Der Super Tuesday 2020: #JoeMentum

Während die Vorwahlen des Super Tuesday bei der republikanischen Partei lediglich pro forma abgehalten werden, versprechen die Wahlen bei den Demokraten enorme Spannung. Senator Bernie Sanders liegt nach den ersten vier Vorwahlen nach Delegiertenstimmen knapp vor dem ehemaligen Vizepräsidenten Joe Biden in Führung. Letzt genannter Demokrat konnte mit einem Erdrutschsieg in South Carolina Selbstvertrauen für die 14 am Super Dienstag stattfindenden Vorwahlen tanken. Ebenso steht erstmals Milliardär Mike Bloomberg auf den Wahlzetteln.

Auf dieser Seite werden alle Sieger des Super Wahltages veröffentlicht. Mit Klick auf das Bild (Alphabetisch nach Name des Bundesstaates geordnet) wird nach offizieller Bestätigung das detaillierte Ergebnis mit Verteilung der Delegiertenstimmen angezeigt (kann je nach Auszählung sogar Tage dauern).

Um Delegierte zu gewinnen, ist das Erreichen von mindestens 15 Prozent der Stimmen im betreffenden Bundesstaat beziehungsweise in Wahlbezirken nötig. Wichtig: Letztendlich geht es um Delegiertenstimmen, nicht um gewonnene Staaten! Je nach Größe des Staates werden weniger oder mehr Delegierte, in der Regel proportional, vergeben. Kalifornien und Texas vergeben zusammen die Hälfte aller Delegiertenstimmen am Super Tuesday.

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Karte: Anzahl der Delegierten für die demokratischen Vorwahlen pro Bundesstaat. Die Staaten, in denen am Super Tuesday gewählt wurde, sind blau eingefärbt.

Was waren für Wähler die wichtigsten politischen Themen?

Nachwahlbefragungen haben ergeben, dass die Gesundheitspolitik das wichtigste Thema für die Wählerschaft am Super Tuesday war. Bekämpfung des Klimawandels und der Einkommensungleichheit wurden ebenso häufig genannt.

Was haben die Kandidaten ihren Wahlkampf kosten lassen?

Mike Bloomberg hat für seine Kampagne am meisten monetäre Mittel aufgewendet. Alleine in den 14 Super Tuesday Staaten hat Bloomberg Werbung in Funk, Fernsehen und Sozialen Medien in Höhe von $234,6 Millionen schalten lassen. Bernie Sanders folgt mit großem Abstand auf Rang 2 mit $18,4 Millionen. Joe Biden gab lediglich $2,2 Millionen aus.

Reaktion von Präsident Trump

Rede von Joe Biden
Reaktion von Mike Bloomberg

Bloomberg hat seine Präsidentschaftskandidatur beendet und unterstützt nun die Kampagne von Biden. In den Wahlkampfbüros von Sanders und Trump dürften die Alarmglocken schrillen.

Reaktion von Elizabeth Warren

Senatorin Warren enttäuschte auch am Super Tuesday, konnte nicht einmal ihren Heimatstaat Massachusetts für sich entscheiden. Am 05. März beendete sie ihre Kandidatur.

Bildquellen: Creative-Commons-Lizenen; Facebook-Seiten der Politiker

Gesucht: Bidens Wählerschaft

Gute Nachricht für Joe Biden: Er nimmt immer noch an den demokratischen Vorwahlen teil. Seine vorherigen beiden Teilnahmen verliefen nämlich wenig erfolgversprechend. Im Jahr 1988 scheiterte Bidens erster Anlauf auf das Weiße Haus bereits nach wenigen Wochen. Auf Grund von Plagiatsvorwürfen zog er seine Kandidatur zurück bevor es zu ersten Abstimmungen kam.

Zwanzig Jahre später erreichte Biden immerhin den ersten caucus in Iowa. Mit knapp einem Prozent der Wählerstimmen sah er jedoch keinen realistischen Weg zur Nominierung und beendete seine Teilnahme an den demokratischen Vorwahlen. Barack Obama gewann die Vorwahlen und später die Präsidentschaftswahl 2008 – an seiner Seite als Vizepräsidentschaftskandidat: Joe Biden.

In den acht Jahren als Vizepräsident unter Obama erarbeitete sich Biden in den USA wie weltweit großen Respekt. Dieser Hintergrund sorgt zugleich zur gegenwärtig schlechten Nachricht für den Demokraten aus Delaware: Trotz seines Status als ehemaliger zweiter Mann im Staat hat Biden nach drei Vorwahlen seine Favoritenrolle auf die demokratische Präsidentschaftskandidatur an Senator Bernie Sanders abgeben müssen.

Dabei sah es im vergangenen Jahr noch vielversprechend für Joe Biden aus. Seit Bekanntgabe seiner Kandidatur im April 2019 lag der mittlerweile 77-jährige Demokrat in nationalen Umfragen teils deutlich in Führung. Diese Tatsache war jedoch aus zwei Gründen irreführend.

Einerseits handelt es sich bei Umfragen, die lange Zeit vor einer Wahl erhoben werden, um einen verzerrten Stimmungstest. Verzerrt, da die Wählerschaft sich oftmals lediglich für den Kandidaten ausspricht, der ihm/ihr am Bekanntesten erscheint. Wer kannte vor einem Jahr beispielsweise den ehemaligen Bürgermeister von South Bend, Indiana, Pete Buttigieg? Ein Kandidat, der mittlerweile im gleichen politischen Wählerspektrum wie Biden fischt.

Andererseits sagen zwar nationale Umfragen etwas über die Stimmung im gesamten Land aus. Bei den Vorwahlen geht es jedoch, ähnlich wie bei der US-Präsidentschaftswahl, um Sieg oder Niederlage in einzelnen Bundesstaaten. Da sich zwischen den einzelnen Staaten die Wählerstruktur teils signifikant unterscheiden kann, leiten nationale Stimmungserhebungen oftmals fehl.

Bidens treueste Unterstützergruppe sind Afroamerikaner. In den ersten beiden Vorwahlstaaten Iowa und New Hampshire spielte diese Wählergruppe jedoch keine entscheidende Rolle. Weiße US-Amerikaner machen in diesen Staaten den Großteil der Wählerschaft aus. Folgerichtig ging es für Biden zu Beginn der Vorwahlen nur um Schadensbegrenzung. Mit Platzierungen vier und fünf ist ihm selbst dies freilich nicht gelungen.

Dass beispielsweise „Zeit Online“ oder die „Tagesschau“ bereits in New Hampshire die „letzte Chance“ für Joe Biden sahen, deutet auf Unwissenheit in den Redaktionen über US-Politik hin.

Die dritte Vorwahl in Nevada konnte Joe Biden mit einem zweiten Platz schon erfolgreicher gestalten. Erstmals trafen die Präsidentschaftskandidaten auf eine gemischte Wählerschaft. Hispanics und Afroamerikaner gehören in Nevada zu wahlentscheidenden Gruppen.

Dass Biden dennoch einen so hohen Rückstand auf den Sieger des caucus, Bernie Sanders, aufwies, dürfte nicht zuletzt am sogenanntem Momentum gelegen haben. Während Sanders nach erfolgreichen ersten Vorwahlen mit Rückenwind nach Nevada reiste, musste sich Biden mit negativen Schlagzeilen und einer Kampagne im Krisenmodus auseinandersetzen.

Der Wahlkalender spielt somit auch eine bedeutende Rolle für den Ausgang der Vorwahlen. Für Joe Biden bedeutet dies, dass South Carolina eine Wahl mit vorentscheidendem Charakter für seine Kampagne darstellt. Im Palmenstaat sind erstmals Afroamerikaner die einzig relevante Wählergruppierung. Gewinnt Joe Biden auch diesen Staat nicht, dann dürfte auch sein dritter Anlauf auf das Weiße Haus mit einer für ihn schlechten Nachricht enden.

Update 01.03.2020: Joe Biden konnte die Vorwahl in South Carolina deutlich für sich entscheiden. 61 Prozent der Afroamerikaner votierten für den ehemaligen Vizepräsidenten, lediglich 16 Prozent für Bernie Sanders. Insgesamt erhielt Biden knapp die Hälfte aller Stimmen. Das Ergebnis (klick hier).

 

Das Stimmungsbarometer 02/2020: Für US-Amerikaner wirft Ukraine-Affäre schlechtes Licht auf Joe Biden

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#DemDebate9: Bloomberg im Zockerparadies unter Druck

Was in Las Vegas passiert, bleibt in Las Vegas. Spätestens seit der erfolgreichen Komödie „Hangover“, bei der ein Junggesellenabschied in der Stadt der Sünde außer Kontrolle geriet, dürfte auch jeder Europäer den Sinn dieses so einprägsamen Satzes verstanden haben.

Alle vier Jahre wird jedoch von dieser Regel eine Ausnahme gemacht, wenn sich die Präsidentschaftskandidaten in der größten Stadt Nevadas zu einer Fernsehdebatte treffen. Trafen sich 2016 noch Hillary Clinton und Donald Trump zu einer denkwürdigen dritten TV-Debatte, präsentierten sich 2020 die demokratischen Bewerbenden einem nationalen Publikum.

Auch in diesem Jahr sorgte Las Vegas für einige Schlagzeilen. Im Fokus: Michael „Mike“ Bloomberg. Erstmals nahm die laut Forbes neunt reichste Person der Welt an den Debatten teil. Um dies zu ermöglichen änderte die demokratische Partei sogar erneut die Qualifikationskriterien. Da der ehemalige New Yorker Bürgermeister seine Kampagne primär selbst finanziert, knapp $400 Millionen gab Bloomberg schon aus, wurde das Kriterium der Kleinspendeneinnahmen außer Kraft gesetzt.

Kritik gab es hierfür schon im Vorfeld hauptsächlich von Senator Bernie Sanders, übrigens selbst immerhin Millionär wie Bloomberg während der Debatte treffen feststellte. Laut Sanders soll es nicht erlaubt sein, sich in Wahlen einkaufen zu können. In den Sozialen Netzwerken stellte der demokratische Sozialist zudem eine Nähe zwischen Bloomberg und Trump dar (Tweet klick hier).

Der bekannteste Sozialist in diesem Land ist ein Millionär mit drei Häusern.
(Mike Bloomberg über Bernie Sanders)

Dass ein damaliger Bürgermeister mit Unternehmern einen Kommunikationskanal zum Wohle der Stadt aufrechterhalten wollte, ist für Sanders ebenso zweitrangig wie die Tatsache, dass ein Kandidat, der nicht auf Spenden angewiesen ist, auch keine Wahlgeschenke an seine Gönner verteilen muss. Zur Vereinfachung seines Standpunktes gibt es für Sanders nur Schwarz und Weiß, Graustufen sind nicht vorhanden.

Bei der neunten demokratischen TV-Debatte wurde die Kritik an Bloomberg nochmals intensiviert. Bloomberg musste sich Fragen bezüglich seiner politischen Entscheidungen als Bürgermeister ebenso stellen wie gegenüber Anfeindungen auf Grund seines Status als Milliardär verteidigen.

Neben Sanders lief die progressive Senatorin Elizabeth Warren mit Attacken auf Bloomberg und allen anderen (!) Konkurrenten zur Hochform auf. Die Krankenversicherungspläne von Pete Buttigieg und Senatorin Amy Klobuchar zerriß Warren rhetorisch brillant (siehe untenstehendes Höhepunkt-Video). Nachdem Sanders in den ersten beiden Vorwahlen zur Nummer 1 des linken Flügels in der demokratischen Partei aufstieg musste Warren liefern. Sie tat es auf eine schlagfertige Art und Weise.

Ich würde gerne darüber reden, gegen wen wir antreten – einen Milliardär, der Frauen als fette Tussis und pferdegesichtige Lesben bezeichnet. Ich meine nicht Donald Trump, sondern Bürgermeister Bloomberg.
(Elizabeth Warren über Mike Bloomberg)

Elizabeth Warren dürfte alles daran setzen, aus ihrer guten Vorstellung Kapital zu schlagen. Frei nach dem Motto: Was in Las Vegas passiert, bleibt bei den US-Präsidentschaftswahlen nicht in Las Vegas. Mike Bloomberg hingegen dürfte darauf hoffen, dass die Fundamentalangriffe auf seine Kandidatur ihm nicht gar so sehr schaden werden.

HÖHEPUNKTE


Reaktion von Präsident Trump

Präsident Trump hielt eine Wahlkampfveranstaltung in Arizona, Phoenix ab. Die Nacht verbrachte er ebenso in Las Vegas. Dort wird er am Freitag eine Wahlkampfveranstaltung abhalten. Für den Auftritt von Mike Bloomberg hatte der Präsident nur Hohn und Spott übrig.

EINSCHALTQUOTE

Die TV-Debatte erfreute sich einer Rekordeinschaltquote: 19,7 Millionen US-Amerikaner schalteten ein.


REDEZEITEN IN MINUTEN

 

Demokratischer Fehlstart

Traditionell entscheidet Iowa als erster Bundesstaat über einen Präsidentschaftskandidaten. Das Zeichen, welches der Hawkeye State hierdurch aussendet, ist nicht zu unterschätzen. Die Sieger der Vorwahl nehmen den Rückenwind in Form von positiven Schlagzeilen sowie zusätzlichen Spendeneinnahmen mit in die folgenden Wahlen in New Hampshire, Nevada und South Carolina. Die Verlier hingegen kämpfen schon am Beginn der Vorwahlen um das Überleben ihrer Kampagne.

Im Jahr 2020 füllte jedoch nicht der beziehungsweise in diesem Jahr mit Pete Buttigieg und Bernie Sanders die Sieger die Gazetten und Nachrichtensendungen. Dies hatte allerdings noch nicht einmal damit zu tun, dass auch die Rede zur Lage der Nation und der Abschluss des Amtsenthebungsverfahrens gegenüber Präsident Trump große mediale Reichweiten aufwiesen.

Konzentration auf Organisationsversagen

Vielmehr konzentrierten sich die politischen Beobachter auf das Versagen der Organisatoren der demokratischen Vorwahl. Denn das Ergebnis stand weder am Wahlabend noch an den darauffolgenden Tagen fest. Mittlerweile sind zwar 100 Prozent der Stimmen ausgezählt. Ein Sieger kann offiziell dennoch nicht gekürt werden. Unregelmäßigkeiten bei der Auszählung respektive Unstimmigkeiten zwischen den Datensätzen sorgen für weitere Überprüfungen.

Was war passiert? Die Ergebnisse der einzelnen Parteiversammlungen, 1.681 fanden davon statt, sollten per neuartiger App an die Parteizentrale der demokratischen Partei in Iowa gesendet werden. Bei der Übertragung kam es jedoch zu massiven Problemen. Dies hatte neben einer fehlerhaften Technologie auch damit zu tun, dass die Kampagne von Bernie Sanders auf zusätzliche Veröffentlichungen des Wahlprozesses bestand.

Üblicherweise wird bei einem caucus lediglich die finale von jedem einzelnen Kandidaten gewonnene Delegiertenanzahl veröffentlicht. Aus Gründen der Transparenz muss in diesem Jahr jedoch auch die absolute Anzahl an Wählerstimmen des ersten und zweiten Wahlgangs veröffentlicht werden. Die App implodierte auf Grund des hohen Datenaufkommens.

Die lokalen Wahlleiter griffen daraufhin auf Plan B zurück: Telefonische Übermittlung der Resultate. Doch auch dies funktionierte nicht. Die Wahlleiter fanden sich stundenlang in Warteschleifen wieder. Das Chaos war perfekt. Doch damit nicht genug: Auf Grund der Vorkommnisse hinterfragte Joe Biden sogar die Integrität des Wahlvorgangs.

Republikaner nutzen Iowa-Chaos aus

Derweil nutzen Republikaner die chaotische Wahl der Demokraten in Iowa wenig überraschend für ihre eigene Zwecke. Die Wiederwahlkampagne von Präsident Trump ließ beispielsweise verlautbaren, dass die Verzögerung der Ergebnisse wohl darauf hindeute, dass Demokraten des Establishments die Wahl zu manipulieren versuchen. Freilich eine Behauptung ohne jeden Ansatz eines Beleges.

Ebenso verknüpfte Präsident Trump das Wahl-Chaos mit einem expliziten Wahlkampfthema: Gesundheitspolitik. Demokraten werben bekanntlich mit dem Ausbau und Digitalisierung der Krankenversicherung. Nach den Ereignissen hat Präsident Trump hierfür nur Spott übrig: „Wie wollen Demokraten die Krankenversicherung digitalisieren, wenn sie nicht einmal eine Wahl im bevölkerungsarmen Iowa organisieren können? Schon die Obamacare-Website funktionierte nicht!“

Kurzfristig kann sich die republikanische Partei als Sieger der demokratischen (!) Vorwahl fühlen. Langfristig ist die Schadenfreude jedoch unangebracht. Denn die erste Vorwahl des Jahres wirft nicht nur ein schlechtes Licht auf die demokratische Partei. Auch Vertrauen in faire und gleiche Wahlen dürfte verloren gegangen sein. Der Beginn des Präsidentschaftswahljahres 2020 ist ein Fehlstart für die demokratische Partei, der mit einem Ansehensverlust in demokratische Wahlen einhergeht.