Die Buchbesprechung: „Kamala Harris: Die Biografie“ (Dan Morain)

Die ersten Wochen der Präsidentschaft von Joe Biden muteten wie eine Ausbildungszeit für Kamala Harris an. Die erste weibliche Vizepräsidentin begleitete den Präsidenten zu den meisten Terminen und lauschte im Hintergrund den Worten Bidens. Ein ungewöhnlicher Vorgang. Harris, so stellt es die Vermutung nahe, soll vom alteingesessenen Washingtoner Biden lernen. Da Harris nur eine Amtszeit als U.S. Senatorin amtierte, liegt dies Nahe. 

Schon Präsident Barack Obama wartete mit mangelnder praktischer Erfahrung im speziellen Washingtoner Politikbetrieb auf. Eine Begebenheit, welche die Beziehungen zwischen Weißem Haus und dem U.S. Kongress in der Ära Obama sicherlich nicht verbesserte. Gegenüber seinem weitaus erfahreneren Vizepräsidenten Biden galt Obama zumeist als beratungsresistent. Qua Amtes hat Biden als Präsident nun die nötige Autorität inne, um diesmal als Ratgeber auch gehört zu werden. 

Präsident Biden ist nicht der erste Lehrmeister und Förderer für Kamala Harris wie Dan Morain im 384 Seiten starken Werk „Kamala Harris. Die Biografie“ ausgearbeitet hat. Ausführlich beschreibt der Autor die äußeren Umstände und Beziehungen von Harris während ihrer juristischen Karriere in Kalifornien sowie später als U.S. Senatorin. Der Lebensweg von Vizepräsidentin Harris wird chronologisch nachgezeichnet. 

Morain, der einst für The Sacramento Bee und die Los Angeles Times als Journalist tätig war, lässt jedoch weitestgehend den nötigen Abstand zur Hauptperson vermissen. Das in der deutschsprachigen Fassung im Heyne Verlag erschienene Werk fehlt die nötige Objektivität sowie eine kritische Auseinandersetzung, so dass sich die Biografie über Kamala Harris phasenweise wie das Werk eines Wahlkampfhelfers liest. Als Exempel dient folgender Auszug: 

Der Kongress versagte. Er handelte weder im Jahr 2013 noch im Jahr darauf, noch im Jahr darauf. Aber Generalstaatsanwältin Harris hatte einen Plan. (S. 246)

Ein weiterer Minuspunkt sind offensichtliche Fehlinformationen. Beispielsweise wartet der Autor über die im Jahr 1940 geborene Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, und dem sechs Jahre später geborenen ehemaligen Präsidenten Donald Trump mit folgender Falschinformation auf:

Im Kongresssaal wurde Nancy Pelosi, die Ikone der Demokratischen Partei, die im selben Alter wie Donald J. Trump ist… (S. 197)

Letztendlich geht das Werk nicht über erste Informationen zum Lebensweg der ersten US-Vizepräsidentin hinaus. Für eine vertiefte Auseinandersetzung mit Kamala Harris ist die gleichnamige Biografie weniger geeignet. 

Vielen Dank an den Heyne Verlag für die Zusendung eines Rezensionsexemplars.  Weiterführende Informationen des Verlags (Klick hier).

Die offizielle Buchbeschreibung

Das Porträt einer selbstbewussten, starken und intelligenten Frau: Die erste deutschsprachige Biografie über Kamala Harris.

Kamala Harris ist die erste Frau im Amt des Vizepräsidenten der USA. Dan Morain schreibt in dieser Biografie über ihren Weg zur mächtigsten Frau im Land. Als Journalist, der sie auf diesem Weg viele Jahre lang begleitet hat, versteht er wie kaum ein anderer, welche Ereignisse Kamala Harris prägten und zu den Überzeugungen führten, für die sie entschlossen einsteht. Er zeigt, was es für sie bedeutete, als Tochter einer Inderin und eines Jamaikaners im Kalifornien der 60er- und 70er-Jahre aufzuwachsen, wie sie erst Attorney General von Kalifornien, dann US-Senatorin und schließlich Vizepräsidentin an der Seite von Joe Biden wurde. Auch dass ihr Weg dabei nicht frei von Niederlagen und Rückschlägen war, wird in Dan Morains Biografie deutlich: Kamala Harris hat loyale Unterstützer und erbitterte Gegner. Sie wollte Präsidentin werden und ist „nur“ Vizepräsidentin geworden – und doch ist sie die Hoffnung vieler, vor allem schwarzer Amerikanerinnen, denn Kamala Harris’ Weg zeigt, was sie in ihrem Land erreichen können.

Bildquellen: Creative-Commons-Lizenzen; Canva.com; eigene Grafiken; Heyne Verlag

Das Stimmungsbarometer 02/2021: Stärkung der Wirtschaft höchste Priorität für US-Amerikaner

#Blog1600Penn versorgt euch mit den aktuellsten repräsentativen Umfragen rund um
US-amerikanische Politik (Pfeil nach oben/unten: Wert ist zum Vormonat gestiegen/hat abgenommen). Quellen, falls nicht anders angegeben, sind die RCP-Durchschnittswerte.

Bildquellen: Creative-Commons-Lizenzen (via Google); The White House; U.S. Congress; frei verfügbare Bilder der jeweiligen Politiker; eigene Grafiken

Das Stimmungsbarometer 12/2020: Deutsche haben mehr Vertrauen in Putin als in Trump

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Bildquellen: Creative-Commons-Lizenzen (via Google); The White House; U.S. Congress; Biden-Kampagne; eigene Grafiken

Gesucht: Mehrheitsführer im U.S. Senat

Am 20. Januar 2021 um 12 Uhr Ortszeit geht das Weiße Haus von Präsident Donald Trump an den gewählten Präsidenten Joe Biden über. Die Residenz des US-Vizepräsidenten, das Number One Observatory Circle, wird mit Kamala Harris erstmals von einer Frau bezogen werden. Im U.S. Repräsentantenhaus herrscht indes Kontinuität: Die Demokratin Nancy Pelosi wird weiterhin Sprecherin und somit die drittwichtigste Person in Washington D.C. sein.

Ausgangslage zur Wahl des U.S. Senats

Mit den Präsidentschafts- und Kongresswahlen am 03. November 2020 haben sich allerdings noch nicht alle Mehrheitsverhältnisse geklärt. Welche Partei den U.S. Senat in den nächsten beiden Jahren anführt ist nämlich weiterhin ungewiss. Bislang besaß die Republikanische Partei eine Mehrheit von 53 U.S. Senatoren zu 45 Demokraten sowie zweier Unabhängiger, die in der Regel mit der Demokratischen Partei stimmen. Alle zwei Jahre wird ein Drittel der Sitze des U.S. Senats neu gewählt. Auf Grund zweier außerordentlicher Wahlen standen in diesem Jahr 35 Senatssitze zur Disposition.

Die Republikanische Partei musste hiervon 23 Sitze verteidigen, die Demokratische Partei benötigte hiervon je nach Ausgang der Präsidentschaftswahl drei oder vier Sitze, um die Mehrheit zu erlangen. Bei Stimmengleichheit entscheidet der Vorsitzende des U.S. Senats, qua Amt der Vizepräsident, über die Pattsituation.

Demokraten konnten bislang einen Sitz hinzugewinnen

Einen Wechsel der Mehrheitsverhältnisse gab es in Arizona und Colorado zugunsten der Demokratischen Partei. Republikaner konnten einen Sitz in Alabama hinzugewinnen. Als Erfolgsgeheimnis bewährte sich die Nominierung von prominenten Kandidaten. Der populäre ehemalige American Football Trainer Tommy Tuberville entschied das Rennen für die Republikaner in Alabama für sich.

Der ehemalige Gouverneur und Präsidentschaftskandidat John Hickenlooper siegte im mittlerweile konstant demokratisch wählenden Colorado. In Arizona triumphierte der einstige Astronaut Mark Kelly über die blasse republikanische U.S. Senatorin Martha McSally. Der demographische Wandel in Arizona, der Staat hat ein starkes Wachstum hispanischer US-Amerikaner zu verzeichnen, begünstigte die Demokratische Partei zudem.

Entscheidung über Mehrheitsverhältnisse fällt im Januar 2021

In der vorläufigen Zusammensetzung des U.S. Senats werden 50 Republikaner 48 Demokraten gegenüberstehen. Am 05. Januar 2021 kommt es im Bundesstaat Georgia noch zu zwei Stichwahlen. Die Wahlgesetzgebung des Peach State sieht nämlich, im Gegensatz zu den meisten anderen Staaten, eine Stichwahl vor, wenn kein Kandidat mehr als 50 Prozent der Stimmen erreicht. Die Republikanische Partei gilt als favorisiert zumindest eine der beiden Wahlen für sich zu entscheiden und somit die Mehrheit im U.S. Senat verteidigen zu können.

Doch wer amtiert eigentlich als Mehrheitsführer des U.S. Senats, sollten Demokraten beide Stichwahlen für sich entscheiden, so dass 50 Demokraten (inklusive zweier Unabhängiger) 50 Republikanern gegenüberstehen würden? Zunächst ist festzuhalten, dass im Gegensatz zur Sprecherin des U.S. Repräsentantenhauses der Mehrheitsführer im U.S. Senat nicht von der legislativen Kammer gewählt wird.

Lediglich die jeweiligen Fraktionen im U.S. Senat wählen ihre Führungsfiguren. Für die Republikanische Partei ist dies der amtierende Mehrheitsführer Mitch McConnell, für die Demokraten Chuck Schumer. Der Fraktionsführer der Partei, welche die meisten U.S. Senatoren stellt, hat automatisch den Titel des Mehrheitsführers inne. Kommt es zu einem Patt, fällt dieser Titel dem Fraktionsführer zu, dessen Partei auch den Vizepräsidenten stellt.

Bildquellen: Creative-Commons-Lizenzen (via Google); U.S. Congress; Hickenlooper-Kampagne; eigene Grafiken