Buchtipp: „Becoming“ (Michelle Obama)

Erinnerungen von ehemaligen First Ladies sind in den Vereinigten Staaten garantierte Bestseller. So hat sich auch Michelle Obama nach ihrem Auszug aus dem Weißen Haus an die Arbeit gemacht und ihre Lebensgeschichte aufgeschrieben.

In „Becoming“ beschreibt Michelle Obama ihr Leben vor dem Einzug in das Weiße Haus und Erfahrungen mit Rassismus. Einblicke in ihr Privatleben mit Barack Obama bleiben dem Leser ebenso nicht verwehrt wie eine Kritik an Präsident Donald Trump.

Obwohl noch nicht im Handel, das 480 Seiten starke Werk erscheint erst am Dienstag, 13. November 2018, ist Obamas Buch schon jetzt ein Erfolg. Die Buchpräsentationen, die in großen Hallen stattfinden werden, sind größtenteils schon jetzt ausverkauft. Kein Wunder, tritt Michelle Obama jeweils mit weiteren Prominenten, zum Beispiel mit Oprah Winfrey, auf.


Das Buch ist hier bestellbar. 

Mit jeder Bestellung über oben genannten Link wird „1600 Pennsylvania“,
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Die offizielle Buchbeschreibung

An intimate, powerful, and inspiring memoir by the former First Lady of the United States

In a life filled with meaning and accomplishment, Michelle Obama has emerged as one of the most iconic and compelling women of our era. As First Lady of the United States of America—the first African-American to serve in that role—she helped create the most welcoming and inclusive White House in history, while also establishing herself as a powerful advocate for women and girls in the U.S. and around the world, dramatically changing the ways that families pursue healthier and more active lives, and standing with her husband as he led America through some of its most harrowing moments. Along the way, she showed us a few dance moves, crushed Carpool Karaoke, and raised two down-to-earth daughters under an unforgiving media glare.

In her memoir, a work of deep reflection and mesmerizing storytelling, Michelle Obama invites readers into her world, chronicling the experiences that have shaped her—from her childhood on the South Side of Chicago to her years as an executive balancing the demands of motherhood and work, to her time spent at the world’s most famous address. With unerring honesty and lively wit, she describes her triumphs and her disappointments, both public and private, telling her full story as she has lived it—in her own words and on her own terms. Warm, wise, and revelatory, Becoming is the deeply personal reckoning of a woman of soul and substance who has steadily defied expectations—and whose story inspires us to do the same.


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Die Zwischenwahl I: Resultate

Es war der teuerste Zwischenwahlkampf in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Mehr als $5 Milliarden Dollar investierten die Kandidaten in ihre jeweiligen Wahlkämpfe insgesamt. Doch daraus resultierte ein für midterms wenig spektakuläres Ergebnis.

Die demokratische Partei konnte wie erwartet zum ersten Mal seit acht Jahren die Mehrheit im U.S. Repräsentantenhaus zurückgewinnen. Die Partei von Präsident Donald Trump hält weiterhin eine Mehrheit im U.S. Senat.

Wahlbeteiligung

Für alle Beteiligten eine erfreuliche Nachricht ist die steigende Wahlbeteiligung. Nahmen vor vier Jahren gerade einmal ein Drittel der US-Amerikaner an den Zwischenwahlen teil, gaben in diesem Jahr 49 Prozent aller Wahlberechtigten ihre Stimme ab.

Ist die Basis der Partei, die gerade nicht den Präsidenten stellt, schon generell motivierter an den midterms teilzunehmen, wurde dies durch das demokratische Feindbild Donald Trump nochmals verstärkt. Zudem gesellte sich für Demokraten ein Motivationsschub durch die #MeToo-Bewegung hinzu.

Auf der anderen Seite schaffte es auch der US-Präsident diesmal seine Anhänger besser zu motivieren. Die Anschuldigungen um Richter Brett Kavanaugh ließ die konservativen US-Amerikaner ebenso an die Wahlurnen strömen.

U.S. Senat

Der U.S. Senat wurde zu einem Drittel neu gewählt. Die republikanische Partei konnte ihre Mehrheit im U.S. Senat verteidigen (51 Republikaner, 47 Demokraten, 2 Sitze werden noch ausgezählt). Zugute kam den Republikanern, dass von den 35 anstehenden Senatorenwahlen die demokratische Partei 26 Sitze verteidigen musste.

U.S. Repräsentantenhaus

Das U.S. Repräsentantenhaus wurde vollständig neu gewählt. Demokraten erreichten hierbei wenig überraschend erstmals seit acht Jahren eine Mehrheit. 228 Demokraten (+35 Sitze) stehen nun 200 Republikanern gegenüber. Sieben Sitze müssen noch ausgezählt werden.

Das Ergebnis liegt somit in der historischen Tradition von Zwischenwahlen. Seit dem Jahr 1910 hat die Partei des Präsidenten im Durchschnitt 33,6 Sitze im House verloren. Seit dem amerikanischen Bürgerkrieg konnte die Partei des Präsidenten gar nur dreimal Sitze hinzugewinnen. US-Amerikaner machen also von der Gewaltenteilung rege Gebrauch.

Kandidatenfeld

Das Kandidatenfeld bei den diesjährigen Zwischenwahlen war so divers aufgestellt wie noch nie. 272 der 964 Kandidaten waren Frauen. 215 Kandidaten gehörten einer ethnischen Minderheit an. Weitere 26 Kandidaten identifizierten sich als Homosexuell oder Transgender.

Diese Vielfältigkeit hatte zur Folge, dass mit 58% der Anteil von weißen Männern am Kandidatenfeld so gering war wie seit den letzten vier Wahlen nicht mehr. Weiße Männer waren unter den Kandidaten der demokratischen Partei mit einem Anteil von 41% sogar in der Minderheit.

Themen

Bei Zwischenwahlen sind die jeweiligen Kandidaten und regionale Themen sehr wichtig. Bei den überregionalen Themen dominierte die Gesundheitspolitik. 41% aller Wähler gaben an, dass die gesundheitspolitische Positionierung der Parteien für sie wahlentscheidend war. Steuerpolitik, Wahlkampffinanzierung und Migrationspolitik folgten abgeschlagen auf den Plätzen.

Die Zwischenwahlen erklärt

In den Vereinigten Staaten von Amerika finden alle zwei Jahre nach beziehungsweise vor einer Präsidentschaftswahl Zwischenwahlen statt. In diesem Jahr wird am Dienstag, 06. November 2018 gewählt. Doch was hat es damit eigentlich auf sich? #Blog1600Penn informiert euch!

Was sind Zwischenwahlen?

Bei den Zwischenwahlen, im Englischen als “midterms” bekannt, wird zu einem Drittel der U.S. Senat und das komplette U.S. Repräsentantenhaus neu gewählt. Des Weiteren finden zahlreiche Gouverneurswahlen statt.

Wie laufen die Wahlen zum U.S. Senat ab?

Jeder der 50 US-Bundesstaaten entsendet zwei Senatoren in die Hauptstadt. Steht die Wahl eines Senatssitzes an, wird folglich im betroffenen Bundesstaat abgestimmt. Gewählt ist, wer die relative Mehrheit aller abgegebenen Stimmen erhalten hat.

Wer kann zum U.S. Senator gewählt werden?

Jede Person, die seit mindestens neun Jahren die US-Staatsangehörigkeit besitzt, mindestens 30 Jahre alt ist und einen Wohnsitz in dem Staat hat, in dem man gewählt werden will.

Wie sehen die aktuellen Mehrheitsverhältnisse im U.S. Senat aus?

Die republikanische Partei besitzt eine knappe Mehrheit. 51 Republikaner stehen 47 demokratische und zwei unabhängige Senatoren gegenüber. Die beiden unabhängigen Senatoren stimmen in der Regel mit den Demokraten.

Welcher Wahlausgang wird für den U.S. Senat prognostiziert?

Es zeichnet sich zwar ein knappes Rennen ab. Doch es wird damit gerechnet, dass die republikanische Partei ihre Mehrheit verteidigen kann. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass 26 der 35 offenen Senatssitze Demokraten inne haben. Folglich hat die demokratische Partei weniger Chancen Sitze hinzuzugewinnen.

Welche Senatssitze gelten als stark umkämpft?

Beto O’Rourke fordert Senator Ted Cruz heraus.

Als stark umkämpft gilt der durch den Rückzug des republikanischen Senators Jeff Flake vakant werdende Sitz in Arizona. Zudem wird in Florida der demokratische Senator Bill Nelson durch den republikanischen Gouverneur Rick Scott herausgefordert.

Die Wahlausgänge der von Demokraten gehaltenen Senatorensitze in Indiana, Missouri und Montana gelten zudem als offen. Republikaner kämpfen um ihren Sitz in Nevada.

Im stark republikanisch geprägten Texas wird Senator Ted Cruz durch Beto O’Rourke herausgefordert. Der Demokrat konnte die Rekordsumme von mehr als 70 Millionen Dollar an Wahlkampfspenden einsammeln.

Wie laufen die Wahlen zum U.S. Repräsentantenhaus ab?

Es gibt 435 Wahlbezirke. Pro Bezirk wird ein Abgeordneter in das U.S. Repräsentantenhaus entsandt. Die Sitze im U.S. Repräsentantenhaus werden an die Bundesstaaten im Verhältnis ihrer Einwohnerzahl verteilt. Die Abgeordneten werden direkt vom Volk in einer relativen Mehrheitswahl gewählt.

Wer kann zum Abgeordneten im U.S. Repräsentantenhaus
gewählt werden?

Jede Person, die seit mindestens sieben Jahren die US-Staatsangehörigkeit besitzt, mindestens 25 Jahre alt ist und einen Wohnsitz in dem Staat hat, in dem man gewählt werden will, kann zur Wahl antreten.

Wie sehen die aktuellen Mehrheitsverhältnisse im
U.S. Repräsentantenhaus aus?

Republikaner halten eine deutliche Mehrheit. 240 republikanischen Abgeordneten standen zu Beginn der Legislaturperiode 194 Demokraten gegenüber.

Welcher Wahlausgang wird für das U.S. Repräsentantenhaus prognostiziert?

Es gilt als wahrscheinlich, dass Demokraten die Mehrheit übernehmen.

Was sind die zentralen Themen?

Die Zwischenwahlen sind vorwiegend durch regionale Themen und durch die Persönlichkeiten der jeweiligen Kandidaten geprägt. Bei überregionalen Themen liegt der Fokus auf der Gesundheitspolitik. Beispielsweise hatten die Hälfte aller Werbespots der Demokraten gesundheitspolitischen Bezug.

Wie verliefen vergangene Zwischenwahlen?

Bei Zwischenwahlen verliert in der Regel die Partei des Präsidenten. Seit dem Ende des US-amerikanischen Bürgerkrieges konnte diese lediglich in den Jahren 1934, 1998 und 2002 Sitze hinzugewinnen.

Im U.S. Repräsentantenhaus hat die Partei des Präsidenten seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges durchschnittlich 26 Sitze verloren. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die Wähler der Partei, die gerade nicht den Präsidenten stellt, motivierter sind, an den Wahlen teilzunehmen.

Bei den letzten Zwischenwahlen gab es eine Wahlbeteiligung von lediglich 36,4 Prozent.

Warum sind die Wahlen für Präsident Trump relevant?

Der US-Präsident wird oftmals als der “mächtigste Mann der Welt” dargestellt. In der Innenpolitik sind die Machtbefugnisse des Präsidenten durch Gewaltenteilung- und verschränkung jedoch eingeschränkt. Um nachhaltige Ergebnisse zu erzielen, ist das Weiße Haus auf eine Zusammenarbeit mit dem U.S. Kongress angewiesen.

Ist dieses Zusammenspiel schon alleine auf Grund der geringeren Fraktionsdisziplin als in Deutschland eine Herausforderung, wird dies durch eine Mehrheit für die konkurrierende Partei nochmals verstärkt.

Sollten Demokraten eine Mehrheit im U.S. Repräsentantenhaus stellen, darf sich die Trump-Administration auf einige Sonderermittlungen einstellen. Demokraten werden versuchen das Strategiebuch von Speaker Newt Gingrich (R) aus den 1990er Jahren gegenüber Präsident Clinton zu benutzen und das Weiße Haus mit Ermittlungen überziehen.

Diese können bis zu einem Amtsenthebungsverfahren führen. Voraussetzung wären stichhaltige Beweise eines Amtsmissbrauchs des Präsidenten. Eine Amtsenthebung von Präsident Trump ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht wahrscheinlich. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass hierfür eine Zweidrittel-Mehrheit im U.S. Senat nötig ist.



Dieser Artikel erschien auch auf der Seite von USA Tipps

#Blog1600Penn Update: Polarisierung nimmt neue Formen an

#Blog1600Penn bringt euch über die wichtigsten Ereignisse rund um US-amerikanische Politik der vergangenen Wochen auf den aktuellen Stand:

Staatsbürgerschaft durch Geburt auf dem Prüfstand

Wer in den USA geboren wird erhält automatisch die US-Staatsbürgerschaft. Dies gilt für Kinder von US-Amerikanern gleichermaßen wie für Migranten oder sogar Touristen. Präsident Trump will dies nun mit einem Erlass ändern. Ob er dafür jedoch überhaupt die Befugnis hat, ist fraglich, da das Geburtsrecht in der Verfassung festgeschrieben ist. Der scheidende Speaker Paul Ryan (R) hat sich zudem in dieser Frage gegen den Präsidenten gestellt.

Schüsse in Republikaner-Büro

Eine Person drang in das Büro der republikanischen Partei in Florida mit einer Schusswaffe ein und eröffnete das Feuer. Verletzt wurde niemand.

„Four shots fired into a Republican Party office in Florida“ (The Washington Post)

Attentat auf Synagoge

Bei einem Massaker in einer Synagoge in Pittsburgh fielen elf Personen zum Opfer. Es war der folgenreichste antisemitische Angriff in der Geschichte der USA. Im vergangenen Jahr stiegen antisemitische Gewalttaten in den USA um 57 Prozent.

Bombenfunde an Demokraten

Die gesellschaftliche und politische Polarisierung in den USA steigt seit Jahrzehnten kontinuierlich an. Bei einem Attentat auf republikanische Abgeordnete im vergangenen Jahr erreichte die Spaltung ihren vorläufigen gewaltsamen Höhepunkte. Bis am 24. Oktober 2018 mehrere Demokraten, unter anderem die Ex-Präsidenten Bill Clinton und Barack Obama, Briefsendungen mit Sprengstoff bekamen.

„Vanessa Trump details powder experience“ (Axios)

Tschechoslowakei spionierte Trump aus

Der kommunistische Geheimdienst StB der ehemaligen Tschechoslowakei spionierte in den späten 1980er Jahren Donald Trump aus. Der StB berichtete zudem direkt an den sowjetischen Geheimdienst KGB.

„Czechoslovakia ramped up spying on Trump in late 1980s, seeking US intel“
(The Guardian)

USA entsenden Truppen an Mexikanische Grenze

Tausende Mittelamerikaner haben sich auf dem Weg in Richtung USA gemacht. Präsident Trump versucht mit 5.200 zusätzlichen Soldaten an der Grenze zu Mexiko die potentiellen illegalen Einwanderer abzuschrecken.

Neue Geschlechterpolitik

Die Trump-Administration plant die Rücknahme der liberalen Geschlechterpolitik der Vorgängerregierung. Die Definition, welchem Geschlecht ein Mensch angehört, soll wieder allein auf den Geschlechtsorganen basieren, mit denen dieser geboren wurde. Proteste gibt es von Transgender-Personen und dem linken politischen Spektrum.

Trump stellt INF-Abrüstungsvertrag in Frage

Präsident Trump plant aus dem einst im Jahr 1988 in Kraft getretenen atomaren Abrüstungsvertrag (INF) zwischen den USA und Russland (ehemals Sowjetunion) auszusteigen. Russland halte sich, so die USA und die NATO, nicht mehr an den Vertrag. Russland hatte zuletzt neue Marschflugkörper mit dem Nato-Code SS-C-8 (Russisch: 9M729), die eine Reichweite von 2600 Kilometern haben sollen, entwickelt.

„Trumps klare Antwort“ (FAZ)
„Dass Trump den INF-Vertrag neu aushandeln will, ist nicht abwegig“ (NZZ)

Zweites Trump-Kim-Treffen wohl 2019

Das zweite Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-Un soll Anfang 2019 stattfinden.

Spannungen mit Saudi-Arabien

Der in den USA lebende Saudi-Arabische Journalist Kamal Kahoggi wurde im Konsulat seines Landes in Istanbul getötet. Auf Grund der Tatsache, dass Saudi-Arabien eine zentrale Rolle in der Nahostpolitik der USA spielt, hat die Ermordung eine umso höhere Brisanz.

„Saudi-Arabien bestätigt Tötung von Jamal Khashoggi“ (FAZ)

Warren geht ihrer Herkunft nach

Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren hat sich einem DNA-Test unterzogen. Dieser ergab, dass Warrens Erbgut zu 95% aus europäischer Abstammung besteht und die Senatorin mindestens einen (!) Ur-Einwohner im Stammbaum zu verzeichnen hat. Warren will mit diesem Test offensichtlich eine Diskussion darüber für den anstehenden Präsidentschaftswahlkampf umgehen.

„Elizabeth Warren Falls for Trump’s Trap—and Promotes Insidious Ideas About Race and DNA“ (The New Yorker)


LESEEMPFEHLUNGEN

Außenpolitik
„US-China tensions soar as ’new cold war‘ heats up“ (The Guardian)
„Deutschland droht, auf die Seite von Israels Feinden zu geraten“ (Welt)

Gesellschaftspolitik
„‘Transgender’ Could Be Defined Out of Existence Under Trump Administration“
(The New York Times)

Wirtschaftspolitik
„Chinas Wirtschaft wächst so langsam wie lange nicht mehr“ (FAZ)

HIGH FIVE mit Peter Beyer MdB: „Weiterhin das Gespräch mit Amerika suchen!“

Präsident Trump stellt seit Amtsantritt alte Handelsverträge, sicherheitspolitische Ausrichtungen und Allianzen auf den Prüfstand. „1600 Pennsylvania“ hat mit dem Transatlantik-Koordinator der Deutschen Bundesregierung, Peter Beyer MdB (CDU), über die transatlantischen Beziehungen in der „Ära Trump“ gesprochen.

Sie wurden in diesem Jahr zum Koordinator für die transatlantische Zusammenarbeit ernannt. Herzlichen Glückwunsch hierzu! Worin sehen Sie die größten gegenwärtigen Herausforderungen in Ihrem neuem Amt?

Unsere Beziehungen zu den USA sind die vielleicht wichtigsten, die Deutschland überhaupt zu einem einzelnen Land pflegt. Die Amerikaner sind unsere Freunde, mit denen wir grundlegende Werte teilen. Sie sind für die Erhaltung des Weltfriedens ebenso zentral wie für die globale Wirtschaftsordnung.

Peter Beyer, MdB, Transatlantik-Koordinator der Deutschen Bundesregierung

Ich habe selbst zwei Jahre in den USA verbracht und erfahren dürfen, wie nah unsere Länder einander sind und wie wichtig füreinander. Ich habe mich schon vor meiner Ernennung zum Transatlantik-Koordinator intensiv um die Beziehungen zu Amerika gekümmert, namentlich seit dem Jahre 2009, als ich zum ersten Mal in den Bundestag gewählt wurde.

Aber die gegenwärtige Lage ist doch eine ganz neue: Präsident Trump nimmt Deutschland und Europa zuweilen offenbar nicht als Verbündeten wahr, auch wenn immer wieder uneinheitliche Signale aus Washington kommen. Wir müssen in dieser Lage immer wieder erklären, was wir tun und wofür wir stehen, und es gibt Stellen, an denen müssen wir auch dafür einstehen, was wir für richtig halten – zum Beispiel das Nuklearabkommen mit dem Iran, das richtig ist und den Mittleren Osten sicherer macht, aus dem sich die Amerikaner aber unter Präsident Trump einseitig verabschiedet haben.

Diese Standfestigkeit sollte uns aber nicht davon abhalten, weiterhin aktiv das Gespräch mit Amerika zu suchen: Natürlich mit dem Präsidenten, aber Trump ist nicht Washington, und Washington ist nicht Amerika.

Meine Aufgabe ist es unter anderem, mit den Menschen jenseits der Hauptstadt, oder „beyond the beltway“, wie die Amerikaner sagen, in Kontakt zu kommen und zu erfahren, was sie bewegt und mit Ihnen auszuloten, wie Deutschland und Amerika weiterhin vertrauensvoll zusammenarbeiten können.

Das sind manchmal Geschäftsleute, so wie bei meinem letzten Besuch in North Carolina, wo beindruckend viele deutsche Mittelständler zum transatlantischen Handel beitragen. Oder die jüdischen Organisationen, mit denen ich in New York ihre Sorgen diskutiert habe über erstarkenden Rechtspopulismus auch in Deutschland. Und eben auch die deutsch-amerikanische Traditionspflege, wie bei der deutsch-amerikanischen Steuben-Parade im letzten Monat in Manhattan, die ich als Grand Marshal anführen durfte.

©Frank Nürnberger

Als Transatlantik-Koordinator bin ich übrigens auch für die deutschen Beziehungen zu Kanada zuständig, worüber ich mich besonders freue.

Warum sind die transatlantischen Beziehungen
so bedeutend?

Die älteste bis heute fortbestehende Demokratie der Welt ist unser Freund und Wertepartner, das heißt: Wir teilen mit den USA genau wie mit unseren anderen westlichen Partnern grundlegende Vorstellungen von Menschen- und Bürgerrechten, von der Würde des Einzelnen, von Freiheit und Demokratie und Marktwirtschaft.

Diese gemeinsame Grundlage zu betonen wird umso wichtiger, je mehr autoritäre Regime wieder auf die internationale Bühne drängen und versuchen, demokratische Verfasstheit, freie Wirtschaftsordnung und freies Denken in Frage zu stellen.

Unsere gemeinsamen ideellen Grundlagen müssen aber auch inneren Belastungsproben standhalten: Auf beiden Seiten des Atlantiks gibt es populistische Strömungen, welche die Abgrenzung zu Radikalen und zu Antidemokraten nicht schaffen. Diese Herausforderung müssen wir klar benennen, wir müssen uns ihr auch politisch stellen und Lösungen für die Probleme finden, welche die Menschen in unseren Ländern bewegen.

Der Begriff der „letzten verbliebenen Supermacht“ wird zwar oft verwendet, wir bedenken aber selten, was das wirklich für uns heißt: Die äußere, militärische Sicherheit Deutschlands und Europas lässt sich nur mit Hilfe der USA garantieren. Egal, ob es um die Landesverteidigung geht oder um Krisen in Syrien und Afghanistan: Wir brauchen die USA mit ihren konkurrenzlosen militärischen und nachrichtendienstlichen Fähigkeiten und ihrer Bereitschaft, diese im Ernstfall auch einzusetzen – für sich selbst, aber eben auch für die Sicherheit von uns Europäern.

Wenn Präsident Trump heute fordert, dass wir Europäer selbst mehr Geld für unsere Sicherheit ausgeben, dann finde ich: Das sollten wir tatsächlich tun, aber nicht, weil ein amerikanischer Präsident das möchte, sondern, weil es uns Deutsche und Europäer zu Hause sicherer macht und in der Außenpolitik handlungsfähiger.

Gleichzeitig sorge ich mich, dass der gleiche Präsident mehrfach die NATO und die Beistandsgarantie in Frage gestellt hat – wir verdanken diesem Bündnis das freie Westeuropa nach dem zweiten Weltkrieg, hätten ohne sie nicht 1989/90 die deutsche Einheit geschafft und danach nicht die Stabilisierung Ost- und Mitteleuropas. Die NATO in Frage zu stellen liegt nicht in unserem und nicht im amerikanischen Interesse – auch nicht als Verhandlungsposition.

Und schließlich: Unsere Wirtschaftsbeziehungen mit den USA. Der Handel zwischen EU und USA macht uns alle wohlhabender. Ich höre bei jedem Besuch bei Unternehmen hüben wie drüben erneut, wie wichtig freier Handel zwischen unseren Ländern ist.

Handel hilft denen, die im Ausland mehr Geld verdienen, genauso wie denen, die aus dem Ausland gute und günstige Waren kaufen können. Die USA mit ihrem einzigartigen Innovationspotential und den enorm profitablen Unternehmen der Digitalbranche müssen sich nicht sorgen, ins Hintertreffen zu geraten.

Höhere Zölle sind genau der falsche Weg. Europäer und Amerikaner verbinden gemeinsame handelspolitische Interessen, und ich hoffe, dass wir die Amerikaner letztendlich davon überzeugen können, auf diesen gemeinsamen Weg zurückzukehren. Jedenfalls haben mich die Ergebnisse des Treffens von Kommissionspräsident Juncker und Präsident Trump in dieser Hinsicht hoffnungsfroh gestimmt.

Außenminister Heiko Maas fordert mit einer “balancierten Partnerschaft” eine Neuausrichtung der Beziehungen zwischen der Europäischen Union und den USA. Wie stehen Sie zu den Vorschlägen des Außenministers?

Man sollte die Überlegungen von Heiko Maas nicht verwechseln mit einer neuen Amerika-Strategie der Bundesregierung. Der Bundesaußenminister hat aber Denkanstöße gegeben, die in die richtige Richtung gehen. Die Antwort auf America first muss Europe united lauten.

Aber wenn wir ein Netzwerk weiterer Wertepartner stärken, so sollte man das nicht als Antiamerikanismus missverstehen. Japan und Kanada können niemals unsere Partnerschaft mit den USA ersetzen, weder militärisch noch wirtschaftlich. Wer in das Maas’sche Papier zur Neuausrichtung der transatlantischen Beziehungen Antiamerikanismus hineinliest, liegt wirklich falsch.

Wir wenden uns nicht von den USA ab, und wir wenden uns nicht gegen sie. Es ist richtig, kritische Punkte anzusprechen, denn die gibt es nun einmal. Das mache ich bei meinen Begegnungen auch, beispielsweise in Gesprächen mit dem amerikanischen Botschafter.

Das Auswärtige Amt veranstaltet regelmäßig im Ausland Deutschlandjahre, um für die Bundesrepublik zu werben. Am 03. Oktober hat das Deutschlandjahr USA begonnen. Was erhoffen Sie sich von dieser Initiative?

Das Deutschlandjahr in den USA ist eine große Chance. Mit über 1.000 Projekten präsentieren wir Deutschland in den USA – gerade auch außerhalb der Ballungszentren an den Küsten. Die Projekte des Deutschlandjahres werden helfen, den Amerikanern Deutschland ins Bewusstsein zu rufen und in den Herzen der Menschen zu verankern.

Dabei zeigt es das moderne Deutschland in einer beeindruckenden Breite: Vom Nachhaltigkeits-Gipfel in Chicago, der Kinderuniversität, einem Filmfestival bis hin zu den mobilen Biergärten von „Wiesn in a box“ ist wirklich für jeden etwas dabei.

Gerade in transatlantisch schwierigen Zeiten ist es wichtig, unter dem Motto „Wunderbar Together“ den Amerikanern Deutschland nahezubringen und die gemeinsamen Chancen unserer Länder zu entdecken.

Vielen Dank für das Interview. 

Das Gespräch führte Kai-Uwe Hülss M.A.


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„1600 Pennsylvania“ wird von Politikwissenschaftler Kai-Uwe Hülss M.A. betrieben.
Ziel ist eine unaufgeregte und tiefgründige Berichterstattung
zur Politik des Weißen Hauses.