„1600 Pennsylvania“ informiert über die aktuellsten repräsentativen Umfragen rund um US-amerikanische Politik (Pfeil nach oben/unten: Wert ist zum Vormonat gestiegen/hat abgenommen). Quellen, falls nicht anders angegeben, sind die auf Real Clear Politics veröffentlichten Durchschnittswerte der wichtigsten Umfrageinstitute.
Repräsentative Umfragen aus D.C.
Weitere repräsentative Umfragen
Repräsentative Umfragen rund um die #uswahl2024
Nicht-repräsentative Umfrage auf X (ehemals Twitter)
— 1600 Pennsylvania 🇺🇸 🇺🇦🇮🇱 (@Blog1600Penn) May 13, 2024
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Die Neuauflage des Duells um das Weiße Haus zwischen Präsident Joe Biden und Donald Trump verspricht einen engen Wahlausgang. Ein halbes Jahr vor dem Urnengang hat der Herausforderer laut repräsentativen Umfragen in den entscheidenden Swing States einen leichten Vorteil inne. Infolgedessen versucht die Wiederwahlkampagne von Präsident Biden für die Demokratische Partei bedeutende Wählergruppen insbesondere in drei Themenbereichen für sich (wieder) zu gewinnen.
Biden wirbt für ein liberales Abtreibungsrecht
Im Juni 2022 gab der Supreme Court in einem Grundsatzurteil das Recht zur Regelung von Schwangerschaftsabbrüchen an die einzelnen Bundesstaaten zurück. Die bis dahin bestehende landesweite liberale Regelung, die ihren Ursprung in den 1970er Jahren im Urteil Roe vs Wade hatte und Abtreibungen bis zur Überlebensfähigkeit des Fötus erlaubte, wurde somit nach mehr als 50 Jahren aufgehoben. Bundesstaaten und deren Bürger entscheiden folglich nun eigenständig über ihre jeweiligen Regelungen zu Schwangerschaftsabbrüchen.
Im Präsidentschaftswahlkampf des Jahres 2024 wirbt Präsident Biden, als Katholik ursprünglich ein Verfechter des Lebensschutzes, und Vizepräsidentin Kamala Harris für eine landesweite einheitliche liberale Regelung. Roe vs Wade soll als Gesetz verankert, Abtreibungen bis zur Überlebensfähigkeit des Fötus erlaubt werden. Mit dieser, gegenwärtig sehr offensiv beworbenen, Position versuchen Demokraten primär bei Frauen in den Vorstädten zu punkten. Ebenso soll die eigene Basis, die laut dem Pew Research Center zu 80% eine Liberalisierung des Abtreibungsrechts befürwortet, für die Wahl im November motiviert werden.
Donald Trump overturned Roe v. Wade.
Because of him, 1 in 3 women in America already live under dangerous abortion bans that put their lives at risk and threaten doctors with prosecution.
Biden-Administration stuft Gefahr durch Marihuana herunter
Im Präsidentschaftswahlkampf 2020 versprach Biden als Präsident den Besitz von Marihuana entkriminalisieren zu wollen. Zwei Jahre später löste er sein Versprechen mit einem dazugehörigen Präsidentenerlass teilweise ein. Alle Personen, die wegen Besitzes von Marihuana verurteilt wurden, erfuhren durch Präsident Biden eine Begnadigung.
Ebenso im Jahr 2022 wies der 46. US-Präsident die zuständigen Ministerien dazu an, einen Plan zu erarbeiten, wie Marihuana als weniger gefährliche Droge eingestuft werden könnte. Mit solch einer Einstufung könnte unter anderem der Kauf und Verkauf von Marihuana einfacher vonstatten gehen. Anfang Mai übersandte das US-Justizministerium dem Weißen Haus sodann einen expliziten Vorschlag. Dieser sieht vor, dass Marihuana von der bisherigen Gefahrenkategorie 1, zu der auch LSD und Heroin gehören, in die Gefahrenkategorie 3 eingeordnet werden soll. Eine Kategorie, welche die Wahrscheinlichkeit einer möglichen Drogenabhängigkeit als gering einstuft.
Mit einer liberalen Drogenpolitik werben Demokraten erneut um die Stimmen junger US-Amerikaner. Laut dem Pew Research Center befürworten 88% der US-Amerikaner auch die Legalisierung von Marihuana zur medizinischen Behandlung und/ oder für private Zwecke. In den vergangenen Jahren legalisierten schon zahlreiche Bundesstaaten den Konsum von Marihuana.
Weißes Haus erlässt Studienkredite
Wer in den USA eine weiterführende Schule, zum Beispiel eine Universität, besucht, muss Studiengebühren bezahlen. Finanziert werden diese in der Regel durch die Aufnahme von Studienkrediten, die teilweise jahrzehntelang zurückgezahlt werden müssen. Präsident Biden versprach 2020 mehr als 30 Millionen US-Amerikanern ihre Studienschulden zu erlassen. Doch der Supreme Court urteilte im Jahr 2023, dass ein genereller Teilerlass von Studienkrediten in Höhe von $ 400 Milliarden auf Grund einer Überschreitung der exekutiven Kompetenzen nicht rechtens sei.
Auf Grund dessen verfolgt das Weiße Haus nun die Zielerreichung durch die Verabschiedung kleinerer Maßnahmenpakete, die unter anderem durch das Hochschulgesetz gedeckt sind. Laut Bildungsminister Miguel Cardona habe die Administration so schon mehr als 4 Millionen US-Amerikanern, größtenteils unabhängig von ihrem jetzigen Einkommen, einen Teilerlass von Studienschulden in der Höhe von mehr als $ 150 Milliarden genehmigt. Präsident Biden stellt im Rahmen von Wahlkampfauftritten regelmäßig neue Pläne zum Erlass von Studienkrediten vor.
Fazit: Fokus auf Kernwählerschaft
In der frühen Phase des Hauptwahlkampfs konzentriert sich Präsident Biden auf die Mobilisierung seiner Kernwählerschaft. Dabei werden die Worte von Barack Obama zur Realität, die einst Biden als „progressivsten US-Präsidenten aller Zeiten“ vorhersahen. Eine Zustandsbeschreibung, die nur auf Grund eines polarisierenden Herausforderers und einer seit Jahrzehnten steigenden Polarisierung im Land in einem Wahlkampfjahr möglich ist ohne die eigenen Wiederwahlchancen zu minimieren. Mit Lösungsvorschlägen für die wichtigsten Wahlkampfthemen aller US-Amerikaner, Wirtschaft und Migration, lässt Präsident Biden indes noch auf sich warten.
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Am 05.11.2024 findet in den Vereinigten Staaten von Amerika die Präsidentschaftswahl statt. Im Sommer werden Präsident Joe Biden sowie Donald Trump auf ihren jeweiligen Parteitagen offiziell als Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen beziehungsweise der Republikanischen Partei ausgerufen. Die wichtigsten Informationen und Hintergründe rund um die Wahl des Jahres hat das neueste #uswahl2024 Update zusammengestellt.
Umfragen
Kandidat
Landesweite Umfrage (Stimmungsindikator)
Wahlmännerprognose* (270 für Wahlsieg nötig)
Donald Trump (R)
40,3%
235
Präsident Joe Biden (D)
39,4%
226
Robert F. Kennedy Jr. (I)
10,4%
0
Cornel West (I)
2,0%
0
Jill Stein (G)
1,5%
0
Der Stand der US-Präsidentschaftswahl 2024 zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des #uswahl2024 Update 04/2024 nach den auf Real Clear Politics veröffentlichten repräsentativen Umfragewerten/ Prognosen für die Wahlmännerverteilung.
Sechs Bundesstaaten gelten gegenwärtig als sehr umkämpft.
Präsident Joe Biden – Der Amtsinhaber
Kennedy-Familie unterstützt Biden
Ein Dutzend Mitglieder des Kennedy-Clans unterstützen offiziell die Kampagne von Präsident Biden. Damit grenzt sich die Kennedy-Familie von Robert F. Kennedy Jr. ab, der als unabhängiger Kandidat bei der Präsidentschaftswahl antritt. Besonders schmerzlich für Kennedy Jr.: Selbst seine Schwestern Kerry und Rory haben sich von ihm distanziert.
Bidens Nahostproblem
Seit Oktober 2023, als die islamistische Hamas Israel angriff, steht der Nahostkonflikt wieder auf der Tagesordnung internationaler Politik. Für Präsident Biden eine Herausforderung zur Unzeit, ist er qua Amt und eigener politischer Einstellung doch der Solidarität mit Israel verpflichtet, doch Teile der demokratischen Wählerschaft stehen auf der Seite der Palästinenser.
In den vergangenen Wochen nahmen sodann antizionistische und antisemitische Demonstrationen an Universitäten stark zu. Aus wahlkampftaktischen Gründen hat sich Präsident Biden von diesen, teils gewaltsamen, Protesten bislang nicht deutlich distanziert. Nachdem auch ein medialer Druck auf das Weiße Haus weitestgehend ausbleibt, entsteht der Eindruck, dass Antisemitismus geduldet wird, sofern dieser von der „richtigen“ politischen Seite kommt.
US-Wirtschaft wächst weniger stark als erwartet
Die Entwicklung der heimischen Wirtschaft ist die Achillesferse eines jeden Präsidenten. Vor diesem Hintergrund dürften Präsident Biden die neuesten Wirtschaftsdaten nicht gefallen. Im ersten Quartal des Jahres wuchs die US-Wirtschaft nämlich nur noch um 1,6%. Experten erwarteten jedoch ein Wachstum von 2,5%. US-Amerikaner schreiben laut repräsentativen Umfragen zudem Präsident Bidens Konkurrenten Trump eine höhere Wirtschaftskompetenz zu.
Donald Trump – Der Herausforderer
Trumps Kampagne mit Rekordeinnahme
Präsident Biden hat bislang knapp dreimal so viele monetäre Mittel für den Präsidentschaftswahlkampf zur Verfügung als sein Herausforderer Trump. Der Hedge Fund Manager John Paulson versuchte diesen finanziellen Vorteil des Amtsinhabers zu verkürzen, in dem er im April in Palm Beach, FL, zu einer Spendengala rief. Für Trumps Kampagne war der Abend ein voller Erfolg, konnten doch rekordverdächtige $ 50 Millionen an Spenden eingenommen werden.
Trump positioniert sich in der Abtreibungsfrage
Präsident Biden und die Demokratische Partei setzen sich für eine landesweite Liberalisierung des Abtreibungsrechts bis zur Überlebensfähigkeit des Fötus ein. Konservative und strenggläubige Republikaner würden am liebsten Abtreibungen komplett verbieten. In einem Statement auf Truth Social hat Trump nun seine Position zur Thematik vorgestellt: Es ist ein Mittelweg. Gleichwohl er sich für den Lebensschutz einsetze, so Trump, sollte jeder Bundesstaat, sprich dessen Bürger, selbst über sein Abtreibungsrecht entscheiden dürfen. Dies hätte zur Folge, dass konservativere Staaten striktere, liberalere Staaten großzügigere Regeln hätten.
Prozessbeginn gegen Trump
Seit dem 15.04.2024 muss sich mit Trump erstmals ein Ex-Präsident vor Gericht verantworten. In New York City wird Trumps Vertuschung von Schweigegeldzahlungen und eine hierdurch bedingte mögliche Einflussnahme auf die Präsidentschaftswahl 2016 verhandelt. Im Bundesstaat New York sind Schweigegeldzahlungen nicht illegal, jedoch die Tarnung der Zahlung durch Fälschung von Geschäftsdokumenten wie es Trump vorgeworfen wird.
Rubio und Burgum Mitfavoriten auf VP-Nominierung
Wer wird Trumps Vizepräsidentschaftskandidat? Laut dem Wahlkampfteam des 45. US-Präsidenten haben mittlerweile Marco Rubio, U.S. Senator aus Florida, und Doug Burgum, Gouverneur aus North Dakota, an Ansehen bei Trump gewonnen. Die Chancen für Kristi Noem an der Seite Trumps in den Wahlkampf zu ziehen sind indes gesunken. Die Gouverneurin von South Dakota löste nämlich einen Shitstorm gegenüber ihre Person aus, als sie damit prahlte, einst ihren 14 Monate alten Hund getötet zu haben.
Drittkandidaten – Chancenlos und doch mit der Möglichkeit den Wahlausgang zu beeinflussen
Black Lives Matter Aktivistin ist Wests Vizepräsidentschaftskandidatin
Der progressive afroamerikanische Philosoph Cornel West hat mit Melina Abdullah seine Vizepräsidentschaftskandidatin vorgestellt. Abduallah engagiert sich in der Black Lives Matter Bewegung und kandidierte bislang noch nie für ein politisches Amt. Die Professorin für pan-afrikanische Studien beschreibt sich selbst als „keine-Marxist-Sozialistin“.
No Labels verzichtet auf eigenen Kandidaten
Die moderate Gruppe No Labels wollte bei der US-Präsidentschaftswahl 2024 eine Alternative zu den unbeliebten Kandidaten der beiden großen Parteien bieten. Finanziell ist die Gruppe gut ausgestattet, in bereits 21 Bundesstaaten wurden bereits die nötigen Unterschriften gesammelt, um auf den Wahlzetteln zu stehen. Doch eine Vielzahl an prominenten moderaten Politikern, darunter der ausgehende demokratische U.S. Senator Joe Manchin III und der republikanische ehemalige Gouverneur Larry Hogan, lehnten eine Präsidentschaftskandidatur ab. Nun hat No Labels mangels geeignetem Kandidaten entschieden, doch nicht an der Wahl im November teilzunehmen.
Kennedy stellt Vizepräsidentschaftskandidatin vor
Der unabhängige Präsidentschaftskandidat Robert F. Kennedy Jr. hat in Oakland, CA, seine Vizepräsidentschaftskandidatin vorgestellt. Die Wahl fiel auf die Silicon Valley Anwältin Nicole Shanahan. Die 38-Jährige ist insbesondere wegen ihrer einstigen Ehe mit Google-Mitbegründer Sergey Brin schwer vermögend.
Termine
Datum
Ereignis
07.05.2024
Vorwahlen in Indiana
14.05.2024
Vorwahlen in Maryland, Nebraska und West Virginia
21.05.2024
Vorwahlen in Kentucky und Oregon
25.05.2024
Vorwahl in Idaho (D)
15. – 18.07.2024
Republikanischer Nominierungsparteitag in Milwaukee, WI
19. – 22.08.2024
Demokratischer Nominierungsparteitag in Chicago, IL
05.11.2024
Präsidentschaftswahl
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Wie die Ukraine befindet sich auch Israel in einem Überlebenskampf. Als wichtigster Unterstützer agiert bei beiden Ländern die USA. Gleichwohl irritierte die Administration von Präsident Joe Biden in den vergangenen Monaten beide Verbündete mehrmals. Nachdem im ersten Teil von „Gute Freunde kann niemand trennen?“ das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und der Ukraine ausgearbeitet wurde (Klick hier), befasst sich der zweite Teil mit den bilateralen Beziehungen zwischen den USA und Israel.
Israels Überlebenskampf
Die Ausgangslage
Seit ihrer Staatsgründung am 14.05.1948 ist sich Israel einer kontinuierlichen Bedrohung durch un- wie mittelbare muslimische Nachbarstaaten und Terrororganisationen ausgesetzt. Am 07.10.2023 führte sodann die islamistische Hamas aus dem Gazastreifen heraus das größte Massaker an der jüdischen Bevölkerung seit dem Holocaust aus. Mehr als 1.300 Menschen wurden teils auf bestialische Weise ermordet, Frauen vergewaltigt, Kinder gefoltert. 239 Personen wurden von der Hamas in den Gazastreifen entführt, viele von ihnen werden auch noch im April 2024 gefangen gehalten.
Die im Gazastreifen lebenden Palästinenser befürworteten laut mehreren, in Kriegszeiten freilich unter erschwerten Voraussetzungen durchgeführten, Erhebungen die Tat der Hamas. Die Terrororganisation, welche auch eine politische Partei darstellt, bekam ohnehin im Jahr 2006 ein Mandat von der palästinensischen Bevölkerung, den Gazastreifen zu regieren. Finanziert wird die Hamas primär von der Islamischen Republik Iran.
Das Ziel der Hamas und der Islamischen Republik Iran
Das Ziel der islamistischen Hamas wie des Mullah-Regimes im Iran ist die Vernichtung Israels. Palästinenser teilen diese antizionistische und antisemitische Einstellung mehrheitlich. Anlehnend an dieses Ziel wurde der Schlachtruf „From The River To The Sea, Palestine Will Be Free“ („Vom Fluss bis zum Meer wird Palästina frei sein“) kreiert. Geteilt wird dieser Vernichtungsaufruf von vielen im westlichen Ausland lebenden Muslimen und Linken. Die aufgeklärte, urbane iranische Bevölkerung setzt sich hingegen unter schwierigen Bedingungen für den Sturz des islamistischen Regimes in Teheran ein.
Die Reaktion Israels
Seit dem Angriff der Hamas vom Oktober 2023 macht Israel von seinem Selbstverteidigungsrecht Gebrauch: Die Hamas, so das Ziel Jerusalems, soll zerschlagen werden, damit zukünftig keine Gefahr mehr für Israel aus dem Gazastreifen besteht. Die geschätzten 30.000 Kämpfer der Hamas im bevölkerungsreichen, aber territorial kleinen Gazastreifen zur Rechenschaft zu ziehen, stellt für die israelische Armee ein heikles Unterfangen dar.
Die Zivilbevölkerung wird zwar durch Flugblätter, Social Media Aufrufen und teils sogar mit Anrufen in arabischer Sprache vor bevorstehenden Einsätzen der Armee gewarnt. Doch die Hamas versteckt sich nicht nur in ihrem kilometerlangem Tunnelsystem, sondern auch in Krankenhäusern sowie Wohngebäuden und nimmt somit die Zivilbevölkerung in – passive – Geiselhaft. Zivile Opfer sind somit kaum vermeidbar und können lediglich minimiert werden.
Die Reaktion der USA
Präsident Biden ließ im Oktober seine uneingeschränkte Solidarität mit Israel verlautbaren. Nur elf Tage nach dem Terrorangriff reiste der 46. US-Präsident nach Tel Aviv, um sich aus erster Hand über die israelischen Ziele im Kampf gegen die Hamas zu informieren. In einer wirkmächtigen Rede versicherte Präsident Biden die US-amerikanische Unterstützung für die Sicherheit des Staates Israel.
Die Kontroverse
Mit andauerndem Kampfeinsatz im Gazastreifen verlor Israel den Medienkrieg. Bilder von hungernden palästinensischen Kindern gingen und gehen um die Welt, ohne freilich vom jeweiligen veröffentlichten Medium differenziert eingeordnet zu werden. Humanitäre Hilfslieferungen werden nämlich oftmals von der Hamas für ihre terroristischen Zwecke missbraucht, über die Vorgehensweise der israelischen Armee (siehe oben) kaum berichtet.
Infolgedessen stieg der innenpolitische Druck auf Präsident Biden und dessen pro-israelischer Rhetorik und Politik an. Denn insbesondere bei jungen, liberalen und muslimischen US-Amerikanern kam Präsident Bidens Haltung nicht gut an. Kohorten, die mehrheitlich kritisch gegenüber Israel und positiv gegenüber den Anliegen der Palästinenser eingestellt sind. Gruppen, die ihre extremen Einstellungen offensiv vertreten und auch vor Gewalt gegenüber Studenten jüdischen Glaubens, wie an der Columbia University geschehen, nicht Halt machen.
Das Weiße Haus reagierte auf diese im Wahljahr für die Wiederwahlchancen von Präsident Biden bedrohliche Entwicklung, sind doch insbesondere in den Swing States des Rust Belts muslimische Wähler mitentscheidend über Sieg oder Niederlage. Die Biden-Administration betont seitdem verstärkt die humanitären Aspekte im Gazastreifen. Die US-Regierung übt zudem kontinuierlichen, auch öffentlich geäußerten, Druck auf die israelische Regierung bezüglich einer aus sicherheitspolitischen Aspekten fragwürdigen temporären Feuerpause aus. Eine israelische Offensive gegen die Stadt Rafah, die letzte Hochburg der Hamas, lehnen die USA ab.
Als am 13.04.2024 der Iran erstmals direkt Israel angriff, übten sich die USA erneut in Solidarität mit Jerusalem. Wenig später wurde, wie schon nach dem Terrorangriff der Hamas im Oktober 2023, eben jene Solidarität relativiert. Die Biden-Administration forderte Israel nämlich dazu auf die weitestgehende Abwehr des iranischen Angriffs als Erfolg zu verbuchen, es solle keine israelische Reaktion hierauf erfolgen.
Zu diesem Zeitpunkt ließ sich Israel freilich kaum noch in ihrer Militärstrategie von den USA beeinflussen, zu unglaubwürdig und zu innenpolitisch fokussiert agierte Präsident Biden für die Verantwortlichen in Jerusalem. Dass sich US-Außenminister Anthony Blinken dafür einsetzte, die Sanktionen gegen den Iran nicht stärker auszuweiten, dürfte das Mullah-Regime zudem als Bestätigung ihrer antizionistischen Politik verbucht haben.
Fazit
Präsident Biden setzt sich schon seit Beginn seiner langen politischen Karriere für das Existenzrecht Israels ein. Als Hausherr von 1600 Pennsylvania Avenue versucht er jedoch mit der Besänftigung von antizionistischen Wählergruppen bei gleichzeitiger Solidarität mit Israel die sprichwörtliche Quadratur des Kreises. Einige Äußerungen aus dem Weißen Haus – sowie aus dem politischen Berlin – sind in Israel mit Ärgernis aufgenommen worden, hatte es doch oftmals den Anschein, als würde es mehr Sympathien für die Angreifer als für die Opfer geben.
Fazit für Präsident Bidens Ukraine- und Israelpolitik
Präsident Biden ist ein Meister der historisch schon unzähligen Male gescheiterten Appeasment-Politik. Dass hierbei befreundete, angegriffene Staaten auch öffentlich kritisiert werden, nimmt der 46. US-Präsident in Kauf. Umso mehr ist dies der Fall, wenn es den eigenen Wiederwahlinteressen nützt. Befreundete Staaten, wie beispielsweise Deutschland, werden hiermit aus der Verantwortung genommen, die im Krieg befindlichen befreundeten Staaten stärker zu unterstützen.
Dieser scheinbare Wohlfühlkokon, den schon Barack Obama kreierte, zum Beispiel mit den später wenig überraschend gescheitertem Neustart der Beziehungen zu Russland (siehe untenstehendes Video) und dem zu kurz gedachten Atomabkommen mit dem Iran, kommt letztendlich primär den Autokratien dieser Welt zugute. Gute Freunde werden diese für den freien, demokratischen, liberalen Westen sicherlich nicht.
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Ende August 1966 gaben sich Joe Biden und Neilia Hunter das Ja-Wort. Aus der Ehe sollten Joseph R. „Beau“ Biden III, Robert Hunter und Naomi Christina hervorgehen. Nur sechs Jahre nach dem glücklichsten Tag in ihrem Leben schied der Tod das Paar. Ehefrau Neilia kam bei einem Autounfall ebenso ums Leben wie Tochter Naomi. Ein unvergleichlicher Schicksalsschlag für Joe und die beiden jungen Söhne.
Ebenso im Jahr 1966, nämlich im Dezember, veröffentlichte die deutsche Fußballlegende Franz Beckenbauer sein Lied „Gute Freunde kann niemand trennen“. Es handelt, wie der Titel schon andeutet, von einer unzertrennlichen Freundschaft, in der füreinander eingestanden wird. Der Refrain ist bis heute unvergessen, ein wahrer Evergreen.
In der Ära Donald Trump wurde Beckenbauers Lied in Bezug auf die transatlantische Partnerschaft schon fast ad absurdum geführt, wurden die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den USA und zahlreichen Ländern, insbesondere in Westeuropa, doch arg auf die Probe gestellt. Mit dem Einzug in das Weiße Haus im Jahr 2021 versuchte sodann der neugewählte US-Präsident Biden die belastenden Beziehungen zu vielen befreundeten Staaten wieder zu verbessern.
Im vierten Jahr seiner Amtszeit ist festzustellen, dass dies Präsident Biden auch weitestgehend gelungen ist. Doch gerade in den Beziehungen zu befreundeten Staaten, die einer existenziellen Bedrohung von Außen ausgesetzt sind, wird Beckenbauers musikalische Aussage, dass „gute Freunde niemand trennen kann“, erneut herausgefordert. Vor diesem Hintergrund wird in einer zweiteiligen Serie die US-Politik gegenüber der Ukraine und Israel in Kriegszeiten mit einem kritischen Blick betrachtet.
Teil 1: Der „einarmige“ Kampf der Ukraine
Die Ausgangslage
Am 24.02.2022 begann die Russische Föderation ihre vollumfängliche Invasion der Ukraine. Im größten Angriffskrieg seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs begehen russische Soldaten fortlaufend Kriegsverbrechen an der ukrainischen Bevölkerung. Zivilisten, auch Frauen und Kinder, werden von Russen gefoltert, vergewaltigt, massakriert. Grauenvolle Bilder aus Butscha und Mariupol, um nur zwei Städte zu nennen, gingen um die Welt. Zivile Gebäude werden von Russland fortlaufend angegriffen und dem Erdboden gleichgemacht, die Energieinfrastruktur zerstört. Nach 26 Kriegsmonaten besetzt Russland ein Fünftel des ukrainischen Staatsgebietes.
Das Ziel der Russischen Föderation
Die Verantwortlichen des Kreml, vorneweg Präsident Vladimir Putin und Dmitri Medwedw, seines Zeichens stellvertretender Leiter des Sicherheitsrats der Russischen Föderation und formal Vorsitzender der Partei Einiges Russland, machten ihre Kriegsziele mehrmals öffentlich deutlich: Die Vernichtung der ukrainischen Nation, Sprache, Kultur und Geschichte.
In den von Russland besetzten ukrainischen Gebieten geht folglich eine ethnische Säuberung vonstatten: Ukrainer werden um- und Russen angesiedelt. Tausende ukrainische Kinder wurden in Umerziehungslager nach Russland und Belarus deportiert. Katholische Gotteshäuser wurden geschlossen und/oder zerstört und deren Priester verhaftet, so dass sich die Russisch-Orthodoxe-Kirche, welche den Angriffskrieg befürwortet, „frei“ entfalten kann.
Geht der Verteidigungskampf für die Ukraine verloren, ist der Weg für weitere russische Kriege mittelfristig geebnet. Das Ziel der Herrscher im Kreml: Die Wiederherstellung des Groß-Russischen Reiches. In unmittelbarer Bedrohung liegen hierbei die baltischen Staaten sowie die Republik Moldau. The Institute for the Study of War hat diesbezüglich schon solch ein, realistisches wie erschreckendes, Szenario durchgespielt:
NEW: The current US debate about providing additional military assistance to Ukraine is based in part on the assumption that the war will remain stalemated regardless of US actions. That assumption is false. Russian advances will accelerate absent urgent American action. 🧵(1/8) pic.twitter.com/C6VGjcWrdF
— Institute for the Study of War (@TheStudyofWar) April 16, 2024
Die Reaktion der Ukraine
Die unmittelbar nach Kriegsbeginn getätigte Entscheidung des ukrainischen Präsidenten Volodymir Zelensky im Land zu bleiben und den Widerstand gegen die russischen Invasoren anzuführen, motivierte das ukrainische Volk dem gleichzutun. Seitdem wehrt sich David (Ukraine) gegen Goliath (Russland) den Umständen entsprechend erfolgreich. Doch der Blutzoll ist hoch, zu Beginn des Jahres 2024 zu hoch, um dauerhaft der russischen Übermacht erfolgreich Gegenwehr bieten zu können.
Die Reaktion der USA
Der ukrainische Verteidigungskampf konnte in den ersten beiden Jahren auch deshalb so erfolgreich sein, da die Ukraine neben einer hohen Moral ihrer Soldaten und Zivilbevölkerung sowie smarten strategischen Entscheidungen der Armeeführung die Unterstützung von westlichen Ländern unter Führung der Vereinigten Staaten von Amerika erfuhr. Seit mehr als zwei Jahren rüsten westliche Länder die Ukraine kontinuierlich mit militärischem Gerät aus. Finanzielle und humanitäre Hilfen werden ebenso vom Westen geleistet.
Allerdings ist Präsident Biden bei seinen Entscheidungen, mit welchem Gerät die Ukraine explizit ausgerüstet werden soll, zögerlich, zaghaft, zurückhaltend. Die Lieferung von Abrams-Kampfpanzern erfolgte beispielsweise erst nach großem Druck aus Europa, namentlich aus Deutschland. Die Entsendung von Kampfflugzeugen ist bis heute nicht geschehen. Der Lieferung von Raketen mit längeren Reichweiten steht Präsident Biden skeptisch gegenüber. Laut eigener Aussage will Präsident Biden nicht an der Eskalationsspirale drehen, obwohl es doch die Russische Föderation ist, die dies tagtäglich vollzieht.
Wenn in Deutschland über die zögerliche Haltung von Bundeskanzler Olaf Scholz bei der Entsendung von schwereren Waffen, Stichwort Kampfpanzer oder Taurus-Marschflugkörper, diskutiert wird – bei der Einstellung von Präsident Biden liegt die Entscheidung des deutschen Regierungschefs begründet. Die bisherigen Waffenlieferungen tragen zum Überleben der ukrainischen Nation bei, Siegen kann es mit der bisher gelieferten Ausstattung jedoch nicht.
Dass endlich über weitere US-Hilfen für die #Ukraine abgestimmt werden soll, ist gut und nötig. Es sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Hilfen lediglich zum "Überleben" reichen. @POTUS verhindert weiterhin kriegsentscheidende Lieferungen. #StandWithUkrainepic.twitter.com/c1NHCzFfDu
— 1600 Pennsylvania 🇺🇸 🇺🇦🇮🇱 (@Blog1600Penn) April 19, 2024
Die Kontroverse
Um den Abwehrkampf am Boden und die Verteidigung gegen russische Luftangriffe zu unterstützen, versucht die Ukraine auch russische Militärdepots sowie dessen Energieträger anzugreifen. Die Intention dahinter ist offensichtlich: Hat Russland weniger Nachschub zur Verfügung, desto weniger militärisches Gerät kann der Aggressor an der Front verwenden.
Doch genau diese Strategie kritisierte die Biden-Administration in den vergangenen Monaten mehrmals stark. Bei einem Treffen im Februar forderte US-Vizepräsidentin Kamala Harris den ukrainischen Präsidenten Zelensky dazu auf, die Angriffe gegenüber russischen Erdölraffinerien einzustellen. Es drohe, so Harris, die Gefahr einer weltweiten Steigerung des Erdölpreises. Im März wiederholte Jake Sullivan, Nationaler Sicherheitsberater von Präsident Biden, in Kyiv diese Aufforderung.
Präsident Biden selbst forderte die Ukraine öffentlich zur Einstellung solcher Verteidigungsangriffe auf. Präsident Zelensky und dessen Berater zeigten sich ob dem Drucks aus Washington D.C. irritiert. Auch vor dem Hintergrund fehlender Patriotsysteme zur Verteidigung gegen russische Luftangriffe fragte das Online-Magazin POLITICO den ukrainischen Außenminister Dmytro Kuleba, ob die US-Administration die Ukraine mit „einem Arm auf dem Rücken gebunden kämpfen“ lassen würde. Kuleba bejahte dies.
Fazit zu Bidens Ukrainepolitik
Präsident Biden setzt sich zweifelsohne für eine eigenständige, unabhängige Ukraine ein. Seine zurückhaltenden Entscheidungen in Bezug auf die Lieferung schwererer Waffen hat die Ukraine nach zwei Jahren Krieg allerdings ebenso in die Defensive gebracht wie die schwindende Unterstützung des gesamten Westens. Hat der Kalte Krieg gezeigt, dass Frieden durch eigene Stärke herbeigeführt werden kann, scheint das Weiße Haus unter Präsident Biden diese erfolgreiche Strategie nicht mehr beherzigen zu wollen.
Dass das Weiße Haus bis heute betont, dass dies lediglich „Putins Krieg“ sei, zeugt zudem davon, die Realitäten weiterhin nicht anerkennen zu wollen oder zu können. Die überwältigende Mehrheit der Russen unterstützt nämlich, historisch und kulturell bedingt, die imperialistischen Bestrebungen des Kreml.
Auf Grund des Präsidentschaftswahlkampfes sind Präsident Biden zudem niedrige Benzinpreise im Inland wichtig. Um seine eigenen Wiederwahlchancen zu maximieren, versucht er infolgedessen die Verteidigungsmöglichkeiten der Ukraine einzuschränken. Sicherheitspolitisch ein sehr riskantes Spiel des 46. US-Präsidenten. Die Ukraine dürfte somit in Bezug auf das Verhältnis zu den befreundeten USA Beckenbauers Refrain mit einem Fragezeichen versehen:
Gute Freunde kann niemand trennen Gute Freunde sind nie allein Weil sie eines im Leben können Füreinander da zu sein.
„Der Westen ist eher über eine hypothetische Eskalation besorgt als über die tatsächlich stattfindende Vernichtung.“
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