Dass die Vereinigten Staaten von Amerika einmal als die am längsten bestehende moderne Demokratie bezeichnet werden würden, stellt keineswegs eine Selbstverständlichkeit dar. Denn als vor 250 Jahren dreizehn Kolonien ihre Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich proklamierten, stand der praktischen Umsetzung mit der britischen Armee und Marine die damals weltweit größte Streitmacht im Weg. Und dennoch setzten sich die demokratischen Revolutionäre gegen die britischen Monarchisten durch.
Das für den Verlauf der Weltgeschichte so richtungsweisende Jahr lässt der renommierte Historiker Joseph J. Ellis in seinem Werk „1776. Der Sommer der Revolution“ Revue passieren. Dabei vertritt der Autor „die Meinung, dass die politischen und militärischen Vorgänge zwei Seiten einer einzigen Geschichte“ (Joseph J. Ellis: 1776. Der Sommer der Revolution, S. 9) seien. In seinem in der deutschen Ausgabe im Verlag C.H. Beck erschienenen, 249 Seiten starken Werk nimmt Ellis die Leserschaft mit auf eine Reise tief in die Geschichte und erläutert, weshalb er zu dieser Feststellung kam:
Bis (…) in den letzten Monaten des Jahres 1775, waren die militärischen und politischen Seiten der Amerikanischen Revolution nicht auf einer Linie (…) Die Kontinentalarmee unter dem Kommando Washingtons betrachtete die amerikanische Unabhängigkeit als ausgemachte Sache (…) Der Kontinentalkongress betrachtete die Unabhängigkeit als letztes Mittel, und (…) beschrieben sie weiterhin als selbstmörderischen Akt
Joseph J. Ellis: 1776. Der Sommer der Revolution, S. 17
Ellis arbeitet in seinem Werk die parallel stattfindenden militärischen und politischen Entwicklungen gekonnt heraus, so dass Geschichte schon nahezu erlebbar gemacht wird. Dabei geht der Historiker auf die Gründe der Auseinandersetzung zwischen den nordamerikanischen Kolonien und dem Vereinigten Königreich, nämlich dass
kein britischer Untertan (…) besteuert werden oder zum Befolgen eines Gesetzes aufgefordert werden [dürfe], das ohne seine Zustimmung verabschiedet worden sei. Und da die amerikanischen Kolonien nicht im Parlament repräsentiert waren, seien die von dieser Körperschaft erlassenen Gesetze nicht für sie bindend.
Ellis: 1776, S. 18
ebenso ein wie auf die seit 1774 bereits andauernden militärischen Auseinandersetzungen, die im Jahr 1776 ihren Höhepunkt erlebten. Dabei informiert Ellis anschaulich über strategische Fehler beider Seiten sowie über die Herausforderung der Kolonisten, über das Ziel der Unabhängigkeit von Großbritannien hinaus weitere Gemeinsamkeiten zu finden:
Unterschiedliche Kolonien hatten unterschiedliche Geschichten und unterschiedliche Traditionen. Jede sollte seiner Schrift das entnehmen, was ihrer politischen Erfahrung am besten entsprach.
Ellis: 1776, S. 30 f.
Die Unterschiede der damaligen Kolonien bilden sich noch heute in den einzelnen Bundesstaaten deutlich ab. Für die einstigen Revolutionäre war jedoch die Erreichung der Unabhängigkeit bedeutender als diese Divergenzen oder als der Ausgang der Schlachten gegen die britische Armee, denn schließlich wiegten sich die Kolonisten doch auf Grund ihres riesigen Territoriums und des demografischen Wachstums langfristig auf der Siegerstraße. Die Geschichte sollte ihnen recht geben, so dass jedes Jahr am 4. Juli in den USA der Unabhängigkeitstag begangen wird – in diesem Jahr zum 250. Mal.
Am 4. Juli verabschiedete der Kongress die überarbeitete Version, und die Unabhängigkeitserklärung wurde zum Drucker geschickt. Im Gegensatz zu Jeffersons späterer Behauptung fand an diesem Tag keine zeremonielle Unterzeichnung statt.
Ellis: 1776, S. 79
Im Gegensatz zur Verabschiedung der Unabhängigkeitserklärung im Jahr 1776 wird es im Jahr 2026 zum 250. Bestehen der Vereinigten Staaten von Amerika landesweite Festivitäten geben. Schließlich hat die weltweit am längsten bestehende moderne Demokratie weiterhin Bestand. Das Buch „1776. Der Sommer der Revolution“ von Joseph J. Ellis sei dabei als historisches Bildungswerk allen an US-amerikanischer Geschichte interessierten Lesern empfohlen.
War John Adams im Kongress der zupackende Architekt der Bewegung für die Unabhängigkeit, so war Franklin der anerkannte Elder Statesman, ein oder zwei Generationen älter als die meisten Delegierten, der die Entschlossenheit eines frisch Konvertierten, das Gewicht seines Ruhms und sogar den Status eines Prominenten zu den Beratungen mitbrachte.Wenn Washington der neue amerikanische Held war, so war Franklin der vertrauteste und berühmteste Amerikaner des Jahrhunderts.
Ellis: 1776, S. 102
Vielen Dank an den Verlag C.H. Beck für die Zusendung eines Rezensionsexemplars. Weiterführende Informationen des Verlags (Klick hier).
Die offizielle Buchbeschreibung
Der Sommer 1776 veränderte die Welt: Er brachte die Geburtsstunde der amerikanischen Nation und der amerikanischen Demokratie. In den Monaten von Mai bis Oktober bildete sich ein Konsens für die amerikanische Unabhängigkeit heraus, und die größte Armada, die je den Atlantik überquerte, traf aus Großbritannien bei New York ein, um die Amerikanische Revolution im Keim zu ersticken. Pulitzer-Preisträger Joseph J. Ellis blendet zwischen den Schauplätzen hin und her, zeigt, wie sich die politische und militärische Entwicklung gegenseitig beeinflussten und lässt einen welthistorischen Moment wiederaufleben, als alles auch anders hätte kommen können.
«Dass wir den Ausgang der Amerikanischen Revolution kennen, hat uns für den problematischen Charakter dieses intensiven Moments blind gemacht, als alles auf dem Spiel stand, die Geschichte mit immer schnellerem Tempo ablief und beide Seiten – vor allem die Amerikaner – am Rand der Katastrophe improvisierten. Die Delegierten des Kontinentalkongresses und die Offiziere der Kontinentalarmee waren gezwungen, höchst folgenreiche Entscheidungen zu treffen, ohne die Folgen zu kennen. In diesem komprimierten Augenblick lebten sie nach den Worten von Adams ‹inmitten einer Revolution›, was fast per definitionem bedeutete, dass sie ihren Weg durch unerforschtes Gebiet nahmen.»
(Aus dem Vorwort)
Ein Beitrag von Politikwissenschaftler Kai-Uwe Hülss M.A.
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