Die Jahrhundertwahl

Hillary Clinton ist die Personifizierung US-amerikanischer Politik. Ein Leben lang hat sich die 69-Jährige in den Dienst der USA gestellt. Am 8. November 2016 wollte sie nun ihre Karriere krönen, die erste weibliche Präsidentin der Vereinigten Staaten werden.

Alles war vorbereitet. In Anlehnung an die oft verbreitete Auffassung der ungleichen Karrieremöglichkeiten für Frauen fand die demokratische Wahlkampfparty in einem Gebäude mit gläserner Decke statt.

Clinton wollte diese endgültig aufbrechen, Vorbild für alle, vor allem für Mädchen, sein. Doch es kam anders. Das geplante Feuerwerk wurde hellseherisch schon am Tag vor der Präsidentschaftswahl abgesagt. Es folgte ein politisches Erdbeben, dass wenige Experten vorhersahen.

Republikaner mächtig wie selten zuvor

In einer Jahrhundertwahl ging nämlich der politische Neuling und Immobilienmogul Donald John Trump als Sieger hervor. Nach acht Jahren Barack Obama haben Republikaner somit das Weiße Haus zurückerobert. Die Grand Old Party kontrolliert zudem beide Kammern im Kongress. Zuletzt war die Partei Abraham Lincolns 1928 so mächtig.

Bei einer insgesamt zurückgegangenen Wahlbeteiligung, nahezu nur jeder Zweite gab seine Stimme ab, konnte Trump am besten sein Wählerklientel mobilisieren. Verlor das republikanische Präsidentschaftsticket im Vergleich zur Präsidentschaftswahl 2012 nur 1,9 Millionen Stimmen, brach das Vertrauen in Demokraten ein. 6,8 Millionen weniger Menschen entschieden sich für Clinton als vier Jahre zuvor für Präsident Obama.

Clinton hatte es im gesamten Wahlkampf nicht vermocht Enthusiasmus für ihre Kampagne zu entfachen. Selbst bei der Wählergruppe der Frauen konnte sie gerade einmal Obamas Vorsprung um einen Prozentpunkt ausbauen.

Hillaryland fehlte es zudem an einer Vision für die Vereinigten Staaten. Alleine der negative Wahlkampf gegen Trump reichte den US-Amerikanern nicht aus. Trump hingegen schaffte es sein Klientel mit deutlicher Kritik am Establishment an die Wahlurnen zu bewegen.

Amerikaner wählten den Wandel

Daraus resultierten schon nahezu sensationelle Ergebnisse im Rust Belt, der ältesten und größten Industrieregion der USA. Arbeitslosigkeit und der Wandel durch Globalisierung hievte Trump zu Siegen in Wisconsin sowie in den Swing States Ohio und Pennsylvania.

Das Duell der zwei unbeliebtesten Präsidentschaftskandidaten seit Beginn der Umfrageaufzeichnungen entschied der Kandidat für sich, der für einen grundlegenden Wandel in Washington D.C. steht. Für 70 Prozent der Wähler war dies entscheidend.

Mit der Niederlage Hillary Clintons endet nun eine politische Ära. Für den 70-jährigen Donald Trump hingegen beginnt die Karriere in der Politik erst. Am 20. Januar 2017 wird Trump in das Präsidentenamt eingeführt.


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Reaktionen auf den Wahlausgang

Die Vereinigten Staaten von Amerika haben ihren 45. Präsidenten gewählt. #Blog1600Penn hat euch die wichtigsten Reaktionen zum Erfolg von Donald Trump zusammengestellt:

Die Siegesrede von Donald Trump in voller Länge:

Hillary Clinton hat mit einer emotionalen Rede ihre Niederlage eingestanden und Donald Trump ihre volle Unterstützung zugesagt.

Präsident Obama hofft auf einen Erfolg von President-Elect Trump.

Ex-Präsident George H.W. Bush hat Trump per Telefon persönlich zum Wahlsieg gratuliert. Ebenso meldete er sich auf Twitter zu Wort.

Ex-Präsident George W. Bush sowie sein Bruder Jeb haben ebenso dem neu gewählten Präsidenten die besten Wünsche übermittelt.

Der ehemalige Präsidentschaftskandidat Mitt Romney hat sich auch geäußert:

Das Statement von Israels Premierminister Benjamin Netanyahu:

Bundespräsident Joachim Gauck:

Bundeskanzlerin Angela Merkel:

Wochenrückblick – 3 Tage vor der Wahl

Der letzte #Blog1600Penn-Wochenrückblick vor der US-Präsidentschaftswahl am Dienstag. Die Höhepunkte der vergangenen Woche:

Donald Trump hat sich während einer Veranstaltung selbst therapiert: „Bleibe fokussiert Trump, bleibe fokussiert…!“

Clintons VP-Kandidat Tim Kaine hielt eine Wahlkampfveranstaltung komplett in Spanisch ab.

Donald Trumps Ehefrau Melania hatte ihren ersten Solo-Wahlkampfauftritt.

Präsident Obama setzte sich in einer Veranstaltung für Meinungsfreiheit ein, als ein Trump-Anhänger Aufmerksamkeit erregte und das Publikum daraufhin negativ reagierte.

Schockmoment für Trump. Bei einem Wahlkampfauftritt musste er von Sicherheitskräften in Sicherheit gebracht werden.

Währenddessen freut sich das renommierte TIME Magazine schon auf das Ende des Wahlkampfes: „Das Ende ist nah!“

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Wochenrückblick – 9 Tage vor der Wahl

Neun Tage vor dem Wahltag liegt Hillary Clinton in Umfragen zwar weiterhin in Führung, doch Donald Trump konnte den Abstand weiter verringern. Zudem hat das FBI die Ermittlungen gegen Clinton in der eMail-Affäre wieder aufgenommen – der Zeitpunkt könnte für Hillaryland nicht ungünstiger sein. Der #Blog1600Penn-Wochenrückblick:

In der vergangenen Woche hat Clinton Wahlkampfhilfe aus Deutschland bekommen: Deutschlands Twitter-Trump und stellvertretender SPD-Parteivorsitzender Ralf Stegner hat sich im Haustürwahlkampf engagiert.

Präsident Obama war zu Gast bei Jimmy Kimmel – und griff abermals aktiv in den Kampf um seine Nachfolge ein.

Aus dem Old Post Office in Washington D.C. wurde Trumps neuestes Hotel. Am Mittwoch eröffnete es der Immobilienmogul „kostengünstiger und schneller als geplant.“ Derweil legte sich sein Berater Newt Gingrich mit Fox News Moderatorin Megyn Kelly an.

Hiobsbotschaft I: Die Beiträge für ObamaCare, der Gesundheitsreform des 44. US-Präsidenten, steigen im kommenden Jahr drastisch. Im Durchschnitt steigen die Krankenkassenbeiträge um 25 Prozent – manche Versicherte müssen gar mit mehr als 100 Prozent Kostensteigerung rechnen. Keine guten Nachrichten für den Präsidenten und Team Clinton.

Hiobsbotschaft II: Das FBI nimmt die Ermittlungen in der eMail-Affäre gegen Clinton wieder auf.

Die Reaktion von Donald Trump:

Das Statement von Clinton:


 

Spiel mit der Angst

Politiker haben schon immer mit den Ängsten der Bevölkerung gespielt. In den Vereinigten Staaten von Amerika ist die Intensität des Spiels mit der Angst noch ausgeprägter als hierzulande.

Mit dem Senden von negativen Wahlwerbespots wird zudem seit Jahrzehnten versucht weitere Ängste zu schüren beziehungsweise zu verfestigen. Die aktuellen Spots von Hillary Clinton oder Donald Trump bilden in der langen Geschichte der US-Präsidentschaftswahlen somit keine Ausnahme.

#Blog1600Penn stellt euch die bekanntesten Fernsehspots aus US-Wahlkämpfen vor, in denen mit den Ängsten der Bevölkerung gespielt wurde:

1964: Präsident Lyndon B. Johnson setzte nur einmal den berühmten „Daisy Ad“ gegen Herausforderer Barry Goldwater ein – die öffentliche Debatte wurde jedoch entscheidend zugunsten des Amtsinhabers beeinflusst.

1984Ronald Reagans TV-Werbung stellte den Präsidenten als besser vorbereitet für kommende Herausforderungen im Kalten Krieg gegen die Sowjetunion dar – oder anders dargestellt: Herausforderer Walter Mondale wurde die Eigenschaft der Schwäche zugeschrieben.

1988: Eine Unterstützergruppe von George H. W. Bush setzte den „Willie Horton“-Spot gegen Michael Dukakis ein.

2004: Die TV-Werbung „Wolves“, die von George W. Bushs Kampagne initiiert wurde, zeichnete den demokratischen Herausforderer John F. Kerry als zu schwach im Kampf gegen den Terrorismus.

2016: Der Anti-Trump Super PAC „Fifty Second Street Fund LLC“ orientiert sich an Johnsons Werbespot „Daisy“ und warnt – passiv – vor einer Wahl von Donald Trump.