„1600 Pennsylvania“ informiert über die aktuellsten repräsentativen Umfragen rund um US-amerikanische Politik (Pfeil nach oben/unten: Wert ist zum Vormonat gestiegen/hat abgenommen). Quellen, falls nicht anders angegeben, sind die auf Real Clear Politics veröffentlichten Durchschnittswerte der wichtigsten Umfrageinstitute.
Repräsentative Umfragen aus D.C.
Weitere repräsentative Umfragen
Nicht-repräsentative Umfrage auf X
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Eine starke politische Mitte ist der Garant für eine jede stabile Demokratie. In der Bonner Republik nahmen diese Rolle die Volksparteien CDU/CSU und SPD ein. In der Berliner Republik gerät diese Stabilität durch das Erstarken der politischen Ränder, deren Parteien bei der Bundestagswahl 2025 auf insgesamt 34,5% der abgegebenen Stimmen kamen, ins Wanken. Damit geht die liberale Demokratie der Bundesrepublik Deutschland in eine ebenso ungewisse Zukunft wie dies bereits in zahlreichen anderen Staaten der Europäischen Union der Fall ist.
62% der US-Amerikaner sind unzufrieden mit dem Zustand der Demokratie in ihrem Land. 39% der Deutschen teilen diese Auffassung in Bezug auf ihr Land.
Quelle: Pew Research Center.
In den USA dominieren zwar weiterhin Demokraten und Republikaner das politische Geschehen, was primär am Wahlsystem der USA begründet liegt. Doch beide Parteien machen einen Radikalisierungsprozess in sich selbst durch. Die Republikanische Partei rückte in den vergangenen Jahrzehnten sehr viel stärker nach rechts, die Demokratische Partei nach links. Eine Studie des Pew Research Center untermauert diesen Trend: Waren in der Legislaturperiode 1971 – 1972 noch 160 Abgeordnete mit moderaten politischen Einstellungen am Capitol Hill vertreten, ist dies gegenwärtig nur noch bei rund zwei Dutzend Mitgliedern des U.S. Kongresses der Fall.
Trump und Sanders: Zwei Seiten der gleichen Medaille
Die Übernahme der Republikanischen Partei durch Donald Trumpist infolgedessen „nur“ die Auswirkung des oben genannten langjährigen Prozesses einer steigenden Polarisierung im Land. Doch auch die Demokratische Partei ist nicht immun gegen radikale Kräfte in ihren eigenen Reihen. War die Tea Party die Antwort auf die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 und in den folgenden Jahren von Seiten des rechten politischen Spektrums, entstand von Links die Occupy Wall Street Bewegung. Aus der Tea Party ging später Trumps MAGA-Bewegung hervor. Auf der Welle von Occupy Wall Street ritt für seine Verhältnisse vergleichsweise erfolgreich der Sozialist Bernie Sanders durch die demokratischen Präsidentschaftsvorwahlen 2016 und 2020.
Wie Trump wettert auch U.S. Senator Sanders gegen den politischen Mainstream und gegen das sogenannte Establishment. In der vergangenen Dekade traf der, im Gegensatz zu Trump, seit mittlerweile vier Jahrzehnten als Berufspolitiker tätige Sanders oftmals den Nerv von insbesondere jungen, linksliberalen US-Amerikanern. Der späte Hype um den heute 83-jährigen unabhängigen U.S. Senator aus Vermont ebnete wiederum den Weg für jüngere, radikale Kräfte innerhalb der Demokratischen Partei.
Sanders ebnete den Weg für radikale Nachwuchsdemokraten
Gleichwohl U.S. Senator Sanders im Vorwahlkampf des Jahres 2016 Hillary Clinton das Leben schwer machen konnte, unterlag er doch der Kandidatin des Establishments. Dennoch: Die demokratische Basis war seitdem regelrecht elektrifiziert, durchgerüttelt. Ein wahres innerparteiliches Erdbeben erfolgte sodann zwei Jahre später. Der an vierter Stelle in der demokratischen Parteiführung des U.S. Repräsentantenhauses positionierte Joe Crowley verlor nämlich im Juni 2018 die Vorwahl um den Abgeordnetenposten für den 14. Kongresswahlbezirk von New York. Die bis dahin unbekannte Kellnerin puerto-ricanischer Abstammung Alexandria Ocasio-Cortez setzte sich durch und vertritt seitdem ihren Wahlbezirk als Abgeordnete im U.S. Kongress.
Sieben Jahre später ist AOC, wie Ocasio-Cortez von ihren Anhängern liebevoll abgekürzt genannt wird, eine der prominentesten und polarisierendsten Demokratinnen am Capitol Hill. Um sie herum hat sie eine Scharr ähnlich denkender Politiker gescharrt. The Squad ist dem progressiven, sehr linken Flügel der Demokratischen Partei zuzuordnen. Die Mitglieder dieser losen Gruppe bezeichnen sich als sogenannte Demokratische Sozialisten, freilich ein Oxymoron, und stehen zumeist der antizionistischen BDS-Bewegung nahe. Nach dem erneuten Wahlsieg von Trump tourten AOC und U.S. Senator Sanders unter dem Motto Fighting Oligarchy gemeinsam durch die USA, um für ihre Ideen zu werben und gegen die zweite Amtszeit des MAGA-Republikaners zu mobilisieren.
Wahl Mamdanis ist der vorläufige Gipfel linker Radikalität
Konnte Joe Biden während seiner Präsidentschaft den Einfluss radikaler Kräfte in seiner Partei noch weitestgehend eingrenzen, hat nach dem Verlust des Weißen Hauses und der Mehrheiten im U.S. Kongress der innerparteiliche Machtkampf bei den Demokraten begonnen. Einen ersten Fingerzeig hinsichtlich zukünftiger Machtverhältnisse gab die demokratische Vorwahl zur Bürgermeisterwahl von New York City. Das Establishment in Form von Andrew Cuomo, ehemaliger skandalumwobener Gouverneur von New York, verlor vergleichsweise deutlich gegen den Sozialisten Zohran Mamdani.
Mamdani wurde vor 33 Jahren in Uganda in einen wohlhabenden Haushalt, der Vater ist Politikwissenschaftler und die Mutter Filmregisseurin, hineingeboren. Der Muslim engagierte sich schon als Student der Afrikastudien für ein sogenanntes freies Palästina oder deutlicher formuliert: Für die Auslöschung Israels. Dass er dennoch den Vorwahlkampf für sich entscheiden konnte und nun als Favorit auf den Wahlsieg gegen den Amtsinhaber und geschassten Demokraten Eric Adams gilt, liegt an seiner Art des Wahlkampfs.
Die politische Mitte sollte lernfähiger werden
Denn trotz aller berechtigten Kritik interessierte sich Mamdani im Vorwahlkampf immerhin glaubwürdig für die Sorgen der Bürger. Während Cuomo teure Werbespots ausstrahlte, machte Mamdani einen klassischen Haustürwahlkampf, sprach mit den Bewohnern New Yorks und fokussierte sich auf die Lösung drängender Herausforderungen wie den Anstieg der Lebenshaltungskosten.
Dass dessen sozialistisch anmutenden Ideen (Mietendeckel, „kostenloser“ ÖPNV), wie der Hedgefondsmanager Daniel Loeb Mamdanis Pläne beschrieb, freilich keine nachhaltige Verbesserungen mit sich bringen würden, müsste eigentlich der politischen Mitte in die Hände spielen. Doch hierfür müsste diese aus vergangenen Fehlern lernen, reale Probleme adressieren, nachhaltige Lösungen anbieten. Ansonsten ist mit weiteren Wahlerfolgen extremer Politiker zu rechnen. Die Stabilität liberaler Demokratien wäre damit noch stärker bedroht als dies ohnehin schon heutzutage der Fall ist.
Ein Beitrag von Kai-Uwe Hülss M.A. Bildquellen: Creative-Commons-Lizenzen (via Google); Canva.com; eigene Grafiken. Zur besseren Lesbarkeit von Personenbezeichnungen und personenbezogenen Wörtern wird in der Regel die männliche Form genutzt. Diese Begriffe gelten für alle Geschlechter.
Als Joe Biden am 20.01.2021 zum 46. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt wurde, krönte der Demokrat seine zum damaligen Zeitpunkt schon 48 Jahre andauernde politische Karriere. Mit seinen 79 Jahren war Biden zudem die älteste Person, die jemals in das Weiße Haus einzog. Fragen ob des voranschreitenden Alters des Mannes aus Wilmington, Delaware, stellten sich schon im Vorwahlkampf, wurden jedoch auf Grund der ausgebrochenen Coronavirus-Pandemie in den Hintergrund gestellt. Ohnehin sollte Biden aus Sicht vieler demokratischer Parteikollegen nur als Übergangspräsident seinem Land dienen, um die Polarisierung in den USA etwas einzudämmen und das Land vor einer zweiten Amtszeit von Donald Trump zu bewahren.
Mit seinem Sieg bei der Präsidentschaftswahl 2020 löste Biden zumindest letzt genannte Hoffnung des liberalen Amerika ein. Doch einmal an der Macht, konnte er trotz eines für jeden neutralen Beobachter offensichtlich schlechter werdenden Gesundheitszustands nicht mehr davon lassen. Unterstützt wurde Biden dabei von zahlreichen freundlich gesinnten Medien, die kritische Nachfragen in Bezug auf den Alterungsprozess des Demokraten als republikanische Verschwörungstheorie abtaten. Nachfolgend angeführtes Statement des deutschen US-Korrespondenten Elmar Theveßen war, wenngleich für den innenpolitischen Prozess in den USA mangels Bedeutung irrelevant, letztendlich ein Sinnbild für die Arbeit vieler Medienvertreter, die viel zu oft weder unparteiisch noch faktentreu berichteten.
Joe Biden– hat man das Gefühl – sitzt ein Stückchen fester im Sattel.
Elmar Theveßen, US-Korrespondent für das ZDF. Drei Tage später sollte Präsident Biden seine Kandidatur aufgeben.
Es folgte die Ausrufung der Wiederwahlambitionen von Biden – und die wohl größte Demontage eines amtierenden Präsidenten inmitten seiner Wiederwahlkampagne. Als negativer Höhepunkt gilt vor diesem Hintergrund die desaströse Fernsehdebatte von Biden gegen Trump. Auch wenn das Weiße Haus und der Kampagnenarm der Partei selbst diese Tatsache nicht anerkennen wollten (siehe nachfolgenden Post auf X), konnten auch den Demokraten zugeneigte Medienvertreter diesen Auftritt kaum noch schönreden. Drei Wochen später beendete nach immensem innerparteilichem Druck Präsident Biden seine Wiederwahlkampagne.
Mit dem oben beschriebenem Versagen der Medien sowie der Rolle des Weißen Hauses und der Demokratischen Partei in Bezug auf die zunehmende gesundheitliche Verschlechterung von Biden befasst sich das Werk „Hybris. Verfall, Vertuschung und Joe Bidens verhängnisvolle Entscheidung“. Die renommierten Journalisten Jake Tapper (CNN) und Alex Thompson (Axios) liefern in der deutschsprachigen Ausgabe auf 400 Seiten spannende Einblicke in die wohl größte US-amerikanische Tragödie der vergangenen Jahrzehnte.
Dabei sind die Autoren, die eher dem liberalen Spektrum zuzurechnen sind, durchaus selbstkritisch. Gleich zu Beginn ihres Werkes machen sie beispielsweise öffentlich, dass sie mit den meisten ihrer zahlreichen Quellen, mit denen sie für das in der dtv Verlagsgesellschaft erschienene Buch mit Hintergrundwissen füllen konnten, erst nach der Präsidentschaftswahl sprechen konnten. Doch auch ohne dieser Quellen stellen Tapper und Thompson fest, dass „das eigentliche Problem (…) nicht sein [Biden; Anm. d. Verf.] Alter als solches [war]. Es waren die klar erkennbare Verminderung seiner Fähigkeiten, die im Verlauf seiner Amtszeit immer deutlicher wurde“ (Jake Tapper/ Alex Thompson: „Hybris. Verfall, Vertuschung und Joe Bidens verhängnisvolle Entscheidung“, S. 18).
Bidens Berater räumten ein, dass die Corona-Pandemie (…) das Beste war, was Biden und seinen Hoffnungen auf das Präsidentenamt hätte passieren können.
Tapper/ Thompson: „Hybris“, S. 41.
Weshalb Biden dennoch so lange an seiner Wiederwahlkampagne festhalten konnte, versuchen die Autoren in ihrem sehr lesenswerten Werk herauszuarbeiten. Als Gründe nennen Tapper und Thompson einerseits eine ungewöhnlich hohe Loyalität gegenüber dem 46. US-Präsidenten. Andererseits scheint es „für Angehörige und enge Mitarbeiter (…) eine[n] nahezu religiösen Glauben an die Fähigkeit Bidens, sich wieder aufzurappeln“ (Tapper/ Thompson: „Hybris“, S. 31) gegeben zu haben.
Dies sind nur zwei Hintergründe, mit dem die Autoren die Begebenheiten im Weißen Haus unter Präsident Biden herausgearbeitet haben. Viele dieser Sachverhalte waren bereits bekannt, wurden jedoch zumeist medial nahezu außer Acht gelassen. Andere Punkte geben das Innenleben in die Machtverhältnisse in Washington D.C. zu Beginn dieses Jahrzehntes sehr gut wieder. Summa summarum macht dies alles „Hybris“ zu einem lesenswerten und kurzweiligen Werk, um auf das Ende der Amtszeit des bis dato ältesten amtierenden Präsidenten zurückzublicken.
Vielen Dank an die dtv Verlagsgesellschaft für die Zusendung eines Rezensionsexemplars. Weiterführende Informationen des Verlags (Klick hier).
Die offizielle Buchbeschreibung
»Biden, seine Familie und sein Team haben sich von ihrem Eigeninteresse und der Angst vor einer weiteren Amtszeit Trumps leiten lassen, und deshalb versucht, einen zuweilen verwirrten alten Mann für vier weitere Jahre ins Oval Office zu bringen. Wie viele wussten davon? Was wurde vertuscht? War es eine Verschwörung?« Jake Tapper und Alex Thompson
Die amerikanische Tragödie: Wie die Demokraten Trump den Teppich ausgerollt haben
Zwei der angesehensten Journalisten Amerikas liefern eine schonungslose und dramatische Abrechnung mit einer der schicksalhaftesten Entscheidungen der amerikanischen Politikgeschichte: Joe Bidens Kandidatur zur Wiederwahl – trotz Anzeichen seines körperlichen und kognitiven Verfalls, trotz verzweifelter Bemühungen, das Ausmaß seines Zustands zu verbergen. Jetzt kommt zum ersten Mal die ganze, beunruhigende Wahrheit ans Licht. Jake Tapper und Alex Thompson nehmen uns mit hinter verschlossene Türen und in private Gespräche zwischen den wichtigsten Personen und enthüllen, wie groß das Problem war und wie viele Leute davon wussten. Bidens Entscheidung, erneut zu kandidieren, hatte eine Kampagne der Verleugnung und Vertuschung zur Folge, die direkt zu Donald Trumps Rückkehr an die Macht geführt hat – und zu allem, was in der Folge geschehen ist.
Ein Beitrag von Kai-Uwe Hülss M.A. Bildquellen: Creative-Commons-Lizenzen (via Google); Canva.com; dtv Verlagsgesellschaft; eigene Grafiken. Zur besseren Lesbarkeit von Personenbezeichnungen und personenbezogenen Wörtern wird in der Regel die männliche Form genutzt. Diese Begriffe gelten für alle Geschlechter.
Ein bekanntes Geräusch über dem sommerlichen Berlin. Flugzeuglärm. Was drei Jahre zuvor von der deutschen Bevölkerung noch als Bedrohung wahrgenommen wurde, mutierte im Juni 1948 zu einem hoffnungsvollen Klang. Im Anflug waren zwar wie im Zweiten Weltkrieg Maschinen der Alliierten Streitkräfte. Doch anstatt Bomben brachten diese nun überlebenswichtige Materialien. Insbesondere Lebensmittel waren dringend notwendig, reichten die Vorräte doch nur für geschätzt einen Monat. Doch was war geschehen?
Die Sowjetunion sperrte ab dem 24.06.1948 alle Land- und Wasserwege von der Trizone, dem späteren Westdeutschland, nach West-Berlin. Die 2,2 Millionen in West-Berlin lebenden Menschen sowie 9.000 US-Streitkräfte, 7.600 britische Soldaten und 6.100 französische Armeeangehörige sollten ausgehungert werden, um den Druck auf die West-Alliierten zu erhöhen das westliche Berlin aufzugeben. Der Plan Moskaus war nämlich die Eingliederung West-Berlins in die sowjetische Besatzungszone. Der historisch begründete russische Imperialismus, der heute in der Ukraine seine Zerstörungswut hinterlässt, dominierte schon damals die Sicherheitspolitik.
USA initiierten logistischen Kraftakt
Doch die West-Alliierten hielten dem Druck stand. Unter der Führung der Vereinigten Staaten von Amerika richteten die West-Alliierten eine Luftbrücke zur Versorgung der Stadt ein. Ein unvorstellbarer logistischer Kraftakt. Zwischen Juni 1948 und September 1949 wurden insgesamt 2,1 Millionen Tonnen Fracht nach West-Berlin geflogen, darunter 485.000 Tonnen Lebensmittel. Flugzeuge der Vereinigten Staaten brachten alleine 1,6 Millionen Tonnen Fracht in die ehemalige Reichshauptstadt. Die US-Amerikaner starteten in der Regel von den Flughäfen Wiesbaden und Frankfurt am Main. Gelandet wurde im heute stillgelegten Flughafen Berlin-Tempelhof. Ende der 1940er Jahre wohlgemerkt ein Flughafen mit zunächst nur unbefestigten Graspisten.
Am Rande der Landepisten warteten häufig zahlreiche Kinder. Denn die Flugzeuge landeten nicht einfach so. Kurz vor der Landung schmissen die Piloten nämlich oftmals Schokoladentafeln und Kaugummis, die an selbstgebastelten Taschentuch-Fallschirmen hangen, über der wartenden Menschenmenge ab. Es war der Beginn einer einzigartigen transatlantischen Freundschaft zwischen Deutschen und US-Amerikanern. Initiiert wurden diese Abwürfe von Gail Halvorsen, Pilot der United States Air Force. Viele seiner Kameraden sollten sich an Halvorsen ein Beispiel nehmen und vor Beginn ihrer jeweiligen Flüge Taschentuch-Fallschirme basteln und mit Süßigkeiten bestücken. Die Erfolgsgeschichte der Rosinenbomber begann.
Heute fehlt es an Brückenbauern eines Schlages von Gail Halvorsen
Mehr als sieben Dekaden später muten die transatlantischen Beziehungen indes als eingerostet an. Begründet liegt dies einerseits an immer häufiger vorkommenden unterschiedlichen Meinungen in der Tagespolitik, auf denen insbesondere auf Grund eines stärker werdenden Nationalismus in den USA sogar divergierende Einstellungen zu grundlegenden Fragen folgten. Andererseits gibt es oftmals einen Mangel an kulturellem Verständnis für die andere Seite, primär sei an dieser Stelle der erhobene moralische deutsche Zeigefinger auf die USA genannt. Das eigentlich viel stärkere gemeinsame Band zwischen den USA und Deutschland scheint im 21. Jahrhundert doch arg zerbrechlich.
Nur 16 Prozent der Deutschen beschreiben die USA gegenwärtig als einen vertrauensvollen Partner. Drei Viertel der Deutschen sind der Meinung, dass sich die NATO-Mitgliedsstaaten nicht mehr auf den Schutz der Vereinigten Staaten verlassen können.
Quelle: infratest-dimap vom 06.03.2025.
Gail Halvorsen, der die deutsch-amerikanische Freundschaft vorbildlich lebte, kam am 12. Mai 2019 im Alter von 98 Jahren übrigens noch einmal zurück nach Berlin-Tempelhof. Halvorsen, der drei Jahre später versterben sollte, wollte nämlich unbedingt der Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag der Beendigung der Berliner Luftbrücke als Ehrengast beiwohnen. Die geplante Landung einiger Rosinenbomber, zwanzig historische Maschinen waren extra aus den USA angereist, konnte die Festgemeinde jedoch nicht erleben. Der damalige Rot-Rot-Grüne Berliner Senat untersagte nämlich die Landeerlaubnis. Ein Affront, der die kriselnden transatlantischen Beziehungen des 21. Jahrhunderts beispielhafte darstellen sollte und sich sechs Jahre danach auf Grund der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump nochmals verschärfen sollte.
Ein Beitrag von Kai-Uwe Hülss M.A. Bildquellen: Creative-Commons-Lizenzen (via Google); Canva.com; eigene Grafiken. Zur besseren Lesbarkeit von Personenbezeichnungen und personenbezogenen Wörtern wird in der Regel die männliche Form genutzt. Diese Begriffe gelten für alle Geschlechter.
Der 11. September 2001 markierte einen Epochenbruch. Mit den islamistischen Terroranschlägen von New York City, Washington D.C. und Pennsylvania nahm das von Francis Fukuyama deklarierte „Ende der Geschichte“ sein eigenes Ende. Der vom damaligen US-Präsidenten George W. Bush ausgerufene „Krieg gegen den Terror“ folgte. Wenngleich Präsident Bush explizit den islamistischen Terrorismus und nicht die Weltreligion des Islam per se bekämpfen wollte, dürfte sich Samuel P. Huntington in seiner These des Kampfes der Kulturen doch bestätigt gesehen haben. Um in dieser neuen Zeit die USA vor terroristischen Gefahren und weiteren Bedrohungen besser schützen zu können, wurde am 25.11.2002 das Heimatschutzministerium ins Leben gerufen.
Von der Aufgabenbeschreibung ähnelt das US-Heimatschutzministerium den Innenministerien anderer Länder. Das Innenministerium der Vereinigten Staaten ist ja bekanntlich nur für die Verwaltung des bundeseigenen Grundvermögens, hierzu gehören beispielsweise Nationalparks, verantwortlich. Das Heimatschutzministerium ist indes mit 240.000 Mitarbeitern die mittlerweile drittgrößte Bundesbehörde. Nur das Verteidigungsministerium sowie die Rentenorganisation beschäftigen mehr Personen.
Dem Heimatschutzministerium ist zum Beispiel die Zollbehörde, die Küstenwache, und die Katastrophenschutzbehörde FEMA unterstellt. Das FBI und die CIA gehören nicht zum Verantwortungsbereich des Ministeriums. Ebenso weist das Heimatschutzministerium trotz einer hohen Anzahl von Mitarbeitern ein vergleichsweises geringes Budget auf. So hat beispielsweise das Landwirtschaftsministerium doppelt so viele monetäre Mittel zur Verfügung wie der Heimatschutz.
Amtierende Heimatschutzministerin polarisiert
Seit ihrer Gründung hat das US-Heimatschutzministerium acht verschiedene Minister gesehen. Seit dem 25.01.2025 steht Kristi Noem dem Haus an der Nebraska Avenue in Washington D.C. vor. Zuvor hatte die Republikanerin eine 18-jährige politische Karriere in ihrem und für ihren Heimatbundesstaat South Dakota hinter sich. Zuletzt amtierte sie seit dem Jahr 2019 als erste weibliche Gouverneurin des ländlich geprägten Bundesstaates im Mittleren Westen der USA. Im Wahlkampf wurde Noem einst maßgeblich vom damaligen 45. US-Präsidenten Donald Trump unterstützt.
Im Präsidentschaftswahlkampf 2024 zählte Noem sogar zum engsten Kreis möglicher Vizepräsidentschaftskandidaten von Trump. Allerdings wurden ihr die negativen Reaktionen auf ihre Autobiographie zum Verhängnis. In dieser prahlte Noem damit, dass sie ihre 14 Monate junge Deutsche-Drahthaar-Hündin erschossen habe, da diese bei der Fasanenjagd „nicht mehr unter Kontrolle zu bringen gewesen“ sei. Ebenso behauptete Noem in ihrem Buch den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-Un getroffen zu haben – was nicht der Wahrheit entspricht.
Steckbrief der 8. US-Heimatschutzministerin
Vollständiger Name
Kristi Lynn Noem
Geburtsdatum und Ort
30.11.1971 in Watertown, SD
Ausbildung
Politikwissenschaft (South Dakota State University)
Karriere
US-Heimatschutzministerin (seit 2025), Gouverneurin South Dakota (2019 – 2025), Abgeordnete U.S. House (2011 – 2019), Abgeordnete South Dakota (2007 – 2010)
Noem ist „Kind“ der Tea Party
Bevor Noem für – negative – landesweite Schlagzeilen sorgte, begann sie im Jahr 2007 ihre politische Karriere als Abgeordnete des Repräsentantenhauses von South Dakota. Vier Jahre später wurde sie als Teil der Tea Party, die sich gegen die staatlichen Maßnahmen zur Stabilisierung der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise aussprach, in das U.S. Repräsentantenhaus gewählt. Ihren Wahlbezirk repräsentierte sie in Washington D.C. für acht Jahre bevor sie als Gouverneurin nach South Dakota zurückkehrte.
Im politischen Spektrum gehört Noem dem erzkonservativen bis MAGA-populistischen Spektrum an. Demzufolge spricht sich die 1971 in Watertown, SD, geborene Republikanerin für ein unbeschränktes Recht auf Waffenbesitz ebenso aus wie für einen bedingungslosen Lebensschutz. Gleichgeschlechtliche Eheschließungen sieht Noem skeptisch, den menschengemachten Klimawandel leugnet sie. Während der Coronavirus-Pandemie wartete Noem als Gouverneurin mit einer liberalen Handhabung auf und verhängte beispielsweise keine allgemeinen Ausgangssperren. Den Ausgang der Präsidentschaftswahl 2020 erkannte Noem nicht an, allerdings verurteilte sie den Sturm auf das U.S. Kapitol.
Schicksalsschlag prägte Noem
Dass Noem mit einem wenig einfühlsamen Konservatismus aufwartet, liegt wohl auch an ihrer eigenen Familiengeschichte mitbegründet. Aufgewachsen auf der Familienfarm in Hamlin County, SD, half sie schon frühzeitig im familieneigenen Betrieb mit. Als im Jahr 1994 ihr Vater bei einem Autounfall ums Leben kam, verließ Noem daraufhin das College frühzeitig, um die Familienfarm zu übernehmen. Unter ihrer Leitung wurde der Betrieb mit einem Jagdgästehaus und einem Restaurant erweitert sowie die Rinderzucht weiter professionalisiert.
Noem fand dennoch die Zeit sich mit Online-Unterricht weiterzubilden und graduierte während ihrer Zeit als Abgeordnete des U.S. Repräsentantenhauses mit einem Bachelor of Arts im Fachbereich Politikwissenschaft. Die dreifache Mutter Kristi Noem wartet folglich mit einem ungewöhnlichen Werdegang unter herausfordernden Umständen auf. So herausfordernd wie es letztendlich auch der Schutz der US-amerikanischen Heimat seit dem 11. September 2001 darstellt.
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