Vom 15. bis 18.07.2024 hielten Republikaner ihren Nominierungsparteitag zur US-Präsidentschaftswahl 2024 im Fiserv Forum zu Milwaukee, Wisconsin, ab. Nach seiner gewonnenen Vorwahl wurde am ersten TagDonald Trump von den Delegierten offiziell zum Präsidentschaftskandidaten nominiert. Der 45. Präsident ließ es sich trotz eines Attentatsversuchs auf ihn zwei Tage zuvor nicht nehmen, diesen Moment live vor Ort beizuwohnen. Trump erschien ungewohnt gerührt und sichtlich mitgenommen von den Ereignissen vom Wochenende zuvor.
Ebenso wurde am ersten Abend des Parteitag Trumps Vizepräsidentschaftskandidat verkündet. Die Wahl fiel auf den im Jahr 1984 geborenen und erst seit zwei Jahren amtierenden U.S. Senator J.D. Vance. Vance wuchs in einer Arbeiterfamilie im Südwesten Ohios in Armut auf. Doch ihm gelang der Aufstieg mit einem Studium an der Yale Law School und einer Anstellung als Kapitalmanager.
In "Hillbilly Elegie" beschreibt @JDVance1, damals noch nicht politisch aktiv, sehr gut, warum Demokraten die Arbeiterklasse verloren haben und weshalb hierdurch der politische Aufstieg eines @realDonaldTrump möglich war. Absolute Leseempfehlung. #Blog1600Penn#JDVance#Trump
— 1600 Pennsylvania 🇺🇸 🇺🇦🇮🇱 (@Blog1600Penn) July 17, 2024
Im Jahr 2016 veröffentlichte Vance den Bestseller „Hillbilly Elegy“ – ein autobiographisches Werk über die Herausforderungen der weißen Arbeiterschaft. Am dritten Abend des Parteitags stellte sich Vance, der sich vom Trump-Kritiker zum Anhänger der Make America Great Again Bewegung gewandelt hat, erstmals einer breiteren Öffentlichkeit vor.
Tags zuvor stand der zweite Tag in Milwaukee ganz im Zeichen der Einheit innerhalb der Republikanischen Partei. Einstige Konkurrenten und Kritiker von Trump hielten Reden, bei der sie klarmachten, dass sie den Sieger der innerparteilichen Vorwahlen im Hauptwahlkampf unterstützen würden. Namentlich genannt seien an dieser Stelle U.S. Senator Ted Cruz, Gouverneur Ron DeSantis und die ehemalige Gouverneurin und US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley. Letztere wurde erst am Tag nach dem Attentat auf Trump zum Parteitag eingeladen.
Am vierten und letzten Tag des Republikanischen Nominierungsparteitags lag das Hauptaugenmerk auf der Dankesrede von Trump. Dabei sprach er in den ersten 15 Minuten seiner insgesamt 93-minütigen Rede wirkmächtig davon, wie er das Attentat auf ihn erlebt hatte: „Eigentlich sollte ich heute Abend nicht mehr hier sein“. Der Großteil von Trumps Rede brachte jedoch den typischen Wahlkampfsprech des Republikaners wieder, es wurden Migranten ebenso angegriffen wie Demokraten und Medien.
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„1600 Pennsylvania“ informiert über die aktuellsten repräsentativen Umfragen rund um US-amerikanische Politik (Pfeil nach oben/unten: Wert ist zum Vormonat gestiegen/hat abgenommen). Quellen, falls nicht anders angegeben, sind die auf Real Clear Politics veröffentlichten Durchschnittswerte der wichtigsten Umfrageinstitute.
Repräsentative Umfragen aus D.C.
Weitere repräsentative Umfragen
Repräsentative Umfragen rund um die #uswahl2024
Nicht-repräsentative Umfrage auf X
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Joe Biden ist der älteste amtierende Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika. Bei einer erfolgreichen Wiederwahl würde er am 20.01.2025 mit 82 Jahren seinen Amtseid ablegen. Am Ende seiner zweiten Amtszeit wäre Präsident Biden 86 Jahre alt. Mit voranschreitendem Alter ist es wenig verwunderlich, dass die Kräfte, zumal in solch einer stressreichen Position, nachlassen.
Doch das Weiße Haus sowie der Großteil der Demokraten und der Medien ließen Präsident Biden in einem tatenlosen Zustand erscheinen. Die Beschreibung der schon seit Jahren offensichtlichen kontinuierlichen Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Präsidenten wurde oftmals als republikanische Verschwörungstheorie abgetan. Bis das Kartenhaus bei der ersten Fernsehdebatte gegen Donald Trump doch noch zusammenfiel. Vor diesem Hintergrund erfährt der schon im vergangenen Jahr auf „1600 Pennsylvania“ publizierte Beitrag „Methusalems Erben“ eine Aktualisierung.
In den USA haben die Alten das politische Sagen
Das Durchschnittsalter der in Deutschland lebenden Bevölkerung stieg im Jahr 2021 auf 44,7 Jahre an. Auch das Medianalter der US-Amerikaner ist zuletzt angestiegen, liegt allerdings mit 38,8 Jahren im Jahr 2021 deutlich unter dem deutschen Schnitt. Die politische Führung der USA macht hingegen dem Methusalem, der mit 969 Jahren als der Ur-Vater schlechthin im Alten Testament beschrieben wird, alle Ehre.
Freilich sind an dieser Stelle Präsident Biden und dessen Vorgänger Trump zu nennen, die mit 82 Jahren respektive 78 Jahren im Januar 2025 jeweils eine zweite Amtszeit im Weißen Haus anstreben. Dabei sollte für nur 3% der US-Amerikaner laut einer repräsentativen Umfrage des Pew Research Center der amtierende US-Präsident älter als 70 Jahre alt sein. Für eine relative Mehrheit der US-Amerikaner (49%) sollte der Hausherr von 1600 Pennsylvania Avenue indes zwischen 50 und 59 Jahren sein.
80% der US-Amerikaner sind der Meinung, dass Präsident Biden zu alt für eine zweite Amtszeit sei.
Quelle: Repräsentative Umfrage von The Wall Street Journal.
Im Vorwahlkampf beider Parteien nahmen in diesem Jahr zahlreiche jüngere Kandidaten teil. Auf demokratischer Seite entschied sich beispielsweise der Abgeordnete Dean Phillips dafür, Amtsinhaber Biden herauszufordern. Seine Kandidatur begründete Phillips mit Bedenken gegenüber dem Alter und Gesundheitszustand von Präsident Biden. Phillips wurde daraufhin von seinen Parteikollegen einem so starken Mobbing ausgesetzt, dass sich der 55-jährige nach Ablauf der Legislaturperiode zu Beginn des neuen Jahres aus der aktiven Politik zurückziehen wird.
Im republikanischen Vorwahlkampf lag die Hoffnung auf einen Generationenwechsel indes bei Nikki Haley. Die 52-jährige ehemalige US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen und Gouverneurin von South Carolina thematisierte das Problem einer alternden politischen Klasse ebenso unaufhörlich wie ihr demokratischer Kollege Phillips:
Der U.S. Senat ist das privilegierteste Pflegeheim im Land.
Nikki Haley bei Fox News.
Mitch McConnell und Dianne Feinstein als Negativbeispiele
Was bei einer oberflächlichen Betrachtung wie eine Altersdiskriminierung klingen mag, ist doch gut begründet wie im weiteren Verlauf an den U.S. Senatoren Mitch McConnell und Dianne Feinstein aufgezeigt werden soll. Der Gesundheitszustand von McConnell sorgte sogar für Schlagzeilen über die Landesgrenzen der USA hinaus, als der seit 2007 amtierende republikanische Fraktionsvorsitzende bei Pressekonferenzen im Juli vergangenen Jahres für 20 Sekunden und im August für 30 Sekunden erstarrte.
Ob es sich hierbei um die Folgen einer Gehirnerschütterung handelte, die McConnell nach einem Sturz im März 2023 erlitt, ist unklar. Das Büro von McConnell versuchte so wenig wie möglich über den Gesundheitszustand des mittlerweile 82-Jährigen mitzuteilen. Erst nach großem innerparteilichen Druck wird sich McConnell im kommenden Jahr aus der Führungsriege zurückziehen. Sein Mandat wird er aber freilich weiterhin behalten.
Ebenso wenig von der Macht lassen konnte trotz voranschreitendem Alters und schwindender Kräfte die demokratische U.S. Senatorin Feinstein. Noch mit 90 Jahren vertrat sie trotz einer nachlassenden kognitiven Leistungsfähigkeit ihren Bundesstaat Kalifornien im U.S. Senat, den sie seit 1992 angehörte. Bei öffentlichen Anhörungen wiederholte Feinstein Fragen mehrmals, ohne zu wissen, dass sie diese Fragen schon stellte.
Bei Abstimmungen war Feinstein auf Hilfe ihrer Kollegen und Mitarbeiter angewiesen. Erst als die innerparteiliche Kritik an ihr größer wurde, zog sich Feinstein als Ausschuss-Vorsitzende zurück. Im Februar 2023 folgte der unfreiwillige Verzicht auf eine erneute Senatskandidatur im Jahr 2024. Sieben Monate später verstarb Feinstein im Amt.
Haley polarisierte mit ihren Vorschlägen
Wie also umgehen mit mächtigen U.S. Senatoren, die schon seit Jahrzehnten immer wieder als Volksvertreter nach Washington D.C. entsendet werden, jedoch weder mit ihrem fortschreitendem Alter noch mit ihren gesundheitlichen Beeinträchtigungen verantwortungsbewusst umgehen? Zur Problemlösung schlug Haley einerseits eine Ausweitung der Amtszeitbeschränkung, die bislang auf Bundesebene nur für den Präsidenten gilt, auf Mitglieder des U.S. Kongresses vor. Politische Karrieren der Bidens, Feinsteins oder McConnells wären damit ein Riegel vorgeschoben.
Andererseits sollte es laut Haley zukünftig mentale Tests für gewählte Politiker ab einem Alter von 75 Jahren in Washington D.C. geben. Ein Vorschlag, der zunächst für Kontroversen in den USA sorgte. Nach Präsident Bidens desaströser Fernsehdebatte im Juni 2024 erwärmen sich aber sogar Demokraten an diesem Vorschlag. Doch ist es letztendlich eine mögliche Problemlösung, die auch die Verzweiflung gegenüber das oftmals wenig durchdachte Wahlverhalten der Bevölkerung widerspiegelt wie Haley bei Face The Nation unterstrich:
Wir müssen damit aufhören, Personen zu wählen, die gut in Bildern aussehen oder die ein Baby gut halten können. Wir müssen damit aufhören Personen zu wählen, weil wir sie mögen und weil sie schon ewig da sind. Wir brauchen Amtszeitbeschränkungen, weil wir neue Ideen benötigen, neue Lösungen.
Nikki Haley bei Face The Nation auf CBS.
Ob der Appell von Nikki Haley an die Wählerschaft und an den U.S. Kongress fruchten wird? Die Zeit für Reformen drängt. Denn schon Frank Schirrmacher stellte in seinem Werk „Das Methusalem-Komplott“ fest, dass mit einer alternden Gesellschaft auch ein Clash of Generations einhergehen könnte. Die Demokratische Partei erlebt selbstverschuldet solch einen Kampf schon im Präsidentschaftswahlkampf des Jahres 2024.
Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Wisconsin machte Präsident #Biden deutlich, dass er nicht darüber nachdenkt, aus dem Präsidentschaftswahlkampf auszuscheiden: "Sie versuchen mich aus dem Rennen zu drängen. Lasst es mich so klar sagen, wie ich kann. Ich bleibe im Rennen." https://t.co/kP3HcbRdb7
— 1600 Pennsylvania 🇺🇸 🇺🇦🇮🇱 (@Blog1600Penn) July 6, 2024
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Die Vereinigten Staaten von Amerika wenden sich kontinuierlich von Europa ab, sehen die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts primär im Pazifik. Deutschland wiederum profitierte zwar in den vergangenen Jahrzehnten von der transatlantischen Freundschaft. Doch sehen laut einer repräsentativen Umfrage des Pew Research Center knapp die Hälfte aller Deutschen die USA negativ. Vor diesen Hintergründen äußert sich der Vorsitzende der Parlamentariergruppe USA, Dr. Sebastian Schäfer MdB von Bündnis 90/ Die Grünen, auf „1600 Pennsylvania“ exklusiv zum Stand der transatlantischen Beziehungen im Wahljahr 2024.
Dr. Sebastian Schäfer zog bei der Bundestagswahl 2021 über die Baden-Württembergische Landesliste von Bündnis 90/ Die Grünen in den Deutschen Bundestag ein. Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler ist Obmann seiner Fraktion im Haushaltsausschuss sowie Vorsitzender der Parlamentariergruppe USA. Weitere Informationen zu Dr. Sebastian Schäfer MdB gibt es auf seiner Website sowie auf seinen Social-Media-Präsenzen auf Facebook, Instagram und X.
Sie haben die Nachfolge von Jürgen Trittin als Vorsitzender der Parlamentariergruppe USA übernommen. Was hat es mit solch einer Gruppe auf sich, was sind die Aufgaben und Ziele?
Die Parlamentariergruppen gibt es seit 1951 im Deutschen Bundestag. Aufgabe und Ziel ist es, kontinuierlich engen und persönlichen Kontakt mit den Kolleginnen und Kollegen der jeweiligen Partnerländer und -regionen zu halten. Aktuell gibt es 47 überfraktionelle Parlamentariergruppen. Die Parlamentariergruppe USA ist mit über 100 Mitgliedern die größte Gruppe.
Ich freue mich sehr, dass ich seit Januar 2024 den fraktionsübergreifenden Vorstand der Parlamentariergruppe USA anführen darf. Mit dem Superwahljahr in Europa und den Vereinigten Staaten ist es ein besonderes Jahr für das transatlantische Verhältnis. Wir pflegen mit vielen Menschen und Institutionen einen intensiven Austausch und verfolgen die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in den USA sehr eng.
Weisen Sie neben Ihrem politischen Engagement auch persönliche Beziehungen zu den Vereinigten Staaten auf?
Im Rahmen des Parlamentarischen Patenschaftsprogramms des Deutschen Bundestages hatte ich die Möglichkeit, mein 11. Schuljahr an einer High School in Minnesota zu verbringen. Spätestens dieser intensive Kontakt mit dem Land und den Leuten vor Ort hat mich zu einem überzeugten Transatlantiker gemacht. Später konnte ich während meines Studiums Studienabschnitte am Beloit College in Wisconsin und an der University of California in Berkeley verbringen. Da sind starke persönliche Verbindungen entstanden.
Zuletzt durfte ich 2022 als Marshall Memorial Fellow des German Marshall Fund das Land intensiv bereisen. Als Berichterstatter meiner Fraktion für den Verteidigungsetat bin ich öfter in den USA. In der Sicherheitspolitik ist der transatlantische Austausch in Zeiten des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine ganz besonders wichtig.
Steckbrief Dr. Sebastian Schäfer MdB
Geburtsdatum
11.07.1979
Geburtsort
Dettelbach, Bayern
Ausbildung
Universitäten Erfurt und Berkeley (Staatswissenschaften, Philosophie, Wirtschaftswissenschaften)
Politischer Werdegang
Bundestagsabgeordneter (seit 2021)
Die erste Amtszeit von Präsident Joe Biden geht ihrem Ende entgegen. Wie beurteilen Sie Bidens Präsidentschaft aus Sicht der transatlantischen Beziehungen?
Für Joe Biden hat die internationale Kooperation und ganz besonders das transatlantische Verhältnis eine besondere Bedeutung. Durch die gemeinsame Unterstützung konnte die Ukraine in ihrem tapferen Abwehrkampf gegen die russische Aggression gestärkt werden. Die zwischenzeitliche Blockade der Unterstützung in den USA konnte durch seine Führung gelöst werden. Ich würde mir aber insgesamt eine stärkere Unterstützung der Ukraine wünschen, damit Putins imperialer Expansionsdrang wirklich gestoppt wird.
Aber natürlich verändert sich das transatlantische Verhältnis. Schon Barack Obama hat den Fokus stärker Richtung Asien gelegt. Europa muss mehr Verantwortung übernehmen, insbesondere für seine Sicherheit. Auch bei einer zweiten Amtszeit von Joe Biden ist damit zu rechnen, dass auf Europa große Aufgaben zukommen. Bei der schwierigen geopolitischen Lage auf der Welt bleibt ein enges, vertrauensvolles Verhältnis zwischen Europa und den Vereinigten Staaten für uns absolut essenziell.
Mit dem Inflation Reduction Act verantwortete die Biden-Administration die bislang größten monetären Anstrengungen in der US-Geschichte zur Bekämpfung der Klimakrise. Ein guter Anfang?
Der Inflation Reduction Act ist ein großer Erfolg der Biden-Administration. Die Vereinigten Staaten haben richtig Geld in die Hand genommen, um wichtige Anreize für Investitionen in Klimaschutz und nachhaltige Technologien zu setzen. Das ist ein guter Anfang, wir werden die Menschheitsaufgabe des Kampfes gegen die Klimakrise nur gemeinsam gewinnen können.
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der Inflation Reduction Act protektionistisch angelegt ist. Gerade für unseren am Export orientierten Standort ist das eine Herausforderung.
Ihr Wunsch für die transatlantischen Beziehungen in den kommenden Jahren?
Das transatlantische Verhältnis bleibt zentral. Wir müssen dieses Verhältnis auf allen Ebenen pflegen, nicht nur auf Regierungs- und Parlamentsebene, sondern auch auf Ebene der Bundesstaaten und der Städte. Jugendaustausch, persönliche Begegnungen, die zu Freundschaften führen, das ist das Fundament für unsere engen Beziehungen.
Das freundschaftliche transatlantische Verhältnis ist keine Selbstverständlichkeit. Nicht zuletzt in den Gesprächen, die wir im Rahmen der Parlamentariergruppe USA führen, nehme ich wahr, dass es viele Bemühungen gibt, neue Gesprächskanäle zu etablieren oder bestehende weiter zu vertiefen.
Der amerikanische Souverän trifft bei den Wahlen am 5. November wichtige Entscheidungen für die Zukunft, auch hinsichtlich der transatlantischen Beziehungen. Ich werde weiter daran arbeiten, dass die hervorragenden Beziehungen zwischen den USA und Deutschland bestehen bleiben und weiter ausgebaut werden.
Am 05.11.2024 findet in den Vereinigten Staaten von Amerika die Präsidentschaftswahl statt. Im Sommer werden Präsident Joe Biden sowie Donald Trump auf ihren jeweiligen Parteitagen offiziell als Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen beziehungsweise der Republikanischen Partei ausgerufen. Die wichtigsten Informationen und Hintergründe rund um die Wahl des Jahres hat das neueste #uswahl2024 Update zusammengestellt.
Umfragen
Kandidat
Landesweite Umfrage (Stimmungsindikator)
Wahlmännerprognose* (270 für Wahlsieg nötig)
Donald Trump (R)
42,3%
302
Präsident Joe Biden (D)
39,7%
226
Robert F. Kennedy Jr. (I)
7,2%
0
Cornel West (I)
1,4%
0
Jill Stein (G)
1,3%
0
Der Stand der US-Präsidentschaftswahl 2024 zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des #uswahl2024 Update 06/2024 nach den auf Real Clear Politics veröffentlichten repräsentativen Umfragewerten/ Prognosen für die Wahlmännerverteilung.
Die Bundesstaaten Arizona, Georgia, Michigan, Nevada, Pennsylvania und Wisconsin gelten als Swing States, sprich als umkämpfte Staaten.
Die erste Fernsehdebatte
Am 27.06.2024 richtete CNN in seinem Studio Atlanta, Georgia, das erste Fernsehduell zwischen Präsident Biden und seinem Herausforderer Trump aus. In der von Dana Bash und Jake Tapper moderierten Debatte standen sich erstmals in der US-Geschichte ein amtierender und ein ehemaliger Präsident gegenüber. Während Trump einen disziplinierten Auftritt hinlegte, dürften die altersbedingten Fragezeichen hinter einer weiteren möglichen Amtszeit von Präsident Biden noch lauter geworden sein. Laut einer Befragung von CNN sahen 67% der Zuschauer Trump als Sieger der Debatte.
Höhepunkte
Die Debatte in voller Länge
Können Demokraten Biden „ersetzen“?
Nach dem schlechten Auftritt bei der ersten TV-Debatte stellt sich die Frage, ob Demokraten Präsident Biden als ihren Präsidentschaftskandidaten „ersetzen“ könnten. Die Antwort: Ja, aber dafür müsste Präsident Biden einwilligen. Ein wohl chaotischer Nominierungsparteitag wäre die Folge. Weitere Hintergründe zu dieser Thematik gibt es in einem eigenen Beitrag (Klick hier).
Präsident Joe Biden – Der Amtsinhaber
Biden startet Werbeoffensive
Die Wiederwahlkampagne von Präsident Biden hat im Juni $ 50 Millionen in Werbespots, die in Swing States vor der ersten TV-Debatte geschalten wurden, investiert. Der Spot „Character Matters“ fokussiert sich auf Trumps Schuldspruch im Fall „Stormy Daniels“: „Trump ist ein verurteilter Straftäter, dem es nur um sich geht“.
Biden verschärft Asylregeln
Für US-Amerikaner ist die Migrationspolitik auch im diesjährigen Präsidentschaftswahlkampf eines der wichtigsten Themen. Präsident Biden hat im Juni mit einem Exekutiverlass auf die hohe Anzahl illegaler Grenzübertritte reagiert. Die Verordnung vereinfacht es unter anderem für die Behörden illegale Migranten abzuschieben. Die neuen Regeln treten in Kraft, sobald die Zahl der irregulären Grenzübertritte 2.500 pro Tag erreicht und werden erst wieder aufgehoben, wenn die Zahl langfristig auf 1.500 sinkt.
Hunter Biden schuldig gesprochen
Hunter Biden, Sohn von Präsident Biden, wurde am 11.06.2024 von einem Geschworenengericht wegen mehrerer Verstöße gegen das Waffenrecht schuldig gesprochen. Unter anderem verschwieg Hunter Biden beim Waffenkauf seine Drogenabhängigkeit. Richterin Maryellen Noreika wird das Strafmaß zu einem späteren Zeitpunkt verkünden. Hunter Biden drohen bis zu 25 Jahre Haft.
Donald Trump – Der Herausforderer
Trump wirbt für Abschaffung der Trinkgeld-Steuer
Wer in den USA in der Dienstleistungsindustrie arbeitet und Trinkgeld für seine Arbeit bekommt, muss dieses versteuern. Bei einer Wahlkampfveranstaltung im Spielerparadies Las Vegas, Nevada, brachte Trump eine Abschaffung dieser Steuer ins Spiel: „Das ist das erste Mal, dass ich das sage, und für die Hotelangestellten und die Leute, die Trinkgeld bekommen, wird es eine große Freude sein, denn wenn ich im Amt bin, werden wir keine Steuern auf Trinkgelder erheben.“ Nevada votierte zuletzt im Jahr 2004 für einen republikanischen Präsidentschaftskandidaten. Trump liegt repräsentativen Umfragen zur Folge gegenwärtig im Silver State in Front.
Starke Spendeneinnahmen für Trump
Trumps Kampagne konnte im Mai $ 141 Millionen an Spenden generieren. Zu einem starken Zuwachs an Spendeneinnahmen kam es nach dem Schuldspruch gegen Trump im Fall „Stormy Daniels“. Trumps Super Pac MAGA Inc. verzeichnete Einnahmen von $ 70 Millionen, die primär in Werbespots in Pennsylvania, Georgia, Arizona und Nevada ausgegeben werden sollen. Damit hat Trumps Kampagne erstmals mehr an Spenden in einem Monat eingenommen als die Wiederwahlkampagne von Präsident Biden, die $ 81 Millionen generieren konnte.
Team Trump mit Plan für die Ukraine?
Der pensionierte General Keith Kellogg sowie Fred Fleitz versuchen Trump davon zu überzeugen, der Ukraine keine weitere militärische Ausrüstung zur Verfügung zu stellen, sollte der 45. US-Präsident in das Weiße Haus zurückkehren. Die Logik dahinter: Der Krieg soll „eingefroren“, Russland an den Verhandlungstisch gezwungen werden. Sollte Moskau dem nicht nachkommen, könnte der Ukraine auch weitere militärische Ausstattung aus den USA zur Verfügung gestellt werden.
Vor diesem Hintergrund ist auch Trumps Aussage bei einer Wahlkampfveranstaltung einzuordnen, bei der er den ukrainischen Präsidenten Volodymir Zelensky in Bezug auf die ausgestellten US-Hilfen für das kriegsgeplagte Land abfällig als den „größten Geschäftsmann in der Geschichte“ bezeichnete.
In der neuesten Ausgabe von Foreign Affairs stellt Robert O’Brien zudem die wahrscheinliche Außen- und Handelspolitik einer möglichen zweiten Trump-Präsidentschaft vor (Klick hier).
Explore our July/August issue, featuring Robert O’Brien on the case for Trump’s foreign policy and trade policy; Megan Stewart, Jonathan Petkun, and Mara Revkin on the case for a progressive use of American power; and more.https://t.co/mMmvXmLjXM
Als Präsident wollte Trump noch die chinesische Social Media Plattform TikTok verbieten lassen. Als erneuter Präsidentschaftskandidat hat sich der Republikaner nun einen Wahlkampfaccount einrichten lassen, um primär junge Wähler besser erreichen zu können. Innerhalb von 24 Stunden folgten Trump schon 1,7 Millionen Accounts. Präsident Biden, der schon länger auf TikTok aktiv ist, kommt auf 330.000 Follower.
Trump erstmals seit 2021 wieder am Capitol Hill
Erstmals seit Beendigung seiner Präsidentschaft kehrte Trump Anfang Juni an den Capitol Hill zurück. Im U.S. Kongress traf sich der ehemalige Präsident mit führenden Republikanern, um eine mögliche gemeinsame Agenda nach den Präsidentschafts- und Kongresswahlen zu besprechen.
Drittkandidaten – Chancenlos und doch mit der Möglichkeit den Wahlausgang zu beeinflussen
Kennedy bislang in sechs Staaten wählbar
Die einzelnen Bundesstaaten regeln unabhängig voneinander, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um auf den jeweiligen Wahlzetteln zur Präsidentschaftswahl stehen zu können. Robert F. Kennedy Jr. ist bislang in sechs Bundesstaaten wählbar: Delaware, Hawaii, Kalifornien, Michigan, Oklahoma und Utah. In 13 weiteren Staaten steht Kennedy kurz vor der Erreichung der jeweiligen Voraussetzungen.
Vermine Supreme kandidiert für die Piratenpartei
Die US-Piratenpartei hat auf ihrem Parteitag in Illinois den anarchistischen Satiriker Vermine Supreme als Präsidentschaftskandidaten nominiert. In der Vergangenheit nahm der 63-Jährige schon an den Vorwahlen verschiedenster Parteien teil. Die Flaschenpost wartet mit Hintergründen zur Nominierung auf (Klick hier).
Sonstiges
Neues Format informiert über die US-Wahl
Jeden Mittwoch um 15.30 Uhr oder jederzeit online informiert WELT TV ab sofort im „WELTblick auf Amerika“ über US-Politik und die anstehende Präsidentschaftswahl. Das knapp halbstündige Format wird von USA-Kenner und WELT-Chefredakteur Jan Philipp Burgard moderiert.
In eigener Sache: Ehemaliger Obama-Wahlkämpfer empfiehlt „1600 Pennsylvania“
Der renommierte internationale Kampagnen- und Strategieberater Julius van de Laar hat die Arbeit von „1600 Pennsylvania“ gewürdigt und als Informationsquelle für die US-Wahl empfohlen. Vielen Dank! Van de Laar war unter anderem im Präsidentschaftswahlkampf 2012 als Regional GOTV Director für den Bereich Wählermobilisierung für Barack Obama im wahlentscheidenden Schlüsselstaat Ohio tätig.
Und auch @Blog1600Penn ist ein wunderbarer Ort um sich mit Analysen und Insights zur US-Wahl einzudecken – wie z.B. diesen Zustimmungswerten von POTUS. Kai-Uwe Hülss ist seit Jahren enger Beobachter und Kenner der US-Politik 👉 highly recommend! https://t.co/CSSDLL2S9s
— Julius van de Laar (@juliusvandelaar) June 19, 2024
Termine
Datum
Ereignis
15. – 18.07.2024
Republikanischer Nominierungsparteitag in Milwaukee, WI
19. – 22.08.2024
Demokratischer Nominierungsparteitag in Chicago, IL
10.09.2024
TV-Debatte zwischen Präsident Biden und Trump (ABC News)
05.11.2024
Präsidentschaftswahl
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