Wahlmännergremium bestätigt Trumps Wahl

Donald Trump hat verloren. Zumindest was die landesweit absolute Stimmenanzahl bei der US-Präsidentschaftswahl angeht. Doch der Vorsprung von mehr als 2,5 Millionen Wählerstimmen für Hillary Clinton verteilte sich ungleich auf die einzelnen Bundesstaaten, so dass Trump die Mehrheit der Wahlmännerstimmen auf seiner Seite wusste.

Am Montag ist nun das für das 21. Jahrhundert ominöse Wahlmännergremium zusammengekommen, um den 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten auch offiziell zu bestätigen.

Auf Grund von Morddrohungen und Petitionen gegen eine Wahl von Trump ist dieses ansonsten eigentlich unspektakuläre Aufeinandertreffen der 538 Wahlmänner in ihren jeweiligen Hauptstädten der Bundesstaaten und dem District of Colombia dennoch ein besonderes Ereignis gewesen.

Und tatsächlich haben sich vereinzelte Wahlmänner gegen das Votum ihres Bundesstaates entschieden. Von den 38 Wahlmännern aus Texas entfielen auf Trump „nur“ 36 Stimmen. Für Ron Paul und John Kasich votierten die übrigen beiden texanischen Wahlmänner.

Ein Wahlmänneraufstand gegen Trump blieb jedoch aus. Im Gegenteil: Die Mehrheit der Abweichler kamen aus Staaten, die sich im November für Clinton entschieden. Von den 12 Wahlmännern aus dem Bundesstaat Washington, den Clinton gewann, hielten sich gleich Vier nicht an das Votum der Bevölkerung.

Am 6. Januar wird das Abstimmungsergebnis der Wahlmänner offiziell verkündet. Die Mehrheit ist Trump jedoch gewiss. Am 20. Januar 2017 folgt mit der Amtseinführung der finale Akt auf dem Weg in das Weiße Haus für den Immobilienmogul. Donald Trump hat gewonnen.


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Republikanischer Parteitag: Trumps Familienshow

13754177_1071380552898896_2908935413291779463_n100.000 Luftballons. 50.000 Besucher in und um der Quicken Loans Arena in Cleveland, Ohio. 15.000 akkreditierte Journalisten. 2.470 Delegierte. Ein von der republikanischen Partei offiziell nominierter Kandidat. Am Ende des viertägigen Parteitages gaben die Republikaner ein geeintes, harmonisches Bild ab.

Doch der Schein trog. Zahlreiche republikanische Ex-Präsidenten und -Kandidaten nahmen erst gar nicht am Parteitag teil. Selbst der gastgebende republikanische Gouverneur von Ohio, John Kasich, blieb der Veranstaltung fern.

Donald Trump versprach ein Spektakel. Unterhaltsam wurde es auf jeden Fall. Die #Blog1600Penn-Nachlese zu den denkwürdigsten Ereignissen:

Tag 1 – Make America Safe Again oder: Melanias Plagiat

Nachdem die Anti-Trump-Bewegung zu Beginn zwei Abstimmungen über die Regeln des Parteitages verlor und es zu kurzzeitigen Aufständen in der Arena kam, richteten sich die Augen schnell auf den Mann, der die republikanische Partei veränderte, wie kaum jemand zuvor: Donald Trump.

Entgegen der Tradition trat der Kandidat schon am ersten Tag auf. In Manier eines Wrestling-Champions betrat Trump zu den Klängen von „We Are The Champions“ die Bühne, um die Rede seiner Ehefrau Melania anzukündigen.

12342802_940117956025157_8444226116078445457_nMelania, geboren in Slowenien, erzählte von ihren Eltern, ihrer Arbeit in der Modeindustrie und ihren Träumen, die sie in den USA – auch durch und mit Donald Trump – erfüllen konnte. Die Rede erhielt positive Resonanzen – bis bekannt wurde, dass Teile des Textes mit Michelle Obamas Rede aus dem Jahr 2008 nahezu identisch sind.

Für dieses Desaster zeichnete sich die Redenschreiberin der Trump Organization, Meredith McIver, mitverantwortlich und bot Donald Trump ihren Rücktritt an. Dieser lehnte ab mit den Worten: „Menschen machen Fehler. Wir lernen daraus und gehen gestärkt hervor.“

Freilich wurde nahezu ausschließlich über die Plagiatsaffäre berichtet. Dabei geriet die emotionale Rede von Patricia Smith, Mutter des beim Terroranschlag auf das US-Konsulat in Benghazi ermordeten Diplomaten Sean Smith, in den Hintergrund.

Die Geschichte über Sean Smith rührte viele Personen zu Tränen. Neben Melania nahm auch Donald Trump selbst Aufmerksamkeit von dieser Rede. Als Patricia Smith das Rednerpult betrat, war Trump zu Gast in der TV-Show von Bill O’Reilly.

Tag 2 – Make America Work Again oder: Trumps Nominierung

8d36068c-701a-44db-ac69-a144935d1472Der zweite Tag wurde von der Stimmabgabe der Delegierten bestimmt. Donald Trump Jr. verkündete die Stimmen des Staates New York und brachte damit seinem Vater die absolute Mehrheit ein.

Es sollte nicht der einzige Auftritt des Sohnes mit dem gleichen Namen wie der republikanische Präsidentschaftskandidat sein. In einer knapp 15-minütigen Ansprache sang der Junior eine Lobeshymne auf seinen Vater.

Er veränderte die Skyline von New York.
(Donald Trump Jr. über seinen Vater)

Der Immobilienmogul sei ein Mann, der Potentiale in Menschen sieht, „die sie teils selbst nicht sehen“. Generell sei Trump eine Person der Basis, der sich nicht hinter seinem Schreibtisch versteckt.

Der aktuell einflussreichste Republikaner, da Sprecher des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, nannte den Namen des Präsidentschaftskandidaten im Gegensatz zu seinem Vorredner kaum. Ryan, vor vier Jahren selbst noch VP-Kandidat, warb um seine konservative Agenda im Kongress: „Es ist ein Wettbewerb um Ideen.“

Nicht ganz so positiv war der Auftritt des Gouverneurs von New Jersey, Chris Christie. Er benutzte seine Rede zur Anklage gegen Hillary Clinton – und ließ damit die Arena zum kochen bringen.

Clinton nannte Assad einen Reformer. Jetzt sind 400.000 Menschen tot.
(Chris Christie)

Christie nannte die „Anklagepunkte“ Libyen, ISIS, Al-Kaida, zu hohe Staatsausgaben, Syrien, Iran, Russland, Kuba und die eMail-Affäre. Das Publikum war sich bei jedem einzelnen Punkt einig und schrie lautstark: „Sperrt sie ein!“

Tag 3 – Make America First Again oder: Die Cruz-Revolte

Den Höhepunkt des dritten Tages in Cleveland sollte der Auftritt des VP-Kandidaten Mike Pence darstellen. Und in der Tat: In einer humorvollen Rede stellte sich der Gouverneur von Indiana selbst und seine Familie vor, erzählte von seinen Anfängen als Demokrat bis hin zum Anhänger von Ronald Reagan.

Also wer mich nicht kennt – und es sind die meisten von euch. (Mike Pence)

Attacken auf Clinton blieben ebenso wenig aus wie Werbung für Trump: „Er gibt nie auf.“ Doch die Hauptrede des Mittwochs sollte von Ted Cruz überschattet werden. Zur Erinnerung: Cruz lieferte sich mit Trump nicht nur einen erbarmungslosen Vorwahlkampf – der Senator machte auch immer wieder deutlich den Immobilienmogul nicht zu unterstützen.

Trump lud Cruz dennoch als Redner zum Parteitag ein. Und der Texaner nannte Trump nur einmal beim Namen, als er ihm zur Nominierung gratulierte. Cruz nutzte die Bühne um in seiner gewohnten Art in eine Anekdote verpackt für seine Prinzipien des Konservatismus, dem Kampf für die Freiheit und für die Verfassung ergo die Werte und Prinzipien der USA zu werben.

Kurz vor Ende der Redezeit wurde das Publikum sichtlich nervös. Sprechchöre à la „unterstütze Trump“ wurden laut. Würde Cruz Trump doch noch seine Unterstützung zuteil werden lassen? Im Gegenteil. Cruz rief die Amerikaner dazu auf im November nach ihrem Gewissen abzustimmen. Eine Wahlempfehlung zugunsten des republikanischen Parteikollegen sieht anders aus.

Die Arenagäste reagierten mit einem Pfeifkonzert. Cruz winkte unberührt dem Publikum zu und verließ das Podium. Wohlwissend, dass er sich schon jetzt für die Präsidentschaftswahl 2020 klar positioniert hat. Verliert Trump gegen Clinton, ist Senator Cruz der große Favorit auf die nächste republikanische Kandidatur.

Tag 4 – Make America One Again oder: Trumps finale Familienshow

Schadensbegrenzung hieß das inoffizielle Motto des letzten Tages. Bevor Trumps größter Joker, seine talentierte Tochter Ivanka, und er selbst die Bühne betraten, hatte der Mitgründer von Pay Pal, der deutschstämmige Peter Thiel einen kurzen, aber denkwürdigen Auftritt.

Ich bin stolz, schwul zu sein. Ich bin stolz, Republikaner zu sein. Ich bin stolz, Amerikaner zu sein. (Peter Thiel)

Worte, die auf einer republikanischen Veranstaltung eigentlich undenkbar sind. Und der erklingende Applaus noch weniger. Trump hat mit Thiel nicht nur einen der ansonsten wenigen republikanischen Unterstützer aus dem Silicon Valley für sich gewinnen können.

Ivanka Trump

Ivanka Trump

Ebenso versucht Trump offensichtlich ernsthaft die LGBT-Community teils für sich zu überzeugen. Schon nach dem Terroranschlag auf den homosexuellen Nachtclub in Orlando sprach Trump davon die Rechte der LGBT-Gemeinde verteidigen zu wollen.

Thiels Rede war nur der Anfang ungewöhnlicher – republikanischer – Parteitagsreden an diesem Tag. Denn Ivanka Trump verzauberte Cleveland nicht nur mit einer charmanten überparteilichen Rede. Auch überraschte sie mit progressiven Aussagen, die ebenso bei Demokraten hätten Applaus gefunden.

She does the princess thing very well, and she’s immensely close with my father
(Eric Trump über seine Schwester Ivanka)

Dem positiven, warmherzigen Auftritt von Ivanka folgte von Donald Trump eine der pessimistischsten Reden, welche die USA wohl je gesehen hatten. Trump malte ein Bild von Gewalt und Chaos im In- und Ausland. Diese Entwicklung könne nur von einer einzigen Person aufgehalten werden: ihm selbst.

Trumps Wahlkampftaktik wurde in seiner 76-minütigen Rede (Rekord!) einmal mehr deutlich: Er versucht die weiße Arbeiterschaft für sich zu mobilisieren. Es könnte die letzte Wahl sein, in dem diese Taktik – theoretisch – aufgehen könnte. Die weiße Mehrheit wandelt sich in eine Minderheit. Trump spielt sprichwörtlich mit dem Feuer. Einmal mehr.

Demokratischer Parteitag nächste Woche

Die Nominierungsparteitage der beiden großen Parteien sind das Megaspektakel des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfes. An diesen Tagen wird der Hauptwahlkampf de facto offiziell eröffnet.  Nach dem republikanischen Parteitag ist vor der demokratischen Nominierungsveranstaltung.

Auf Hillary Clinton und Tim Kaine richten sich die Blicke vom 25. bis 28. Juli. 100.000 Luftballons werden auch bei den Demokraten mit von der Partie sein. Auch mehr innerparteiliche Geschlossenheit als bei Trumps Familienshow?


Ich bin bei euch. Ich werde für euch kämpfen. Und ich werde für euch gewinnen. Wir werden Amerika wieder stark machen. Wir werden Amerika wieder stolz machen. Wir werden Amerika wieder sicher machen. Wir werden Amerika wieder groß machen. Gott segne euch. Ich liebe euch. (Donald Trump am Ende seiner Rede)


Videos zu den wichtigsten Reden des Parteitages

Bildquellen: http://a.abcnews.com/images/Politics/gty_trump_rnc_18_er_160721_12x5_1600.jpg
https://www.facebook.com/GOPconvention

Wer wird Trumps Vize?

In knapp zwei Wochen nominiert die republikanische Partei in Cleveland, Ohio, ihren Präsidentschaftskandidaten. Dass die Delegierten bei der vom 18. bis 21. Juli stattfindenden Versammlung Donald Trump aufs Schild heben werden, steht kaum noch in Frage.

Doch wer wird neben Trump in die Präsidentschaftswahl ziehen? Welche Person darf neben dem Immobilienmogul als Vizepräsidentschaftskandidat antreten? #Blog1600Penn lässt die Gerüchteküche brodeln:

Newt Gingrich

Newt_Gingrich_(6238567189)_(cropped)Es gibt wohl kaum einen erfahreneren Insider US-amerikanischer Politik als Newt Gingrich. Der 73-jährige hatte seine Hochzeit in den 1990er Jahren, als er für vier Jahre Sprecher des Repräsentantenhauses war und die sogenannte „Republikanische Revolution“ sowie das Amtsenthebungsverfahren von Bill Clinton anführte.

Seit dem Ausscheiden aus der aktiven Politik arbeitet Gingrich als TV-Kommentator und Autor. 2012 kandidierte der promovierte Historiker selbst für die republikanische Präsidentschaftskandidatur, scheiterte jedoch an Mitt Romney.

Wenngleich Gingrich frühzeitig für Trump warb, hält er auch mit Kritik am designierten republikanischen Kandidaten nicht zurück. Zuletzt machte Gingrich klar, dass er Trumps  Tonart inakzeptabel findet. Zuviel Kritik, um als Vizepräsidentschaftskandidat auserkoren zu werden?

Für die republikanische Parteibasis ist Gingrich zumindest Favorit. 29 Prozent der republikanischen Anhänger sprachen sich bei einer repräsentativen Umfrage von Bloomberg Politics für Gingrich als Vize aus.

Chris Christie

Reichlich politische Erfahrung bringt ebenso der Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, mit. Wenngleich Christies Beliebtheitswerte im Garden State nach einigen Skandalen auf einem Tiefststand angekommen sind, hat er es in seiner mehr als sechs-jährigen Amtszeit dennoch geschafft als republikanischer Gouverneur in einem ansonsten demokratischen Staat zwischen den Parteien zu vermitteln.

Überparteilichen Respekt hat er sich insbesondere durch sein Katastrophenmanagement bei der Bewältigung des verheerenden Hurrikans Sandy im Jahr 2012 erworben. Seitdem galt er gar als Favorit auf die republikanische Präsidentschaftskandidatur.

Die besonderen Umstände des diesjährigen Wahlkampfes ließen Christies Kampagne jedoch schnell scheitern. Als einer der ersten Mitglieder des Establishments unterstützte Christie daraufhin die Kampagne von Trump. Seitdem gilt Christie als engster Berater des Immobilienmoguls.

Für Christie spricht zudem seine sehr gute Vernetzung innerhalb der republikanischen Partei. Der 53-jährige wird ebenso als möglicher Justizminister in einem Kabinett Trump gehandelt.

Jeff Sessions

Der 70-jährige aus Alabama stammende Jeff Sessions war der erste Senator, der die Kandidatur von Donald Trump unterstützte. Sessions gilt als einer der konservativsten Republikaner und berät Trump in außenpolitischen Fragen. Sessions befürwortet Trumps Einwanderungspläne.

Bob Corker

Bob Corker, Senator aus Tennessee, ist Vorsitzender des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten. Der pragmatische Politiker könnte Trumps außenpolitische Schwächen abfedern.

Neben legislativen Erfahrungen hat Corker das mittlerweile in Washington rar gewordene Talent, mit der politischen Konkurrenz zusammenarbeiten zu können. Gegen Corker spricht, dass er für die Einwanderungsreform der „Gang of Eight“ gestimmt hat.

Weitere Kandidaten

Laut Donald Trump stehen sieben Kandidaten in der engeren Auswahl. Hiervon sollen zwei Generäle sein, jedoch eher Außenseiterchancen besitzen vom New Yorker auserwählt zu werden. Die übrigen fünf Kandidaten sind Politiker, unter denen auch Trumps ehemalige Konkurrenten zu finden sein sollen.

Namentlich werden neben den oben stehenden Favoriten der Gouverneur von Indiana, Mike Pence, sowie die Gouverneurin von Oklahoma, Mary Fallin, diskutiert. In US-amerikanischen Medien werden auch die Namen Richard Burr (Senator aus North Carolina), Tom Cotton (Arkansas), John Thune (South Dakota), Marsha Blackburn (Tennessee) und Joni Ernst (Iowa) genannt.

Des Weiteren denkt Trump über John Kasich und Ted Cruz als Vizepräsidentschaftskandidaten nach. Kasich und Cruz lehnen es jedoch bis dato ab, sich für die Kandidatur von Trump offiziell auszusprechen.


Bildquelle: http://i.huffpost.com/gen/3394638/images/o-DONALD-TRUMP-facebook.jpg

Episches Duell um Obama-Nachfolge

In einem Gastbeitrag für USA Tipps wagt #Blog1600Penn einen Ausblick auf die kommende Hauptwahl. 

Beide sind knapp 70 Jahre alt, haben ihre – politische – Heimat in New York und wollen als 45. Präsident der Vereinigten Staaten in die Geschichte eingehen: Die designierten Präsidentschaftskandidaten ihrer jeweiligen Parteien Hillary Rodham Clinton und Donald John Trump.

Ein Vorwahlkampf mit großen Überraschungen und Skandalen ist noch nicht einmal vorbei, da bahnt sich schon ein Hauptwahlkampf epischen Ausmaßes an. Mit Clinton und Trump werden sich zwei so stark polarisierende Persönlichkeiten duellieren, wie kaum zuvor.

Trump kapert die republikanische Partei

Mit einem Paukenschlag zu Beginn des Monats ist Trump zum designierten Präsidentschaftskandidaten der Republikaner aufgestiegen. Nach seinem überraschend deutlichen Vorwahlsieg in Indiana beendeten Trumps letzte Konkurrenten, Ted Cruz und John Kasich, kurz nacheinander ihre Wahlkampagnen.

Bis zuletzt wurde Trump von Medien und Konkurrenz nicht Ernst genug genommen – nun ist es Realität: Der Immobilienmogul wird die ruhmreiche republikanische Partei in den Präsidentschaftswahlkampf führen.

Doch das Establishment gibt nicht klein bei: Neben einer möglichen dritten, unabhängigen Kandidatur kündigen einige alteingesessene Republikaner ganz offen an ihre Stimme am 8. November nicht dem Bewerber der eigenen Partei zu geben.

Selbst bei Trumps offizieller Nominierung zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten im Juli wird ein gänzlich ungewohntes Bild gezeichnet werden. Geben sich üblicherweise Ex-Präsidenten und –Kandidaten die Klinke in die Hand, werden weder Mitt Romney, John McCain, George W. Bush noch George H. Bush beim Nominierungsparteitag anwesend sein.

Die eh schon gespaltene Partei erlebt die größte Krise seit Bestehen. Ob sich Republikaner und deren moderate Mitglieder vom Trump-Schock erholen werden ist ungewiss.

Hartnäckigkeit Sanders’ offenbart Clintons Schwäche

Trotz einst 16 Mitkonkurrenten hat Trump den Vorwahlkampf nun eher für sich entschieden als Clinton bei den Demokraten. Dies sagt vieles über den Verlauf des Wahlkampfes der ehemaligen Außenministerin aus.

Der 74-jährige – bis vor kurzem noch parteilose – Senator Bernie Sanders hat Clintons Schwachstellen gnadenlos aufgedeckt. Junge, weibliche Demokraten können sich wenig für Clinton begeistern. Zudem sehnen sich Demokraten, wie schon auf republikanischer Seite, nach (weiterem) frischem Wind im Weißen Haus.

Gepaart mit mangelndem Enthusiasmus hat dies dazu geführt, dass Clinton die magische Delegiertenzahl von 2.242 noch nicht erreicht hat, um den Vorwahlkampf auch rechnerisch für sich zu entscheiden.

Clinton dennoch Favoritin

Nichts desto trotz bleibt Clinton Favoritin auf die nächste Präsidentschaft. In aktuellen Umfragen liegt die Demokratin deutlich vor Trump. Der neuesten CNN/ORC-Erhebung würde Clinton im November 54% der Wählerstimmen auf sich vereinen. 41% würden für Trump votieren.

Doch Trump hat schon mehrmals in dieser Wahlperiode gezeigt, dass Umfragen lediglich Momentaufnahmen sind. Wer hätte vor zehn Monaten gedacht, dass der Immobilienmogul realistische Chancen auf die republikanische Präsidentschaftskandidatur hat?

Zumal geben weitere Daten Trump berechtigte Hoffnungen: Ihm werden im traditionell wichtigen Themengebiet der Wirtschaft höhere Kompetenzwerte eingeräumt als Clinton. Des Weiteren denkt laut jüngster Wählerbefragungen die Hälfte der Sanders-Anhänger darüber nach, bei der Hauptwahl für Trump zu stimmen.

Trump gegen Clinton: Ein Duell der Gegensätze

Der Wahlausgang gestaltet sich somit offener als von vielen bislang prognostiziert beziehungsweise erhofft wird. Clinton gegen Trump wird ein geschichtsträchtiges Duell zweier so im politischen Betrieb ungleicher Alphatiere.

Von den zu Beginn des Artikels genannten Gemeinsamkeiten abgesehen könnten Trump und Clinton nicht verschiedener sein. Dem politischen Außenseiter, der sich zum ersten Mal um ein politisches Amt bewirbt, stehen die geballten, jahrzehntelangen Erfahrungen von Clinton als First Lady, Senatorin und Außenministerin entgegen.

Kümmert sich Trump wenig um politisch korrekte Aussagen, erklingt bei Clinton der typische Politikersprech. Füllt Trump, ähnlich wie Sanders, ganze Arenen, hält sich die Begeisterung bei Clintons Veranstaltungen in Grenzen.

Bei aller Unklarheit zur politischen Positionierung bei expliziten Themen, dürfte es mit Trump einen außenpolitischen Kursschwenk, hin zu einer defensiveren Ausrichtung der USA, geben. Clinton hingegen ist als demokratischer Falke bekannt.

Doch eine Gemeinsamkeit teilen sich die beiden designierten Kandidaten dann doch noch: Trump und Clinton werden die unbeliebtesten Präsidentschaftsbewerber seit Beginn der Umfrageaufzeichnungen sein. Zum Nachfolger Obamas wird nicht gewählt, wer geliebt, sondern wer weniger gehasst wird.


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Bildquelle: http://www.renegadetribune.com/wp-content/uploads/2015/08/1x-11.jpg

Die Vorwahlen – Indiana: Trumps Krönung

„Als Erdbeben werden messbare Erschütterungen des Erdkörpers bezeichnet. Sie entstehen durch Masseverschiebungen, zumeist als tektonische Beben infolge von (…) großen Erdrutschen.“ Soweit der Lexikon-Eintrag für Erdbeben.

Neben diesem Naturphänomen gibt es auch politische Erdbeben. Hat sich ein solches seit knapp einem Jahr schon angekündigt, kam es nun von Dienstag auf Mittwoch MEZ tatsächlich zu einem großen Beben. Die tektonischen Platten der republikanischen Partei haben sich radikal verschoben.

Die letzten beiden verbliebenen Herausforderer von Donald Trump, Ted Cruz und John Kasich, haben die Vorwahl in Indiana zur Firewall zur Verhinderung einer absoluten Delegiertenmehrheit für den Immobilienmogul ausgerufen. Ein Sieg für Cruz in diesem Staat und eine umkämpfte Nominierungsveranstaltung wäre zum Greifen nahe gewesen.

Doch es kam ganz anders. Trump gewann. Haushoch. Die nötige absolute Delegiertenmehrheit ist ihm nach Indiana nur noch schwerlich zu nehmen. Cruz zog – überraschend – die Konsequenz und beendete mit einer emotionalen Rede seine Kampagne. Kasich folgte dessen Beispiel und hat am Folgetag seine Kandidatur zurückgezogen.

Die Anti-Trump-Bewegung hat den Kampf verloren. Das republikanische Establishment schaut rat- und hilflos in die Zukunft. Der im Politikgeschäft lange Zeit viel belächelte Multimilliardär Donald Trump wird die ruhmreiche republikanische Partei in die Präsidentschaftswahl im November führen. Ausgang ungewiss. Weitere politische Erdbeben wahrscheinlich.


Die gesamte Rede von Ted Cruz zur Beendigung seiner Wahlkampagne:

Donald Trump über Ted Cruz:

Hillary Clinton über Donald Trump:

Rückblick – mit seinem Gebet für die Opfer der Pariser Terroranschläge hatte sich Ted Cruz bei Republikanern viel Anerkennung erworben:


Trump BS