Am Weihnachtstag des Jahres 800 n. Chr. wurde Karl der Große von Papst Leo III. in Rom zum Kaiser gekrönt. Fortan musste sich jeder König der Deutschen, der auch den Titel Römischer Kaiser führen wollte, vom Heiligen Vater in Rom salben und krönen lassen. Dem lag die Vorstellung zugrunde, dass der Papst die höchste geistliche Macht innehatte und somit auch die weltliche Macht legitimieren musste.
1225 Jahre nach der Krönung von Karl dem Großen zum Kaiser sorgte der mächtigste weltliche Herrscher namens Donald Trump für Aufsehen, als er nach dem Ableben von Papst Franziskus ein mit künstlicher Intelligenz kreiertes Bild in den sozialen Medien teilte, das ihn als Heiligen Vater darstellte. Ein Jahr danach scheint sich US-Präsident Trump die Auffassung des Mittelalters zu eigen gemacht zu haben, wonach eine Person allein weltliche Macht legitimieren kann.
Venezolanische Präsidentin von Trumps Gnaden
Am 03. Januar 2026 führten die USA in Venezuela die „Operation Absolute Resolve“ durch, die weniger als 24 Stunden andauerte. Der venezolanische Machthaber Nicolás Maduro sowie dessen Ehefrau Cilia Flores wurden von einer US-Spezialeinheit festgenommen und in die USA gebracht. In New York City wurde der Sozialist wegen der „Verschwörung zum Drogenterrorismus“, der „Verschwörung zum Kokainimport in die USA“, „des Gebrauchs und Besitzes von schweren Waffen“ sowie wegen „Korruption und Geldwäsche“ angeklagt.
Infolgedessen machte sich die venezolanische Opposition, die seit Jahren vom sozialistischen Regime unterdrückt wird, Hoffnung auf einen demokratischen Wandel. Schließlich wurde der Erbe von Hugo Chavéz von den USA der Macht beraubt. Washington D.C. sollte doch auf der Seite der freiheitsliebenden venezolanischen Bevölkerung stehen, die sich für Demokratie und freie Marktwirtschaft einsetzt.
Mit Edmundo González Urrutia, dem rechtmäßigen Gewinner der Präsidentschaftswahl 2024, und Maria Corina Machado hätten auch zwei Persönlichkeiten zur Leitung einer Übergangsregierung bereitgestanden. Doch US-Präsident Trump ignorierte den Willen der Venezolaner und verbindet bis heute eine Abneigung gegenüber Machado, die, im Gegensatz zu ihm, mit dem Friedensnobelpreis 2025 ausgezeichnet wurde.
Vielmehr erkannten die USA die Sozialistin Delcy Rodríguez als Übergangspräsidentin offiziell an. Nach anfänglichen Drohungen („Wenn sie nicht das Richtige tut, wird sie einen sehr hohen Preis zahlen müssen.“) überschüttet Präsident Trump die autoritäre linke Politikerin nun mit Lob. Vorausgegangen war die Öffnung des venezolanischen Ölsektors für US-Unternehmen. Dass Rodríguez nur unter Gnaden Trumps das Land anführen kann, machte der US-Präsident gegenüber Journalisten in der Air Force One deutlich: „Fragen Sie mich nicht, wer das Sagen hat, denn ich gebe Ihnen eine Antwort, die sehr kontrovers sein wird: Wir haben das Sagen.“
Wille der iranischen Zivilbevölkerung spielt für Trump keine Rolle
Hoffnung auf eine Unterstützung von Seiten der Vereinigten Staaten hatte auch die iranische Zivilbevölkerung, als diese Anfang des Jahres ihren Unmut gegenüber dem Mullah-Regime kundtat. Präsident Trump feuerte die Proteste an, indem er die Demonstranten zur Übernahme staatlicher Institutionen aufforderte. „Hilfe ist unterwegs“, so Präsident Trump am 13. Januar 2026 auf seinem sozialen Medium Truth Social. Zuvor drohte der 47. US-Präsident dem Mullah-Regime bereits mit einem Militäreinsatz, sollten Demonstranten getötet werden.
Das theokratische Regime überschritt diese von Präsident Trump gezogene rote Linie und tötete tausende Demonstranten. Die von den USA versprochene Hilfe blieb, auch aus logistischen Gründen, zunächst aus. Erst am 28. Februar 2026 begann mit der „Operation Epic Fury“ eine gemeinsame Militäroperation der USA und Israel gegen das Mullah-Regime. Das Kriegsziel ist allerdings offenbar kein Regimewechsel, sondern die „Zerstörung des iranischen Atomprogramms und des Arsenals von ballistischen Raketen“. Damit würde der Zivilbevölkerung im Iran ebenso die Hilfe in ihrem Freiheitskampf versagt werden wie in Venezuela.
Nach der Tötung des Großajatollahs Ali Chamenei brachte Präsident Trump sodann kurzzeitig die Idee ins Spiel, ihm freundlich(er) gesinnte Mullahs als neue Führungsfiguren im Iran zu akzeptieren. Gegenüber dem vom Expertenrat neu gewählten Großajatollah Majtaba Chamenei, dem Sohn des getöteten Großajatollahs, äußerte sich Präsident Trump ablehnend: „Chameneis Sohn ist ein Leichtgewicht. Er wird für den Iran nicht akzeptabel sein und ist für mich definitiv nicht akzeptabel. Wir werden jemanden brauchen, der das Land wirklich führen kann, nicht nur einen ‚Sohn von‘.“ Am 08. März 2026 sprach Präsident Trump davon, dass der neue Anführer der Islamischen Republik „unsere Zustimmung“ benötige, „ich muss in die Ernennung einbezogen werden, genau wie bei Delcy [Rodríguez] in Venezuela.“
Trump will über republikanische Kandidaten bestimmen
Wie einst der Papst im Mittelalter will auch Präsident Trump die einzige entscheidende Instanz zur Legitimation der weltlichen Macht von ausländischen Herrschern darstellen. Eine Machtfantasie, die der MAGA-Republikaner für sich freilich auch im Inland beansprucht. Als jüngstes Beispiel kann vor diesem Hintergrund die republikanische Vorwahl um den texanischen Sitz im U.S. Senat angeführt werden. Nach dem ersten Wahlgang kommt es zur Stichwahl zwischen Amtsinhaber John Cornyn und dem texanischen Attorney General Ken Paxton.
Zur Stichwahl will Präsident Trump, was in den USA nicht ungewöhnlich ist, eine Wahlempfehlung abgeben. Jedoch forderte er den Kandidaten, den er nicht unterstützt, dazu auf, das Rennen sofort zu verlassen und die Stichwahl abzusagen. Ein wenig demokratisches Ansinnen. In seiner zweiten Amtszeit fühlt sich Präsident Trump offenbar allmächtig. Es ist an der Zeit, dass dem 47. Präsidenten die Grenzen aufgezeigt werden. Im November haben US-Amerikaner bei den Zwischenwahlen die Möglichkeit über die Politik der Republikanischen Partei und Präsident Trump zu urteilen. Immerhin haben US-Amerikaner eine Wahl – im Gegensatz zu den unterdrückten Völkern Venezuelas und des Iran.
Ein Beitrag von Kai-Uwe Hülss M.A.
Bildquellen: Creative-Commons-Lizenzen (via Google); Canva.com; eigene Grafiken.
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