„Habemus Papam – Wir haben einen Papst!“ erklang es am 13.03.2013 von der Benediktionsloggia des Petersdoms. Auf die Mittellogia trat sodann mit Jorge Kardinal Bergaglio, der den Namen Franziskus annahm, der erste Papst vom amerikanischen Kontinent sowie von der Südhalbkugel. Am Ostermontag, 21.04.2025, um 07.35 Uhr verstarb der Heilige Vater nun im Alter von 88 Jahren nach zwölfjähriger Regentschaft an den Folgen einer schweren Lungenentzündung. Vor diesem Hintergrund bildet der nachfolgende Beitrag einen kurzen Rückblick auf das Pontifikat des 266. Bischofs von Rom aus US-amerikanischer Sicht.
Drei Präsidenten
Papst Franziskus erlebte drei verschiedene US-Präsidenten und vier Vizepräsidenten. Als der gebürtige Argentinier Franziskus sein Pontifikat antrat, residierte im Weißen Haus Präsident Barack Obama, Mitglied der progressiven United Church for Christ. Als Vizepräsident agierte der Katholik Joe Biden. Vier Jahre später erlebte Franziskus mit dem konfessionslosen Christen Donald Trump seinen zweiten US-Präsidenten, der 2025 nach vierjähriger Unterbrechung in die 1600 Pennsylvania Avenue zurückkehren sollte.
In Trumps erster Amtszeit bekam es Franziskus mit dem erzkonservativen Evangelikalen Mike Pence als Vizepräsidenten zu tun. Seit dem Jahr 2025 agiert mit J.D. Vance ein konvertierter Katholik als 50. Vizepräsident der Vereinigten Staaten. Ebenso katholischen Glaubens ist wie oben erwähntBiden, der zwischen 2021 und 2025 als erst zweiter Katholik im Weißen Haus residierte. Dessen einstige Stellvertreterin Kamala Harris ist Baptistin.
Ein Besuch in den USA
Seine zehnte von insgesamt 49 apostolischen Reisen in das außeritalienische Ausland führte Papst Franziskus nach Kuba sowie in die Vereinigten Staaten von Amerika. In Havana würdigte der Heilige Vater die Entspannung in den diplomatischen Beziehungen zwischen Kuba und den USA. Der Vatikan spielte hierbei eine entscheidende Vermittlerrolle. In den USA besuchte Papst Franziskus die Hauptstadt Washington D.C. sowie Philadelphia, PA, und New York City, NY.
In D.C. wurde Franziskus von Präsident Obama im Weißen Haus empfangen. Bei dem Aufeinandertreffen wurden die Themen der Migration, des Klimawandels sowie der Armut und der Menschenrechte besprochen. Im U.S. Kongress hielt Papst Franziskus eine vielbeachtete Rede. In Philadelphia nahm der Heilige Vater am Weltfamilientag teil, in New York City eröffnete er den UN-Nachhaltigkeitsgipfel.
Gegenspieler von Trump
Während Papst Franziskus mit Obama/ Biden sowie mit Biden/ Harris ein professionelles, ja schon nahezu freundschaftliches Verhältnis pflegte, war dieses mit Trump angespannt. Selbst ein Kind von italienischen Einwanderern, legte Franziskus das Hauptaugenmerk seines Pontifikats auf eine geordnete und insbesondere humane Politik gegenüber Migranten.
Eine Person die nur daran denkt, Mauern zu bauen, wo auch immer diese sein mögen, und nicht Brücken zu bauen, ist kein Christ.
Papst Franziskus.
Gegen die Kriminalisierung von allen Migranten, wie es die Trump-Administration auch im Jahr 2025 vornimmt, positionierte sich Franziskus unentwegt. Zuletzt kritisierte Franziskus Anfang 2025 die Migrationspolitik Trumps passiv in einem Brief an die katholischen Bischöfe der USA. Die US-Bischofskonferenz zog, ermutigt durch den Heiligen Vater, ebenso vor Gericht gegen die Regierung Trump, welche die Finanzierung von privaten Ansiedlungsprogrammen von Flüchtlingen mit Aufenthaltserlaubnis einstellte, obwohl die Entscheidungskompetenz hierfür der Legislative obliegt.
Abschied an Ostern
Am Ostersonntag spendete Papst Franziskus noch den Segen Urbi et Orbi mit brüchiger Stimme und ließ sich im Papamobil über den Petersplatz fahren. Zuvor empfing er den katholischen US-Vizepräsidenten Vance für eine kurze Unterhaltung. Tags darauf verstarb Papst Franziskus in Santa Marta.
Herr, gib ihm die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihm. Lass ihn ruhen in Frieden. Amen.
Katholisches Totengebet.
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Mit der Rückkehr von Donald Trump in das Weiße Haus vollzog sich ein grundlegender politischer und kultureller Wandel in den Vereinigten Staaten von Amerika. Stieg der Neoliberalismus unter Präsident Ronald Reagan endgültig zur herrschenden Wirtschaftsform in den USA und damit in der freien, westlichen Welt auf, gilt laut dem Historiker Gary Gerstle von der Cambridge UniversityBarack Obama als der letzte neoliberale US-Präsident. Mit seinem Skeptizismus gegenüber den Freihandel, den PräsidentJoe Biden weitestgehend fortführte, wandte sich Trump schon in seiner ersten Amtszeit gegen die Grundsätze des Neoliberalismus. In den ersten Wochen seiner zweiten Amtszeit wandte sich Präsident Trump des Weiteren schon ganz grundlegend gegen die Paradigmen des Globalismus.
Republikaner profitieren von veränderter Medienlandschaft
Dieser Paradigmenwechsel ging auch mit einer sich veränderten Medienlandschaft einher. Dominierten Demokraten insbesondere seit der Ära Obama die veröffentlichte Meinung, haben Republikaner ihren einstigen Wettbewerbsnachteil mittlerweile in das Gegenteil verkehrt. Laut einer Erhebung der progressiven Watchdog-Organisation Media Matters for America dominieren nämlich nunmehr rechte Aktivisten die Medienwelt, die vornehmlich nicht mehr im linearen Fernsehen, sondern in den sozialen Medien und in Podcasts von statten geht. (siehe Grafik im untenstehenden X-Post).
1. What you see here is clearest illustration why things are so messed up and why it cannot get any better until this asymmetry is addressed.
Trump bediente sich sodann im Präsidentschaftswahlampf 2024 den neuen Möglichkeiten. Alleine dem Podcaster Joe Rogan, dessen Kanal von 40 Millionen Personen abonniert wird, gab der Republikaner ein knapp dreistündiges Interview. Neue Wählerschaften konnte Trump so vergleichsweise einfach erschließen. Die demokratische Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris hingegen hatte weder so einflussreiche ihr positiv gesonnene neue Medien zur Verfügung wie Trump. Noch war sie selbst risikofreudig genug der neuen Podcast-Welt für ein offenes Gespräch zur Verfügung zu stehen.
Newsom spricht sich in das demokratische Vakuum
Wie oben angeführt ging mit Trumps zweiter Wahl zum Präsidenten ein grundlegender Richtungswechsel in der Kultur-, Wirtschafts-, Außen- und Sicherheitspolitik sowie in der Mediendominanz von statten. Auch knapp fünf Monate nach den Präsidentschafts- und Kongresswahlen konnte sich die Demokratische Partei nicht von ihren tiefgreifenden Niederlagen erholen. Die Partei ist ohne Führung, in der Opposition zu Präsident Trump bislang nahezu unsichtbar sowie programmatisch ausgedünnt. Hinzu kommt oben genanntes Hintertreffen im medialen Einflussbereich.
Ausgerechnet der progressive und bis dato polarisierende Gouverneur von Kalifornien, Gavin Newsom, will dem mit seinem viel beachteten neuen Podcast „This is Gavin Newsom“ etwas entgegensetzen. Dass der Demokrat mit seiner Gesprächsreihe, die auch über YouTube als Video anzusehen ist, im Dschungel der Podcasts Aufmerksamkeit erregt, hat nicht nur mit seiner aktiven Auslotung einer Teilnahme an den demokratischen Präsidentschaftsvorwahlen im Jahr 2028 zu tun. Vielmehr setzt sich Gouverneur Newsom über die seit Jahrzehnten kontinuierlich ansteigende politische Spaltung des Landes hinweg, indem er auch Gesprächspartner vom konservativen, ja sogar vom rechten politischen Spektrum einlädt.
Newsom lädt auch Konservative und Rechte zum Gespräch ein
In der ersten Ausgabe von „This is Gavin Newsom“ sprach der Demokrat beispielsweise mit Charlie Kirk, einem konservativen Aktivisten, der einst die Non-Profit-Organisation Turning Point USA gründete. Es folgte ein Gespräch mit Steve Bannon, dem rechtspopulistischen Publizisten und Produzenten, der auch schon Präsident Trump beraten hat. Gouverneur Newsom gibt sich dabei als aktiver Zuhörer, versucht vom gegenwärtigen Erfolg seiner politischen Kontrahenten zu lernen. So entsteht ein zivilisierter Austausch zwischen dem blauen und dem roten Amerika, zwischen zwei komplett unterschiedlichen politischen Einstellungen. Ein Austausch, der in den Vereinigten Staaten der 2020er Jahre viel zu selten stattfindet.
Dabei wird Gouverneur Newsom, stellvertretend für die Demokratische Partei, von der politischen Konkurrenz der Spiegel vorgehalten. Beispielsweise sprach Kirk von den herausfordernden Umständen von jungen und primär männlichen US-Amerikanern, die von Demokraten in den vergangenen Jahren weitestgehend außer Acht gelassen wurden:
Demokraten haben die Krise, welche junge Menschen durchmachen, komplett ignoriert. Erstmals in Amerikas Geschichte hat es ein 30-Jähriger nämlich schwieriger als seine Eltern.
Charlie Kirk im Gespräch mit Gouverneur Gavin Newsom.
Auf Grund dessen konnte Trump bei der vergangenen Präsidentschaftswahl insbesondere bei weißen Männern ohne College-Abschluss punkten. Eine Begebenheit, die Demokraten zu denken geben müsste, vertraten diese doch einst die Belange der Arbeiterschaft. Heutzutage wird die Demokratische Partei hingegen zu oft als elitärer, abgehobener Zirkel der Hochgebildeten wahrgenommen.
Im vergangenen Wahlkampf wurde dies sinnbildlich in der Diskussion um die Rechte von Transgender-Personen. Explizit ging es um die Frage, ob die Teilnahme von biologischen Männern an sportlichen Frauenwettkämpfen erlaubt sein sollte. Während dies Vizepräsidentin Harris bejahte, sah sich die Mehrheit der US-Amerikaner auf der Seite Trumps wieder. Gouverneur Newsom, wie erwähnt eigentlich ein progressiver Demokrat, stellte in seinem Podcast nun die Frage der Fairness und lehnt auf Grund dessen die Teilnahme von Transgender-Frauen am Frauensport ab.
Zu kurz gedachte Kritik an Newsom
Dass ein so einflussreicher Demokrat wie Gouverneur Newsom republikanische Aktivisten zu seinem Podcast einlädt, sorgt jedoch auch für innerparteiliche Kritik. Rechten wie Bannon solle, so die Meinung einiger Demokraten, doch keine Bühne für deren (umstrittenen) Äußerungen gegeben werden. Dabei wird außer Acht gelassen, dass einerseits Konservative und Rechte wie Kirk und Bannon schon jetzt über genügend medialen Einfluss, primär durch ihre eigenen, unkritischen Kanäle besitzen. Andererseits stellen Republikaner gegenwärtig den Präsidenten sowie Mehrheiten in beiden Kammern des U.S. Kongresses. Heißt: Mit einer Konversation mit Vertretern des derzeit an den Wahlurnen erfolgreicheren politischen Mitbewerbers können Demokraten für ihre Neuausrichtung nur lernen.
Nach Kirk und Bannon war übrigens der ehemalige Vizepräsidentschaftskandidat Tim Walz zu Gast bei „This is Gavin Newsom“. Die Fehler des vergangenen Wahlkampfes müssen nämlich auch innerparteilich aufgearbeitet werden, um bei zukünftigen Wahlen wieder erfolgreicher zu sein. Newsom dürfte sich dem sehr bewusst sein, wird doch dessen Zeit als Gouverneur von Kalifornien Anfang 2027 auf Grund einer Amtszeitbeschränkung enden. Mit Verlassen der Governor’s Mansion of California würde Newsom doch gerne eine – erfolgreiche – Teilnahme an den demokratischen Präsidentschaftsvorwahlen 2028 anstreben – und in die 1600 Pennsylvania Avenue in Washington D.C. einziehen.
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„1600 Pennsylvania“ informiert über die aktuellsten repräsentativen Umfragen rund um US-amerikanische Politik (Pfeil nach oben/unten: Wert ist zum Vormonat gestiegen/hat abgenommen). Quellen, falls nicht anders angegeben, sind die auf Real Clear Politics veröffentlichten Durchschnittswerte der wichtigsten Umfrageinstitute.
Repräsentative Umfragen aus D.C.
Weitere repräsentative Umfragen
Nicht-repräsentative Umfrage auf X
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Joseph Robinette Biden Junior diente seinem Land als U.S. Senator, Vizepräsident und als Präsident. Am 20.01.2025 endet mit dem Auszug aus dem Weißen Haus die bemerkenswerte politische Karriere des Demokraten Joe Biden. Vor diesem Hintergrund zieht der nachfolgende Beitrag eine erste innenpolitische Bilanz über die Amtszeit des ältesten jemals amtierenden Präsidenten in der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika. Mit der Außen- und Sicherheitspolitik des 46. US-Präsidenten wird sich ein weiterer, späterer Beitrag befassen.
Der US-Arbeitsmarkt hat sich in der Ära Biden von den Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie erholen können. Zur Hälfte der Amtszeit von Präsident Biden lag laut Angaben des Arbeitsministeriums die Arbeitslosenquote bei 3,5 Prozent und damit so niedrig wie seit 50 Jahren nicht mehr. Zuletzt stieg die Arbeitslosenquote allerdings wieder leicht auf 4,2 Prozent (Deutschland: 6,0 Prozent) an.
US-Arbeitslosenquote November 2004 bis November 2024; Quelle: U.S. Bureau of Labor Statistics
Wirtschaft: Stabiles Wachstum nach der Pandemie
Neben einer weitestgehend positiven Entwicklung am US-Arbeitsmarkt im Vergleich zum Beginn des Jahrzehnts konnten die USA auch mit einem kontinuierlichen Wirtschaftswachstum unter Präsident Biden aufwarten. Nachdem das Bruttoinlandsprodukt wegen den Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie im Jahr 2020 noch um 2,16 Prozent sank, verzeichneten die USA in den darauffolgenden Jahren Wachstumsraten von 6,06 Prozent (2021), 2,51 Prozent (2022) und 2,15 Prozent (2023). Für das Jahr 2024 wird mit einem Wachstum von 2,7 Prozent gerechnet.
Wirtschaftswachstum in ausgewählten Quartalen 2023 und 2024; Quelle: Bureau of Economic Analysis
Inflation: Preissteigerungen als Bidens Achillesferse
In Bidens Präsidentschaft erreichte die Inflationsrate in den USA im Juni 2022 mit 9,1 Prozent ihren Höchstwert. Seitdem gingen die monatlich verlautbarten Preissteigerungen zwar konstant zurück, lagen jedoch weiterhin über dem empfohlenen Wert von 2 Prozent. Zwischen Juni 2023 und November 2024 lagen die Inflationsraten zwischen 2,4 und 3,7 Prozent (Deutschland im November 2024 bei 2,2 Prozent). Die größtenteils positiven Entwicklungen am Arbeitsmarkt sowie in der Wirtschaft kamen folglich wenig spürbar bei der US-amerikanischen Bevölkerung an. Bei den Präsidentschafts- und Kongresswahlen 2024 war dies die Achillesferse für die Kandidaten der Demokratischen Partei.
Anstieg der Verbraucherpreise in den vergangenen zwölf Monaten; Quelle: U.S. Bureau of Labor Statistics
Biden setzte sich für einen starken Staat ein
Die über einen langen Zeitraum hohen Inflationsraten in den USA sind nicht nur mit den Folgen der Coronavirus-Pandemie und, wenngleich weniger stark, mit den ökonomischen Konsequenzen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine begründet. Vielmehr trug die Biden-Administration selbst zu einer anhaltenden hohen Steigerung der Verbraucherpreise bei, indem horrende staatliche Programme aufgelegt wurden.
Exemplarisch dient an dieser Stelle der CHIPS and Science Act, der $280 Milliarden zur Halbleiterforschung und -herstellung in den USA bereitstellte. Die Vereinigten Staaten wollen sich damit insbesondere von asiatischen Lieferanten unabhängiger machen. Der überparteiliche Infrastructure Investment and Jobs Act stellte zudem zusätzliche $550 Milliarden zur Modernisierung der Infrastruktur bereit.
Klimaschutz: Hohe Investitionen in grüne Technologien
Weitere $ 737 Milliarden legte die Regierung Biden für den Inflation Reduction Act auf. Die Hälfte dieser staatlichen Gelder dienten zur, wenngleich wenig erfolgreichen, Bekämpfung der Inflation. Weitere $369 Milliarden wurden indes explizit für Investitionen in den Energiesektor und den Klimaschutz ausgewiesen. So viele monetäre Mittel wendeten die USA bislang nicht zur Bekämpfung des Klimawandels auf.
Allen Bemühungen für einen stärkeren Klimaschutz zum trotz genehmigte Präsident Biden mit dem umstrittenen „Willow-Projekt“ doch auch zusätzliche Ölbohrungen in Alaska. In den nächsten 30 Jahren sollen in bislang unberührter Natur 600 Millionen Barrel Erdöl gefördert werden. Im Wahlkampf 2020 versprach Biden noch, keine weiteren Ölbohrungen auf Bundesgebiet genehmigen zu wollen.
Migration: Lange Zeit hohe Anzahl illegaler Grenzübertritte
Zu Beginn seiner Präsidentschaft ernannte Präsident Biden seine Vizepräsidentin Kamala Harris zur Beauftragten für die Lösung der schon seit Jahren bestehenden Migrationskrise an der Südgrenze zur USA. Eine herausfordernde Aufgabe, an der sie scheiterte. Auch aufgrund dessen stiegen nach den vergleichsweisen geringen Zahlen während der Coronaviruspandemie in der Ära Biden illegale Grenzübertritte (wieder) an. Laut der Zoll- und Grenzschutzbehörde der Vereinigten Staaten erreichten im Dezember 2023 rechtswidrige Überquerungen der Grenze von Mexiko in die USA sogar den höchsten in einem Monat jemals gemessenen Stand (249.741 Versuche).
Anzahl erfasster illegaler Grenzübertritte an der US-Südgrenze in diesem Jahrtausend; Quelle: Pew Research Center
Erst mit einer Verordnung von Präsident Biden im Wahlkampfjahr zur Migrationspolitik, welche unter anderem die Erfolgschancen eines Asylantrags vermindert, sowie durch die Zusammenarbeit mit den mexikanischen Behörden, die nun versuchen, Migranten vom Grenzübertritt abzuhalten, ging die Anzahl illegaler Grenzübertritte zurück. Im August 2024 wurden noch 58.038 rechtswidrige Versuche gezählt.
Justiz: Biden prägte die Judikative
Präsident Biden konnte die Ausrichtung der Judikative stark prägen. In seinen vier Jahren im Weißen Haus nominierte er 235 Bundesrichter, darunter mit Ketanji Brown Jackson eine Verfassungsrichterin, erfolgreich. Damit hat der 46. Präsident mehr Richter installieren können als sein Vorgänger Donald Trump, der 226 Bundesrichter erfolgreich nominieren konnte. Mit seinen Nominierungen diversifizierte Präsident Biden die Judikative, indem er einerseits mehr Frauen als Männer für die jeweiligen Vakanzen vorschlug. Andererseits fokussierte sich Präsident Biden bei seinen Nominierungen auf Richter, die mehrheitlich einer ethnischen Minderheit in den USA angehören.
Gesellschaft: Auch Biden konnte und wollte die USA nicht einen
Im Präsidentschaftswahlkampf 2020 versprach Biden noch, dass er das Land wieder näher zusammenbringen und dem Präsidentenamt nach den turbulenten Jahren der Ära Trump wieder mehr Würde verleihen wolle. Letzteres ist Präsident Biden zwar zumeist gelungen. Doch machte sich sein hohes Alter ebenso negativ bemerkbar wie manch unkontrolliertes Auftreten. Eine Eigenschaft, mit der Biden schon als Vizepräsident und U.S. Senator aufwartete.
Die seit Jahrzehnten größer werdende Spaltung zwischen liberalem und konservativem Amerika konnte und wollte Präsident Biden entgegen seinen Aussagen im Wahlkampf nicht bekämpfen. Durch seine expliziten politischen Entscheidungen stellte sich Präsident Biden oftmals sogar auf die Seite progressiver Demokraten, um diesen Flügel zu befrieden und seine innerparteiliche Macht (zunächst) zu erhalten. Bidens Wandel vom jahrzehntelangen Lebensschützer zum Befürworter der Wahlfreiheit sei an dieser Stelle exemplarisch genannt. Wie schon einst Barack Obama prognostizierte, war Biden der gesellschaftspolitisch wohl progressivste Präsident aller Zeiten.
Demokratie: Hoher Anspruch traf auf Wirklichkeit
Biden bewarb sich im Jahr 2020 für das Weiße Haus, um laut eigenen Aussagen die Demokratie in den USA zu bewahren. Diesem hohen Anspruch wurde der Demokrat zunächst auch gerecht, gewann er doch einerseits die Präsidentschaftswahl gegen Trump. Andererseits wartete Präsident Biden in der Regel mit Respekt gegenüber den anderen Gewalten auf.
In seinem letzten Jahr als Präsident riss Biden jedoch diese Errungenschaften wieder ein: Zunächst verkündete er trotz nachlassender Gesundheit und einem hohem Alter seine Ambition auf eine Wiederwahl. Vier Jahre zuvor kündigte er noch an, nur für eine Amtsperiode antreten zu wollen. Nach gewonnenen Vorwahlen folgte der unfreiwillige späte Rückzug von der Präsidentschaftskandidatur seiner Partei – die Rückkehr Trumps in das Weiße Haus nach vierjähriger Unterbrechung war, trotz dessen Nicht-Anerkennung des Ergebnisses der Präsidentschaftswahl 2020, auch aus diesem Grund die Folge.
Mit der Begnadigung seines Sohnes Hunter Biden sorgte der 46. Präsident zudem für überparteiliche Kritik und für eine Blaupause für seinen Nachfolger Begnadigungen primär aus politischen Gründen auszusprechen.
Meinungsforschung: US-Amerikaner beurteilten Bidens Arbeit mehrheitlich negativ
Präsident Biden begann seine Amtszeit mit durchschnittlichen repräsentativen Zustimmungswerten von 54,8 Prozent. Nach dem chaotischen Abzug aus Afghanistan im Sommer 2021 brachen Präsident Bidens Zustimmungswerte ein und erholten sich hiervon nicht mehr: Im Oktober 2021 stimmten nur noch 42,7 Prozent der US-Amerikaner mit der Arbeit des 46. US-Präsidenten überein.
Verlauf der Umfragewerte (Schwarz = Zustimmung; Rot = Ablehnung) von Präsident Biden; Quelle: Real Clear Politics
Im Sommer 2022 stürzte Präsident Biden sogar auf einen durchschnittlichen Zustimmungswert von 38,2 Prozent ab. Das Jahr 2024 beendete Präsident Biden mit einer Zustimmung von 39,6 Prozent. Die Präsidenten Trump und Obama warteten über die meiste Zeit mit höheren Zustimmungswerten auf als ihr Nachfolger Präsident Biden.
Bildquellen: Creative-Commons-Lizenzen (via Google); Canva.com; U.S. Bureau of Labor Statistics; Bureau of Economic Analysis; Pew Research Center; Real Clear Politics; eigene Grafiken. Zur besseren Lesbarkeit von Personenbezeichnungen und personenbezogenen Wörtern wird in der Regel die männliche Form genutzt. Diese Begriffe gelten für alle Geschlechter.
Das politische Jahr 2024 war in den Vereinigten Staaten von Amerika vom Präsidentschaftswahlkampf geprägt. Setzten sich im ersten Halbjahr in ihren jeweiligen innerparteilichen Vorwahlen noch Präsident Joe Biden und Donald Trump durch, beendete im Sommer der Amtsinhaber seine Wiederwahlkampagne und inthronisierte Vizepräsidentin Kamala Harris als Nachfolgerin. Es folgte ein historischer Wahlkampf – doch dieser alleine war noch nicht einmal der einzige Höhepunkt des Jahres wie der nachfolgende Beitrag zeigt.
Innenpolitik
Präsidentensohn schuldig – und wird vom Vater begnadigt
Im Juni bekannte sich Hunter Biden wegen Steuerhinterziehung und wegen illegalen Besitzes einer Schusswaffe für schuldig. Dem Präsidentensohn drohte eine mehrjährige Haftstrafe. Kurz vor Verkündung des Strafmaßes begnadigte Vater und Präsident Joe Biden am 01.12.2024 seinen Sohn.
Verschärfung der Asylregeln
Im Dezember 2023 verzeichnete die US-Grenzschutzbehörde 302.034 illegale Grenzübertritte – so viele wie noch nie in einem Monat. Nachdem sich die Parteien im U.S. Kongress nicht auf einen Kompromiss zur Eindämmung der Migrationskrise einigen konnten, ordnete Präsident Biden im Juni per Exekutivverordnung eine Verschärfung des Asylrechts an. In den folgenden Monaten verzeichnete die US-Grenzschutzbehörde weitaus weniger illegale Grenzübertritte, auch dank einer verstärkten Zusammenarbeit mit Mexiko.
Trumps Ärger mit der Justiz
Im Februar wurde Trump wegen Finanzbetrugs zu einer Strafzahlung von $ 364 Millionen verurteilt. Im Juni wurde Trump zudem von einer Jury in allen 34 Anklagepunkten im Fall Stormy Daniels schuldig gesprochen. Die Verkündung des Strafmaßes ist allerdings bis nach Trumps zweiter Amtszeit ausgesetzt.
Außenpolitik
Hängepartie um weitere US-Hilfen für die Ukraine
Schon im Oktober 2023 fragte das Weiße Haus beim U.S. Kongress $ 60 Milliarden an weiteren Hilfen für die Ukraine an. Doch das von Republikanern dominierte U.S. Repräsentantenhaus stellte sich einer Verabschiedung monatelang quer, da diese ihre Prioritäten bei der Eindämmung der Migrationskrise sahen. Letztendlich wurden die Hilfen Ende April doch noch verabschiedet, indem der Ukraine $ 12 Milliarden an weiteren Hilfen in Form eines zinsfreien Darlehens ausgestellt wurden. Weitere $ 48 Milliarden waren von dieser Maßnahme nicht betroffen, da diese in die eigene Waffenproduktion gingen.
Jubiläums-NATO-Gipfel in Washington D.C.
Vom 09. bis 11.07.2024 fand der NATO-Gipfel in Washington D.C. statt. In der US-amerikanischen Hauptstadt wurde das 75. Jubiläum des Verteidigungsbündnisses begangen. Erstmals nahm das Königreich Schweden als neues Mitglied an einem NATO-Gipfel teil. Für den scheidenden NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg war es indes die letzte Teilnahme an solch einem Gipfel.
Biden in Berlin
Am 18.10.2024 besuchte Präsident Biden Deutschland. Bei dem Arbeitsbesuch in Berlin gab es neben einem bilateralen Gespräch mit Bundeskanzler Olaf Scholz auch ein Vierergespräch mit dem britischen Premierminister Keir Starmer und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wurde Präsident Biden mit der Sonderstufe des Großkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Die höchste Auszeichnung der Bundesrepublik wurde Präsident Biden wegen seinem jahrzehntelangem Einsatz für die transatlantischen Beziehungen zu teil.
Biden erlaubt Ukraine Einsatz von Waffen mit größerer Reichweite
Als Reaktion auf die zunehmende Eskalation von Seiten Russlands erlaubte Präsident Biden der Ukraine im November US-Waffen mit größerer Reichweite temporär gegen Militärstellungen im russischen Oblast Kursk einzusetzen. Die US-amerikanischen ATACMS-Raketen haben eine Reichweite von 300 Kilometern. Als Reaktion auf die Entscheidung des US-Präsidenten gaben auch Frankreich und Großbritannien die in ihrem Land hergestellten Waffen mit einer größeren Reichweite für einen eingeschränkten Einsatz auf russischem Gebiet frei.
Präsidentschafts- und Kongresswahlen
Demokratische Präsidentschaftsvorwahlen: Biden siegt und zieht zurück
Nachdem Präsident Biden die demokratischen Präsidentschaftsvorwahlen ohne ernsthafte Herausforderer deutlich für sich entschied, wurden nach einer misslungenen Fernsehdebatte mit Trump kritische Stimmen ob des Alters und der Gesundheit des 46. US-Präsidenten laut. Präsident Biden zog daraufhin am 21.07.2024 seine Wiederwahlkampagne zurück. VP Harris wurde sodann als Kandidatin der Demokratischen Partei inthronisiert und zeigte im darauffolgenden kurzen Wahlkampf ihre zahlreichen Schwächen auf. Wahlanalyse: Die Gründe für die Niederlage der Demokratischen Partei (Klick hier).
Die Republikanische Partei nominierte zum dritten Mal in Folge Trump als ihren Präsidentschaftskandidaten. In den Vorwahlen verweigerte Trump die Teilnahme an allen Fernsehdebatten, sonderte sich so vom Kandidatenfeld ab. Als stärkste Konkurrentin für Trump zählte noch Nikki Haley, ehemalige Gouverneurin von South Carolina und US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, die allerdings auch nur zwei Vorwahlen für sich entscheiden konnte. Der Delegiertenzähler zu den Präsidentschaftsvorwahlen 2024 (Klick hier).
Zwei Attentatsversuche auf Trump
Am 13.07.2024 wurden während einer Wahlkampfveranstaltung in Butler, Pennsylvania, mehrere Schüsse auf Trump abgegeben. Der Republikaner entging knapp dem Tod, wurde am Ohr verletzt. Eine Person wurde getötet, zwei weitere Personen schwer verletzt. Der Attentäter Matthew Crooks wurde von den Sicherheitskräften eliminiert. Am 15.09.2024 folgte ein weiterer Attentatsversuch auf Trump in seinem Golfclub in West Palm Beach, Florida. Der Secret Service konnte den Attentäter jedoch frühzeitig in die Flucht schlagen und später festnehmen.
Der 47. Präsident trägt den gleichen Namen wie der 45. Präsident
Erstmals seit Grover Clevelandzieht mit Trump ein ehemaliger Präsident nach vierjähriger Unterbrechung wieder in das Weiße Haus ein. Bei der Präsidentschaftswahl am 05.11.2024 setzte sich der Republikaner gegen VP Harris mit 312 zu 226 Wahlmännerstimmen durch. Im dritten Anlauf konnte Trump erstmals auch eine Mehrheit aller abgegebenen Stimmen erringen. Am 20.01.2025 wird Trump als 47. Präsident im Amt vereidigt. Detaillierte Ergebnisse gibt es in einem eigenen Beitrag (Klick hier).
Für das renommierte TIME Magazin war Trump die Person des Jahres.
Demokraten verlieren Mehrheit im U.S. Senat
Das schlechte Abschneiden bei der Präsidentschaftswahl sowie eine ungünstige Wahlkarte, Demokraten mussten 23 Sitze und Republikaner nur elf Sitze verteidigen, führten zu einem Verlust der Mehrheit für die Demokratische Partei im U.S. Senat. Republikaner konnten vier Sitze hinzugewinnen und stellen ab dem 03.01.2025 53 U.S. Senatoren, Demokraten entsenden inklusive zweier Unabhängiger 47 Abgeordnete. Detaillierte Ergebnisse gibt es in einem eigenen Beitrag (Klick hier).
Republikaner verteidigen Mehrheit im U.S. Repräsentantenhaus
Gleichwohl die Republikanische Partei zwei Sitze im Vergleich zu den Wahlen im Jahr 2022 im U.S. Repräsentantenhaus verloren hat, konnte die Grand Old Party ihre hauchdünne Mehrheit knapp verteidigen. In der neuen Legislaturperiode werden Republikaner 220 und Demokraten 215 Abgeordnete stellen. Detaillierte Ergebnisse gibt es in einem eigenen Beitrag (Klick hier).
Jubiläum
Am 01.10.1924 erblickte Jimmy Carter in Plains, Georgia, das Licht der Welt. Der Besitzer einer Erdnussfarm sollte zwischen 1971 und 1975 als Gouverneur von Georgia amtieren. Carter zog zudem als 39. US-Präsident in das Weiße Haus ein, verlor jedoch seine Wiederwahl 1980 gegen Ronald Reagan. In diesem Jahr beging der Demokrat seinen 100. Geburtstag!
Verstorben
Joe Lieberman
Am 27.03.2024 verstarb im Alter von 82 Jahren Joe Lieberman. Zwischen 1989 und 2013 vertrat der Demokrat seinen Bundesstaat Connecticut im U.S. Senat. Im Jahr 2000 führte er zusammen mit Al Gore seine Partei als Vizepräsidentschaftskandidat in die Wahl, verlor jedoch denkbar knapp gegen das republikanische Ticket George W. Bush/ Dick Cheney.
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