#Blog1600Penn Update: Eskalierend in den Wahlkampf

#Blog1600Penn bringt euch über die wichtigsten Ereignisse rund um US-amerikanische Politik der vergangenen Wochen auf den aktuellen Stand:

House stimmt gegen Amtsenthebungsverfahren

Das U.S. Repräsentantenhaus hat gegen die Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens gegenüber Präsident Trump gestimmt. Die demokratische Partei zeigte bei der Abstimmung ein gespaltenes Bild: 95 Demokraten stimmten für ein solches Verfahren, 137 lehnten es ab.

Trump versus The Squad

Monatelang kritisierten vier junge aufstrebende Demokratinnen, die sich selbst „The Squad“ nennen, lautstark die US-Politik. Nun schlug Präsident Trump mit höchst streitbaren Aussagen zurück: „Sollen sie doch in ihre kaputten und von Kriminalität befallenen Länder zurückgehen“.

Bis auf Abgeordnete Ilhan Omar, die als Jugendliche aus Somalia in die USA geflohen ist, wurden alle genannte Politikerinnen in den USA geboren. Später legte der Präsident nach: „Sie hassen unser Land. Sie beschweren sich die ganze Zeit. Wenn es ihnen hier nicht gefällt, dann können sie gehen.“

Die vier Demokratinnen vertreten radikale Positionen. Alexandria Ocasio-Cortez ist eine Vertreterin des demokratischen Sozialismus und verglich die Einrichtungen für illegale Migranten an der US-Südgrenze mit Konzentrationslagern. Ilhan Omar wird von der antisemitischen BDS-Bewegung unterstützt.

„Trump digs in on racist tweets: ‘Many people agree with me’“ (AP)
„Trumps brutaler Schachzug“ (Cicero Online)

Die republikanische Partei hat derweil einen Fernsehspot gegen die vier Demokratinnen geschaltet:

U.S. Repräsentantenhaus verurteilt Trumps Sprache

Das U.S. Repräsentantenhaus hat die Angriffe von Präsident Trump auf vier demokratische Abgeordnete als rassistisch verurteilt. Erstmals seit 100 Jahren hat das House dem Präsidenten eine Rüge ausgesprochen. Lediglich vier Republikaner unterstützten dieses Anliegen.

Arbeitsminister zurückgetreten

Als Staatsanwalt des District of Florida handelte der spätere Arbeitsminister Alexander Acosta im Jahr 2008 einen umstrittenen Deal mit dem Angeklagten Hedge-Fund-Manager Jeffrey Epstein aus. Elf Jahre später wurde Epstein erneut des Missbrauchs von Minderjährigen beschuldigt und festgenommen. Acosta stand daraufhin unter Druck, sein Rücktritt folgte. Doch der Fall Epstein ist auch für andere Persönlichkeiten brisant: Bill Clinton, Donald Trump oder Prinz Andrew zählten zur erfolgreichsten Zeit von Epstein zu dessen Freundeskreis.

Mindestlohnstudie

Laut dem Congressional Budget Office würde ein Anstieg des US-Mindestlohns auf $15/Stunde 1,3 Millionen Menschen bis 2025 aus der Armut helfen. Allerdings würden auch 1,3 Millionen weniger Arbeitsplätze geschaffen werden.

Bekommt Trump weiteren Herausforderer?

Der Republikaner Mark Sanford, ehemaliger Gouverneur von South Carolina, lotet derzeit eine Präsidentschaftskandidatur aus. Damit wäre er nach Bill Weld der zweite Republikaner, der Präsident Trump bei den innerparteilichen Vorwahlen herausfordern würde.

Mehrheitsführer wird herausgefordert

Der Republikaner Mitch McConnell, Mehrheitsführer im U.S. Senat, wird im kommenden Jahr von Amy McGrath herausgefordert. McGrath diente in der Marine als Oberstleutnant.

AOC wird herausgefordert

Die aufstrebende Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez wird bei den Wahlen um ihren Abgeordnetensitz von der New Yorker Geschäftsfrau Scherie Murray herausgefordert.

Prominente Unterstützung für Gabbard

Twitter CEO Jack Dorsey unterstützt die Präsidentschaftswahlkampagne von Tulsi Gabbard. Dorsey hat der Abgeordneten aus Hawaii auch schon Spenden zukommen lassen.

Gillibrand attackiert Trump

Die Wahlkampagne von Kirsten Gillibrand ist in Schwierigkeiten. Ein neuer Fernsehspot, der Präsident Trump scharf attackiert, soll die U.S. Senatorin nun aus dem Umfragetief verhelfen.

Spendeneinnahmen 2. Quartal 2019

Im zweiten Quartal des Jahres konnten die Präsidentschaftskandidaten Pete Buttigieg $25 Millionen, Joe Biden $21,5 Millionen, Elizabeth Warren $19,1 Millionen, Bernie Sanders $18 Millionen und Kamala Harris $12 Millionen einsammeln.

„Kandidaten der demokratischen Partei“ (1600 Pennsylvania)

Swalwell gibt auf

Nach nur drei Monaten hat Eric Swalwell seine Teilnahme an den demokratischen Vorwahlen zurückgezogen. Der 37-jährige Abgeordnete des U.S. Repräsentantenhauses ließ verlautbaren, dass nach der ersten TV-Debatte neben schlechten Umfragewerten auch sinkende Spendeneinnahmen zu seiner Entscheidung führten.

„Nicht mehr im Rennen (Demokraten)“ (1600 Pennsylvania)

Steyer kandidiert

Milliardär Tom Steyer hat doch noch seine Präsidentschaftskandidatur verkündet. Steyer ist Verfechter eines Amtsenthebungsverfahrens gegenüber Präsident Trump und plant $100 Millionen aus seinem Vermögen in seine Kampagne zu investieren.

Biden in der Kritik

Joe Biden steht für Entscheidungen, die der ehemalige U.S. Senator vor Jahrzehnten getätigt hat, in der Kritik. In einem exklusiven Interview mit CNN hat sich Biden nun verteidigt.

Biden veröffentlicht Einkommen

Joe Biden und seine Ehefrau haben in den vergangen beiden Jahren $15,6 Millionen verdient wie deren Steuererklärung aufzeigt. Die Einnahmen stammen hauptsächlich aus Rede- und Buchhonoraren.

Bundeswirtschaftsminister in den USA

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier war zu Gesprächen in den USA. In Washington D.C. traf Altmaier unter anderem auf den Handelsbeauftragten der US-Regierung, Robert Lightizer.

Ross Perot verstorben

Ross Perot war der erfolgreichste unabhängige Präsidentschaftskandidat seit Teddy Roosevelt 1912. Im Jahr 1992 errang Perot 19 Prozent der abgegebenen Stimmen – und verhalf so Bill Clinton zur Präsidentschaft. Nun ist er im Alter von 89 Jahren verstorben.

Waffenlieferungen an Taiwan

Das U.S. Außenministerium hat mögliche Waffenlieferungen in Form von Panzern, Raketen und weiteren Ausrüstungen an Taiwan genehmigt. Irritationen mit der Volksrepublik China sind vorprogrammiert.

Unabhängigkeitstag wird zum Ehrentag für das Militär

Präsident Trump hat die Feierlichkeiten zum diesjährigen Unabhängigkeitstag in Washington D.C. zu einer Dankesveranstaltung für das Militär umgestaltet. Trotz schlechtem Wetters strömten tausende US-Amerikaner auf die National Mall. Bei politischen Mitbewerbern sorgte die Veranstaltung für Kritik.

„Unabhängigkeitstag entfremdet?“ (1600 Pennsylvania)
„Trump’s 4th of July celebration bankrupts D.C.’s security fund“ (Axios)


Leseempfehlungen

Außenpolitik
„Trump’s policies on Iran, North Korea and Russia are cleaning up messes left by Obama, Bush and Clinton“ (NBC News)

Gesundheitspolitik
„Trump wants to stem the tide of kidney disease“ (Axios)

Internationale Beziehungen
„British ambassador to Washington quits after spat over leaked memos“ (Reuters)

Iran
„Irans Regime kann vor dem amerikanischen «Satan» nicht kuschen. Eine Kapitulation wäre eine ideologische Selbstaufgabe. Eine Analyse“ (NZZ)

Legislative
„Justin Amash: Our politics is in a partisan death spiral. That’s why I’m leaving the GOP.“ (The Washington Post)

Migration
„Pence criticizes Democrats on visit to crowded migrant facility“ (The Guardian)

Präsidentschaftswahl
„Beto O’Rourke’s ancestors were slaveholders, records reveal“ (The Guardian)

Sicherheitspolitik
„Putin Pulls Russia Out of Nuclear Pact That Trump Abandoned“ (Bloomberg)
„Es ist in unserem Interesse, die USA in Syrien zu unterstützen“ (Welt)

Buchtipp: „American Presidents, Deportations, and Human Rights Violations: From Carter to Trump“ (Bill Ong Hing)

Präsident Obama wurde von Migrationsrechtsgruppen aus gutem Grund deporter-in-chief genannt.“ Mit diesem Satz beginnt das 364 Seiten starke Werk „American Presidents, Deportations, and Human Rights Violations“ von Bill Ong Hing. In der Tat ließ die Obama-Administration bis heute so viele illegale Einwanderer ausweisen wie keine andere US-Regierung.

Bill Ong Hing, Professor an der University of San Francisco, geht der Migrationspolitik der Vereinigten Staaten von Amerika seit Präsident Carter auf die Spur. Ein seit Jahrzehnten umstrittenes Thema analysiert Ong Hing nüchtern und überrascht mit so manchem Fakt, wie schon eingehend exemplarisch dargestellt wurde.

Auf Grund der aktuellen Migrationskrise an der Grenze zwischen den USA und Mexiko, ansteigende Einwandererzahlen sind an dieser Stelle ebenso genannt wie die fragwürdige Unterbringung dieser Personen durch US-Behörden, ist das im Cambridge University Press Verlag erschienene Werk die Buchempfehlung des Monats.

Die offizielle Buchbeschreibung

Of the many issues polarizing societies today, immigration is one of the most contentious. In the United States, as in Europe, immigration was a defining issue in recent national elections. Immigration not only involves government policies but also the human rights of millions of people. American Presidents, Deportations, and Human Rights Violations studies how recent immigration policies in the United States developed during the Obama administration and are now being expanded in the first months of the Trump presidency.

Documenting the harsh treatment of immigrants over the past twenty years, Bill Ong Hing shows how mass detention and deportation of immigrants, from Clinton’s two terms and the Bush administration, have escalated even higher. This book questions what price the United States is willing to pay for such harsh immigration policies in terms of our national values, and the impact on the lives of the millions of immigrants who deserve the full protection of universal human rights obligations.

Bildquellen: Creative-Commons-Lizenzen; Canva.com; eigene Grafiken; Cambridge

Präsident Trump in Großbritannien

Auf der einen Seite königlicher Empfang mit viel Prunk und Geschichte. Auf der anderen Seite Demonstrationen mit einem riesigen Ballon in Form eines Trump-Babys, einem „Dumping Trump Robot“, der den US-Präsidenten auf einer Toilette sitzend darstellt, oder einem in Gras gemähten Trump-Riesenpenis.

Unterschiedlicher könnten die Bilder vom Staatsbesuch des US-Präsidenten Donald Trump, der zusammen mit seiner Ehefrau Melania und vier seiner insgesamt fünf Kindern anreiste, in Großbritannien nicht sein. Ein Sinnbild für die seit dem Brexit offensichtliche Spaltung des Vereinigten Königreichs. Aber auch über über die polarisierende Kraft des Mannes im Weißen Hauses.

„1600 Pennsylvania“ gibt einen Rückblick auf einen Staatsbesuch der besonderen Art. Ein Staatsbesuch, der nach George W. Bush und Barack Obama erst dem dritten US-Präsidenten zuteil wurde.

Am ersten Tag wurde Präsident Trump und First Lady Melania von Queen Elizabeth II im Buckingham Palace empfangen sowie zu einem Staatsbankett eingeladen.

Die Rede von Queen Elizabeth II beim Staatsbankett:

Tags darauf traf sich der US-Präsident mit seiner britischen Amtskollegin Theresa May, die nur noch bis zum 07. Juni 2019 im Amt ist, um an die Landung der Alliierten in der Normandie im Zweiten Weltkrieg zu gedenken.

Derweil demonstrierten tausende Briten gegen den Staatsbesuch. Präsident Trump hingegen bekam von diesen Demonstrationen nichts mit.

Nicht repräsentative Umfrage unter
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#Blog1600Penn Update: Zeitenwende

#Blog1600Penn bringt euch über die wichtigsten Ereignisse rund um US-amerikanische Politik der vergangenen Wochen auf den aktuellen Stand:

Sonderermittlungen abgeschlossen

Justizminister Barr hat den U.S. Kongress über die Sonderermittlungen zur russischen Einflussnahme bei der US-Präsidentschaftswahl 2016 informiert. Demnach gibt es keine Hinweise auf eine Verschwörung zwischen Russland und der Wahlkampagne von Donald Trump. In Bezug auf eine Justizbehinderung wurde Präsident Trump zwar nicht entlastet. Eine Straftat liegt jedoch auch nicht vor.

„Ein klarer Sieg für Trump“ (Zeit Online)

Bericht der Sonderermittlung soll öffentlich gemacht werden

Demokraten und Republikaner im U.S. Repräsentantenhaus haben einstimmig eine Resolution verabschiedet, welche das Justizministerium auffordert die Ergebnisse der Sonderermittlungen rund um die russische Einflussnahme bei der US-Präsidentschaftswahl 2016 öffentlich zu machen.

USA erkennen Souveränität Israels über die Golanhöhen an

Am Rande des Besuchs des israelischen Premierministers Benjamin Netanyahu im Weißen Haus hat US-Präsident Trump die Souveränität Israels über die Golanhöhen anerkannt. Während des Sechstagekrieges 1967 eroberte Israel die Golanhöhen, die von der internationalen Gemeinschaft als Teil Syriens gesehen wird.

„Wer die Golanhöhen mit der Krim vergleicht, ist denkfaul“ (Die Welt)

Bundestagsvizepräsidnt fordert Ausweisung des US-Botschafters

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP) hat die Ausweisung des US-Botschafters in Deutschland, Richard Grenell, gefordert: „Wer sich als US-Diplomat wie ein Hochkommissar einer Besatzungsmacht aufführt, der muss lernen, dass unsere Toleranz auch Grenzen kennt.“ Botschafter Grenell kritisierte zuvor erneut die Tatsache, dass Deutschland das von den NATO-Mitgliedsländern vereinbarte Ziel, bis 2024 zwei Prozent des BIP für Verteidigung auszugeben, verfehlen werde.

Bush spricht bei Einbürgerungszeremonie

Der ehemalige US-Präsident George W. Bush hat die Rede bei einer Einbürgerungszeremonie in Dallas, Texas, gehalten. Bush sprach hierbei über Einwanderung von „einem Segen für die USA“.

Trump spendet Gehalt

Präsident Trump hat auch im aktuellen Quartal sein Präsidentengehalt gespendet. Diesmal gingen die $ 100.000 an das Heimatschutzministerium.

Obama in Köln

Am 04. April kommt es zu einem moderierten Gespräch mit dem ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama in der LANXESSarena zu Köln. Eintrittspreise liegen zwischen 87 Euro und 208 Euro.

„GEDANKENTANKEN World Leadership Summit“ (Köln Ticket)

Trump legt erstmals Veto ein

Nach dem U.S. Repräsentantenhaus hat auch der republikanisch dominierte U.S. Senat gegen die Ausrufung des Nationalen Notstandes an der Grenze zu Mexiko gestimmt. Neben den demokratischen Abgeordneten votierten auch zwölf republikanische Senatoren gegen den Notstand. Präsident Trump legte daraufhin erstmals ein Veto ein.

US-Unterstützung für Krieg im Jemen soll beendet werden

Der U.S. Senat hat eine Resolution verabschiedet, welche die US-amerikanische Unterstützung des von Saudi-Arabien geführten Krieges in Jemen beenden soll.

Brown kandidiert nicht

Senator Sherrod Brown hat sich gegen eine Präsidentschaftskandidatur entschieden.

Gillibrand und O’Rourke wollen ins Weiße Haus

Die demokratische Senatorin Kirsten Gillibrand und der Shootingstar der vergangenen Zwischenwahlen, Beto O’Rourke, haben ihre Präsidentschaftskandidaturen offiziell bekanntgegeben. Gillibrand bestritt ihren Wahlkampfauftakt vor dem Trump International Hotel in New York City.

„Kandidatur verkündet: Beto O’Rourke“ (1600 Pennsylvania)

Ort der Nominierungsveranstaltung bekanntgegeben

Die Nominierungsveranstaltung des demokratischen Präsidentschaftskandidaten wird im Jahr 2020 in Milwaukee, Wisconsin, stattfinden. Damit haben sich Demokraten für einen umkämpften Staat im Rust Belt entschieden, der im Jahr 2016 von Donald Trump überraschend gewonnen wurde.

Warren will Technologie-Firmen zerschlagen

Die demokratische Präsidentschaftskandidatin Elizabeth Warren hat vorgeschlagen Technologie-Unternehmen wie Facebook, Amazon oder Google bei zu großer Marktdominanz zu zerschlagen. Ebenso fordert Warren das Ende des Wahlmännergremiums bei Präsidentschaftswahlen.

Diplomaten abgezogen

Die Vereinigten Staaten haben ihre diplomatischen Mitarbeiter aus Sicherheitsgründen aus Venezuela abgezogen. Zuvor drohte der venezolanische Machthaber Maduro vermehrt den USA und beschuldigte Washington des Plans eines Staatsstreichs.

Dokumentation über Beto

Der US-amerikanische Fernsehsender HBO hat eine Dokumentation über den Senatswahlkampf von Beto O’Rourke (D) gedreht. Der Trailer:

Manafort muss ins Gefängnis

Der ehemalige Wahlkampfmanager von Donald Trump, Paul Manafort, wurde zu einer 7,5-jährigen Haftstrafe verurteilt.


Leseempfehlungen

Gesellschaftspolitik
„Trump, Partisan Politics and Gay Rights“ (Quillette)

Internationale Beziehungen
„Warschau verschanzt sich im Fort Trump“ (Dialog Forum)

Kriminalität
„California is one of 11 states that have the death penalty but haven’t used it in more than a decade“ (Pew Research Center)

Transatlantische Beziehungen
„Was unterscheidet «Deutschland zuerst» von «America First»? Auch Berlin neigt zu Alleingängen“ (NZZ)
„Für die SPD ist Grenell ein „diplomatischer Totalausfall““ (FAZ)

US-Präsidentschaftswahl 2020
„How Trump is on track for a 2020 landslide“ (Politico)

Der Notstand mit dem Nationalen Notstand

Ein weiterer shutdown konnte zwar durch einen Kompromiss zwischen Demokraten und Republikanern verhindert werden. Doch von den $5,7 Milliarden von Präsident Trump geforderten Geldern für den Ausbau der Grenzbefestigung zu Mexiko wurden lediglich $1,375 Milliarden bewilligt.

Die Trump-Administration versucht nun die Finanzierung anderweitig zu sichern. Mit der Ausrufung eines nationalen Notstandes hat der US-Präsident genau dies getan. Wer dachte, dass sich Präsident Trump im Haushaltsstreit leicht geschlagen geben wird, hatte sich getäuscht.

Politischer Streit

Der politische Aufschrei in den USA ist indes, wenig überraschend insbesondere von demokratischer Seite, groß. Für Demokraten ist der Notstand an der Grenze zu Mexiko eine Erfindung des US-Präsidenten. In der Tat sind illegale Grenzübertritte in den vergangenen Jahren zurückgegangen.

Dem entgegengehalten werden kann allerdings die Tatsache, dass in den USA weiterhin geschätzte 10,7 Millionen illegale Einwanderer leben. Viele von ihnen kamen über die grüne Südgrenze des Landes.

Es ist eine Frage der Definition eines nationalen Notstandes, der je nach politischer Richtung anders ausgelegt wird und kurzfristig nicht aufgelöst werden kann. Ein akuter Anstieg der Herausforderung an der Grenze zu Mexiko ist jedoch nicht festzustellen.

Juristische Frage

Interessanter ist die Frage, ob Präsident Trump mit der Ausrufung eines nationalen Notstandes den U.S. Kongress in seinem Haushaltsrecht einschränkt. Da Präsident Trump die Finanzierung seines Grenzschutzes zu Mexiko nicht bewilligt bekam, plant er nun Gelder, die vom U.S. Kongress für andere Bereiche vorgesehen waren, für sein Projekt abzuziehen. Durch die Ausrufung eines Notstandes ist eben dies theoretisch möglich. Doch auch im konkreten Fall?

Gerichtsverfahren, die ersten Klagen wurden bereits eingereicht, werden alle oben genannten Fragen klären. Am Ende könnte es, wie schon beim temporären Einreiseverbot für Personen aus ausgewählten Ländern, auf eine Entscheidung des Supreme Court ankommen.

Wahlkampf im Blick

Je länger die Diskussion und die Verfahren um den nationalen Notstand an der Grenze zu Mexiko andauern, desto positiver für den bevorstehenden Wahlkampf von Präsident Trump. Vor seiner Anhängerschaft kann der US-Präsident argumentieren, dass er seine Wahlversprechen einhalten will und hierfür weitere konservative Richter benötigt, die seine politischen Entscheidungen juristisch bestätigen.

In einer weiteren Amtsperiode könnte Präsident Trump sodann das Justizwesen nach dem Geschmack der Republikaner weiter umbauen. Für die republikanische Parteibasis ein wichtiger Grund erneut ihre Stimme für Donald Trump abzugeben. Nicht zu vergessen, dass Präsident Trump bei den republikanischen Anhängern so beliebt ist wie kein Präsident in den letzten 50 Jahren.

Der deutsche Diskurs

Dass mit der Ausrufung des nationalen Notstandes die Gewaltenteilung aufgehoben wird, wie es ZEIT Online formulierte, Grundrechte eingeschränkt werden oder es zur Entmachtung des Parlaments wie einst in der Weimarer Republik im Jahr 1933 kommt, ist nicht der Fall.

Schon alleine der Fakt, dass gegenwärtig 32 nationale Notstände in den USA aktiv sind, unterstreicht die (gewollte?) Unwissenheit des deutschen Diskurses. Präsident Barack Obama verabschiedete in seiner Amtszeit 13 nationale Notstände, Präsident George W. Bush deren 12 und Präsident Bill Clinton 17. Präsident Trump steht nach zwei Jahren Amtszeit bei drei verkündeten Notständen.

Trump hat einen Notstand an der Grenze ausgerufen. Die Vereinigten Staaten sind in einem kontinuierlichen nationalen Notstand seit 1979. (TIME Magazine)

Der längste aktive nationale Notstand geht sogar auf das Jahr 1979 zurück. In der Frühphase der Geiselnahme von Teheran, 52 US-Diplomaten wurden festgehalten, wurde der nationale Notstand gegen den Iran am 14. November 1979 ausgerufen. 39 Jahre später ist dieser Notstand weiterhin in Kraft.

Notstand ist kein Ausnahmezustand

Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Demokratie in den USA trotz zahlreicher aktiver Notstände in Takt ist. Dies hat auch damit zu tun, dass es sich hierbei nicht um Ausnahmezustände handelt wie es der deutsche Diskurs behaupten mag.

Ein Blick in das Nationale Notstandsgesetz aus dem Jahr 1976 gibt zudem Abhilfe. Dieses besagt, dass ein Präsident qua Amt auf Grund eines expliziten Ereignisses einen nationalen Notstand ausrufen kann. Das U.S. Repräsentantenhaus und der U.S. Senat müssen sodann alle sechs Monate überprüfen, ob die Ausrufung des Notstandes weiterhin angemessen erscheint.

Beide Kammern des U.S. Kongresses können mit einem gemeinsamen Beschluss den Notstand aufheben. Dies geschieht durch eine einfache Mehrheit im U.S. Repräsentantenhaus sowie im U.S. Senat. Sollte der Präsident daraufhin ein Veto einlegen, können die Kammern im U.S. Kongress mit jeweils einer Zweidrittel-Mehrheit dies überstimmen.

Wie das TIME Magazin richtig feststellt, sieht ein nationaler Notstand zwar wie eine drastische Maßnahme aus. Doch Trump ist nicht der erste Präsident, der außergewöhnliche Schritte geht um aus seiner Sicht notwendige Maßnahmen im Interesse der Nation einzuleiten.

So gerechtfertigt der politische und baldige juristische Streit um die Ausrufung des jüngsten nationalen Notstandes in den USA ist, so sehr hat die Debatte darüber den Notstand der hiesigen Berichterstattung über US-amerikanische Politik verdeutlicht.