Die Buchbesprechung: „Gefahr. Die amerikanische Demokratie in der Krise“ (Woodward, Costa)

Die Watergate-Affäre löste in den 1970er Jahren ein politisches Erdbeben aus, an deren Ende Präsident Richard Nixon zurücktrat. Die Hintergründe der Vielzahl an Regierungsmissbräuchen der Nixon-Administration wurden durch die Journalisten Bob Woodward und Carl Bernstein von The Washington Post aufgedeckt. The Washington Post wurde hierfür 1973 der renommierte Pullitzer-Preis verliehen. 

Woodward stieg im jungen Alter von nur 30 Jahren durch seine Recherchen zum Star seiner Branche auf. Ein Ruhm, der auch eine Bürde mit sich brachte. In den Jahren danach wurde es nämlich sichtlich ruhiger um den mittlerweile 79 Jahre alten Journalisten. Erst mit der Präsidentschaft von Donald Trump machte Woodward wieder über die Landesgrenzen hinaus auf sich aufmerksam. 

Mit „Furcht: Trump im Weißen Haus“,  „Wut“ und „Gefahr. Die amerikanische Demokratie in der Krise“ verfasste Woodward nämlich gleich drei Bücher über den 45. US-Präsidenten. Woodward scheinen skandalträchtige Präsidenten zu liegen. Letztgenanntes Buch verfasste er mit dem 36 Jahre alten Chefkorrespondenten für Wahlen und Kampagnen von CBS News, Robert Costa. Ein Alter, in der Woodward selbst schon zu weltweiter Bekanntheit gelang.

Entstanden ist ein in der deutschsprachigen Fassung im Carl Hanser Verlag erschienenes 560 Seiten starkes Buch über die herausforderndsten Wochen der jüngeren Demokratiegeschichte der Vereinigten Staaten von Amerika. Woodward und Costa ist ein Werk gelungen, welches dank einer Vielzahl an Interviews mit Beteiligten den Leser direkt in die Geschehnisse zwischen der Präsidentschaftswahl 2020 über den Sturm auf das Kapitol, der Amtseinführung von Joe Biden und dessen ersten Wochen als Präsident mitnimmt. 

Im Werk wird beispielsweise die Rolle des republikanischen Minderheitsführers im U.S. Senat Mitch McConnell detailliert herausgearbeitet. Der gewiefte Stratege sah frühzeitig als größtes Problem für die Wiederwahl des damaligen Präsidenten Trump dessen Persönlichkeit. Repräsentative Umfragen, die von Trumps Walkampagne in Auftrag gegeben wurden, bestätigten dies zudem wie Woodward und Costa in ihrem Buch vorlegen:

Wie wir es schon so oft gesehen haben, ist es nicht die Politik des POTUS, die das größte Problem verursacht, sondern es sind die Reaktionen der Wähler auf sein Temperament und Verhalten. (S. 110)

Biden hingegen führte eine smarte Kampagne, so McConnell. In Zeiten eines lautstarken Präsidenten zurückhaltend, zudem die Herausstellung als moderater Politiker. Mit anderen Größen in der Republikanischen Partei versuchte McConnell daraufhin Trump zu einem normaleren Verhalten zu bringen – vergeblich wie die Geschichte zeigen sollte. 

Einen zentralen Part in „Gefahr“ nimmt die Erstürmung des U.S. Kapitols vom 06. Januar 2021 durch Trumps extreme Anhänger ein. Woodward und Costa schildern gekonnt wie es zu diesen dramatischen Ereignissen, insbesondere auf Grund der unrühmlichen Rolle der Republikaner, welche Trump nicht einhegen konnten oder wollten, kam. Neben der Anstachelung der Demonstranten durch Trump unterschätzten Sicherheitskräfte die Gefahr ebenso wie die demokratische Bürgermeisterin von Washington D.C., Muriel Bowser

der District of Columbia fordert kein weiteres Personal der Bundespolizei an. (S. 298)

Woodward und Costa beschreiben in ihrem Werk neben dem Versagen der Republikanischen Partei auch die Inkonsequenz der Demokraten. Die demokratische Abgeordnete Elissa Slotkin gab dies beispielsweise im Gespräch mit dem Vorsitzenden des Vereinigten Generalstabs der Streitkräfte, Mark Milley, zu. Laut Woodward/ Costa soll sie davon gesprochen haben, dass sie im Jahr zuvor die Auflösung der teils gewalttätigen George-Floyd-Demonstrationen mit Beteiligung des Militärs noch abgelehnt habe, bei der Stürmung des Kapitols aber – verständlicherweise – den Einsatz der Nationalgarde forderte.

Im letzen Teil des Buches widmen sich die Autoren dem Beginn der Biden-Präsidentschaft. Die Entscheidungsfindung des Afghanistan-Abzuges wird hierbei ebenso detailliert dargestellt wie die Verabschiedung eines weiteren Hilfspakets zur Eindämmung der Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie.

Präsident Biden definierte daraufhin, auch auf Druck seines eigenen Teams, Überparteilichkeit neu. Diese beziehe sich von nun an auf Umfragen und Wähler, nicht mehr auf die Zusammenarbeit mit Republikanern am Capitol Hill. Geht diese Strategie nicht auf, hat Woodward im Jahr 2024 möglicherweise die Chance ein erneutes Buch über einen Skandal umwobenen Präsidenten zu verfassen.

Vielen Dank an den Carl Hanser Verlag für die Zusendung eines Rezensionsexemplars.  Weiterführende Informationen des Verlags (Klick hier).

 

Die offizielle Buchbeschreibung
Von Trump zu Biden: Wie geht es weiter in den USA? Watergate-Aufdecker Bob Woodward liefert erschütternde Blicke hinter die Kulissen. Das bleibende Buch über eine große Demokratie in der Krise

Es war einer der gefährlichsten Momente der US-amerikanischen Geschichte: der Übergang von Präsident Trump zu Präsident Biden. Die Bilder vom Sturm auf das Kapitol gingen um die Welt – sie sind das Symbol einer Demokratie in der Krise. Bob Woodward und Robert Costa erläutern ihre Hintergründe so klar wie nie zuvor. Sie haben Interviews geführt, Tagebücher, E-Mails, vertrauliche Telefonate und geheime Regierungsdokumente ausgewertet. Ihr Fazit: Was die USA bis heute durchmachen, ist mehr als eine nationale Unruhe. ,Gefahr‘ ist die erschütternde Reportage über das Ende einer Präsidentschaft und den Beginn einer neuen – das bleibende Buch über die großen Herausforderungen eines Landes, die auch den Rest der Welt noch lange in Atem halten werden.

Bildquellen: Creative-Commons-Lizenzen; Canva.com; eigene Grafiken

Ein Gedanke zu “Die Buchbesprechung: „Gefahr. Die amerikanische Demokratie in der Krise“ (Woodward, Costa)

  1. Zorn Dieter schreibt:

    Genauso wichtig wie der Sieg in einer Wahl, ist die dazu passende Geschichte. Die Buchbeschreibung klingt für mich genau so: Wie der gekonnte Versuch ein Narrativ zu schaffen, das „erklärt“, wie es trotz der schlechten Vorraussetzungen Bidens und der Democrats, zum haushohen Wahlsieg Bidens (sechs Millionen Stimmen mehr als der Wundertäter Obama) kommen konnte. Wozu gibt’s Journalisten, die ihr Handwerk verstehen? Die Geschichtsschreiber können ja erst fünfzig Jahre später Licht ins Dunkel bringen … Bis dort hat das Volk längst vergessen worum es überhaupt ging.

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