„1600 Pennsylvania“ informiert über die aktuellsten repräsentativen Umfragen rund um US-amerikanische Politik (Pfeil nach oben/unten: Wert ist zum Vormonat gestiegen/hat abgenommen). Quellen, falls nicht anders angegeben, sind die auf Real Clear Politics veröffentlichten Durchschnittswerte der wichtigsten Umfrageinstitute.
Repräsentative Umfragen aus D.C.
Weitere repräsentative Umfragen
Repräsentative Umfragen rund um die US-Wahl 2024
Repräsentative Umfragen zu den Kongresswahlen 2024
Bildquellen: Creative-Commons-Lizenzen (via Google); Canva.com; eigene Grafiken. Zur besseren Lesbarkeit von Personenbezeichnungen und personenbezogenen Wörtern wird in der Regel die männliche Form genutzt. Diese Begriffe gelten für alle Geschlechter.
Die Rubrik „Wahlkampfthemen 2024“ behandelt bis zur Präsidentschaftswahl im November für den Wahlausgang mitentscheidende Politikbereiche. Dabei wird die Ausgangslage der jeweiligen Thematik erläutert sowie die Positionen der Kandidaten beider großer Parteien in Kurzform dargestellt. Im Monat September wird folgendes Wahlkampfthema vorgestellt:
Lebensschutz vs Wahlfreiheit
Bis zum Amtsantritt der Koalition aus SPD, Bündnis 90/ Die Grünen und der FDP war das ethische Thema Lebensschutz vs Wahlfreiheit in der Bundesrepublik Deutschland vergleichsweise befriedet. In den USA sieht dies ganz anders aus, was auch an den oftmals geforderten Maximalpositionen des konservativen und liberalen Amerikas liegt. Seit einem Urteil des Supreme Court im Jahr 2022 bestimmen die einzelnen Bundesstaaten wieder selbst über ihre jeweiligen Abtreibungsregelungen.
Die Folge: Ein Flickenteppich an Regelungen und ein polarisierendes Wahlkampfthema. Vor diesem Hintergrund hat sich der Inhaber von „1600 Pennsylvania“ in einem ausführlichen Beitrag für das Online-Magazin Corrigenda mit dem Thema Lebensschutz vs Wahlfreiheit im US-Präsidentschaftswahlkampf 2024 auseinandergesetzt. Der Beitrag ist hier einzusehen (Klick hier).
Behandelte Wahlkampfthemen auf „1600 Pennsylvania“
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Donald Trump und Vizepräsidentin Kamala Harris wurden von ihren jeweiligen Parteien offiziell als Präsidentschaftskandidaten nominiert. Im September geht der Wahlkampf sodann in die heiße Phase. Um in der Nachrichtenflut auf dem Weg zur US-Präsidentschaftswahl am 05.11.2024 auf dem Laufenden zu bleiben, fasst das neueste #uswahl2024 Update die wichtigsten Ereignisse des vergangenen Monats unaufgeregt, tiefgehend zusammen.
Umfragen
Kandidat
Landesweite Umfrage (Stimmungsindikator)
Wahlmännerprognose* (270 für Wahlsieg nötig)
Vizepräsidentin Kamala Harris (D)
46,6%
251
Donald Trump (R)
44,9%
287
Jill Stein (G)
0,9%
0
Cornel West (I)
0,7%
0
Der Stand der US-Präsidentschaftswahl 2024 zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des #uswahl2024 Update 08/2024 nach den auf Real Clear Politics veröffentlichten repräsentativen Umfragewerten/ Prognosen für die Wahlmännerverteilung.
Die Bundesstaaten Arizona, Georgia, Michigan, Nevada, Pennsylvania und Wisconsin gelten als Swing States, sprich als umkämpfte Staaten.
Kamala Harris – Die Vizepräsidentin
Gouverneur Tim Walz ist Vizepräsidentschaftskandidat
VP Harris hat sich am 06.08.2024 für Gouverneur Tim Walz aus Minnesota als ihren Vizepräsidentschaftskandidaten entschieden. Gouverneur Walz wurde im Jahr 1964 geboren, ist vom Beruf Lehrer und gehört dem progressiven Flügel der Demokratischen Partei an. In der Woche der Bekanntgabe bereisten VP Harris und Gouverneur Walz alle Swing States.
Demokratischer Nominierungsparteitag
Vom 19. bis 22.08.2024 hielten Demokraten ihren Nominierungsparteitag in Chicago, Illinois, ab. VP Harris und Gouverneur Walz nahmen in ihren viel beachteten Reden ihre Nominierungen als Präsidentschafts- beziehungsweise Vizepräsidentschaftskandidat offiziell an. Eine Zusammenfassung des Parteitags bietet ein eigener Beitrag (Klick hier).
Harris kopiert Trump-Vorschlag
Wer in den USA in der Dienstleistungsindustrie arbeitet und Trinkgeld für seine Arbeit bekommt, muss dieses versteuern. Vor diesem Hintergrund schlug schon im Juni Trump eine Abschaffung der Trinkgeld-Steuer vor. Im August zog Harris nach und bewarb nun ebenso ein Ende der Abgaben auf Trinkgelder.
Harris stellt ihre wirtschaftspolitischen Pläne vor
VP Harris hat ihre wirtschaftspolitischen Pläne vorgestellt. Laut dem Handelsblatt sind diese „linker und kostspieliger“ als es die Wirtschaftspolitik von Präsident Joe Biden ohnehin schon war. Explizit fordert VP Harris $ 6.000 für jedes neugeborene Kind sowie $ 25.000 Zuschuss beim Hauskauf. Des Weiteren will VP Harris Preiskontrollen bei Lebensmitteln einführen – eine Praxis, die schon unter zahlreichen sozialistischen Regierungen in Südamerika gescheitert ist.
Obama-Veteranen beraten Harris-Kampagne
Das Hauptquartier der Präsidentschaftswahlkampagne von Harris/Walz befindet sich zwar (weiterhin) in Wilmington, Delaware, der Heimatstadt von Präsident Biden. Doch die Vertrauten des amtierenden Präsidenten werden zunehmend an den Rand gedrängt. Zuletzt stellte die Kampagne von Harris/Walz mehrere Veteranen von Barack Obama ein. David Plouffe und Stephanie Cutter gelten vor diesem Hintergrund als die namhaftesten neuen Berater des demokratischen Wahlkampfteams.
Donald Trump – Der Herausforderer
Trump mit Gegenprogramm zum Demokratischen Parteitag
In US-Wahlkämpfen gab es die ungeschriebene Regel, dass während eines Parteitags die Gegenseite keine Wahlkampfveranstaltungen abhält. Trump führte auch diese Tradition ad absurdum. In der Woche des Demokratischen Parteitags hielt der Republikaner nämlich Wahlkampfveranstaltungen in Pennsylvania, Michigan, North Carolina und Arizona ab. Bei diesen Events fokussierte sich Trump auf die Themen Wirtschaft, Kriminalität, Nationale Sicherheit und Grenzsicherheit.
Musk führt Gespräch mit Trump auf X
Erfinder, Milliardär und Besitzer des Mikroblogs X (ehemals Twitter) Elon Musk hat mit Trump auf seinem sozialen Medium ein zweistündiges Gespräch geführt. Auf Grund von technischen Problemen konnte des Gespräch lediglich als Audio angehört werden. Trump verbreitete bei dieser Gelegenheit bekannte Unwahrheiten wie dessen Meinung über den Ausgang der Präsidentschaftswahl 2020.
Trump und Harris einigen sich auf (zunächst eine) TV-Debatte
Trump schlug bei einer Pressekonferenz in Mar-a-Lago, Florida, drei Termine für Fernsehdebatten mit Vizepräsidentin Harris vor: 04.09.2024 auf Fox News, 10.09.2024 auf ABC News und am 25.09.2024 auf NBC News. VP Harris bestätigte die Debatte auf ABC News. Trump wird unter anderem von der ehemaligen demokratischen Abgeordneten Tulsi Gabbard auf das Duell mit VP Harris vorbereitet. Die Debatte zwischen den Vizepräsidentschaftskandidaten richtet CBS News am 01.10.2024 aus. Weitere Hintergründe zu den TV-Debatten (Klick hier).
Pence wird seine Stimme nicht für Trump abgeben
Mike Pence war zwischen 2017 und 2021 unter Trump Vizepräsident der USA. Seine Stimme wird er bei der diesjährigen Präsidentschaftswahl jedoch nicht für seinen ehemaligen Vorgesetzten abgeben: „Ich kann nicht die andauernde Behauptung von Präsident Trump unterstützen, dass ich meinen Eid, die Verfassung zu unterstützen, hätte außer Acht lassen und auf eine Weise agieren sollen, die die Wahl gekippt hätte“. Pence will sich bei der Wahl enthalten.
Trump wirbt mit Reagan
Trumps Kampagne hat einen Werbespot geschalten, der sich auf einen berühmten Spot von Ronald Reagan bezieht und den ehemaligen Präsidenten darin sogar auftreten lässt: „Are you better off than you were 4 years ago?“ („Geht es dir/ euch besser als vor vier Jahren?“). In dem Werbefilm wird sich explizit auf die Entwicklung in den Bereichen Inflation, Einkommen, Arbeitsmarkt und Sicherheitspolitik bezogen.
Hackerangriff auf Trumps Kampagne
Dem Nachrichtenmagazin POLITICO wurden interne Dokumente von Trumps Kampagne zugespielt. Offenbar handelt es sich hierbei um einen Hackerangriff auf den Republikaner. Es wird der Iran verdächtigt. Schon zuvor ließ Microsoft verlautbaren, dass es einen iranischen Cyberangriff auf einen Präsidentschaftskandidaten gegeben hätte. Das FBI hat die Ermittlungen aufgenommen.
Drittkandidaten – Chancenlos und doch mit der Möglichkeit den Wahlausgang zu beeinflussen
Kennedy zieht sich zurück und unterstützt Trump
Robert F. Kenndy Jr. hat am 23.08.2024 seine Präsidentschaftskandidatur (in den Swing States) beendet, da er „keinen realistischen Weg zu einem Sieg im Wahlmännergremium“ erkennen kann. In seiner Rede übte Kennedy deutliche Kritik an Medien und Demokraten. Der ehemalige Demokrat unterstützt fortan die Kampagne des Republikaners Trump.
Wenige Stunden nach Kennedys Rückzug aus dem Präsidentschaftswahlkampf hielten er und Trump in Glendale, Arizona, eine gemeinsame Wahlkampfveranstaltung ab.
Termine
Datum
Ereignis
10.09.2024
TV-Debatte zwischen VP Harris und Trump (ABC News)
01.10.2024
VP-TV-Debatte zwischen Walz und Vance (CBS News)
05.11.2024
Präsidentschaftswahl
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Vom 19. bis 22.08.2024 hielten Demokraten ihren Nominierungsparteitag zur US-Präsidentschaftswahl 2024 im United Center zu Chicago, Illinois, ab. Obwohl 14,5 Millionen US-Amerikaner in den demokratischen Vorwahlen für Joe Biden als ihren erneuten Präsidentschaftskandidaten votierten, gab der amtierende US-Präsident bekanntlich auf Grund eines immensen, insbesondere von Nancy Pelosi forcierten, innerparteilichen Drucks seine Wiederwahlambitionen auf.
Am ersten Abend des Parteitags gestattete die Demokratischen Partei sodann Präsident Biden eine innerparteiliche Abschiedsrede, die ursprünglich zur besten Fernsehzeit angesetzt war. Doch auf Grund zahlreicherer Verzögerungen konnte Präsident Biden erst kurz vor Mitternacht Ortszeit die Bühne betreten. In seiner 50-minütigen Rede verteidigte Präsident Biden seine Bilanz als US-Präsident und zeigte sich stolz, seinem Land für 50 Jahre als Politiker gedient zu haben. Vizepräsidentin Kamala Harris als Präsidentschaftskandidatin zu inthronisieren, nannte Präsident Biden „die beste Entscheidung seiner Karriere“.
Doch unter der strahlend zur Schau gestellten Oberfläche rumort es beim amtierenden Präsidenten und dessen treuen Mitarbeitern weiterhin gewaltig. Insbesondere Pelosi wird es nicht verziehen, dass Präsident Biden zu einem „One-Term President“ (Präsident mit nur einer Amtszeit) gedrängt wurde. Nach seiner Rede verließ Präsident Biden mit seiner Familie umgehend Chicago, um die darauffolgenden Tage in der Nähe von Santa Barbara, Kalifornien, bei einem Kurzurlaub zu verbringen.
Des Weiteren richtete sich am ersten Tag das Hauptaugenmerk auf zwei Demokratinnen. Die eine Frau, Hillary Clinton, repräsentierte die Vergangenheit der Demokratischen Partei. Die einstige First Lady, U.S. Senatorin, Außenministerin und Präsidentschaftskandidatin plädierte für den Einzug der ersten Frau in das Weiße Haus. Die andere Frau, Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez, steht wiederum für die Zukunft der Demokraten. Die Vertreterin des radikalen „The Squad“ zeigte sich überzeugt, dass eine mögliche Harris-Administration sich für die Belange der Palästinenser einsetzen werde. Daran anschließend forderte U.S. Senator Gary Peters VP Harris dazu auf, sich von Präsident Bidens israelfreundlicher Politik zu distanzieren.
Der Höhepunkt des zweiten Tages waren die Reden von Michelle und Barack Obama. Das einstige First Couple fokussierte sich bei ihren Ansprachen auf Frontalangriffe gegenüber dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump. In Erinnerung dürfte insbesondere ein Satz der ehemaligen First Lady bleiben: „Wer sagt ihm [Trump], dass der Job, um den er sich gerade bewirbt, womöglich einer dieser ’schwarzen Jobs‘ ist?“ Des Weiteren beschrieben die Obamas Harris als ihre politische Nachfolgerin: „Die Hoffnung ist zurück!“
Am dritten Tag des Parteitags fokussierten sich Demokraten auf ihren Patriotismus gegenüber ihrem Land. Der ehemalige Präsident Bill Clinton sowie Gouverneur Tim Walz gehörten vor diesem Hintergrund zu den prominentesten Rednern. Vizepräsidentschaftskandidat Walz stellte sich dabei erstmals einem größeren Publikum vor. Thematisch befasste sich Walz mit dem Begriff „Freiheit“, unter dem Demokraten eine „freie Entscheidung in der Gesundheitsversorgung“ (Schwangerschaftsabbrüche) und einen sicheren Gang zur Schule (Waffenkontrolle) verstehen.
Am letzten und vierten Tag des Demokratischen Parteitags nahm VP Harris in einer 37-minütigen Ansprache ihre Nominierung als Präsidentschaftskandidatin offiziell an. Explizite politische Konzepte stellte VP Harris nicht vor. Vielmehr versprach die demokratische Kandidatin „Normalität“ im Weißen Haus, würde sie die Wahl im November für sich entscheiden. VP Harris zog, wie schon ihre Vorredner während der gesamten Woche in Chicago, einen deutlichen Kontrast zum republikanischen Kandidaten Trump.
Bildquellen: Creative-Commons-Lizenzen (via Google); Canva.com; eigene Grafiken. Zur besseren Lesbarkeit von Personenbezeichnungen und personenbezogenen Wörtern wird in der Regel die männliche Form genutzt. Diese Begriffe gelten für alle Geschlechter.
Die Rubrik „Wahlkampfthemen 2024“ behandelt bis zur Präsidentschaftswahl im November monatlich (Ausnahme Juli auf Grund der Beendigung der Wiederwahlkampagne von Präsident Joe Biden) einen für den Wahlausgang mitentscheidenden Politikbereich. Dabei wird die Ausgangslage der jeweiligen Thematik erläutert sowie die Positionen der Kandidaten beider großer Parteien in Kurzform dargestellt. Im Monat August wird folgendes Wahlkampfthema vorgestellt:
Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine
Die Ausgangslage
Am 24.02.2022 begann die Russische Föderation ihre vollumfängliche Invasion der Ukraine. Im größten Angriffskrieg seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs begehen russische Soldaten fortlaufend Kriegsverbrechen an der ukrainischen Bevölkerung. Zivilisten, auch Frauen und Kinder, werden von Russen gefoltert, vergewaltigt, massakriert. Grauenvolle Bilder aus Butscha und Mariupol, um nur zwei Städte zu nennen, gingen um die Welt. Zivile Gebäude werden von Russland fortlaufend angegriffen und dem Erdboden gleichgemacht, die Energieinfrastruktur zerstört.
Nach 2,5 Jahren Krieg besetzt Russland ein Fünftel des ukrainischen Staatsgebietes. Das mittel- bis langfristige Ziel der Herrscher im Kreml: Die Wiederherstellung des Groß-Russischen Reiches, zu dem nicht nur die heutige Ukraine gehören soll. Zuletzt konnte die Ukraine die Frontlinien im Süden und Osten des Landes jedoch nicht nur halten, sondern den Krieg sogar in die Russische Föderation bringen. Laut Kyiv kontrolliert die Ukraine Mitte August 2024 knapp 1.000 km2 des russischen Oblast Kursk. Eine Offensive, die vom Völkerrecht ebenso gestützt ist wie von den westlichen Verbündeten unter Führung der USA unterstützt wird.
"@georgewbarros at the Washington-based Institute for the Study of War says the Ukrainians 'achieved operational surprise against great odds and are currently exploiting Russia’s lack of readiness in its border areas.'" @CNN. pic.twitter.com/0oDvurRWEo
— Institute for the Study of War (@TheStudyofWar) August 10, 2024
Die Position von Vizepräsidentin Kamala Harris zum russischen Angriffskrieg auf die Ukraine
Kamala Harris hatte bis zur Wahl als Vizepräsidentin keinerlei außen- und sicherheitspolitische Erfahrungen aufzuweisen. Präsident Biden schickte auf Grund dessen seine Stellvertreterin jährlich zur Münchner Sicherheitskonferenz, damit diese erste Kontakte mit ausländischen Politikern knüpfen konnte. In den vergangenen drei Jahren stellte Vizepräsidentin Harris sodann im Hotel Bayerischer Hof die Position der Biden-Administration zum russischen Angriffskrieg auf die Ukraine vor.
Diese sah und sieht eine deutliche Verurteilung des Krieges vor. Die USA unter Biden/Harris unterstützen die Ukraine infolgedessen einerseits so stark, dass Kyiv kurz- und mittelfristig die militärische Auseinandersetzung gegen Russland schwerlich verlieren kann. Andererseits reicht die Unterstützung bei weitem nicht aus, um die russischen Invasoren aus ukrainischem Gebiet vollständig zurückdrängen zu können.
Die Vereinigten Staaten unter Biden/Harris handeln vielmehr nach der Prämisse, einen noch größeren Krieg auf dem Territorium der NATO-Verbündeten verhindern zu wollen. Als Exempel dient die Aufforderung von VP Harris im Februar, dass die Ukraine Angriffe gegenüber russischen Erdölraffinerien einstellen solle, da hierdurch die Gefahr einer weltweiten Steigerung des Erdölpreises drohen würde. Um den Krieg zu beenden wäre Präsident Biden nach eigener Aussage sogar für territoriale Zugeständnisse an Russland bereit, wohlwissend, dass er über ukrainisches Staatsgebiet nicht – direkt – entscheiden kann.
Zu Beginn der vollumfänglichen russischen Invasion bot die Biden/Harris-Administration dem ukrainischen Präsidenten Volodymir Zelensky und dessen Familie eine Evakuation an, welche dieser öffentlichkeitswirksam ablehnte. Es war der Beginn der US-amerikanischen und westlichen Unterstützung für die Ukraine, aber auch das Eingeständnis von Biden/ Harris, dass die sicherheitspolitischen Prioritäten für die USA nicht mehr in Europa liegen (sollen).
Unter einer möglichen Präsidentin Harris dürfte sich an der bestehenden Ukraine-Politik der USA wenig verändern. Führende Demokraten befürworten eine weitere Unterstützung der Ukraine, die allerdings nicht zu offensiv gestaltet werden soll. Jake Sullivan, Nationaler Sicherheitsberater des US-Präsidenten, sowie Phil Gordon, Nationaler Sicherheitsberater der Vizepräsidentin, werden für höhere Rollen in einer möglichen Harris-Administration gehandelt. Kontinuität in der bestehenden US-Sicherheitspolitik wäre damit garantiert. Allerdings hat VP Harris weitaus weniger Erfahrung in der Zusammenarbeit mit dem U.S. Kongress vorzuweisen als dies bei Präsident Biden der Fall ist. Eine Herausforderung, um mit Republikanern am Capitol Hill weitere Kompromisse für weitere US-Hilfen für die Ukraine zu schmieden.
Good meeting today with @AndriyYermak. Discussed follow-up to Ukraine’s recent Peace Summit, which @VP participated in, plans for next week’s NATO Summit, and the unwavering U.S. support for Ukraine in the face of continued Russian aggression. pic.twitter.com/OzHFKdyEDZ
Für einen positiven Aspekt hinsichtlich weiterer US-Hilfen für Kyiv sorgt Vizepräsidentschaftskandidat Tim Walz, der sich schon mehrmals mit der Ukraine solidarisierte. Als Gouverneur hat er in Minnesota eine Willkommenskultur für ukrainische Flüchtlinge geschaffen. Zwischen seinem Bundesstaat und der ukrainischen Region Tschernihiw initiierte Walz eine landwirtschaftliche Partnerschaft. Russische Vermögenswerte und Investitionen wurden in Minnesota unter Führung von Gouverneur Walz sanktioniert.
Die Position von Donald Trump zum russischen Angriffskrieg auf die Ukraine
Als US-Präsident war Donald Trump für Freunde wie für Feinde der Vereinigten Staaten von Amerika unberechenbar. Lobenden Worten für Diktatoren folgte eine Sicherheitspolitik aus einer Position der Stärke, welche eben jene Autokratien schwächen sollte. Laut The Brookings Institution verabschiedete die Trump-Administration beispielsweise die bis dahin stärksten Sanktionen gegenüber der Russischen Föderation. An der Unberechenbarkeit Trumps hat sich auch bei seiner dritten Präsidentschaftskandidatur ebenso wenig geändert wie dessen divergierende Worte und Taten.
Hierfür ist ein kurzer Rückblick vonnöten: Nach der völkerrechtswidrigen Annexion der ukrainischen Krim durch Russland verweigerte der damalige US-Präsident Barack Obama im Jahr 2014 die Lieferung von Waffen an die Ukraine. Laut der Obama-Administration hätte die Sendung von beispielsweise Panzerabwehrraketen des Typs Javelin an die Ukraine „Eskalationspotential“ – eine Logik, die auch heute noch von Demokraten bei der Sendung von bisher noch nicht gelieferten Waffen angeführt wird. Im Jahr 2018 kehrte Trump als Präsident die Politik seines Vorgängers um, der Verkauf von Javelins an die Ukraine wurde genehmigt. Als Präsident warnte Trump zudem, wie sich ab dem Jahr 2022 als richtig herausstellte, vor deutscher Abhängigkeit von russischem Gas.
Wer wissen will, warum sich Selenskyj und Trump treffen und warum das Verhältnis der beiden vielleicht gar nicht so schlecht ist wie häufig behauptet bzw das Verhältnis zu Biden schlechter ist als behauptet, muss diesen Podcast von vor einer Woche hören, den ich mit @bopanc…
Andererseits soll Trump Hilfsgelder für die Ukraine temporär blockiert haben, um sich Vorteile im Präsidentschaftswahlkampf 2020 zu verschaffen. Das erste – gescheiterte – Amtsenthebungsverfahren folgte. Vier Jahre später blockierten MAGA-Republikaner auf Anweisung Trumps aus wahlkampftaktischen Gründen monatelang weitere US-Hilfen für die Ukraine. Trumps Vorschlag, ein Teil der US-Hilfen als Darlehen für die Ukraine auszustellen, trug letztendlich zum Auflösen der Blockade teil. Unter einem Präsidenten Trump dürften weitere US-Hilfen, wenn überhaupt, in der Form von Darlehen ausgestellt werden. Zurückgezahlt werden müsste dieses laut Trump nur, wenn die Ukraine auch die Möglichkeiten dazu hätte.
Ganz dem Unternehmer stehen für Trump die ökonomischen Eigeninteressen an höchster Stelle. Von den Europäern erwartet Trump vor diesem Hintergrund höhere Militärausgaben sowie einen höheren Anteil an der Unterstützung für die angegriffene Ukraine. Trumps rein wirtschaftliches Denken ist in Bezug auf die Sicherheitspolitik sicherlich oftmals zu kurz gedacht. Weitere Waffenlieferungen, auch von Seiten der USA, an die Ukraine sind nämlich neben dem sicherheitspolitischen Interesse der USA in Europa auch gleichbedeutend mit Großaufträgen für US-Unternehmen. Mit den für die Ukraine verwendeten US-Steuergeldern werden letztendlich Arbeitsplätze für US-Amerikaner gesichert und geschaffen.
Den Krieg würde Trump laut eigener Aussage „innerhalb von 24 Stunden beenden“. Um dies zu erreichen brachte Trump zunächst Gebietsabtretungen von Seiten der Ukraine ins Spiel, da nach seiner Aussage ja ohnehin schon „russischsprachige Gebiete“ existieren würden. Um die Ukraine und Russland an den Verhandlungstisch zu bewegen, dachte der Beraterstab von Trump schon darüber nach, die Unterstützung für die Ukraine zunächst einzustellen. Sollte sich Moskau daraufhin nicht auf diplomatischem Wege bewegen, würden die USA nach dieser (fragwürdigen) Idee die Ukraine so stark aufrüsten wie nie zuvor.
Trump bleibt auch in Bezug auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine ein metaphorisch gesprochenes Buch mit sieben Siegeln, von einer Beendigung der US-Unterstützung bis hin zu einer viel stärkeren militärischen Ausrüstung der Ukraine wäre unter einer erneuten Trump-Präsidentschaft alles möglich. Gegen letzt genannte Möglichkeit spricht die Einstellung des republikanischen Vizepräsidentschaftskandidaten J.D. Vance, der weitere US-Hilfen für die Ukraine strikt ablehnt. Vielmehr sieht Senator Vance die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts in der aufstrebenden und immer aggressiver auftretenden Volksrepublik China. Immerhin eine Ansicht, bei der sich Republikaner und Demokraten einig sind. Eine Einigkeit, die für die Ukraine noch kostspielig werden könnte.
Behandelte Wahlkampfthemen auf „1600 Pennsylvania“
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