Stimmungsbarometer 05/2018: US-Bevölkerung lehnt #IranDeal ab

#Blog1600Penn versorgt euch mit den aktuellsten repräsentativen Umfragen rund um US-amerikanische Politik (Pfeil nach oben/unten: Wert ist zum Vormonat gestiegen/hat abgenommen):


Leseempfehlungen

„Trump Viewed Less Negatively on Issues, but Most Americans Are Critical of His Conduct“ (Pew Research Center)
„Public Is Skeptical of the Iran Agreement – and Trump’s Handling of the Issue“ (Pew Research Center)
„Americans are generally positive about free trade agreements, more critical of tariff increases“ (Pew Research Center)
„Most U.S. Muslims observe Ramadan by fasting during daylight hours“ (Pew Research Center)


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Richard Grenell – Trumps Stimme in Berlin

Hillary Clinton verglich er vom Aussehen her mit der zehn Jahre älteren Madeleine Albright. Die ehemalige First Lady Michelle Obama beschrieb er als „schwitzend im Ostsaal“ des Weißen Hauses. Selbst das Gewicht des ehemaligen republikanischen Sprechers des Repräsentantenhauses, Newt Gingrich, machte er zum Thema.

Medien, Frauen, Demokraten und gar republikanische Parteikollegen: Vor den Tweets von Richard Grenell ist niemand sicher. Nahezu 1000 dieser Kurznachrichten waren gar derart beleidigend, dass diese von ihm gelöscht werden mussten.

Dies war vor Dienstantritt als außen- und sicherheitspolitischer Sprecher des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney im Jahr 2012. Das Arbeitsverhältnis sollte jedoch nur wenige Wochen halten. Zu groß war der Aufschrei der christlichen Rechten gegen den offen homosexuell lebenden Grenell.

Solch kurzes berufliches Gastspiel des 1966 in Michigan geborenen Grenell bildet jedoch die Ausnahme. Als Sprecher von insgesamt vier US-Botschaftern bei den Vereinten Nationen diente der Masterabsolvent in Public Administration an der Harvard Kennedy School in dieser Rolle seinem Land für insgesamt sieben Jahre. Ein Rekord.

Auch im politischen Geschäft steht Grenell für Treue. Sehr früh unterstützte er Donald Trump im Präsidentschaftswahlkampf und verteidigte den Immobilienmogul, unter anderem als Fox News Kommentator, in denkwürdigen und skandalträchtigen Auseinandersetzungen mit Parteikollegen und der Demokratin Hillary Clinton.

Botschafter Richard Grenell

Für dieses Verhalten wurde Richard Grenell, 2013 noch am Non-Hodgkin-Lymphom erkrankt, vom 45. US-Präsidenten belohnt. Vor über einem Jahr nominierte Präsident Trump Grenell als US-Botschafter in Deutschland. Dass die Bestätigung durch den U.S. Senat sich bis Ende April diesen Jahres hinzog hat nicht zuletzt mit seinen extremen politischen Ansichten und oben genannter Ausfälligkeiten zu tun.

Wie sollte es anders sein begann Botschafter Grenell seinen ersten Arbeitstag mit einem polarisierenden Tweet. Die deutsche Wirtschaft solle auf ihre Geschäfte mit dem Iran verzichten. In einem Interview mit einer großen deutschen Zeitung unterstrich er diese Aussage mit der Frage: „Oder wollen Sie mit einer Bedrohung Geschäfte machen?“

Der Aufschrei deutscher Politik und Medien folgte umgehend. Im Umgang mit dem neuen US-Botschafter sollte sich Deutschland abgewöhnen so dünnhäutig zu agieren, wie auch Constanze Stelzenmüller von der Brookings Institution in der Washington Post betont.

Denn Richard Grenell ist ein Mann des klaren Wortes. Ganz im Sinne seines Vorgesetzten im Weißen Haus. „Diplomat zu sein, bedeutet für mich Klartext zu sprechen – gerade gegenüber Freunden“, so Grenell. Der neue US-Botschafter in Deutschland verkörpert weniger einen klassischen Diplomaten. Vielmehr ist er die authentische Stimme des in Deutschland „noch unverstandenen“ (O-Ton Grenell) Präsidenten Trump.


Bildquelle: https://bit.ly/2IkTL4E


USA verlassen Atomabkommen mit dem Iran

Nach dem Pariser Klimaabkommen verlassen die USA auch das Atomabkommen mit dem Iran. Mit dem Aussprechen von Sanktionen gegen den Iran löst Präsident Trump ein weiteres Wahlversprechen ein. Die republikanische Basis sowie Israel jubeln über diese Entscheidung.

Beide Gruppen warnen seit Beginn der Verhandlungen über das Abkommen vor einer Appeasement-Politik gegenüber dem Mullah-Regime. Eine Politik der Zugeständnisse, Zurückhaltung, Beschwichtigung und des Entgegenkommens sei schon gegenüber Hitler-Deutschland gescheitert.

Zwar sind durch das Abkommen die aktiven Bestrebungen des Irans eine Atommacht zu werden zumindest mittelfristig auf Eis gelegt worden. Nach Auslaufen des Abkommens besteht jedoch für den Iran die Möglichkeit in kürzester Zeit zur Atommacht aufzusteigen.

Ebenso stellt Teheran den weltweit größten Terrorsponsor dar. Folglich sind die Bedenken gegenüber dem Atomabkommen und der Glaubwürdigkeit des Iran berechtigt. Zumal der Deal zwar erstmals Inspektionen der IAEO zuließ, diese allerdings nicht ausreichend sind.

Weitaus kritischer sehen die Abkehr vom Iran-Abkommen die demokratische Partei und die europäischen Verbündeten. Die Gründe sind auch im Lager der Abkommenbefürworter vielfältiger Natur. Einerseits gibt es gegenwärtig keinen Plan B des Westens gegenüber dem Iran. Zudem steigt mit dem Aufkündigen des Abkommens die Gefahr einer direkten militärischen Auseinandersetzung zwischen dem Iran und Israel – vorwiegend auf syrischem Staatsgebiet.

Andererseits wird die iranische – und passiv auch die europäische – Wirtschaft unter neuen US-Sanktionen zu leiden haben. So wird ein Anstieg des Erdölpreises sowie eine ökonomische Krise im Iran erwartet. Dies wiederum könnte zur Folge haben, dass Präsident Rouhani, der im Westen fälschlicherweise als moderat dargestellt wird, gestürzt wird. Eine noch radikalere iranische Regierung und eine noch aggressivere Außenpolitik  wären das Ergebnis.

Es gibt somit gute Gründe für und gegen das iranische Atomabkommen. Der Konflikt mit dem Iran war jedoch auch mit dem Abkommen weder langfristig noch nachhaltig gelöst. Genannte sicherheitspolitische Herausforderung ist mit Trumps Abkehr vom Iran-Deal wieder auf der Tagesordnung des Westens. In Israel und Nahost verschwand die Angst vor einer iranischen Atommacht nie.


Reaktionen


Die Rede von Präsident Trump in voller Länge

Bildquelle: https://bit.ly/2K1R5JU

HIGH FIVE Spezial: Der Nahostkonflikt (3. Teil)

In der Interviewreihe zum Nahostkonflikt werden Vertreter der großen deutschen Stiftungen mit einem Büro in Israel und/oder Palästina befragt. Nachdem schon die Meinungen des liberalen und konservativen Spektrums abgedeckt wurden, kommt im dritten Teil mit Tsafrir Cohen der Direktor der linken Rosa-Luxemburg-Stiftung in Israel zu Wort.

Welche expliziten Auswirkungen konnten Sie in Israel/ Palästina nach der Entscheidung von Präsident Trump die US-Botschaft von Tel-Aviv nach Jerusalem zu verlegen beobachten?

Tsafrir Cohen

Trumps Entscheidung schlug nicht so hohe Wellen wie im – westlichen – Ausland. Dort wurde sie als spektakulärer Schritt hin zur Beendigung der Zweistaatenlösung wahrgenommen. Der Aufbau zweier unabhängiger Staaten war bis dahin sowohl in großen Teilen der internationalen Gemeinschaft als auch unter den wichtigsten Repräsentanten der Konfliktparteien und deren Bevölkerungen als bevorzugte Option durchgesetzt, den israelisch-palästinensischen Konflikt dauerhaft zu regeln.

Dennoch hat Trumps Entscheidung handfeste Folgen. Diejenigen Kräfte, die die Zweistaatenlösung zugunsten einer einseitig von Israel festzulegenden Lösung begraben möchten, gehen hieraus gestärkt hervor, da mit der Entscheidung Trumps die bis dato einheitlich Position zugunsten einer Zweistaatenlösung bröckelt.

Sie gehen davon aus, das Trump ihnen eine Carte blanche ausgestellt hat. Folglich wird nun offensiver denn je eine Politik betrieben, die dazu führen wird, dass es zwischen dem Mittelmeer und dem Jordan permanent nur einen Souverän geben wird: Israel.

Die Palästinenser werden in dichtbevölkerte, voneinander getrennte Enklaven gedrängt, die die Palästinenser Staat oder auch Imperium werden nennen können, die aber von Israel durchgehend kontrolliert und von Israels gutem Willen und Kapricen abhängig sein werden.

Gleichzeitig führt Trumps Entscheidung insgesamt zu einer Ernüchterung bei den verbliebenen Friedenswilligen in Israel – aber auch weltweit. Ihr Vertrauen in ein internationales Engagement auf staatlicher Ebene zugunsten einer friedlichen Lösung ist merklich gesunken.

Was ist Ihrer Meinung nach das größte Hindernis auf dem Weg zu Frieden im Nahen Osten?

Die israelische Weigerung die Kontrolle über die Palästinenser aufzugeben und einen souveränen, lebensfähigen palästinensischen Staat zu ermöglichen. Stattdessen befördert Israels Regierung die sich vertiefenden Kolonisierungsprozesse in Form von völkerrechtswidrigen israelischen Siedlungen.

Jede ernst zu nehmende politische Lösung muss auf den Prinzipien der Gleichberechtigung und Selbstbestimmung beruhen und die Völker einer historischen Aussöhnung näherbringen. Woran es fehlt, ist der politische Wille, eine wie auch immer im Detail geartete Regelung durchzusetzen.

Dabei muss sich das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Akteure verändern. Hierfür wären drei Akteure nötig:

Die israelische Journalistin Amira Hass erinnert uns daran, dass koloniale Prozesse so gut wie immer durch den Widerstand der indigenen Bevölkerung enden. Sprich die Palästinenser müssten mit einer kräftigen und geeinten Stimme sprechen können und Widerstand effektiv gestalten.

Dann müsste sich eine innerisraelische Opposition zu einer echten Alternative zur jetzigen Regierung entwickeln. Dazu gehört vor allem eine Arbeitspartei, die einer noch friedenswilligen Bevölkerungsmehrheit reinen Wein einschenkt und sich klar zu einer progressiven Front mit der palästinensischen Minderheit in Israel bekennt.

Dem Ausland schließlich, allen voran den westlichen Alliierten Israels, fiele angesichts der tiefen Asymmetrie des Konflikts eine gewichtige Rolle zu, nämlich den notwendigen politischen Willen bei den Konfliktparteien zu mobilisieren. Blutleere Plädoyers für eine Zweistaatenregelung reichen hier mitnichten aus. Vor allem die Länder, die Einfluss auf Israel haben, müssen konkrete und verbindliche Maßnahmen ergreifen, welche dem Friedensprozess eine neue Dynamik verleihen können.

Weder Präsident Trumps Bemühungen um einen „Friedensdeal“, noch die Hilfsgelder der EU werden zielführend sein, wenn sie nicht von einem grundsätzlich veränderten Umgang mit den Konfliktparteien begleitet werden. Dazu gehören die Vorgabe von Parametern für eine Verhandlungsregelung durch den Sicherheitsrat, eine robuste Vermittlung, Sicherheitsgarantien, aber auch konkrete Maßnahmen im Falle von Nichtkooperation.

Vielen Dank für das Interview. 

Das Gespräch führte Kai-Uwe Hülss M.A.

#Blog1600Penn Update: Schonfrist für EU im Handelsstreit verlängert

#Blog1600Penn bringt euch über die wichtigsten Ereignisse rund um US-amerikanische Politik der vergangenen Wochen auf den aktuellen Stand:

Handelsstreit

Die Schonfrist für die Europäische Union, Kanada und Mexiko im Handelsstreit ist bis Juni verlängert worden. Ursprünglich sollten zum 1. Mai höhere Zölle auf Einfuhren von Stahl und Aluminium in die USA in Kraft treten.

Merkel zu Gast im Weißen Haus

Die deutsche Bundeskanzlerin Merkel war zu Gast bei US-Präsident Trump im Weißen Haus. Die gemeinsame Pressekonferenz:

„Deutschland hat sich die Watschen von Trump verdient“ (Die Welt)

Trump besucht Großbritannien

Präsident Trump wird am Freitag, 13. Juli 2018 erstmals Großbritannien besuchen.

Macron zu Gast in Washington D.C.

Der französische Präsident Macron war für drei Tage auf Staatsbesuch in den USA. Der Empfang im Weißen Haus:

Macron hielt des Weiteren eine Rede vor dem U.S. Kongress. Die Rede in voller Länge:

Neue deutsche Botschafterin in den USA

Der deutsche Botschafter in den USA, Peter Wittig, wird zukünftig die Bundesrepublik in Großbritannien vertreten. Als neue Botschafterin in Washington D.C. wurde Emily Haber berufen.

Nordkorea-Gespräche begonnen

Zwischen den Vereinigten Staaten und Nordkorea haben direkte Gespräche auf höchster Ebene begonnen. So traf der neue US-Außenminister, zum Gesprächszeitpunkt noch als amtierender CIA-Direktor, Mike Pompeo in Pjöngjang mit Kim Jong-Un zusammen.

Zudem trafen sich der nordkoreanische Diktator Kim Jong-Un und der südkoreanische Präsident Moon zu Friedensgesprächen. Hierbei wurde ein baldiges formales Ende des Kriegszustandes beider Länder sowie eine Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel vereinbart.

„North Korea’s nuclear ambitions met their match in President Donald Trump“ (NBC News)

Barbara Bush verstorben

Die ehemalige First Lady Barbara Bush ist im Alter von 92 Jahren verstorben. 

Comey-Interview

Der ehemalige FBI-Chef James Comey hat in einem Interview Präsident Trump scharf kritisiert.

Speaker Ryan zieht sich zurück

Der Sprecher des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, wird bei den Zwischenwahlen nicht mehr kandidieren. Ryan ist der einflussreichste Republikaner im U.S. Kongress.

Giftgasattacke in Syrien

In Syrien hat sich eine weitere mutmassliche Giftgasattacke durch das Assad-Regime ereignet. In der Stadt Duma wurden 42 Menschen getötet, mehr als 500 Personen wurden verletzt. Nachdem eine von den USA, Frankreich und Großbritannien einberufene Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates keine Ergebnisse brachte, folgte ein gezielter Vergeltungsschlag auf Chemiefabriken.

„In Wahrheit geht es Trump um den Iran“ (DW)
„Ein notwendiges Signal, aber Asad bleibt ungeschoren“ (NZZ)
„Wolfgang Ischinger: ‚Wir stehen vor einem Scherbenhaufen westlicher Syrien-Politik'“ (Deutschlandfunk)
„Die deutsche Debatte um den Syrien-Angriff ist beschämend“ (Tagesspiegel)

FBI durchsucht Räume von Trump-Anwalt

Das FBI hat das Büro und Hotelzimmer von Michael D. Cohen, langjähriger Anwalt von Donald Trump, durchsucht.

China verbietet Bibel-Verkauf

Das kommunistische Regime in China hat den Online-Verkauf der Bibel verboten. Im Gegensatz zur Europäischen Union haben sich die USA deutlich gegen diese Maßnahme ausgesprochen:

Zuckerberg sagt vor U.S. Kongress aus

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat vor dem U.S. Kongress bezüglich dem „Datenskandal“ um Cambridge Analytica ausgesagt. Höhepunkte:

„Big Data, Trump und Cambridge Analytica“ (Mario Voigt)
„Der Facebook-Skandal, aber sortiert“ (Medium)

Ostern im Weissen Haus

Zu Ostern fand das traditionelle „Easter Egg Roll“ im Weißen Haus statt. US-Amerikaner wurden neben einer Ostereiersuche zu zahlreichen Attraktionen rund um das Weiße Haus begrüßt.


Leseempfehlungen

„Ausgerechnet Trumps Amerika hat die weltweit beste Klimabilanz“ (Die Welt)
„Zeit für ein transatlantisches Freihandelsabkommen 2.0?“ (Atlantik-Brücke)
„Are Democrats finally ready to unfriend Facebook and Silicon Valley?“ (The Guardian)