Nach einem ereignisreichen und turbulentem Jahr 2025, in dem Präsident Donald Trump für einen grundlegenden Wandel in der Innen-, Außen-, Sicherheits- und Handelspolitik der USA sorgte, muss sich der 47. US-Präsident und seine Republikanische Partei im Jahr 2026 dem Votum der Wähler stellen. Am 03.11.2026 sind nämlich US-Amerikaner dazu aufgerufen eine neue Zusammenstellung des U.S. Kongresses zu wählen. Während ein Drittel der Sitze im U.S. Senat zur Wahl stehen, wird das gesamte U.S. Repräsentantenhaus neu gewählt. In beiden Kammern halten Republikaner gegenwärtig eine knappe Mehrheit.
Bevor US-Amerikaner an die Wahlurnen schreiten, hat Präsident Trump bei der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft, die zwischen dem 11.06.2026 und dem 19.07.2026 in Kanada, Mexiko und den USA stattfindet, die Chance, sein Land ins rechte Licht zu rücken. Die Mehrheit der 104 Spiele werden in den elf US-amerikanischen Stadien ausgetragen. Das Finale findet im MetLife Stadium, der Heimspielstätte der NFL-Franchises der New York Giants und der New York Jets, zu East Rutherford in New Jersey statt.
Zu den gesellschaftspolitischen Höhepunkten zählen im Jahr 2026 die Feierlichkeiten zum 250. Bestehen der Vereinigten Staaten von Amerika. Der 250. Jahrestag der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung am 04.07.2026 wird mit zahlreichen landesweiten Veranstaltungen begangen. Trump plant zudem im Monat zuvor am Flag Day, der zugleich der Geburtstag des Präsidenten ist, auf dem Südrasen des Weißen Hauses einen UFC-Kampf (Vollkontakt-Kampfsportart Mixed Martial Arts) abhalten zu lassen. Geplant sind acht bis zehn Titelkämpfe.
Im Jahr 2026 sind die Vereinigten Staaten ebenso Gastgeber des G20-Gipfels. Unter dem Motto „The Best is Yet to Come“ lädt Präsident Trump die Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer in seinen Golfressort Trump National Doral Miami in Florida. Ob der 47. US-Präsident bis zum Dezember 2026 für einen nachhaltigen Frieden in Osteuropa sorgen konnte, wird eine der wichtigsten zu beantwortenden Fragen des Jahres sein.
Die wichtigsten Termine der internationalen Politik
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Im Gegensatz zu den 1920er Jahren sind die 2020er Jahre (bislang) wenig golden. Die Coronavirus-Pandemie, der russische Angriffskrieg auf die Ukraine und das durch die islamistische Hamas verübte größte Massaker an der jüdischen Bevölkerung seit dem Holocaust und die daraus entstandenen Auswirkungen hielten und halten die Welt in Atem. Das Jahr 2025 reihte sich in den andauernden Krisenmodus des Jahrzehnts ein. Der nachfolgende Beitrag soll einen Überblick über die wichtigsten Ereignisse des Jahres aus der politischen Perspektive der Vereinigten Staaten von Amerika geben.
Wahlen
Friedlicher Machtwechsel
Am 20.01.2025 erfolgte die friedliche Machtübergabe von Präsident Joe Biden und Vizepräsidentin Kamala Harris an deren Nachfolger Donald Trump und J.D. Vance. Zwei Monate zuvor setzte sich das republikanische Ticket bekanntlich gegen ihre demokratischen Kontrahenten Harris und Gouverneur Tim Walz durch. Die Amtseinführung fand auf Wunsch Trumps nicht wie gewohnt vor dem U.S. Kongress, sondern innerhalb des Kapitols statt. Der Inauguration wohnten neben politischen Größen auch zahlreiche Unternehmer aus dem Silicon Valley teil.
Zwischen der vergangenen Präsidentschaftswahl und den nächsten Midterms kehrt wahltechnisch gesehen in den USA etwas Ruhe ein. Und doch wurden auch im Jahr 2025 ein paar wenige Wahlen abgehalten, die gewissermaßen einen letzten Test vor den Zwischenwahlen darstellten. Am 04.11.2025 gingen die Kandidaten der Demokratischen Partei bei den Gouverneurswahlen von New Jersey und Virginia sowie bei der Bürgermeisterwahl von New York City als Sieger hervor. Während sich in Gotham City der Sozialist Zohran Mamdani durchsetzen konnte, entschieden mit Mikie Sherrill und Abigail Spanberger im Garden State und im Old Dominion moderate Demokratinnen die Wahlen für sich.
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Innenpolitik
Steigerung der Effizienz der Regierung
Im ersten Halbjahr sorgte das neu ins Leben gerufene Department of Government Efficiency (DOGE) um Elon Musk für Aufsehen. Zu den Zielen gehörten die Steigerung der Effizienz der Bundesregierung, der Abbau der Bürokratie und überflüssiger Vorschriften sowie die Kürzung von Ausgaben und Personal. Zum Opfer fiel auch USAID, die Behörde für Entwicklungszusammenarbeit: 5.800 mehrjährige Verträge wurden gekündigt und mehr als 13.000 weltweit tätige Mitarbeiter wurden freigestellt. Die Folgen: Wegfall von Programmen zur Bekämpfung von HIV/Aids, Malaria und Polio sowie von Ernährungsprogrammen. Nach nur fünf Monaten zog sich Musk von seinem Aufgabengebiet zurück, im November wurde die Behörde aufgelöst.
Der Fall Epstein hält die USA erneut in Atem
Im Wahlkampf forderte Trump die Freigabe der Akten des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein. Nach der gewonnenen Präsidentschaftswahl änderte Trump seine Meinung und wollte die Veröffentlichung verhindern. Doch der Druck aus den eigenen Reihen, auch von MAGA-Hardlinern wie der Abgeordneten Marjorie Taylor Greene, intensivierte sich im Verlauf des Jahres deutlich. Als Reaktion hierauf wartete Präsident Trump im November mit einem weiteren Kursschwenk auf und forderte die Freigabe der Epstein-Akten. Die beiden Kammern des U.S. Kongresses votierten sodann für die Veröffentlichung der Akten, die auf Grund dessen seit Ende des Jahres schrittweise, jedoch teils geschwärzt, vom Justizministerium veröffentlicht werden.
Längster Stillstand der Regierungsgeschäfte in der US-Geschichte
Zwischen dem 01.10.2025 und dem 13.11.2025 standen die Regierungsgeschäfte still, da sich Demokraten und Republikaner nicht auf einen Haushalt einigen konnten. Mit 43 Tagen dauerte der Government Shutdown so lange an wie noch nie zuvor in der Geschichte der USA. Ende Januar 2026 droht allerdings eine weitere Hängepartie im Haushaltsstreit zwischen Demokraten und Republikanern, gilt die jüngste Vereinbarung doch nur für knapp drei Monate.
Präsident Trump wollte den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine innerhalb von 24 Stunden beenden. Dies ist dem 47. US-Präsidenten freilich nicht gelungen. Im Gegenteil: Indem die USA nunmehr eine nach Aussage Trumps „Vermittlerrolle“ zwischen dem russischem Aggressor und dem ukrainischen Opfer einnehmen, konnte die Russische Föderation seine Angriffe auf die Zivilbevölkerung ausweiten. Dies liegt nicht zuletzt darin begründet, dass die Trump-Administration direkte Waffenlieferungen an die Ukraine einstellte. US-Waffen gelangen nur noch in die Ukraine, wenn diese von mit Kyiv verbündeten Ländern käuflich erworben werden.
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Im Verlauf des Jahres äußerte sich Präsident Trump zudem mehrmals positiv über den russischen Machthaber Vladimir Putin und wertete den Kriegsverbrecher mit einem Treffen in Alaska unnötig auf. Gegenüber dem ukrainischen Präsidenten Zelensky zeigte Präsident Trump indes unentwegt Verachtung. Der negative Höhepunkt kann auf den 28.02.2025 datiert werden, als beim Besuch von Zelensky im Weißen Haus Präsident Trump und Vizepräsident Vance einen Eklat inszenierten und sogar den ukrainischen Staatschef aus der 1600 Pennsylvania Avenue verwiesen. Das freie Europa hofierte indes über das gesamte Jahr über den MAGA-Präsidenten, ohne jedoch einen nennenswerten Erfolg erzielen zu können. Ende November stellten die USA sogar einen sogenannten „Friedensplan“ vor, der aus russischer Feder stammte.
Weiterführende Leseempfehlung: „Ein Friedensplan, der keiner ist“ (Klick hier).
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Am 07.10.2023 führte die islamistische Hamas aus dem Gazastreifen heraus das größte Massaker an der jüdischen Bevölkerung seit dem Holocaust aus. Mehr als 1.300 Menschen wurden teils auf bestialische Weise ermordet, Frauen vergewaltigt, Kinder gefoltert. 239 Personen wurden von der Hamas in den Gazastreifen entführt. Im Jahr 2025 konnten die letzten verbliebenen Geiseln, auch dank US-amerikanischer Vermittlung, befreit werden. Die Kämpfe im Gazastreifen zwischen der Hamas und der israelischen Armee wurden durch das Inkrafttreten eines 20-Punkte-Friedensplans (vorerst) beendet. Doch die Waffenruhe bleibt brüchig.
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USA wenden sich vom liberalen Europa ab
Am 14.02.2025 hielt Vizepräsident Vance eine vielbeachtete und kontroverse Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Darin argumentierte er, dass die größte Gefahr für Europa nicht aus Russland oder China, sondern aus dem Inneren heraus komme. Laut des MAGA-Republikaners stehe die Meinungsfreiheit in Europa ebenso unter Druck wie die Identität der europäischen Nationen. Die Nationale Sicherheitsstrategie, die Ende des Jahres publiziert wurde, bekräftigte diese fundamentale Wende in der Sichtweise der USA auf Europa. Der alte Kontinent stehe laut der Nationalen Sicherheitsstrategie vor einer „zivilisatorischen Auslöschung“. Auf Grund dessen wollen die USA fortan „patriotische Parteien“ in Europa unterstützen. China und Russland werden zwar als Rivalen angesehen, doch werden in dem Papier auch die wirtschaftlichen Möglichkeiten hervorgehoben.
Weiterführende Leseempfehlung (The White House): „National Security Strategy of the United States of America“ (Klick hier).
Trump überzieht Welt mit Handelskrieg
Präsident Trump will die „USA wieder groß machen“ – und hierzu gehört laut eigener Aussage eine protektionistische Handelspolitik. Infolgedessen überzog der 47. US-Präsident die Welt im Jahr 2025 mit willkürlich festgelegten Zöllen. Hierzu gehört ein Basiszoll in Höhe von 10% auf nahezu alle Importe. Auf chinesische Einfuhren wurden temporär sogar Zölle in Höhe von 125% erhoben. Für EU-Erzeugnisse wurde eine Zollobergrenze in Höhe von 15% festgelegt. Auf den Stahl- und Aluminiumsektor entfallen Zölle in Höhe von 50%.
Fakten und Umfragen
Erstmals in mehr als 50 Jahren ist die Anzahl der in den USA lebenden Migranten gesunken. Alleine im ersten Halbjahr 2025 verzeichneten die USA eine Million weniger Einwanderer.
Mit der Amtsübernahme von Trump hat das weltweite Ansehen der USA stark abgenommen. Im Durchschnitt haben nur noch 35% der Erwachsenen eine positive Meinung über das Land.
Mehr als zwei Drittel der US-Amerikaner sind der Meinung, dass Präsident Trump seine Macht im Vergleich zu seinen Vorgängern deutlich ausweiten will.
Erstmals in den vergangenen zwei Dekaden hat sich die Situation für die hispanische Minderheit laut derem eigenen Befinden verschlechtert.
Quellen: Pew Research Center
Die US-Arbeitslosenquote ist von 4,0% im Januar 2025 auf 4,6% im November 2025 angestiegen. Die Inflationsrate sank von 3% auf 2,7%.
U.S. Bureau of Labor Statistics
Verstorben
Dick Cheney, 46. US-Vizepräsident
Dick Cheney prägte die Geschichte der Vereinigten Staaten so stark wie kaum ein anderer Vizepräsident vor ihm. Bevor er Vizepräsident unter Präsident George W. Bush wurde, hatte er unter dessen Vater, Präsident George H. W. Bush, das Amt des Verteidigungsministers inne. In seiner aktiven politischen Laufbahn war Cheney einflussreich wie umstritten. Dem MAGA-Republikaner Trump stand Cheney kritisch gegenüber, bei der Präsidentschaftswahl 2024 votierte er gar für die demokratische Kandidatin Harris. Am 03.11.2025 starb Cheney im Alter von 84 Jahren.
Charlie Kirk, Aktivist
Charlie Kirk war eine der einflussreichsten Stimmen des konservativen Amerika. Kaum eine andere Person innerhalb der Republikanischen Partei verstand die Jugend so gut wie er. Trotz seiner klaren konservativen bis rechtspopulistischen Positionen war Kirk immer dazu bereit mit der Gegenseite zu debattieren, wie zuletzt mit dem demokratischen Gouverneur Gavin Newsom. Am 10.09.2025 wurde Kirk bei einer Veranstaltung an einer Universität in Utah erschossen. Der MAGA-Republikaner wurde nur 31 Jahre alt. Kirk hinterlässt seine Ehefrau Erika und zwei Kinder.
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„1600 Pennsylvania“ informiert über die aktuellsten repräsentativen Umfragen rund um US-amerikanische Politik (Pfeil nach oben/unten: Wert ist zum Vormonat gestiegen/hat abgenommen). Quellen, falls nicht anders angegeben, sind die auf Real Clear Politics veröffentlichten Durchschnittswerte der wichtigsten Umfrageinstitute.
Repräsentative Umfragen aus D.C.
Weitere repräsentative Umfragen
Nicht-repräsentative Umfrage auf X
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Vor einem Monat wurde Zohran Mamdani zum Bürgermeister von New York City gewählt. Die Hauptstadt des Kapitalismus wird ab Januar 2026 von einem Sozialisten regiert. Ein erfrischend, modern und nahe an den Bürgern gestalteter Wahlkampf bereitete Mamdani ebenso den Weg zu seinem Wahlerfolg wie das passende Agenda-Setting. Kein anderer Kandidat für das Bürgermeisteramt adressierte die Herausforderungen, sprich Anstieg der Lebenshaltungskosten, der New Yorker so gekonnt wie der 34-Jährige. Die New Yorker belohnten den Wahlkampf des Mitglieds der Democratic Socialists of America mit einem Wahlsieg in Form eines Vorsprungs von neun Prozentpunkten vor dem als unabhängigen Kandidaten auftretenden Demokraten Andrew Cuomo.
Konservative und rechte Medien sahen und sehen in Mamdani hingegen einen Antipoden zu Präsident Donald Trump. Insbesondere die lokale New York Post fuhr eine, freilich erfolglose, Kampagne gegen den selbst ernannten Sozialisten (siehe untenstehendes Titelbild nach Mamdanis Wahlsieg). Doch auch die liberale The New York Times stand im Wahlkampf Mamdani skeptisch gegenüber. Das Editorial Board kam beispielsweise zu dem Ergebnis, dass Mamdani auf Grund seiner mangelnden politischen Erfahrung unwählbar sei. Des Weiteren spreche das politische Programm Mamdanis, das eine „turbogeladene Version“ der Politik des früheren und gescheiterten Bürgermeisters Bill de Blasio darstelle, gegen den Kandidaten der Demokratischen Partei, so The New York Times.
Die meisten etablierten deutschsprachigen Medien ergötzten sich indes (im besten Fall) an einer undifferenzierten und oberflächlichen Berichterstattung über den in den USA lagerübergreifend umstrittenen gewählten New Yorker Bürgermeister. Die Süddeutsche Zeitung sah beispielsweise in Mamdani einen Hoffnungsträger, der „stellvertretend für die Welt (…) gegen die Ungerechtigkeit einer Zeit (…), für die Donald Trump das Symbol geworden ist“, ankämpfen soll. Kann eine Person, deren politische Identität die Opposition zu jeglichem Zionismus darstellt und in Israel ein „siedlerisches-koloniales Projekt“ sieht, ein Hoffnungsträger sein? Freilich eine rhetorische Frage.
Die Hälfte der New Yorker Wähler sahen in Mamdani indes keinen Hoffnungsträger. Auf den Sozialisten entfielen prozentual gesehen so wenige Stimmen wie auf keinen Wahlsieger in diesem Jahrtausend. Konnte Mamdani 50,4% der abgegebenen Stimmen auf sich vereinen, kamen der ausgehende Bürgermeister Eric Adams im Jahr 2021 noch auf einen Stimmenanteil von 67,0% und de Blasio im Jahr 2013 auf 73,3%. Eine „Hoffnung für die Demokraten“ (tagesschau) stellt Mamdani auf Grund der Historie von Wahlergebnissen in New York City ebenso wenig dar wie sein politisches Profil, ist ein linker Populismus den US-Amerikanern landesweit gesehen doch nicht vermittelbar. Dass ein Politiker, der sozialistische Ideen wie die Verstaatlichung von Wohnbaugesellschaften und Lebensmittelläden vertritt, wenig mit dem Ziel eines Wohlstands für Alle gemein hat, sollte insbesondere die deutsche Historie gelehrt haben.
In einem Land, in dem Staatsgläubigkeit eine positive Konnotierung, zumal in dessen Schreibstuben, erfährt, verwundert dies freilich nicht. Selbst die wirtschaftsliberale Frankfurter Allgemein Zeitung ließ sich von TikTok und Instagram Videos des gewählten New Yorker Bürgermeisters beeindrucken: Aus einem Sozialisten, Mamdani ist seit dem Jahr 2017 Mitglied der Sozialistischen Partei der Vereinigten Staaten von Amerika (DSA) und nur pro Forma Teil der Demokratischen Partei, machte die FAZ einen Politiker der linken Mitte (siehe untenstehendes Video). Pro Sieben wiederum sah in Mamdanis Wahlerfolg eine „Klatsche für Trump“ obwohl der amtierende US-Präsident gar keinen eigenen MAGA-Kandidaten in das Rennen um das Bürgermeisteramt von New York City schickte.
Für die @faznet ist demokratischer Sozialismus linke Mitte. Aber hey, der künftige Bürgermeister von NYC ist Rapper und deshalb ist er krass.
Der Hype deutschsprachiger Journalisten um Mamdani kannte und kennt kaum Grenzen und umfasst mittlerweile auch dessen Ehefrau Rama Duwaji. Das ZDF titelte „Warum sich so viele in Rama Duwaji wiederfinden“, die Süddeutsche Zeitung schrieb von einem erst beginnenden Hype um die zukünftige First Lady von New York City: „Sie ist Künstlerin, politisch, jung, schön und cool“. Dass Duwaji wie ihr Ehemann aus einem privilegierten Elternhaus stammt und in den Sozialen Medien offen mit der Hamas, die das größte Massaker an der jüdischen Bevölkerung seit dem Holocaust ausübte, sympathisierte, bleibt in der deutschsprachigen Berichterstattung freilich zumeist außen vor. Für Zeit Online wurde Duwaji gar „als erste muslimische First Lady, eine die der Generation Z angehört“ gefeiert.
Die Berichterstattung über den gewählten New Yorker Bürgermeister Mamdani steht stellvertretend für den emotionalen und teils parteiischen Blick deutschsprachiger Journalisten auf die komplexen Geschehnisse der US-amerikanischen Politik. Die Folge davon ist eine unzureichend informierte deutsche Bevölkerung, die deshalb im Herbst 2024 noch mit einer Mehrheit von 72% annahm, Kamala Harris werde siegreich aus der Präsidentschaftswahl hervorgehen. Es folgte jedoch ein Wahlabend, bei dem die damalige Vizepräsidentin keinen einzigen Swing State für sich entschied. Die Anzeichen für dieses Ergebnis waren während des Wahlkampfs deutlich sichtbar. Doch dafür hätten die Medienschaffenden – Ausnahmen bestätigen die Regel – einen für sie ungewollten Wahlausgang in Betracht ziehen müssen.
Ein Beitrag von Kai-Uwe Hülss M.A. Bildquellen: Creative-Commons-Lizenzen (via Google); Canva.com; eigene Grafiken.