In einem Gastbeitrag für USA Tipps hat #blog1600Penn die aktuelle Lage der Vorwahlen beleuchtet.
Spektakuläre TV-Duelle. Rhetorische Leckerbissen wie niveaulose Entgleisungen. Rekordwahlbeteiligungen. Knappe Wahlentscheidungen. Das Wahlspektakel zum Vorwahlkampf hält die Vereinigten Staaten in Atem. Selten zuvor war ein Wahlkampf so polarisierend, skandalös und vor allem spannend.
In der vergangenen Woche gewann ein ohnehin schon verrückter Vorwahlkampf nochmals an Intensivität. Begründet lag dies nicht zuletzt am Super Tuesday, an dem elf Bundesstaaten gleichzeitig ihre Vorwahlen abhielten.
Clintons Vorwahl läuft nach Plan
Bei den Demokraten läuft bislang alles nach Plan für Hillary Clinton. Ihre sogenannte „Firewall“ – Clintons Beliebtheit bei Minderheiten – hat dem Ansturm von Bernie Sanders (zumindest) in den Südstaaten standgehalten.
Eine intensive Wahlkampfwoche ist mit dem Super Saturday zu Ende gegangen. Republikaner stimmten in vier weiteren Staaten ab, Demokraten wurden in drei Staaten an die Wahlurnen gerufen.
Im Vorfeld des Wahlsamstages rechnete Ted Cruz nicht mit einem Sieg. Umso überraschender waren seine durchweg starken Ergebnisse, an deren Ende Cruz sogar zwei Staaten (Maine und Kansas) für sich entscheiden konnte.
Donald Trump hingegen gewann die Staaten Louisiana und Kentucky. Marco Rubio enttäuschte auch bei diesen Wahlen und kam nicht über drei dritte Plätze hinaus.
Auf demokratischer Seite durfte sich Bernie Sanders zweimal auf die Siegerliste schreiben (Kansas und Nebraska). Hillary Clinton zeigte einmal mehr ihre Stärke in den Südstaaten auf und gewann Louisiana.
Am Sonntag Nacht folgt eine weitere TV-Debatte der demokratischen Kandidaten bevor es am Dienstag zu wichtigen Vorwahlen u.a. in Michigan und Mississippi kommt.
Mit einem Klick auf die Bilder kommt ihr zu den jeweiligen Ergebnissen und Delegiertenverteilung (online nach Ende der Auszählung).
Der Super Tuesday kann Hoffnungen auf das Weiße Haus nähren – aber auch Träume zerplatzen lassen. An keinem anderen Tag werden im Vorwahlkampf so viele Delegiertenstimmen vergeben wie an diesem Dienstag. Es ist angerichtet! #Blog1600Penn begleitet euch durch die Wahlnacht des Vorwahlkampfes! Aktuelle Ereignisse findet ihr im Ticker unten!
Super Tuesday der Demokraten Diese Staaten konnten die jeweiligen Kandidaten für sich entscheiden
04:15 Uhr: Rekordwahlbeteiligung bei republikanischer Vorwahl in Virginia! Knapp 300.000 mehr Bürger stimmten ab, als bei der bislang höchsten Wahlbeteiligung im Jahr 2000.
03:40 Uhr: Donald Trump spricht in Palm Beach, Florida, zu seinen Anhängern. Begleitet wird Trump diesmal nicht nur von seiner Familie, sondern auch von Chris Christie.
02:30 Uhr: CLINTON GEWINNT AUCH IHR „HEIMSPIEL“ IN ARKANSAS
02:00 Uhr: CLINTON GEWINNT ALABAMA UND TENNESSEE
02:00 Uhr: TRUMP GEWINNT ALABAMA, MASSACHUSETTS UND TENNESSEE
01:50 Uhr: CLINTON GEWINNT IN AMERICAN SAMOA
01:30 Uhr: TRUMP GEWINNT GEORGIA
01:00 Uhr: SANDERS GEWINNT IN SEINEM HEIMATSTAAT VERMONT ++ CLINTON SIEGT IN GEORGIA UND VIRGINIA
23:30 Uhr: Clinton geht als klare Favoritin in den demokratischen Super Tuesday. Bei den RCP-Durchschnittswerten liegt sie beispielsweise in Virginia mit 56,3% zu Sanders‘ 34,8% klar vorne. In Texas führt Clinton mit 30 Prozentpunkten. Eng könnte es hingegen in Oklahoma (43% für Clinton, 41% für Sanders) werden.
23:00 Uhr: Wann schließen eigentlich die Wahllokale? In Georgia, Virginia und Vermont kann bis um 1 Uhr MEZ gewählt werden. Um 2 Uhr MEZ schließen die Wahllokale in Alabama, Massachusetts, Oklahoma und Tennessee. Eine halbe Stunde später folgt Arkansas. Bis um 3 Uhr MEZ kann in Colorado, Minnesota und Texas abgestimmt werden. Alaska schließt den Super Tuesday um 6 Uhr MEZ ab.
22:00 Uhr: Senator Ben Sasse aus Nebraska kündigt an seine Mitgliedschaft in der republikanischen Partei niederzulegen, sollte Donald Trump zum Präsidentschaftskandidaten der GOP gewählt werden: “I signed up for the party of Abraham Lincoln, not the party of David Duke, Donald Trump”.
21:25 Uhr: Mit den ersten (Zwischen-) Ergebnissen wird gegen 1 Uhr MEZ gerechnet. Derweil haben Mitglieder der Initiative junger Transatlantiker eine Vorstellung der Kandidaten verfasst. Den Artikel findet ihr unter diesem Link!
20.15 Uhr: Ted Cruz hat seine Hoffnungen auf die Südstaaten, in denen vorwiegend heute gewählt wird, gesetzt. Doch in allen Umfragen zu diesen Staaten liegt Donald Trump in Front. Lediglich in seinem Heimatstaat Texas geht Cruz mit 37,2% zu Trumps 28,2% als Favorit in den Wahlabend. Für den Erfolg der weiteren Kampagne ist ein Sieg in Texas für Cruz Pflicht!
19.00 Uhr: Bei den Demokraten wird erwartet, dass Hillary Clinton am Super Tuesday insbesondere in den Südstaaten punkten kann. In Texas, Georgia, Virginia, Tennessee, Alabama und Arkansas gilt die ehemalige Außenministerin als klare Favoritin.
18.00 Uhr: Die republikanische Partei steht vor einer Zerreißprobe. Spätestens mit Trumps Nicht-Distanzierung zum rassistischen Ku-Klux-Klan ertönten beim Parteiestablishment die Alarmglocken. Erste Parteigrößen, wie die ehemalige Gouverneurin von New Jersey, Christie Todd Whitman, geben offen zu verstehen, dass sie bei einer Nominierung von Trump bei der Präsidentschaftswahl für die Kandidatin der Demokraten stimmen würden.
In der vierten Vorwahl konnte Hillary Rodham Clinton bereits ihren dritten Sieg einfahren. Wenig überraschend fiel das Ergebnis in South Carolina deutlich zugunsten der ehemaligen Außenministerin aus.
Kurz vor dem Super Tuesday ist sich Clinton somit sicher, dass sich ihre selbsternannte „Firewall“ gegenüber Bernie Sanders, die Beliebtheit bei Minderheiten, auch in reale Wählerstimmen auszahlt.
Alleine Afroamerikaner, welche in South Carolina eine sehr bedeutende Wählergruppe darstellen, votierten mit 84% für Hillary Clinton. Mit diesem Vorwahlergebnis geht Clinton gestärkt in den Super Tuesday – an diesem Tag wird vorwiegend in den Südstaaten gewählt. Hillary wird dem nächsten Praxistest ihrer „Firewall“ optimistisch entgegensehen.
Marco Rubios Mantra ist seit Beginn seiner Wahlkampagne, dass die besten Tage der Vereinigten Staaten noch vor ihr liegen werden. Rubio wirbt für ein neues amerikanisches Jahrhundert, welches durch eine politische Neuausrichtung, aber auch durch eine neue, jüngere Führungsgeneration geprägt sein soll.
Nach der republikanischen Vorwahl in South Carolina hat Rubio ein erstes Zwischenziel erreicht: Im Wettbewerb der Generationen ging „jung“ nämlich in Führung. Denn mit einem zweiten Rang konnte er seinen einstigen Mentor und Konkurrenten um die Gunst des Establishments, Jeb Bush, nicht nur hinter sich lassen.
Vielmehr gab Bush sodann enttäuscht auf. Nach George Herbert und George Walker wird Jeb nicht der dritte Bush im Weißen Haus sein. Dabei standen die Vorzeichen für den „etwas anderen“ Bush mit einer prall gefüllten Wahlkampfkasse, Einfluss durch den Familiennamen und seiner erfolgreichen Bilanz als Gouverneur von Florida sehr gut.
Doch der Wahlkampf des Jahres 2016 unterscheidet sich von vorherigen grundlegend. In beiden Parteien haben Anti-Establishment-Kandidaten enormen Zulauf, die den Ärger der Basis kanalisieren. Ausgearbeitete Programme, wie die von Bush, werden wenig gehört.
Zudem erwies sich für Bush seine Introvertiertheit als immenser Nachteil im Wettkampf mit dem Lautsprecher Donald Trump. Die Präsidentschaftskandidatur des dritten Bush, der als Favorit auf die
republikanische Nominierung in das Rennen ging, ist nunmehr Geschichte.
Seinen Platz als Favorit des Establishments nimmt nun eben jener junge Senator aus Florida, Marco Rubio, ein. Mit der Unterstützung einflussreicher Politiker aus South Carolina – namentlich die Gouverneurin Nikki Halley, Senator Tim Scott und Rep. Trey Gowdy – konnte Rubio sein nach New Hampshire verloren gegangenes Momentum zurückgewinnen.
Alle Zeichen stehen nun auf einen Dreikampf zwischen Donald Trump, Ted Cruzund Marco Rubio. Das nächste Aufeinandertreffen der Republikaner gibt es bereits am Dienstag bei der Vorwahl in Nevada.
Die nächste demokratische Vorwahl findet hingegen erst am Samstag in South Carolina statt. Ein Staat, indem Hillary Clinton ihre sogenannte „Firewall“, der Beliebtheit bei Afroamerikanern, erstmals testen will. Ein Favoritensterben wie bei Republikanern ist – insbesondere nach Hillarys Sieg in Nevada – bei den Demokraten nicht absehbar.