„1600 Pennsylvania“ informiert über die aktuellsten repräsentativen Umfragen rund um US-amerikanische Politik (Pfeil nach oben/unten: Wert ist zum Vormonat gestiegen/hat abgenommen). Quellen, falls nicht anders angegeben, sind die auf Real Clear Politics veröffentlichten Durchschnittswerte der wichtigsten Umfrageinstitute.
Repräsentative Umfragen aus D.C.
Weitere repräsentative Umfragen
Repräsentative Umfragen rund um die #uswahl2024
Nicht-Repräsentative Umfrage auf X
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U.S. Congress; eigene Grafiken. Zur besseren Lesbarkeit von Personenbezeichnungen und personenbezogenen Wörtern wird in der Regel die männliche Form genutzt. Diese Begriffe gelten für alle Geschlechter.
492 Tage war der US-amerikanische Journalist Evan Gershkovich in Russland willkürlich inhaftiert. Dem ehemaligen U.S. MarinePaul Whelan wurde von Russland gar für 2.044 Tage die Freiheit beraubt. Erst nach einem groß angelegten Geisel- und Gefangenenaustausch zwischen Russland, Belarus und fünf NATO-Staaten kamen die beiden US-Amerikaner wieder frei. Am 01.08.2024 betraten Gershkovich und Whelan erstmals nach langer Zeit wieder das „Land der Freien und [die] Heimat der Tapferen“.
Koordiniert wurde der Austausch von Präsident Joe Biden, der die letzten Details in der Stunde vor seiner Beendigung seiner Wiederwahlkampagne persönlich klärte. Noch am Abend der Freilassung dankte Präsident Biden am Luftwaffenstützpunkt Joint Base Andrews den europäischen Verbündeten, insbesondere Deutschland und Slowenien, für die Zusammenarbeit und deren Zugeständnisse. Der Austausch, so Präsident Biden und Vizepräsidentin Kamala Harris, sei ein Beweis der „Macht der Diplomatie“.
Kalter Krieg prägte Biden
Gleichwohl unter anderen Umständen, erinnerte der Geisel- und Gefangenenaustausch doch auch an die Hochphase des Kalten Kriegs. Eine Periode, welche Bidens politisches Leben nachhaltig prägte. Im Jahr 1942 inmitten des Zweiten Weltkriegs geboren, wuchs Biden in Zeiten der Systemrivalität zwischen den USA und der Sowjetunion auf. Als U.S. Senator beschäftigte sich der Demokrat ab dem Jahr 1973 aktiv mit der Bedrohung aus Moskau.
In der Ära von Präsident Jimmy Carter setzte sich Biden infolgedessen unter anderem für ein Waffenkontrollabkommen ein und traf sich vor diesem Hintergrund auch mit dem sowjetischen Außenminister Andrei Gromyko. Die geopolitische Bedeutung des Brennpunkts Europa für die Vereinigten Staaten war Biden vor dem Fall des Eisernen Vorhangs ebenso bewusst wie in der Phase danach. Unterstrichen wird diese Begebenheit durch die zahlreichen Teilnahmen Bidens an der Münchner Sicherheitskonferenz.
Dem Transatlantiker Biden wird auf jeden Fall eine dem europäischen Kontinent ferner stehende Person in das Weiße Haus nachfolgen. Eine mögliche Präsidentin Harris, eine zwei Dekaden jüngere Politikerin als Biden, konnte schon alleine auf Grund ihres Jahrgangs weniger aktiv an der Auseinandersetzung des Kalten Krieges teilhaben als es für den 46. Präsidenten möglich war. Der mangelnden historischen Verbindung zu Europa gesellt sich bei Harris ihre kalifornische Herkunft.
Als Kind der Westküste würde sie sicherlich den Herausforderungen im Pazifik eine nochmals weitaus größere Bedeutung zukommen lassen als dies ohnehin schon seit der Ära von Barack Obama der Fall ist. Ohnehin werden sich die primären sicherheitspolitischen Brennpunkte des 21. Jahrhunderts in Asien und nicht mehr in Europa abspielen. Donald Trump wiederum hat schon in seiner ersten Amtszeit unter Beweis gestellt, dass er Allianzen primär aus einem – oftmals kurzsichtigen – wirtschaftlichen Blickwinkel beurteilt.
Biden betont seine irischen Wurzeln
Mit den Wahlen von Obama im Jahr 2008 und Trump im Jahr 2016 schien die Zeit von US-Präsidenten seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, die Europa nahe standen, zu Ende gegangen zu sein. Doch mit Biden zog nicht nur der älteste Präsident aller Zeiten im Jahr 2021 in das Weiße Haus ein. Mit ihm kehrten auch die engen Beziehungen zu Europa, zwangsweise auch auf Grund des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine, zurück. Begründet liegt dies einerseits in Bidens oben erwähnten Erfahrungen aus dem Kalten Krieg.
Andererseits ist Präsident Biden stolz auf seine irische Herkunft, die er bei offiziellen Anlässen regelmäßig betont. Bidens mögliche Nachfolger im Weißen Haus können eine solche mit dem alten Kontinent fest verwurzelte Familiengeschichte nicht aufweisen. Zwar geht Trumps Familiengeschichte auf Angehörige in Schottland und Deutschland zurück. Doch für den ehemaligen Immobilienmogul beginnt die Familiengeschichte erst so richtig mit seinem Vater Fred und dem Aufbau seines Unternehmens in New York City. Harris wiederum unterstreicht seit jeher ihre indische Herkunft mütterlicherseits und seit ein paar Jahren auch ihre jamaikanischen Wurzeln, der Heimat ihres Vaters.
Konklusion
Explizite politische Entscheidungen im Hinblick auf die transatlantischen Beziehungen können und müssen freilich bei einem Politiker wie Joe Biden hinterfragt und womöglich kritisiert werden. Explizit sei die Frage gestellt, ob die Kosten des eingehend genannten Geisel- und Gefangenenaustauschs zu hoch waren oder ob die Ukraine in ihrem Verteidigungskrieg genügend unterstützt wird. Doch eines steht außer Frage: Dass Biden ein Transatlantiker mit Herzblut ist. Mit Bidens Auszug aus dem Weißen Haus am 20.01.2025 wird sich der Atlantik zwischen den USA und Europa im politischen Sinne wieder verbreitern. Biden ist der (vorerst) letzte Transatlantiker im Weißen Haus. Europa sollte besser darauf vorbereitet sein.
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Der Juli war ein Monat voller politischer Erdbeben: Auf den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump wurde ein Attentat verübt, Präsident Joe Biden beendete seine Wiederwahlkampagne und Vizepräsidentin Kamala Harris wurde als dessen Nachfolgerin inthronisiert. Auf dem Weg zur US-Präsidentschaftswahl am 05.11.2024 fasst das neueste #uswahl2024 Update die wichtigsten Ereignissen des vergangenen Monats unaufgeregt, tiefgehend zusammen.
Umfragen
Kandidat
Landesweite Umfrage (Stimmungsindikator)
Wahlmännerprognose* (270 für Wahlsieg nötig)
Donald Trump (R)
44,3%
236
Vizepräsidentin Kamala Harris (D)
42,5%
208
Robert F. Kennedy Jr. (I)
5,8%
0
Jill Stein (G)
1,1%
0
Cornel West (I)
0,8%
0
Der Stand der US-Präsidentschaftswahl 2024 zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des #uswahl2024 Update 07/2024 nach den auf Real Clear Politics veröffentlichten repräsentativen Umfragewerten/ Prognosen für die Wahlmännerverteilung.
Die Bundesstaaten Arizona, Georgia, Michigan, Nevada, Pennsylvania und Wisconsin gelten als Swing States, sprich als umkämpfte Staaten.
Präsident Joe Biden – Der scheidende Amtsinhaber
Biden beendet Wiederwahlkampagne
Die innerparteilichen Vorwahlen entschied Präsident Biden deutlich für sich. Doch zuletzt wurde der innerparteiliche Druck auf den 81-jährigen Amtsinhaber sehr groß, zu groß. Infolgedessen gab am 21.07.2024 Präsident Biden über die sozialen Medien bekannt, dass er auf die Nominierung verzichtet. Wenige Tage später adressierte Präsident Biden die Nation, um die Beendigung seiner Wiederwahlkampagne zu erklären. Demnach sei ein Generationenwechsel nötig, so Präsident Biden, um die Demokratie zu bewahren. Bis zum Januar 2025 will er jedoch weiter im Amt bleiben.
Kamala Harris – Die Vizepräsidentin
Harris ist designierte Präsidentschaftskandidatin
Kaum beendete Präsident Biden seine Wiederwahlkampagne, wurde Vizepräsidentin Harris schon zur designierten Präsidentschaftskandidatin ausgerufen. Vorausgegangen war ein wenig demokratischer Vorgang. Einerseits empfahl Präsident Biden umgehend seine Vizepräsidentin Harris als Nachfolgerin. Andererseits wurden die Namen der Delegierten, welche einst vom Beraterstab des Präsidenten selbst ausgesucht wurden, nur der Vizepräsidentin zugänglich gemacht. Mögliche Bewerber von außen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur hätten somit von vornherein keine Chance im Wettbewerb um die Delegiertenstimmen gehabt. Nach einem Anrufmarathon konnte VP Harris somit schon nach zwei Tagen die Mehrheit der Delegierten hinter sich wissen. Weitere Hintergründe (Klick hier).
Harris boykottiert Rede des israelischen Ministerpräsidenten
Am 24.07.2024 hielt auf Einladung der Parteiführer beider Parteien der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu eine Rede vor dem U.S. Kongress. Anlass war die israelische Militäroperation gegen die islamistische Hamas im Gazastreifen als Reaktion auf das größte Massaker an der jüdischen Bevölkerung seit dem Holocaust. Aus Protest gegen die Sicherheitspolitik der Regierung Netanyahu boykottierten mehr als 80 Abgeordnete der Demokratischen Partei sowie VP Harris, qua Amt auch Vorsitzende des U.S. Senats, die Rede. Tags darauf empfing VP Harris Netanyahu zu einem persönlichen Gespräch, bei der sie einerseits das Existenz- und Selbstverteidigungsrecht Israels unterstrich. Andererseits machte VP Harris deutlich, mit wem ihre Sympathien liegen: Den Palästinensern.
Jeder Politiker und jede Regierung darf, ja muss kritisiert werden. So auch @netanyahu. Bei einigen Demokraten geht es aber über diese Kritik hinaus, sie sind generell gegen #Israel, sind Antizionisten. Und es werden mehr. Eine gefährliche Entwicklung.#Blog1600Penn#Netanyahuhttps://t.co/9WmGMVNF90
— 1600 Pennsylvania 🇺🇸 🇺🇦🇮🇱 (@Blog1600Penn) July 25, 2024
Starke Spendeneinnahmen für Harris
In der ersten Woche ihrer Kampagne konnte Harris $ 200 Millionen an Spenden generieren. 66% der Einnahmen kamen von erstmaligen Spendern. Weitere 170.000 Personen meldeten sich als Freiwillige für die Kampagne.
Donald Trump – Der Herausforderer
Attentat auf Trump
Während einer Wahlkampfveranstaltung in Butler, Pennsylvania, wurden am 13.07.2024 mehrere Schüsse auf Trump abgegeben. Der Republikaner wurde am Ohr verletzt. Eine Person wurde getötet. Der Attentäter Matthew Crooks wurde von den Sicherheitskräften eliminiert.
Trump offiziell als Präsidentschaftskandidat nominiert
Trump wurde am Republikanischen Nominierungsparteitag offiziell von den Delegierten als Präsidentschaftskandidat nominiert. In Milwaukee, Wisconsin, zeigte sich Trump infolgedessen erstmals nach dem Attentatsversuch auf ihn der Öffentlichkeit.
J.D. Vance ist Trumps Vizepräsidentschaftskandidat
Am ersten Tag des republikanischen Nominierungsparteitages stellte Trump mit U.S. Senator J.D. Vance seinen Kandidaten für das Vizepräsidentenamt vor. Vance wurde 1984 in Ohio geboren und wuchs in Armut auf. Es folgte ein rasanter Aufstieg: Nach einem Freiwilligendienst bei den Marines und einem Abschluss an der Yale Law School schrieb Vance den Bestseller „Hillbilly-Elegie“. Vor zwei Jahren wurde er zum U.S. Senator für Ohio gewählt. Vance gehört dem MAGA-Flügel innerhalb der Republikanischen Partei an. Er steht weiteren Hilfen für die Ukraine kritisch gegenüber. Vor acht Jahren bezeichnete Vance Trump noch als „Amerikas Hitler“.
Ullstein-Verlag nimmt Bestseller von Vance aus dem Programm
In seinem autobiographischen Bestseller „Hillbilly-Elegie“ beschreibt Vance die Herausforderungen der weißen Arbeiterklasse in den USA. Ein Buch, welches laut eigener Aussage auch Bundeskanzler Olaf Scholz zu Tränen rührte. Doch nach der Nominierung zum republikanischen Vizepräsidentschaftskandidaten hat der Ullstein Verlag die Konsequenzen gezogen und das Buch aus dem Programm genommen. Die Begründung: Man wolle keine „aggressiv-demagogische, ausgrenzende Politik“ unterstützen.
Im Jahr 2002 vereinbarten die NATO-Mitgliedsländer in Tschechien zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für die Verteidigung auszugeben. Beim NATO-Gipfel in Wales im Jahr 2014 wurde dieses Ziel nochmals konkretisiert festgeschrieben. Für Trumps sicherheitspolitische Berater scheint diese Zielvorgabe auf Grund der gegenwärtigen Herausforderungen nicht mehr zeitgemäß zu sein. Bei Regierungsübernahme ist es wahrscheinlich, dass Trump die Forderung an die NATO-Mitgliedsländer stellt, zukünftig drei Prozent ihres BIP für den Verteidigungshaushalt bereitzustellen.
Trump mit hohen Spendeneinnahmen im Juni
Trumps Kampagne nahm im Juni $ 331 Millionen an Spenden ein. Damit konnte der Republikaner den zweiten Monat in Folge mehr monetäre Mittel für seinen Wahlkampf generieren als die demokratische Konkurrenz, welche im Juni Spendeneinnahmen in Höhe von $ 127 Millionen verzeichneten.
Verkündung des Strafmaßes gegen Trump wohl erst im September
Der Supreme Court hat geurteilt, dass ehemalige Präsidenten für offizielle Amtshandlungen Immunität genießen: „Der Präsident genießt keine Immunität für seine inoffiziellen Handlungen, und nicht alles, was der Präsident tut, ist offiziell. Der Präsident steht nicht über dem Gesetz.“ Als unmittelbare Folge hieraus wird das Strafmaß gegen Trump im Fall „Stormy Daniels“ nicht im Juli, sondern wohl erst am 18.09.2024 verkündet. Mit der Verschiebung der Verkündung des Strafmaßes soll überprüft werden, in wie weit das Urteil des Obersten Gerichtshofs den expliziten Fall betrifft.
Verfahren gegen Trump in Dokumentenaffäre eingestellt
Im August 2022 fand die FBI bei einer Razzia in Trumps Anwesen in Florida streng geheime Dokumente aus seiner Zeit im Weißen Haus. Das daraufhin eröffnete Verfahren gegen Trump wurde nun jedoch mit der Begründung, dass die Ernennung des Sonderermittlers nicht rechtmäßig vonstatten gegangen sein könnte, eingestellt.
Sonstiges
Gastbeitrag: Kandidatenvorstellung aus einer religiösen Perspektive
In einem Gastbeitrag für das Online-Magazin Corrigenda hat der Inhaber von „1600 Pennsylvania“ die Präsidentschaftskandidaten aus einer religiösen Perspektive vorgestellt: „Trotz geringer werdender christlicher Bindung kommt kein Kandidat für die höchsten US-Regierungsämter darum herum, religiöse Duftmarken zu setzen. Nach dem Verzicht Joe Bidens: Was glauben und bekennen die (Ersatz-)Kandidaten für Präsidenten- und Vizepräsidentenamt?“ Link zum Beitrag (Klick hier).
🇺🇸🙏 Nach dem Verzicht Joe Bidens: Was glauben und bekennen die (Ersatz-)Kandidaten für Präsidenten- und Vizepräsidentenamt?
Demokratischer Nominierungsparteitag in Chicago, IL
10.09.2024
wahrscheinliche TV-Debatte zwischen Vizepräsidentin Harris und Trump (ABC News)
05.11.2024
Präsidentschaftswahl
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Am 21.07.2024 gab Präsident Joe Biden die Beendigung seiner Wiederwahlkampagne bekannt. Nach nur zwei Tagen wurde Vizepräsidentin Kamala Harris als neue Präsidentschaftskandidatin der Demokratischen Partei inthronisiert. Der nachfolgende Beitrag beantwortet die wichtigsten Fragen zu diesem politischen Erdbeben, welches einhundert Tage vor der US-Präsidentschaftswahl von statten ging, unaufgeregt, tiefgehend.
Warum zog Joe Biden jetzt seine Wiederwahlambitionen zurück?
Ursprünglich wollte Präsident Biden nur eine Amtszeit als Präsident seinem Land dienen, eine Brücke zur nächsten Generation bauen. Doch dann erfolgte das politische Comeback von Donald Trump und Präsident Biden sah sich wie schon im Jahr 2020 in der Rolle des Retters der Demokratie. Am 25.04.2023 gab er sodann seine Wiederwahlambitionen bekannt.
Die innerparteilichen Vorwahlen gewann Präsident Biden haushoch, bis auf die Vorwahl auf American Samoa siegte er bei allen Vorentscheiden. Insgesamt gaben 14,5 Millionen US-Amerikaner ihre Stimme für Präsident Biden als den erneuten demokratischen Präsidentschaftskandidaten ab. Abgeordneter Dean Phillips war der einzige leicht namhafte Konkurrent, der alleine deswegen antrat, weil er in dem fortgeschrittenem Alter und gesundheitlichem Zustand des 46. Präsidenten keine Siegchancen für die Demokratische Partei gegen Trump sah. Von Demokraten wurde Phillips daraufhin so stark gemobbt, dass er seinen Rückzug aus der Politik ankündigte.
Mit dem schlechten Auftreten bei der TV-Debatte vom 27.06.2024 konnte die Demokratische Partei und die zuvor über den Amtsinhaber überproportional positiv berichteten Massenmedien das narrativ des gesunden, leistungsstarken Präsidenten Biden nicht mehr aufrechterhalten. Es folgte eine historische, insbesondere von Nancy Pelosi gesteuerte, Kampagne von Demokraten und Massenmedien. Der Spendenfluss in Richtung Wiederwahlkampagne von Präsident Biden versiegte. Am Ende gab es für den 46. Präsidenten keine andere Chance mehr, als aufzugeben.
Wie gestaltet(e) sich der Nachfolgeprozess?
Nach dem Rückzug von Präsident Biden wurden dessen zugesprochenen Delegierten frei in ihrer Wahlentscheidung. Eigentlich hätten alle Delegierten am Parteitag im August einen Präsidentschaftskandidaten aus einem komplett neuen Bewerberfeld nominieren müssen. Doch eine freie Entscheidungsfindung wurde im Keim erstickt, indem Präsident Biden einerseits seine Vizepräsidentin Harris als Nachfolgerin empfahl.
Andererseits wurden die Namen der Delegierten, welche einst vom Beraterstab des Präsidenten selbst ausgesucht wurden, nur der Vizepräsidentin zugänglich gemacht. Bewerber von außen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur hätten somit von vornherein keine Chance im Wettbewerb um die Delegiertenstimmen gehabt. Nach einem Anrufmarathon konnte Vizepräsidentin Harris somit schon nach zwei Tagen die Mehrheit der Delegierten hinter sich wissen.
Wer ist Kamala Harris?
Kamala Harris wurde im Jahr 1964 in Oakland, Kalifornien, geboren. Harris wuchs in einem privilegierten Haushalt auf, ihre tamilische Mutter arbeitete als Brustkrebsforscherin, ihr jamaikanischer Vater als Wirtschaftswissenschaftler. Die studierte Juristin amtierte von 2004 bis 2011 als District Attorney von San Francisco, von 2011 bis 2017 als Attorney General von Kalifornien sowie von 2017 bis 2021 als U.S. Senatorin für Kalifornien.
Im Jahr 2019 nahm sie an den demokratischen Präsidentschaftsvorwahlen teil, scheiterte jedoch frühzeitig. Der Gewinner der Vorwahlen, Biden, nominierte sie sodann als seine Vizepräsidentschaftskandidatin. Seit dem Sieg über das republikanische Ticket Trump-Pence residiert Harris im Number One Observatory Circle.
Keine politischen Überzeugungen, keine Führungsqualitäten, narzisstisch und bei den Wählern unbeliebt. Eine Präsidentschaftskandidatur von Kamala Harris wäre ein Geschenk für die Republikaner. Mein Kommentar @welt (kein Paywall) https://t.co/mHizsCJvHP
Welche Aufgaben wurden Harris als Vizepräsidentin übertragen?
Eine Vizepräsidentin hat im politischen System der USA nur so viel Macht wie der Präsident ihr gibt. Präsident Biden beauftragte Harris mit der Lösung der Migrationskrise an der Südgrenze. Ein schwieriges Unterfangen, woran die Vizepräsidentin auch scheiterte. Seitdem der Supreme Court das Recht der Regelungen von Schwangerschaftsabbrüchen an die Bundesstaaten zurückgegeben hat, wirbt Vizepräsidentin Harris im Namen der Biden-Administration offensiv für die Wiederherstellung einer landesweiten liberalen Abtreibungsgesetzgebung.
Wie ist Vizepräsidentin Harris politisch einzuordnen?
Laut dem unabhängigen GovTrack war Harris zu ihrer Zeit die „liberalste U.S. Senatorin“. Die New York Times beschreibt Harris während ihrer Amtszeit als Vizepräsidentin als eine „pragmatisch Moderate“. Harris sieht sich als Frontfrau der LGBTQ-Bewegung und plädiert für eine liberale Abtreibungsgesetzgebung, die sogar noch über Roe vs. Wade hinausgehen soll. Des Weiteren setzt sich Harris für eine verstärkte Waffenkontrolle ein. Die Demokratin ist zudem der Meinung, dass gläubige Katholiken von Bundesrichterposten ausgeschlossen werden sollten. Reiche US-Amerikaner, so Harris, sollten höher besteuert werden.
Laut Harris sollten Kinder illegaler Einwanderer einen geschützten Status in den USA haben. Die US-Hilfen für die Ukraine unterstützt sie ebenso wie eine Zwei-Staaten-Lösung im Nahen Osten. Die Politik der israelischen Regierung kritisiert Harris, für die Belange der Palästinenser hegt die amtierende Vizepräsidentin ebenso Sympathien wie für die antizionistischen Hochschulproteste. Das von Präsident Barack Obama ausgehandelte Handelsabkommen Trans-Pacific-Partnership (TPP) lehnt sie ab. Ihr explizites Wahlprogramm wird erst Ende August verabschiedet.
VP: "I am Kamala Harris, my pronouns are she and her, and I am a woman sitting at the table wearing a blue suit." pic.twitter.com/gtBXTyHB4j
Laut den auf FiveThirtyEight und Real Clear Politics veröffentlichten durchschnittlichen repräsentativen Meinungserhebungen ist Harris die unbeliebteste Vizepräsidentin seit Beginn der Umfrageaufzeichnungen. Gegenwärtig sehen nur 38,3% der US-Amerikaner Harris positiv (FiveThirtyEight), 51,4% lehnen sie ab. Eine repräsentative Umfrage von CNN vom 02.07.2024 ergab sogar nur eine Zustimmung von 29% für Harris.
Gegenüber Trump schneidet Harris bislang 0,4 Prozentpunkte besser ab als Präsident Biden, liegt dennoch im Durchschnitt 1,5 Prozentpunkte hinter dem ehemaligen Präsidenten. Positiv für die Vizepräsidentin: Obwohl sie ein hohes Amt inne hat, ist sie in den USA relativ unbekannt. Dies bedeutet, dass sie die Chance hat, sich der Wählerschaft nochmals „neu“ vorzustellen.
Wer wird ihr Vizepräsidentschaftskandidat?
Harris hat bis zum Parteitag der Demokraten, der zwischen dem 19. und 22.08.2024 in Chicago, Illinois, stattfindet, Zeit, einen Vizepräsidentschaftskandidaten zu finden. Als Favoriten werden die Gouverneure Andy Beshear (Kentucky), Roy Cooper (North Carolina) und Josh Shapiro (Pennsylvania) gehandelt. Ebenso fällt des Öfteren der Name des ehemaligen Astronauten und heutigen U.S. Senators Mark Kelly. Gretchen Whitmer, Gouverneurin aus dem Swing State Michigan, hat einem Wechsel nach Washington D.C. schon eine Absage erteilt.
Was sind Harris‘ Vorteile gegen Donald Trump?
Als ehemalige Staatsanwältin sowie mit ihren äußeren Merkmalen als jüngere, farbige Frau weist Harris den größtmöglichen Kontrast zum weißen, alten und verurteilten Trump auf. Des Weiteren verbreitet sie unter Demokraten mehr Enthusiasmus als Präsident Biden.
Was sind Harris‘ Nachteile gegen Trump?
Als führendes Mitglied der amtierenden Administration muss sich Harris für die vergleichsweise hohe Inflation, die bei der Bevölkerung skeptisch gesehene wirtschaftliche Entwicklung sowie für die Migrationskrise mitverantworten. Des Weiteren ist die linksliberale Großstädterin schwerlich der Arbeiterschaft, einer der wichtigsten Wählergruppen, zu vermitteln.
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.@realDonaldTrump ist der erste ehemalige Präsident in der US-Geschichte, der in einem juristischen Verfahren schuldig gesprochen wurde.
— 1600 Pennsylvania 🇺🇸 🇺🇦🇮🇱 (@Blog1600Penn) June 13, 2024
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