Noch etwas mehr als 540 Tage bis zur US-Präsidentschaftswahl 2016. Die Bewerberfelder um die jeweiligen Präsidentschaftskandidaturen, insbesondere bei der Republikanischen Partei, nehmen an Quantität weiterhin zu. Ein Blick auf aktuelle Umfragen zeigt, welche Kandidaten schon jetzt unter Druck stehen.
Nachfolgend die durchschnittlichen Umfragewerte von Real Clear Politics für den Zeitraum zwischen dem 19.04. und 13.05.2015 (fett = Kandidatur offiziell verkündet).
Trotz Zunahme von Skandalen führt Hillary Clinton – unter anderem mangels Alternativen – weiterhin unangefochten das Feld bei den Demokraten an:
In der wichtigen Vorwahl im Staat Iowa, hier wird zuerst gewählt, hat Scott Walker (17,5%) einen Vorsprung von 5,5 Prozentpunkte auf Marco Rubio (12%). In New Hampshire liegt Walker mit 17,2% vor Bush (14,2%) und Paul 12,8%.
Des Weiteren wird am 27. Mai der erzkonservative Rick Santorum seinen Hut im Kampf um das Weiße Haus in den Ring werfen. Lindsey Graham, Senator von South Carolina, wird seine Kandidatur voraussichtlich kurz danach am 01. Juni bekanntgeben.
Bei Betrachtung des Titelbildes dieses Hintergrundartikels könnte fast der Gedanke aufkommen, dass sich nun auch ein Gitarrist für das höchste Amt der Vereinigten Staaten bewirbt. Doch hierbei handelt es sich um den ehemaligen Gouverneur von Arkansas, Mike Huckabee, der bei seinen politischen Veranstaltungen auch ganz gerne musikalisch auftritt.
Öffentliche Auftritte weiß der einstige Pastor der Southern Baptist Church für sich zu inszenieren. So konnte Huckabee schon bei seinem ersten Anlauf auf das Weiße Haus im Jahr 2008 bei der republikanischen Vorwahl Erfolge für sich verbuchen. Sein Sieg in Iowa katapultierte ihn Schlagartig zum Mitfavoriten um die Präsidentschaftskandidatur.
Ich bin nicht Republikaner, weil ich reich geboren wurde. Ich bin Republikaner, weil ich nicht arm bleiben und darauf warten wollte, dass mich die Regierung rettet. (Mike Huckabee)
Letztendlich musste Huckabee, trotz mehrer Vorwahlsiege, John McCain den Vortritt lassen. Den letzten Punch konnte der konservative Republikaner auf Grund finanzieller Schwierigkeiten nicht setzen. Huckabee gilt damals wie heute als wenig diszipliniert, wenn es um das Spendensammeln geht. Ein im Wahlkampfsystem der USA fataler Nachteil.
Insbesondere auch auf Grund der Tatsache, dass Mike Huckabee um die gleiche Wählergruppe von konservativen Christen wirbt, wie auch schon Ted Cruzund Dr. Ben Carson. Mit Rick Santorum wird in den nächsten Wochen ein weiterer Kandidat erwartet, der auf diese Bevölkerungsgruppe abzielt.
Mit dem Club for Growth hat sich des Weiteren ein einflussreiches Netzwerk gegen Huckabee positioniert, wie beispielsweise das Werbevideo am Ende des Artikels zeigt. Der Club for Growth kritisiert, dass Huckabee als Gouverneur Steuererhöhungen vornahm – und nicht, wie von ihm propagiert, Steuern gesenkt habe.
Trotz dieser nicht gerade vorteilhaften Voraussetzungen für einen erneuten Anlauf auf das Weiße Haus, gibt sich Huckabee kampfeslustig. Mit einer launigen Rede versuchte er seine Anhänger auf den bevorstehenden, langen Wahlkampf einzustimmen. Dabei vergaß er nicht seine Wurzeln, die in Hope liegen, zu betonen – und das sein Heimatort und Zeit als Gouverneur von Arkansas die einzigen Gemeinsamkeiten mit Bill Clinton sind.
Ich habe keine weltweit agierende Stiftung (…) Ich komme nicht aus einer Familiendynastie. (Mike Huckabee)
Neben den Clintons greift Huckabee die seiner Meinung nach einseitigen Entscheidungen des Supreme Court, insbesondere im Hinblick auf Urteile zur gleichgeschlechtlichen Ehe und zu Obamas Gesundheitsreform, an. Als Vertreter des christlichen Zionismus steht Huckabee des Weiteren für eine uneingeschränkte Solidarität mit Israel. Obamas Iran-Deal lehnt er folglich ab.
Schlussendlich gilt festzustellen, dass Mike Huckabee nicht mehr als Außenseiterchancen bezüglich der republikanischen Präsidentschaftskandidatur einzuräumen sind. In sozialen Fragen könnte seine Kandidatur jedoch das Bewerberfeld – noch – weiter nach rechts rücken lassen. Dies wäre zumindest ein Grund für Huckabee, weiterhin freudig Gitarre zu spielen.
Huckabees Bewerbungsrede für die republikanische Präsidentschaftskandidatur:
Erster Wahlwerbespot:
Club for Growth schaltet Werbespot gegen Mike Huckabee:
Die ersten Politiker haben in den letzten Wochen ihre Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur ihrer jeweiligen Partei abgegeben. Doch wie sieht es mit den weiteren potentiellen Kandidaten aus? Unsere Übersicht gibt Aufschluss:
Republikaner
Dr. Ben Carson wird voraussichtlich seine Bewerbung am 04. Mai in Detroit verkünden und darf sich somit die Aufmerksamkeit mit der wohl einzigen Frau im republikanischen Feld teilen. Denn die ehemalige Chefin von Hewlett-Packard, Carly Fiorina wird ihre Kandidatur am gleichen Tag – jedoch lediglich im Internet – verkünden. Tags darauf erscheint ihr neues Buch „Rising to the Challenge: My Leadership Journey„.
Mike Huckabee hat zu einer Veranstaltung am 05. Mai in seinen Geburtsort nach Hope/ Arkansas geladen. Er dürfte an diesem Tag seinen Hut in den Ring werfen. Die erste Maiwoche wird somit ganz im Zeichen des Vorwahlkampfes stehen.
Ebenfalls im Mai will sich Senator Lindsey Graham entscheiden.
Chris Christie, moderater Gouverneur von New Jersey, lässt sich hingegen noch Zeit. Nachdem sein Stern durch dessen vorbildliche Bewältigung der Naturkatastrophe des Hurrikan Sandy im Jahr 2012 hell erleuchtete, scheint dieser nach einigen Skandälchen nicht mehr ganz so hell. Christie lotet derzeit eine Kandidatur aus, bereist diverse Staaten und lässt sich in Talkshows blicken. Eine Entscheidung wird zu Beginn des Sommers erwartet.
Jeb Bush, ehemaliger Gouverneur und hochgehandelter potentieller Kandidat, will sich ebenso erst im Sommer äußern wie Rick Perry. Mit einer Entscheidung bei Scott Walker, Gouverneur von Wisconsin, und Bobby Jindal, Gouverneur von Louisiana, wird nicht vor Juni gerechnet.
Demokraten
Die Kandidatur bei den Demokraten scheint zu Gunsten von Hillary Clinton entschieden, bevor der Vorwahlkampf richtig beginnt. Dachte man. Nun häufen sich die Skandale um die Finanzierung ihrer Stiftung. In wie weit diese der ehemaligen Außenministerin Schaden werden, bleibt abzuwarten.
Unerwartete Konkurrenz könnte Clinton durch eine Kandidatur des ehemaligen Gouverneurs von Rhode Island, Lincoln Chafee, bekommen. Dieser hatte als Senator einst gegen den Irak-Krieg gestimmt, gilt als Freund von Präsident Obama und lotet nun überraschenderweise eine Kandidatur aus.
Bernie Sanders will sich zu seinen Ambitionen am 30. April äußern. Bei Martin O’Malley wird mit einer Entscheidung im Mai gerechnet.
Noch 18 Monate bis zur Präsidentschaftswahl. Und die Spannung steigt schon jetzt.