bespricht Bierling zwar nahezu alle Schwerpunkte der Trump-Administration. Auf Grund der begrenzten Seitenanzahl des Buches bleibt jedoch für jeden Themenbereich im Durchschnitt nicht mehr als zehn bis zwanzig Seiten zur Verfügung. Die ersten Knapp 60 Seiten beschäftigen sich nämlich zudem nicht mit „Trump im Weißen Haus“, sondern informieren über die Geschichte Trumps und der Polarisierung in den USA.

Schlussendlich ist festzuhalten, dass das im Verlag C.H. Beck erschienene Buch „America First“ eine gute erste Übersicht über die Ära Trump gibt. Für eine tiefergehende Auseinandersetzung mit der Thematik seien jedoch andere Werke empfohlen.

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Die offizielle Buchbeschreibung

Donald Trump vereinigt ein beachtliches Bündel von „Firsts“ in seiner Amtszeit. Er ist der erste Präsident der USA, der zuvor noch nie eine Funktion in Politik oder Militär innehatte. Er ist der älteste jemals neugewählte Präsident und der erste Milliardär im Weißen Haus. Er hat mehr Minister und Berater entlassen als jeder seiner Vorgänger. Und er ist der erste Präsident, der nach einem überstandenen Impeachment-Verfahren eine zweite Amtszeit anstrebt. Ein Star des Reality-TV hält im Weißen Haus die Hebel der Macht in seiner Hand. Stephan Bierling zeigt in seinem informativen Buch sachlich und mit klarem Urteil, welche erschreckenden Resultate diese Präsidentschaft hervorgebracht hat.

Welche Politik aber betreibt der Mann, der unter dem Beifall seiner Anhänger gegen jede etablierte Regel der Politik verstößt? Gibt es eine – sichtbare oder unsichtbare – Agenda, oder ist alles blanker Machtopportunismus? Gibt es definierbare Erfolge oder Misserfolge? Was ist mit der Russland-Connection, mit dem Verhältnis zu Europa oder dem Mittleren Osten? Stephan Bierling, einer der angesehensten deutschen USA-Kenner, legt eine fundierte Bilanz der Ära Trump vor, an deren Ende die Einsicht steht, dass auch das älteste freiheitliche Staatswesen der Welt schon bald an seine Belastungsgrenzen geraten kann.

Die Buchempfehlung: „Am Scheideweg“ (Philip Gorski)

Laut Nachwahlbefragungen votierten vier von fünf weißen Evangelikalen bei der US-Präsidentschaftswahl 2016 für Donald Trump. Eine so große Unterstützung erfuhr seit Beginn der Umfrageaufzeichnungen kein anderer Präsidentschaftskandidat von Evangelikalen. Vier Jahre später kann sich Präsident Trump der Unterstützung dieser Wählergruppe weiterhin gewiss sein. Laut dem Pew Research Center befürworten 72 Prozent weißer Evangelikaler die Arbeit des Amtsinhabers.

Doch warum stimmten so viele Gläubige für einen Kandidaten, der weder mit seiner Religiosität noch mit christlichen Moralvorstellungen auffiel? Wie kommt es, dass Präsident Trump trotz eines stark polarisierenden Auftretens bei Evangelikalen weiterhin unangefochten ist?

Der US-amerikanische Soziologe Philip Gorski, Professor an der Yale University, geht diesen Fragen in seinem Werk „Am Scheideweg. Amerikas Christen und die Demokratie vor und nach Trump“ auf die Spur. Auf 224 Seiten versucht Gorski das historische Zusammenspiel zwischen Demokratie und Religion zu erforschen, um letztendlich gegenwärtige Entwicklungen zu erklären.

Gorski befasst sich infolgedessen ebenso mit der seit Jahrzehnten steigenden gesellschaftlichen und politischen Polarisierung. Evangelikale spielen vor diesem Hintergrund eine bedeutende Rolle. Das in der deutschen Übersetzung im Herder Verlag erschienene Werk behandelt somit auch die grundlegende Frage, ob das evangelikale Christentum und die liberale Demokratie koexistieren können. „Am Scheideweg“ ist somit ein wichtiges Werk für das Verständnis US-amerikanischer Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft.

Die offizielle Buchbeschreibung

Christentum und Demokratie – für den größten Teil der amerikanischen Geschichte handelte es sich hierbei um eine komplementäre Beziehung. Doch die Wahl von Donald Trump und die Rolle, die Evangelikale darin gespielt haben, legt nahe, dass sich beider Wege nun trennen. Wie und warum es dazu kam, zeigt dieses Buch. Es schildert, wie der amerikanische Protestantismus zunehmend in eine autoritäre Richtung abgedriftet ist. Ausschlaggebend hierfür ist die Überzeugung, die Kulturkämpfe der letzten Jahrzehnte verloren zu haben. Die Evangelikalen betrachten sich selbst als am stärksten verfolgte Gruppe in den USA und halten Ausschau nach einem starken Beschützer, der sie gleichsam aus dem Babylonischen Exils herausführt und ihnen ihr Land zurückgibt. Dieses Gefühl von Verlust und Anspruch ist tief im Narrativ von Amerika als weißer christlicher Nation verwurzelt. Trump hat die Herzen der Evangelikalen hier gepackt, indem er mit ihren tiefsten Ängsten spielt. Amerikas Christentum und die Demokratie am Scheideweg: Wird es gelingen, beide wieder in zusammenzuführen?