#Blog1600Penn Update: Zeitenwende

#Blog1600Penn bringt euch über die wichtigsten Ereignisse rund um US-amerikanische Politik der vergangenen Wochen auf den aktuellen Stand:

Sonderermittlungen abgeschlossen

Justizminister Barr hat den U.S. Kongress über die Sonderermittlungen zur russischen Einflussnahme bei der US-Präsidentschaftswahl 2016 informiert. Demnach gibt es keine Hinweise auf eine Verschwörung zwischen Russland und der Wahlkampagne von Donald Trump. In Bezug auf eine Justizbehinderung wurde Präsident Trump zwar nicht entlastet. Eine Straftat liegt jedoch auch nicht vor.

„Ein klarer Sieg für Trump“ (Zeit Online)

Bericht der Sonderermittlung soll öffentlich gemacht werden

Demokraten und Republikaner im U.S. Repräsentantenhaus haben einstimmig eine Resolution verabschiedet, welche das Justizministerium auffordert die Ergebnisse der Sonderermittlungen rund um die russische Einflussnahme bei der US-Präsidentschaftswahl 2016 öffentlich zu machen.

USA erkennen Souveränität Israels über die Golanhöhen an

Am Rande des Besuchs des israelischen Premierministers Benjamin Netanyahu im Weißen Haus hat US-Präsident Trump die Souveränität Israels über die Golanhöhen anerkannt. Während des Sechstagekrieges 1967 eroberte Israel die Golanhöhen, die von der internationalen Gemeinschaft als Teil Syriens gesehen wird.

„Wer die Golanhöhen mit der Krim vergleicht, ist denkfaul“ (Die Welt)

Bundestagsvizepräsidnt fordert Ausweisung des US-Botschafters

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP) hat die Ausweisung des US-Botschafters in Deutschland, Richard Grenell, gefordert: „Wer sich als US-Diplomat wie ein Hochkommissar einer Besatzungsmacht aufführt, der muss lernen, dass unsere Toleranz auch Grenzen kennt.“ Botschafter Grenell kritisierte zuvor erneut die Tatsache, dass Deutschland das von den NATO-Mitgliedsländern vereinbarte Ziel, bis 2024 zwei Prozent des BIP für Verteidigung auszugeben, verfehlen werde.

Bush spricht bei Einbürgerungszeremonie

Der ehemalige US-Präsident George W. Bush hat die Rede bei einer Einbürgerungszeremonie in Dallas, Texas, gehalten. Bush sprach hierbei über Einwanderung von „einem Segen für die USA“.

Trump spendet Gehalt

Präsident Trump hat auch im aktuellen Quartal sein Präsidentengehalt gespendet. Diesmal gingen die $ 100.000 an das Heimatschutzministerium.

Obama in Köln

Am 04. April kommt es zu einem moderierten Gespräch mit dem ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama in der LANXESSarena zu Köln. Eintrittspreise liegen zwischen 87 Euro und 208 Euro.

„GEDANKENTANKEN World Leadership Summit“ (Köln Ticket)

Trump legt erstmals Veto ein

Nach dem U.S. Repräsentantenhaus hat auch der republikanisch dominierte U.S. Senat gegen die Ausrufung des Nationalen Notstandes an der Grenze zu Mexiko gestimmt. Neben den demokratischen Abgeordneten votierten auch zwölf republikanische Senatoren gegen den Notstand. Präsident Trump legte daraufhin erstmals ein Veto ein.

US-Unterstützung für Krieg im Jemen soll beendet werden

Der U.S. Senat hat eine Resolution verabschiedet, welche die US-amerikanische Unterstützung des von Saudi-Arabien geführten Krieges in Jemen beenden soll.

Brown kandidiert nicht

Senator Sherrod Brown hat sich gegen eine Präsidentschaftskandidatur entschieden.

Gillibrand und O’Rourke wollen ins Weiße Haus

Die demokratische Senatorin Kirsten Gillibrand und der Shootingstar der vergangenen Zwischenwahlen, Beto O’Rourke, haben ihre Präsidentschaftskandidaturen offiziell bekanntgegeben. Gillibrand bestritt ihren Wahlkampfauftakt vor dem Trump International Hotel in New York City.

„Kandidatur verkündet: Beto O’Rourke“ (1600 Pennsylvania)

Ort der Nominierungsveranstaltung bekanntgegeben

Die Nominierungsveranstaltung des demokratischen Präsidentschaftskandidaten wird im Jahr 2020 in Milwaukee, Wisconsin, stattfinden. Damit haben sich Demokraten für einen umkämpften Staat im Rust Belt entschieden, der im Jahr 2016 von Donald Trump überraschend gewonnen wurde.

Warren will Technologie-Firmen zerschlagen

Die demokratische Präsidentschaftskandidatin Elizabeth Warren hat vorgeschlagen Technologie-Unternehmen wie Facebook, Amazon oder Google bei zu großer Marktdominanz zu zerschlagen. Ebenso fordert Warren das Ende des Wahlmännergremiums bei Präsidentschaftswahlen.

Diplomaten abgezogen

Die Vereinigten Staaten haben ihre diplomatischen Mitarbeiter aus Sicherheitsgründen aus Venezuela abgezogen. Zuvor drohte der venezolanische Machthaber Maduro vermehrt den USA und beschuldigte Washington des Plans eines Staatsstreichs.

Dokumentation über Beto

Der US-amerikanische Fernsehsender HBO hat eine Dokumentation über den Senatswahlkampf von Beto O’Rourke (D) gedreht. Der Trailer:

Manafort muss ins Gefängnis

Der ehemalige Wahlkampfmanager von Donald Trump, Paul Manafort, wurde zu einer 7,5-jährigen Haftstrafe verurteilt.


Leseempfehlungen

Gesellschaftspolitik
„Trump, Partisan Politics and Gay Rights“ (Quillette)

Internationale Beziehungen
„Warschau verschanzt sich im Fort Trump“ (Dialog Forum)

Kriminalität
„California is one of 11 states that have the death penalty but haven’t used it in more than a decade“ (Pew Research Center)

Transatlantische Beziehungen
„Was unterscheidet «Deutschland zuerst» von «America First»? Auch Berlin neigt zu Alleingängen“ (NZZ)
„Für die SPD ist Grenell ein „diplomatischer Totalausfall““ (FAZ)

US-Präsidentschaftswahl 2020
„How Trump is on track for a 2020 landslide“ (Politico)

Die Gefahr des Relativismus

Ich denke nicht, dass es eine Zunahme von weißem Nationalismus gibt. Ich denke, dass es eine kleine Gruppe von Leuten ist, die sehr ernstzunehmende Probleme haben.
(Präsident Donald Trump vor dem Hintergrund des Terroranschlags auf muslimische Gemeinden in Christchurch, Neuseeland)

Obwohl Präsident Trump das Attentat auf zwei muslimische Gemeinden im neuseeländischen Christchurch mit mindestens 50 Toten verurteilt hatte, stellte der Commander-in-Chief zugleich eine Zunahme rassistischer Gewalttaten in Frage.

Bei rassistischem Terrorismus handelt es sich zwar in der Tat oftmals um Einzeltäter oder Kleingruppen. Ein Anstieg solcher Taten ist jedoch auch in den USA spürbar zu verzeichnen.

Beispielsweise wurden im Jahr 2018 bei einem Angriff auf eine Synagoge in Pittsburgh, Pennsylvania, elf Personen getötet. Im Jahr zuvor kam bei einem Aufmarsch rechtsextremer Gruppen in Charlottesville, Virginia, bei einem Zusammenstoß mit Gegendemonstranten eine Frau ums Leben, 19 weitere Personen wurden verletzt.

Laut der Anti-Defamation League, die extremistische Straftaten in den USA aufzeichnet, haben sich alleine im Jahr 2018 rassistische Straftaten im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Doch warum relativiert Präsident Trump trotz dieser Fakten im eigenen Land seine Verurteilung des Anschlags von Christchurch?

Die Antwort: andauernder Wahlkampf. Die extreme Rechte stellt für den US-Präsidenten eine verlässliche Wählergruppe dar. Präsident Trump benötigt diese, wenngleich vergleichsweise kleine, Wählergruppe, um umkämpfte Bundesstaaten (wieder) für sich entscheiden zu können. Als Exempel dient vor diesem Hintergrund der Bundesstaat Michigan, den Trump bei der US-Präsidentschaftswahl 2016 mit nur 10.704 Stimmen Unterschied gewann.

Die Taktik des Relativismus bei Anschlägen hat jedoch Präsident Trump nicht für sich alleine gepachtet. In der stark polarisierten US-amerikanischen Gesellschaft instrumentalisieren Politiker und Medien, die oftmals klar einer politischen Richtung zugeneigt sind, schon seit einem längerem Zeitraum Attentate für sich.

Während der Anschlag von Christchurch in den USA und auch hierzulande in aller Munde ist, wird beispielsweise über die islamistischen Attentate in Nigeria, die seit Februar 2019 mehr als 120 Christen das Leben kosteten, kaum gesprochen. Linke und liberale Politiker sowie Medien offenbaren hierbei eine Doppelmoral, die Präsident Barack Obama nach den islamistischen Terroranschlägen von Paris im Jahr 2015 mit 137 Opfern unterstrich:

Mehr Menschen sterben, weil sie in der Badewanne ausrutschen, als durch Terroranschläge.
(Präsident Barack Obama)*

Bei einem rassistischen Anschlag auf eine afroamerikanische Kirchengemeinde in Charleston, South Carolina, sang Präsident Obama noch das Volkslied „Amazing Grace“, welches die Gnade Gottes in schweren Zeiten thematisiert. Präsident Obama offenbarte mit seinem unterschiedlichen Handeln, dass auch er die verschiedenen terroristischen Motive unterschiedlich bewertete und aus wahltaktischen Gründen miteinander ausspielte.

Präsident Obama relativierte den islamistischen Terrorismus. Präsident Trump relativierte den rassistischen Terrorismus. Beide liegen falsch. Aus welchem Motiv Attentate begangen werden ist für die Verurteilung zunächst zweitrangig. Denn Rassisten wie Islamisten fühlen sich über ihre Mitmenschen erhaben und sind eine Gefahr für die freiheitliche Welt.

Beide US-Präsidenten haben aus eigenen politischen Motiven nationalistische und islamistische Terrorangriffe unterschiedlich bewertet. Die Politik der Relativierungen, egal von welchem Parteibuch ausgehend, ist gefährlich und trägt zu einer weiteren Polarisierung in den Vereinigten Staaten von Amerika bei. Von dem Schlag in das Gesicht der Opfer und deren Angehörigen ganz zu schweigen.


* Ben Rhodes: Im Weißen Haus. Die Jahre mit Barack Obama, S. 454

Kandidatur verkündet: Beto O’Rourke

Er war der Shootingstar der Zwischenwahl 2018: Beto O’Rourke. Ein vergleichsweise junger, dynamischer und liberaler Politiker, der bei der Wahl zum U.S. Senator für Texas den Gegenentwurf zum erzkonservativen Republikaner Ted Cruz darstellte.

O’Rourke schaffte es, das liberale Establishment des gesamten Landes hinter sich zu scharren. $80 Millionen an Spenden sammelte der Jungstar ein. Rekord für eine Zwischenwahl! Die Wahl im traditionell republikanischen Texas verlor O’Rourke trotz dieses erheblichen finanziellen Vorteils dennoch.

Den Flow aus seinem Wahlkampf konnte sich O’Rourke jedoch bewahren. Mit höheren Bestrebungen wurde der 46 Jahre alte ehemalige Abgeordnete des U.S. Repräsentantenhauses folglich in Verbindung gebracht. Beto O’Rourke – der perfekte Gegenpol zu Präsident Trump?

In der Tat geriert sich O’Rourke als Robert F. Kennedy des 21. Jahrhunderts. Ähnlich wie einst Kennedy oder Obama kommt auch Beto gelassen daher. Sein emotionaler Wahlkampf gegen Cruz war hierbei nur das offensichtlichste Beispiel. Doch hat O’Rourke auch reale Chancen auf den Einzug in das Weiße Haus?

Im Gegensatz zu Kennedy und Obama weist der Lebenslauf von O’Rourke wenig beeindruckende Stationen zum gleichen Zeitpunkt ihrer jeweiligen Karriere auf. Robert Francis O’Rourke, der sich seit seiner Kindheit auf Grund seiner hispanischen Freunde lieber Beto nennt, wuchs in El Paso, Texas, in einem privilegierten Elternhaus auf.

O’Rourkes Vater arbeitete als Richter am Bezirksgericht. Seine Mutter übernahm ein Möbelgeschäft. Nach der Schulausbildung tourte Beto O’Rourke zunächst als Mitglied einer Punkband durch die Staaten, ein Bachelorstudium der englischen Literaturwissenschaft an der renommierten Columbia University in New York City folgte.

Ein ungeregeltes Arbeitsleben, in dem sich O’Rourke unter anderem als Babysitter, Lektor und Dichter versuchte, folgte. Im Jahr 1999 gründete der Demokrat eine Webentwicklungsfirma. Im Jahr 2012 schaffte Beto O’Rourke mit der Wahl zum Abgeordneten des U.S. Repräsentantenhauses für den 16. Kongresswahlbezirk von Texas den politischen Durchbruch.

Hilfreich bei seiner Wahlkampagne war auch der finanzielle Rückhalt der Familie seiner Frau Amy Hoover Sanders, welche die Tochter des Milliardärs und Immobilienunternehmers William Sanders ist. Während seiner sechsjährigen Tätigkeit als Abgeordneter fiel O’Rourke in Washington D.C. jedoch kaum auf.

Dies änderte sich schlagartig, als Beto O’Rourke im Jahr 2018 den republikanischen U.S. Senator Ted Cruz herausforderte und eine eindrucksvolle Graswurzelbewegung ins Leben rufen konnte. Landesweite Bekanntheit und eine lange Liste an Spendern ist sich O’Rourke seitdem Gewiss.

Doch um die demokratischen Vorwahlen und die Präsidentschaftswahl siegreich zu gestalten, benötigt Beto O’Rourke neben Charme, Durchhaltevermögen und finanziellen Mitteln auch mindestens ein politisches Thema. Diese Nachhaltigkeit hat O’Rourke in seinem bisherigen Werdegang – noch – nicht nachweisen können.

#TrumpKimSummit: Präsident Trump bleibt hart

Ich weiß, dass Gespräche mit repressiven Regimen nicht dasselbe befriedigende, reinigende Gefühl vermitteln wie Empörung. Aber ich weiß auch, dass Sanktionen ohne Gespräche – Verurteilung ohne Diskussionen – nur einen lähmenden Status quo weiterführen können. (Präsident Obama)*

Präsident Donald Trump und sein Vorgänger Barack Obama könnten in ihrem Auftreten und politischen Entscheidungen unterschiedlicher kaum sein. In Bezug auf die Nordkorea-Politik scheint sich der aktuelle Hausherr von 1600 Pennsylvania Avenue jedoch ein Beispiel an der oben angeführten Aussage von Obama genommen zu haben.

Seit Ende 2017 macht der Friedensprozess auf der koreanischen Halbinsel Fortschritte, auch dank der offenen Haltung von Präsident Trump bezüglich einem persönlichen Treffen mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-Un, welches im Juni 2018 auch stattfand. Ein historisches Ereignis.

Ein expliziter Plan zur Denuklearisierung Nordkoreas fehlt zwar weiterhin, doch dass die Staatsführer der verfeindeten Staaten überhaupt miteinander sprechen ist schon alleine ein Erfolg. Zudem hat Nordkorea seit Ende 2017 keine Atom- oder Interkontinentalraketentests mehr durchgeführt.

Der Entspannungsprozess wurde am 27. und 28. Februar 2019 in Hanoi, Vietnam, mit einem zweiten persönlichen Treffen zwischen Präsident Trump und Diktator Kim Jong-Un fortgeführt. Kam es zunächst zu einem Abendessen der beiden Staatschefs, an dem auch US-Außenminister Pompeo und Stabschef Mulvaney teilnahmen, wurden am zweiten Tag in mehreren Treffen explizite Themen angesprochen.

Ein gemeinsames Dokument wurde diesmal jedoch nicht unterzeichnet. Kim Jong-Un verlangte die Aufhebung aller US-amerikanischen Sanktionen gegenüber Nordkorea. Zu viel für Präsident Trump. Der zweitägige Gipfel in Vietnam brachte somit einen ersten Rückschlag in den neuesten Friedensbemühungen.

Dass der Friedensprozess auf der koreanischen Halbinsel nicht im Schnelltempo vonstatten gehen wird, ist jedoch keine Überraschung. Aus Hanoi mitgenommen werden kann allerdings, dass die Gesprächskanäle weiterhin offengehalten werden sollen. Frei nach Präsident Obama kann sich zudem auch wieder empört werden.

Trump hat durchaus recht, wenn er argumentiert, dass alle seine Vorgänger wenig erreicht haben. Seit 2006 gab es einen Atom- oder Raketentest nach dem anderen. All die Strategien, die die USA versucht haben, waren nachweislich nicht effektiv. Trump hat es immerhin geschafft, sich mit Kim hinzusetzen und einen Dialog in die Wege zu leiten.
(Professor Jürgen Frank im Interview mit der Süddeutschen Zeitung;
Interview ist untenstehend verlinkt)


Leseempfehlung

Professor Frank: „Das ist einen Friedensnobelpreis wert“ (SZ)


Pressekonferenz von Präsident Trump

* Rhodes, Ben: Im Weissen Haus. Die Jahre mit Barack Obama, München 2019, S. 126

Der Notstand mit dem Nationalen Notstand

Ein weiterer shutdown konnte zwar durch einen Kompromiss zwischen Demokraten und Republikanern verhindert werden. Doch von den $5,7 Milliarden von Präsident Trump geforderten Geldern für den Ausbau der Grenzbefestigung zu Mexiko wurden lediglich $1,375 Milliarden bewilligt.

Die Trump-Administration versucht nun die Finanzierung anderweitig zu sichern. Mit der Ausrufung eines nationalen Notstandes hat der US-Präsident genau dies getan. Wer dachte, dass sich Präsident Trump im Haushaltsstreit leicht geschlagen geben wird, hatte sich getäuscht.

Politischer Streit

Der politische Aufschrei in den USA ist indes, wenig überraschend insbesondere von demokratischer Seite, groß. Für Demokraten ist der Notstand an der Grenze zu Mexiko eine Erfindung des US-Präsidenten. In der Tat sind illegale Grenzübertritte in den vergangenen Jahren zurückgegangen.

Dem entgegengehalten werden kann allerdings die Tatsache, dass in den USA weiterhin geschätzte 10,7 Millionen illegale Einwanderer leben. Viele von ihnen kamen über die grüne Südgrenze des Landes.

Es ist eine Frage der Definition eines nationalen Notstandes, der je nach politischer Richtung anders ausgelegt wird und kurzfristig nicht aufgelöst werden kann. Ein akuter Anstieg der Herausforderung an der Grenze zu Mexiko ist jedoch nicht festzustellen.

Juristische Frage

Interessanter ist die Frage, ob Präsident Trump mit der Ausrufung eines nationalen Notstandes den U.S. Kongress in seinem Haushaltsrecht einschränkt. Da Präsident Trump die Finanzierung seines Grenzschutzes zu Mexiko nicht bewilligt bekam, plant er nun Gelder, die vom U.S. Kongress für andere Bereiche vorgesehen waren, für sein Projekt abzuziehen. Durch die Ausrufung eines Notstandes ist eben dies theoretisch möglich. Doch auch im konkreten Fall?

Gerichtsverfahren, die ersten Klagen wurden bereits eingereicht, werden alle oben genannten Fragen klären. Am Ende könnte es, wie schon beim temporären Einreiseverbot für Personen aus ausgewählten Ländern, auf eine Entscheidung des Supreme Court ankommen.

Wahlkampf im Blick

Je länger die Diskussion und die Verfahren um den nationalen Notstand an der Grenze zu Mexiko andauern, desto positiver für den bevorstehenden Wahlkampf von Präsident Trump. Vor seiner Anhängerschaft kann der US-Präsident argumentieren, dass er seine Wahlversprechen einhalten will und hierfür weitere konservative Richter benötigt, die seine politischen Entscheidungen juristisch bestätigen.

In einer weiteren Amtsperiode könnte Präsident Trump sodann das Justizwesen nach dem Geschmack der Republikaner weiter umbauen. Für die republikanische Parteibasis ein wichtiger Grund erneut ihre Stimme für Donald Trump abzugeben. Nicht zu vergessen, dass Präsident Trump bei den republikanischen Anhängern so beliebt ist wie kein Präsident in den letzten 50 Jahren.

Der deutsche Diskurs

Dass mit der Ausrufung des nationalen Notstandes die Gewaltenteilung aufgehoben wird, wie es ZEIT Online formulierte, Grundrechte eingeschränkt werden oder es zur Entmachtung des Parlaments wie einst in der Weimarer Republik im Jahr 1933 kommt, ist nicht der Fall.

Schon alleine der Fakt, dass gegenwärtig 32 nationale Notstände in den USA aktiv sind, unterstreicht die (gewollte?) Unwissenheit des deutschen Diskurses. Präsident Barack Obama verabschiedete in seiner Amtszeit 13 nationale Notstände, Präsident George W. Bush deren 12 und Präsident Bill Clinton 17. Präsident Trump steht nach zwei Jahren Amtszeit bei drei verkündeten Notständen.

Trump hat einen Notstand an der Grenze ausgerufen. Die Vereinigten Staaten sind in einem kontinuierlichen nationalen Notstand seit 1979. (TIME Magazine)

Der längste aktive nationale Notstand geht sogar auf das Jahr 1979 zurück. In der Frühphase der Geiselnahme von Teheran, 52 US-Diplomaten wurden festgehalten, wurde der nationale Notstand gegen den Iran am 14. November 1979 ausgerufen. 39 Jahre später ist dieser Notstand weiterhin in Kraft.

Notstand ist kein Ausnahmezustand

Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Demokratie in den USA trotz zahlreicher aktiver Notstände in Takt ist. Dies hat auch damit zu tun, dass es sich hierbei nicht um Ausnahmezustände handelt wie es der deutsche Diskurs behaupten mag.

Ein Blick in das Nationale Notstandsgesetz aus dem Jahr 1976 gibt zudem Abhilfe. Dieses besagt, dass ein Präsident qua Amt auf Grund eines expliziten Ereignisses einen nationalen Notstand ausrufen kann. Das U.S. Repräsentantenhaus und der U.S. Senat müssen sodann alle sechs Monate überprüfen, ob die Ausrufung des Notstandes weiterhin angemessen erscheint.

Beide Kammern des U.S. Kongresses können mit einem gemeinsamen Beschluss den Notstand aufheben. Dies geschieht durch eine einfache Mehrheit im U.S. Repräsentantenhaus sowie im U.S. Senat. Sollte der Präsident daraufhin ein Veto einlegen, können die Kammern im U.S. Kongress mit jeweils einer Zweidrittel-Mehrheit dies überstimmen.

Wie das TIME Magazin richtig feststellt, sieht ein nationaler Notstand zwar wie eine drastische Maßnahme aus. Doch Trump ist nicht der erste Präsident, der außergewöhnliche Schritte geht um aus seiner Sicht notwendige Maßnahmen im Interesse der Nation einzuleiten.

So gerechtfertigt der politische und baldige juristische Streit um die Ausrufung des jüngsten nationalen Notstandes in den USA ist, so sehr hat die Debatte darüber den Notstand der hiesigen Berichterstattung über US-amerikanische Politik verdeutlicht.