#ImpeachmentInquiry gegen Präsident Trump – Update 10/2019

Präsident Donald Trump wird vorgeworfen, Druck auf die Ukraine ausgeübt zu haben, damit diese gegen Joe Biden und dessen Sohn Hunter Ermittlungen wegen angeblichen Korruptionsverdachts aufnehmen. Die demokratische Partei sieht darin einen Amtsmissbrauch und beraumte daraufhin eine offizielle Untersuchung zu einer möglichen Amtsenthebung gegenüber Präsident Trump an. Republikaner hingegen sehen in den Handlungen des Präsidenten lediglich Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung.

Neben dem #Blog1600Penn Update wird es ab sofort ein eigenes Update zu dem möglichen Amtsenthebungsverfahren gegenüber Präsident Donald Trump geben. Unaufgeregt. Tiefgründig. 


Anhörungen laufen

Die demokratische Partei hat zahlreiche (ehemalige) Offizielle zu Anhörungen vor den Ausschüssen House Intelligence, Oversight und Foreign Affairs vorgeladen. Darunter unter anderem Gordon Sondland, U.S. Botschafter bei der Europäischen Union, sowie Marie Yovanovitch, ehemalige U.S. Botschafterin in der Ukraine. Kurt Volker, ehemaliger U.S. Sondergesandter für die Ukraine, hat schon ausgesagt. Derweil versuchen das Weiße Haus und das Außenministerium weitere Anhörungen hinauszuzögern.

„Text messages show U.S. diplomats believed U.S. aid was linked to Trump’s demand for Biden probe“ (USA Today)
„Ein paar SMS und ihre Folgen“ (FAZ)
„Volker told House committees he was unaware of push for Ukraine Biden probe“ (Axios)

Zweiter Whistleblower

Ein zweiter Whistleblower hat sich öffentlich bekannt. Dieser soll seine Informationen über ein Fehlverhalten des Präsidenten direkt erhalten haben.

Demokraten wollen Ukraine-Dokumente sehen

House-Demokraten haben unter Strafandrohung dem Weißen Haus ein Ultimatum für die Herausgabe der Ukraine-Dokumente bis zum 18. Oktober 2019 gestellt.

Trump sorgt sich um sein präsidentielles Erbe

Präsident Trump sorgt sich um seine Hinterlassenschaft als U.S. Präsident. Laut dem Nachrichtenmagazin Axios sprach Präsident Trump mit Parteikollegen darüber, dass ein Amtsenthebungsverfahren sehr schlecht auf dem Lebenslauf aussehen würde.

Stabsschef prognostiziert Erdrutschsieg

Mick Mulvaney, Stabschef des Weißen Hauses, prognostiziert einen Erdrutschsieg von Präsident Trump bei der im nächsten Jahr anstehenden Wahl. Dank des Amtsenthebungsverfahrens könnte Präsident Trump, so Mulvaney, bis zu 45 Staaten für sich entscheiden. Gegenwärtige Umfragen bestätigen diese Prognose nicht.

Trump forderte australische Unterstützung

Präsident Trump soll in einem Telefonat den australischen Premierminister Scott Morrison um Hilfe gebeten haben, Ermittlungen des Justizministeriums in Bezug auf den Beginn der Sonderermittlungen zur russischen Einflussnahme bei der US-Präsidentschaftswahl 2016 zu unterstützen. Premierminister Morrison sprach von einem normalen Anliegen: „Es war ein nicht weiter bemerkenswertes Ereignis.“

Trump: Auch China soll gegen Biden ermitteln

Präsident Trump hat in einem Pressestatement China dazu aufgefordert, gegen Familie Biden zu ermitteln. Hunter Biden wird vorgeworfen, eine China-Reise seines Vaters und damaligen U.S. Vizepräsidenten Joe Biden, für eigene Geschäftsinteressen missbraucht zu haben.

Die republikanischen Senatoren Susan Collins, Ben Sasse und Mitt Romney kritisierten Präsidenten Trump für dessen Aussagen.

Trumps Antwort sollte nicht lange auf sich warten:

Trump im Krisenmodus

Bei einer Pressekonferenz mit dem finnischen Präsidenten Sauli Niinistö ging Präsident Trump gegen Journalisten in die Offensive. Demokrat Adam Schiff, Leiter der Untersuchungen zu einem möglichen Amtsenthebungsverfahren, bezichtigte Präsident Trump zudem des Verrats.

Ukrainische Ermittlungen gegen Biden?

Der ehemalige ukrainische Premierminister Mykola Azarov ist der Meinung, dass gegen Hunter Biden, Sohn von Joe Biden, ermittelt werden sollte. Es soll der Frage nachgegangen werden, ob dessen Anstellung bei einem Gasunternehmen mit ukrainischem Recht vereinbar war.

Das Büro des ukrainischen Generalstaatsanwalts überprüft gegenwärtig bis zu 15 Fälle, welche die Firma Burisma, für die Hunter Biden tätig war, betreffen.

„Ukraine must investigate Joe Biden’s son, says ex-Ukrainian PM“ (Reuters)
„Biden’s trip to China with son Hunter in 2013 comes under new scrutiny“ (NBC News)

Präsident Trump intensiviert vor diesem Hintergrund seine Kritik an Familie Biden: „Bidens Sohn ist korrupt und Biden ist korrupt.“

Unterstützung bekommt Präsident Trump hierbei von seiner ehemaligen Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley:

Trump kämpft online gegen Impeachment
Die Wiederwahlkampagne von Präsident Trump reagiert auf das drohende Amtsenthebungsverfahren mit einer Werbeoffensive auf Facebook. In der Woche nach der Installierung einer offiziellen Untersuchung zu einem Impeachment wurden 1.800 Werbeanzeigen im Gesamtwert zwischen $600.000 und $2 Millionen geschalten. Die Anti-Impeachment-Anzeigen erreichten knapp 20 Millionen Menschen in den USA.
Werbespots gegen Impeachment

Die Wiederwahlkampagne von Präsident Trump hat die ersten Werbespots gegen ein mögliches Amtsenthebungsverfahren geschalten. Des Weiteren geht die Wiederwahlkampagne von Präsident Trump mit Werbespots in frühen Vorwahlstaaten in die Offensive. Die Werbespots im Wert von mehr als $10 Million werden in Iowa, South Carolina, New Hampshire und Nevada geschalten und richten sich explizit gegen Joe Biden. CNN hat sich dazu entschieden, die Werbespots von Präsident Trump nicht zu senden.

Joe Biden hat sich bei einer Rede und auf Twitter gegen die Anschuldigungen des Präsidenten verteidigt:

Trump über Whistleblower

Präsident Trump hat sich bei einer privaten Veranstaltung mit den Vertretern der US-Delegation bei den Vereinten Nationen über den Whistleblower geäußert. Der Mittschnitt wurde illegal aufgezeichnet und der LA Times zugespielt.

Fragwürdiger Verkauf

Die antisemitische Kongressabgeordnete Rahsida Tlaib verkauft T-Shirts mit der Aufschrift: „Impeach the motherfucker“. Ein weiterer Tiefpunkt im Umgang der beiden Parteien miteinander.

Ukrainischer Präsident entlastet Trump

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich zu seinem Telefonat mit US-Präsident Trump geäußert: „Ich denke, dass wir ein gutes Telefonat hatten. Es war normal und wir haben über viele Dinge gesprochen (…) Niemand hat mich unter Druck gesetzt.“


Leseempfehlungen

„So You Want to Impeach the President“ (Lawfare Blog)
„Why Ukrainegate Is Nothing Like Russiagate“ (Foreign Policy) 
„How the Watergate crisis eroded public support for Richard Nixon“ (Pew Research Center)

„Impeachment and public opinion: Three key indicators to watch“ (Brookings Institution)
„Judge orders White House to preserve records of Trump’s calls with foreign leaders“ (Axios)
„Pence going after Democrats over impeachment — in their districts“ (Politico)

„“Do Us a Favor”: The Forty-eight Hours That Sealed Trump’s Impeachment“ (The New Yorker)

Buchtipp: „My Own Words“ (Ruth Bader Ginsburg)

Seit 26 Jahren amtiert nunmehr schon Ruth Bader Ginsburg als Richterin am Supreme Court. In den 1990er Jahren von Präsident Bill Clinton als Verfassungsrichterin nominiert, hat sich RBG, wie sie kurz genannt wird, einen Kultstatus bei der liberalen Hälfte der Vereinigten Staaten von Amerika erworben.

Dies hat nicht zuletzt mit ihrem unermüdlichen Arbeitseinsatz zu tun. Zwar wurden bei der heute 86-jährigen mehrere Tumore diagnostiziert. Doch diese überstand RBG schnell, kehrte sofort wieder zu ihrer Arbeit zurück.

Ruth Bader Ginsburg will die Präsidentschaft von Donald Trump als aktive Richterin überdauern und damit einen dritten konservativen von Präsident Trump nominierten Verfassungsrichter verhindern. Über ihre weitere Motivation so lange am Supreme Court aktiv zu sein sowie ein Rückblick auf eine bewegende Zeit in der Judikative hat RBG in ihrem 400 Seiten starken Werk „My Own Words“ niedergeschrieben.

Die offizielle Buchbeschreibung

The New York Times bestselling book from Supreme Court Justice Ruth Bader Ginsburg—“a comprehensive look inside her brilliantly analytical, entertainingly wry mind, revealing the fascinating life of one of our generation’s most influential voices in both law and public opinion” (Harper’s Bazaar).

My Own Words “showcases Ruth Ginsburg’s astonishing intellectual range” (The New Republic). In this collection Justice Ginsburg discusses gender equality, the workings of the Supreme Court, being Jewish, law and lawyers in opera, and the value of looking beyond US shores when interpreting the US Constitution. Throughout her life Justice Ginsburg has been (and continues to be) a prolific writer and public speaker. This book’s sampling is selected by Justice Ginsburg and her authorized biographers Mary Hartnett and Wendy W. Williams, who introduce each chapter and provide biographical context and quotes gleaned from hundreds of interviews they have conducted.

Witty, engaging, serious, and playful, My Own Words is a fascinating glimpse into the life of one of America’s most influential women and “a tonic to the current national discourse” (The Washington Post).

Bildquellen: Creative-Commons-Lizenzen; Canva.com; eigene Grafiken; Simon & Schuster

Unangebrachte Freude über mögliches Amtsenthebungsverfahren

Vor knapp drei Jahren wurde Donald Trump zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt. Nahezu genauso lang schwebt das Damoklesschwert eines Amtsenthebungsverfahrens über der Präsidentschaft des einstigen politischen Außenseiters.

Pünktlich zur Wahlkampfzeit ist es Realität geworden: Die demokratische Partei leitet eine Untersuchung zu einem möglichen Verfahren zur Amtsenthebung gegenüber den Präsidenten ein. Donald Trump ist seine Eigenschaft als ruchloser Geschäftsmann, den er in seinen Jahrzehnten als New Yorker Immobilienmogul ausprägte, letztendlich zum Verhängnis geworden.

Doch die Freude bei einigen politischen Akteuren und Beobachtern über das Einschlagen des Weges hin zu einem Amtsenthebungsverfahren ist aus mehreren Gründen unangebracht. Denn solch ein Verfahren samt der gegenwärtig wenig wahrscheinlichen erfolgreichen Amtsenthebung wäre ein Pyrrhussieg für Demokraten sowie den linken und liberalen Teil der Gesellschaft und Medien.

Denn einerseits würde die ohnehin schon seit Jahrzehnten steigende gesellschaftliche und politische Polarisierung weiter zunehmen. Anhänger von Präsident Trump würden sich in einer Amtsenthebung bestätigt sehen, dass das politische Establishment von Anfang an eine Kampagne gegen ihre Ikone gefahren hatte.

Dass die demokratische Partei eine Untersuchung zu einem möglichen Amtsenthebungsverfahren noch bevor der Veröffentlichung des Memorandums des Telefonats zwischen Präsident Trump und seinem ukrainischen Amtskollegen Selenskyj und Offenlegung der Aussagen des Whistleblowers einleitete, bestätigt die Meinung der Republikaner zudem.

Andererseits gibt der erste Schritt auf dem Weg zu einem Impeachment das große Thema für die US-Präsidentschaftswahl 2020 vor. Gesundheits-, Migrations-, Infrastrukturpolitik und weitere wichtige Themen werden bei der Wahlentscheidung zweitrangig sein.

Präsident Trump könnte dies sogar in die Karten spielen. Der Amtsinhaber kann sich einmal mehr als Opfer darstellen und einen Außenseiterwahlkampf „gegen die da oben“ führen. Seine politischen Entscheidungen können in einer breiten gesellschaftlichen Debatte ebenso wenig  beurteilt wie alternative Vorschläge vorgelegt werden.

Ein Amtsenthebungsverfahren ist ein langwieriger Prozess mit geringen Erfolgsaussichten. Diesen Weg zu gehen lohnt sich nur, wenn die Aussicht auf ein schnelles Verfahren, sprich durch vorherigen Rücktritt des Präsidenten wie einst durch Richard Nixon, vorhanden ist. Ansonsten ist es lediglich ein Mittel zur weiteren Radikalisierung der Gesellschaft und Politik. Die im Raum stehenden möglichen Vergehen des Amtsinhabers sollten vielmehr an der Wahlurne zur Rechenschaft gezogen werden.


Ebenso lesenswert: Clemens Wergin argumentiert für ein Amtsenthebungsverfahren:
„Das Impeachment-Verfahren gegen Trump ist notwendig“ (Welt Online)

Die demokratische Präsidentschaftskandidatin Tulsi Gabbard hat sich mit oben genannten Gründen gegen ein Amtsenthebungsverfahren ausgesprochen. Nach Druck ihrer demokratischen Parteikollegen unterstützt sie nun doch eine Untersuchung zu einem möglichen Amtsenthebungsverfahren. Auch Speaker Nancy Pelosi wehrte sich aus eben diesen Gründen bis zuletzt vor solch einer offiziellen Untersuchung – doch auch für sie wurde der parteiinterne Druck durch progressive Abgeordnete zu groß. 

Stimmungsbarometer 09/2019: Mehr als jeder Dritte US-Amerikaner plädiert für Amtsenthebungsverfahren Trumps

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Leseempfehlung (Pew Research Center)

Innenpolitik
More Than Half of U.S. Adults Trust Law Enforcement to Use Facial Recognition Responsibly

Klimawandel
U.S. concern about climate change is rising, but mainly among Democrats

Der Iran beschwört die Falken herauf

Kollektives Aufatmen. Diese zwei Worte beschreiben wohl perfekt die Gefühlswelt iranischer, nordkoreanischer und weiterer ausländischer Regierungsvertreter. US-amerikanische Sicherheitspolitiker dürften ebenso mehrheitlich eine Erleichterung gespürt haben, als Hardliner John Bolton als Nationaler Sicherheitsberater von Präsident Donald Trump abberufen wurde.

In Teheran war das Aufatmen offenbar so groß, dass die ohnehin schon bestehende Vorherrschaft in Bezug auf das größte Sponsoring des weltweiten Terrorismus einen neuen Level erreichte. Die im jemenitischen Bürgerkrieg vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen bekannten sich zu einem Angriff auf Anlagen des saudi-arabischen Ölkonzerns Saudi Aramco. Schon zuvor warteten die Huthi-Rebellen mit Attacken auf Ziele im verfeindeten Königreich Saudi-Arabien auf.

Außenminister Pompeo machte jedoch den Iran direkt verantwortlich. Die in Riad sitzende Militärkoalition bestätigte, dass die Waffen aus dem Iran stammen. Von welchem Standort der Angriff ausgeübt wurde, soll eine Untersuchung herausfinden. Neben dem Jemen sind auch der Irak oder eben der Iran verdächtig.

Doch egal zu welchem Ergebnis die Untersuchung kommt, die iranischen Revolutionsgarden werden mitverantwortlich auf den, laut eines Offiziellen der Trump-Administration, Angriff mit 20 Drohnen und einem Dutzend weiterer Marschflugkörper sein. Die saudi-arabische Erdölproduktion ging um 5,7 Millionen Barrel auf die Hälfte des üblichen Tagesniveaus zurück. Das entspricht sechs Prozent der weltweiten Erdölproduktion.

Der Angriff auf die größte Raffinerie des Landes sowie weltweit größte Rohölstabilisierungsanlage stellt für U.S. Senator Lindsey Graham zu viel der „iranischen Provokationen“ dar. Graham plädiert für einen von den USA geführten gezielten Vergeltungsschlag auf iranische Raffinerien, sollten die iranischen Provokationen anhalten.

Präsident Trump ließ sich sodann selbst auf eine aggressive Tonart gegenüber dem Iran auf Twitter ein: „Wir sind entsichert und geladen.“ Martialischen Worten ließ der 45. US-Präsident bislang jedoch bis auf einen gezielten Vergeltungsschlag in Syrien keine Taten folgen. Den Aufbau einer glaubwürdigen Abschreckungskulisse bleibt Präsident Trump hiermit und auch durch stetig wechselnde politische Positionen schuldig.

Nach der Entlassung Boltons äußerte sich Präsident Trump bis vor wenigen Tagen sogar gesprächsbereit gegenüber dem Iran und brachte eine Lockerung der Sanktionen ins Spiel. Im Nahen und Mittleren Osten weiter an der Eskalationsspirale zu drehen, kann für die USA auch nicht von Interesse sein.

Bislang ist Präsident Trump, dem selbsternannten Dealmaker, zwar ein großes Abkommen mit den bösen Mächten dieser Welt schuldig geblieben. Doch ist ein Streben danach, selbst wenn es sich nur um eine Selbstinszenierung handelt, allemal einer weiteren, auf langfristiger Sicht wenig durchdachten militärischen Auseinandersetzung vorzuziehen.



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