„1600 Pennsylvania“ informiert über die aktuellsten repräsentativen Umfragen rund um US-amerikanische Politik (Pfeil nach oben/unten: Wert ist zum Vormonat gestiegen/hat abgenommen). Quellen, falls nicht anders angegeben, sind die auf Real Clear Politics veröffentlichten Durchschnittswerte der wichtigsten Umfrageinstitute.
Repräsentative Umfragen aus D.C.
Weitere repräsentative Umfragen
Repräsentative Umfragen rund um die #uswahl2024
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Tritt ein ehemaliger US-Vizepräsident bei den Präsidentschaftsvorwahlen seiner Partei an, nimmt dieser für gewöhnlich die Favoritenposition auf die Nominierung ein. Seitdem Donald Trump im Jahr 2015 die politische Bühne betrat ist jedoch nicht mehr vieles in der US-Politik gewöhnlich – und schon gar nicht innerhalb der Republikanischen Partei.
Vor diesem Hintergrund war es keine Überraschung, dass Mike Pence seine Teilnahme an den republikanischen Präsidentschaftsvorwahlen vorzeitig zurückzog. Erstaunlich war allerdings, dass Pence, von 2017 bis 2021 Vizepräsident, schon vor der ersten Vorwahl im Januar 2024 seine Kamapagne beendete. Im Wettstreit um die Alternative zu Trump sah Pence auf Grund mangelnder finanzieller Mittel und schlechter Umfragewerte keinen realistischen Weg mehr zur Nominierung.
Mit der Aufgabe von Pence gaben sodann nur noch fünf Republikaner ihre Aufwartung bei der dritten Fernsehdebatte. Die auf NBC News ausgestrahlte Debatte fokussierte sich primär auf außen- und sicherheitspolitische Herausforderungen und mutierte zu einem Duell zwischen DeSantis und Haley. Im Adrienne Arsht Center for the Performing Arts zu Miami, FL, glänzte Trump erneut mit Abwesenheit.
Die Ausgangslage
Seit Beginn des Vorwahlkampfes führt Trump die Umfragewerte unter republikanischen Wählern deutlich an. Landesweit kommt Trump gegenwärtig laut den auf Real Clear Politics veröffentlichten durchschnittlichen Umfragewerte der wichtigsten Meinungsforschungsinstitute auf knapp 60%. Ron DeSantis folgt mit 14,4% auf Rang Zwei, 9% der Republikaner würden sich gegenwärtig für Nikki Haley als Präsidentschaftskandidatin entscheiden.
Im ersten Vorwahlstaat Iowa zeichnet sich ein ähnliches Bild. In New Hampshire hat Haley mittlerweile DeSantis auf dem zweiten Platz abgelöst. Die ehemalig Gouverneurin von South Carolina hat im Rennen um die Alternative zu Trump derzeit das Momentum inne. Dennoch bleibt Haley in der Beliebtheitsskala unter republikanischen Wählern weiterhin weit hinter Trump zurück.
Die Regeln zur Teilnahme
Zur Teilnahme waren nur Kandidaten berechtigt, die a) mindestens 4% in zwei landesweiten Umfragen oder 4% in einer landesweiten Umfrage und 4% in zwei frühen Vorwahlstaaten erreichten und b) von mindestens 70.000 unterschiedlichen Personen Spenden (darunter 200 Spender aus 20 unterschiedlichen Bundesstaaten) erhielten.
Die Teilnehmer
Für die dritte TV-Debatte konnten sich nur noch sechs Republikaner qualifizieren. Trump verzichtete, wie schon bei den zwei vorherigen Fernsehdebatten, auf eine Teilnahme.
Als ehemalige US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen kam Haley die außen- und sicherheitspolitische Schwerpunktsetzung der Debatte zugute. Haley stach durch ihr klassisches republikanische Profil heraus, indem sie für eine USA als Anführerin der freien Welt warb. Die zahlreichen Attacken von Ramaswamy wehrte Haley gekonnt ab. Haley stand im positiven Sinne im Mittelpunkt der Debatte.
Haleys Kontrahent um den gegenwärtigen zweiten Rang bei den republikanischen Vorwahlen, DeSantis, erlebte ebenso einen positiven Abend. Der Gouverneur von Florida kritisierte Trump ebenso deutlich wie Haley. DeSantis konnte zudem seine politische Einstellung in den debattierten Themenbereichen klar bewerben.
Gleichwohl er nicht an der Debatte teilnahm kann sich auch Trump zu den Gewinnern zählen. Die TV-Debatte wartete nämlich mit einer schlechten Einschaltquote auf. Nur noch 7,5 Millionen US-Amerikaner sahen dem Aufeinandertreffen der republikanischen Kandidaten zu – ein Minus von 21% im Vergleich zur zweiten Fernsehdebatte. Im Jahr 2015 schalteten noch 14 Millionen US-Amerikaner bei der dritten republikanischen TV-Debatte ein.
Laut einer repräsentativen Umfrage von Morning Consult sind zudem nur 40% der Republikaner der Meinung, dass die TV-Debatten sehr wichtig für die Wahlentscheidung sind. Zahlen, welche die Fernsehdebatte für den in Umfragen führenden Republikaner, ergo Trump, zu einem guten Abend werden ließen.
Die Verlierer des Abends
Chris Christie, Vivek Ramaswamy und Tim Scott konnten bei der dritten Fernsehdebatte wohl kaum neues Wählerpotential erschließen.
Die bemerkenswertesten Zitate
Donald Trump ist ein ganz anderer Typ als 2016. Er sagte, die Republikaner würden es leid sein, zu gewinnen. Nun, wir haben letzte Nacht gesehen – ich habe es satt, dass die Republikaner verlieren.
Ron DeSantis über Donald Trump und über die republikanischen Niederlagen bei regionalen Wahlen im November 2023.
Jemand, der die nächsten anderthalb Jahre seines Lebens damit verbringt, sich aus dem Gefängnis und aus Gerichtssälen herauszuhalten, kann weder diese Partei noch dieses Land führen.
Chris Christie über Donald Trump.
Netanyahu sollte den Job mit diesen Schlächtern der Hamas ein für allemal zu Ende zu bringen. Sie sind Terroristen. Sie massakrieren unschuldige Menschen. Sie würden jeden Juden von der Erde wischen, wenn sie könnten.
Ron DeSantis über die Reaktion Israels auf das durch die radikalislamische Hamas verübte Massaker vom 07.10.2023.
Das Letzte, was wir tun sollten, ist Israel zu sagen, was es tun sollte.
Nikki Haley über die Reaktion Israels auf das durch die radikalislamische Hamas verübte Massaker vom 07.10.2023.
Wir müssen dafür sorgen, dass die Europäer ihren gerechten Teil beitragen.
Ron DeSantis über weitere Hilfen für die Ukraine.
Dick Cheney in sieben Zentimeter hohen Stöckelschuhen.
Vivek Ramaswamy mit einer herablassenden Äußerung über Nikki Haley.
Du bist einfach Abschaum.
Nikki Haley an Vivek Ramaswamy gerichtet.
Die nächste TV-Debatte
Die nächste Fernsehdebatte der republikanischen Präsidentschaftskandidaten ist für den 06.12.2023 in Tuscaloosa, AL, geplant. Die Debatte soll von News Nation ausgerichtet und unter anderem von Megyn Kelly moderiert werden.
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Im Jahr 2012 gelang Christopher Clark mit „Die Schlafwandler“ ein Bestseller und Standardwerk über den Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Der in Großbritannien lehrende australische Historiker stellte dabei die These auf, dass „der Kriegsausbruch eine Tragödie, kein Verbrechen“ (S. 716) war. Die europäischen Mächte, so Clark, schlafwandelten geradezu in eine große militärische Auseinandersetzung.
Hundert Jahre nach dem Ersten Weltkrieg sieht sich die Welt erneut vor komplexen sicherheitspolitischen Herausforderungen. Einige Politikwissenschaftler und Historiker sehen darin sogar Parallelen zum Europa zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Zahlreiche Bücher, die an Clarks Erfolg anknüpften, folgten.
Das jüngste Beispiel ist das im C.H. Beck erschienene Werk „Die Traumwandler“, welches sogar Ähnlichkeiten im Titel zu Clarks „Die Schlafwandler“ mit sich bringt. Auf 198 Seiten gehen der Politikwissenschaftler Dr. Josef Braml und der Geheimdienstexperte Mathew Burrows der Rivalität zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Volksrepublik China nach.
Unser gegenwärtiger Entwicklungspfad ist nicht beruhigend und ähnelt der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Damals wie heute stolpert die Welt von Krise zu Krise (…)
Dr. Josef Braml, Mathew Burrows: Die Traumwandler. Wie China und die USA in einen neuen Weltkrieg schlittern, S. 12.
Braml und Burrows stellen in ihrem Buch die These auf, dass die Welt ähnlich der 1910er Jahre auf einen Weltkrieg zusteuern könnte, der Weg jedoch nicht vorgezeichnet sei. Vor diesem Hintergrund entwerfen die Autoren drei mögliche Szenarien. In einem „schlechten Szenario“ sehen Braml und Burrows einen neuen Kalten Krieg heraufziehen, der schon begonnen zu haben scheint. Exemplarisch nennen die Autoren hierbei die Sanktionspolitik der USA gegenüber China.
Zur Überraschung vieler Amerikaner und insbesondere der Chinesen war Biden gegenüber China härter als sein Vorgänger Trump, was seine Anti-China-Politik zu einem Markenzeichen seiner Regierung macht.
Braml, Burrows: Die Traumwandler, S. 27.
In einem zweiten, „hässlichen Szenario“ skizzieren die Autoren den Weg zu einem Dritten Weltkrieg. Den gegenwärtigen russischen Angriffskrieg auf die Ukraine sehen Braml und Burrows „als Aufwärmphase für eine viel größere Auseinandersetzung“ (S. 71) mit China. Dass sich die westliche Welt unter Führung der USA für die Werte der Freiheit und Demokratie einsetzt, sehen die Autoren dabei als kontraproduktiv an:
Vor allem die Ukraine, aber zunehmend auch Taiwan werden als Teil des Westens behandelt. Macmillan stellte das gleiche Phänomen für die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg fest, als die Mächte ihre Klientelstaaten hatten. Wir verwenden solche abwertenden Begriffe nicht, aber die Dynamik ist die gleiche (…)“
Braml, Burrows: Die Traumwandler, S. 77.
In ihrem dritten Szenario beschreiben die Autoren eine positive sicherheitspolitische Entwicklung, in dem ein heißer Krieg ebenso vermieden werden kann wie zunehmende ökonomische Barrieren zwischen den Ländern. Zur Zielerreichung beschreiben Braml und Burrows jedoch primär, was die Länder der freien Welt hierfür unternehmen müssten.
Das eigentliche Problem auf US-Seite ist der Widerwille, China als Großmacht zu legitimieren.
Braml, Burrows: Die Traumwandler, S. 96.
Dementsprechend hatte es bei ihren Ausführungen den Anschein, als ob Braml und Burrows primär den USA die Schuld an den sich verschlechternden Beziehungen mit autoritären Ländern wie China und Russland geben. Dass eine nachhaltige Zusammenarbeit, wie zum Beispiel bei der Bekämpfung des menschengemachten Klimwandels, jedoch keine Einbahnstraße sein sollte, lassen die Autoren zumeist außen vor.
Als Exempel dienen vor diesem Hintergrund die Ausführungen zum russischen Angriffskrieg, welcher die Vernichtung des ukrainischen Staates und der ukrainischen Kultur und Sprache zum Ziel hat:
Nicht zuletzt erfordert ein dauerhafter Frieden auch, dass die Ukraine und die NATO wieder mit Russland zusammenarbeiten (…) Dialog und eine Zusammenarbeit mit Moskau sind unabdingbar, wenn es nicht zu einem neuen Konflikt kommen soll.
Braml, Burrows: Die Traumwandler, S. 119.
Eben jener Dialog und eben jene Zusammenarbeit, die den historisch gewachsenen russischen Imperialismus erst zu einer vollumfänglichen Invasion der Ukraine ermutigten…
Summa summarum haben die Autoren mit „Die Traumwandler. Wie China und die USA in einen neuen Weltkrieg schlittern“ ein Werk erschaffen, welches zur Diskussion über die wichtigste sicherheitspolitische Herausforderung unserer Zeit anregt. Ein Standardwerk wie das von Clark über den Ersten Weltkrieg ist es allerdings nicht. Ein Anspruch, welchen die Autoren mit ihrem Buch sicherlich auch nicht hatten.
Vielen Dank an den Verlag C.H. Beck für die Zusendung eines Rezensionsexemplars. Weiterführende Informationen des Verlags (Klick hier).
Die offizielle Buchbeschreibung
War Russlands Überfall auf die Ukraine nur der Anfang? Kommt bald der noch größere Krieg? Ein Krieg zwischen den beiden Supermächten unserer Zeit? Ein Krieg zwischen China und den USA? Ein Krieg, der sich an Taiwan entzündet? Wie können wir verhindern, dass die politischen Führungen dieser Welt als „Traumwandler“ in den Dritten Weltkrieg schlittern, und sich die düsteren Voraussagen zu selbsterfüllenden Prophezeiungen entwickeln?
Josef Braml und Mathew Burrows erinnern in diesem Buch daran, dass die Zukunft immer offen ist und entwickeln drei Szenarien, anhand derer sich die Welt in den nächsten Jahren entwickeln könnte: ein schlechtes (ein neuer Kalter Krieg mit massiven Wohlstandsverlusten gerade in den ärmsten Ländern), ein hässliches (der Dritte Weltkrieg) und ein erträgliches (eine reformierte Globalisierung 2.0 mit einer Rückkehr zu globaler Kooperation über alle bestehenden Gräben hinweg). Wer in politischen Szenarien denkt, der kann die Stellschrauben besser identifizieren, an denen gedreht werden muss, um ein erträgliches Ergebnis zu erzielen und die Katastrophe zu vermeiden. Denn eines ist auch klar: Wir können uns ein Abgleiten in eine Welt der Konfrontation und der militärischen Auseinandersetzung gar nicht leisten, nicht angesichts der immer noch bedrückenden Armut in der Welt und schon gar nicht angesichts der Herausforderungen durch den Klimawandel.
Das größte Risiko unserer Zeit liegt in der Konfrontation zwischen China und USA
Was helfen kann, dieses Risiko zu reduzieren
Wir können uns einen neuen Kalten Krieg gar nicht leisten – und einen heißen schon gar nicht
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In knapp einem Jahr schreiten US-Amerikaner an die Wahlurnen, um über einen neuen oder alten Hausherr in 1600 Pennsylvania Avenue abzustimmen. Die vorgeschalteten Präsidentschaftsvorwahlen der beiden großen Parteien beginnen bereits in 2,5 Monaten. Das neueste #uswahl2024 Update informiert über die wichtigsten Ereignisse rund um die bedeutendste Wahl des kommenden Jahres.
Die Vorwahlen
An den republikanischen Präsidentschaftsvorwahlen nehmen gegenwärtig noch elf Kandidaten teil. Eine Sonderseite informiert über die Teilnehmer (Klick hier). Bei den demokratischen Vorwahlen ist Präsident Joe Biden bislang mit drei Herausforderern konfrontiert.
Biden nicht in New Hampshire wählbar
Bei der demokratischen Präsidentschaftsvorwahl in New Hampshire wird Präsident Biden nicht auf dem Wahlzettel stehen wie dessen Kampagne bekanntgab. Die Entscheidung liegt im anhaltenden Streit um den Vorwahlkalender 2024 begründet. Die Demokratische Partei änderte die Reihenfolge der frühen Vorwahlstaaten, so dass im Granite State fortan zu einem späteren Zeitpunkt gewählt werden soll. Die Demokratische Partei des Bundesstaates New Hampshire legte Protest gegen diese Entscheidung ein. Demokraten können Biden dennoch wählen, indem sie den Namen des Präsidenten auf den Stimmzettel schreiben.
Phillips fordert Biden heraus
Dean Phillips hat am 27.10.2023 seine Teilnahme an den demokratischen Präsidentschaftsvorwahlen offiziell gemacht. Der 54-Jährige ist einer der reichsten Abgeordneten des U.S. Repräsentantenhauses und gehört dem überparteilichen Problem Solver Caucus an. Phillips wirbt für einen Generationenwechsel. Präsident Biden könne, so Phillips, die Präsidentschaftswahl 2024 nicht gewinnen.
Kandidaturen zurückgezogen: Francis Suarez, Will Hurd und Larry Elder
Mit Francis Suarez hat der erste Teilnehmer der republikanischen Präsidentschaftsvorwahlen Ende August seine Kandidatur zurückgezogen. Vorausgegangen war, dass sich der Bürgermeister von Miami, FL, nicht für die erste Fernsehdebatte qualifizieren konnte. Die weitere Finanzierung der Kampagne war damit nicht mehr gegeben.
Aus ähnlichen Gründen hat Will Hurd seine Präsidentschaftskandidatur beendet. Der ehemalige Abgeordnete des U.S. Repräsentantenhauses unterstützt nun die Kampagne von Nikki Haley. Radio-Moderator Larry Elder unterstützt nach Beendigung seiner Kandidatur am 26.10.2023 Donald Trump. Alle republikanische Präsidentschaftskandidaten werden auf einer Sonderseite übersichtlich vorgestellt (Klick hier).
Pence beendet Präsidentschaftskandidatur
„Dies ist nicht meine Zeit.“ Mit diesen Worten zog Mike Pence am 28.10.2023 seine Teilnahme an den republikanischen Präsidentschaftsvorwahlen zurück. Die Kampagne des ehemaligen Vizepräsidenten hatte zuletzt mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Pence setzt(e) sich für eine Republikanische Partei nach dem Vorbild von Ronald Reagan ein.
Pence und Christie besuchten schon die Ukraine
In Bezug auf weitere Hilfen für die Ukraine in ihrem Verteidigungskrieg gegen die russischen Invasoren hängt das Damoklesschwert der US-Präsidentschaftswahl 2024. Neben Pence gilt auch Chris Christie als größte Befürworter der Ausweitung von US-amerikanischen Militärhilfen für Kyiv. Nach Pence am 29.06.2023 hat sich auch Christie am 04.08.2023 ein Bild vor Ort gemacht. Wie sich die Präsidentschaftskandidaten zur Ukraine positionieren wird in einem eigenen Beitrag analysiert (Klick hier).
Spendeneinnahmen im 3. Quartal 2023
Zum 15.10.2023 mussten die Präsidentschaftskandidaten ihre Spendeneinnahmen für das 3. Quartal des Jahres (Juli – September) veröffentlichen. Präsident Biden wartete erneut mit den meisten Einnahmen auf, gefolgt von Trump.
Laut einer Analyse von Bloomberg ging Pence mit seinen Spendengeldern am ökonomischsten um. Für jeden erreichten Prozentpunkt in den Umfragen gab Pence $ 104.000 aus. Für die Fortführung seiner Kampagne reichte dies dennoch nicht. Doug Burgum hingegen geht mit seinen Finanzen so verschwenderisch wie kein anderer Kandidat um: Für einen erreichten Prozentpunkt gab Burgum bislang $ 30,6 Millionen, größtenteils sein eigenes Geld, aus.
Kandidat
Spendeneinnahmen
Bemerkung
Präsident Joe Biden
$71,0 Millionen
gemeinsame Spendeneinnahmen mit der Demokratischen Partei
Donald Trump
$ 45,5 Millionen
davon nahm seine Kampagne direkt $ 24,5 Millionen an Spenden ein, der Rest geht auf das Konto seines Super PACs
Ron DeSantis
$ 15,0 Millionen
davon nahm seine Kampagne direkt $ 11,2 Millionen an Spenden ein, der Rest geht auf das Konto seines Super PACs
Nikki Haley
$ 11,0 Millionen
davon nahm ihre Kampagne direkt $ 8,2 Millionen an Spenden ein, der Rest geht auf das Konto ihres Super PACs
Vivek Ramaswamy
$ 7,4 Millionen
davon $ 1 Million aus Privatvermögen
Tim Scott
$ 4,6 Millionen
Chris Christie
$ 3,9 Millionen
Doug Burgum
$ 3,4 Millionen
davon $ 2 Millionen aus Privatvermögen
Mike Pence
$ 3,3 Millionen
Marianne Williamson
$ 0,8 Millionen
Asa Hutchinson
$ 0,7 Millionen
Alle Angaben ohne Gewähr.
Erste Fernsehdebatten
Am 23.08.2023 wurde die erste Fernsehdebatte zwischen den republikanischen Präsidentschaftskandidaten abgehalten. In Milwaukee, WI, warben acht Republikaner für ihre Positionen. Dabei stand der 38-jährige Unternehmer Vivek Ramaswamy für seine politische Unerfahrenheit und rechtspopulistische Einstellung im Kreuzfeuer der Kritik. Hintergründe zur ersten TV-Debatte gibt es in einem eigenen Beitrag (Klick hier).
Trump nahm an der ersten TV-Debatte ebenso wenig teil wie beim zweiten Aufeinandertreffen am 27.09.2023 in der Ronald Reagan Presidential Library zu Simi Valley, CA. Christie wartete diesbezüglich mit großer Kritik auf, die für einen viralen Moment sorgte:
Du [Trump; Anm. d. Verf.] bist heute nicht hier, weil du Angst hast. Und wenn du so weitermachst, dann nennen wir dich nicht mehr Donald Trump, sondern Donald Duck.
Hintergründe zur zweiten TV-Debatte gibt es in einem eigenen Beitrag (Klick hier).
Die Hauptwahl
Trump führt Umfragen in Swing States an
Schlechte Nachrichten für Präsident Biden: Laut repräsentativen Umfragen von Morning Consult sehen insbesondere unabhängige Wähler seine Wirtschaftspolitik Bidenomics skeptisch. Die Folge: Bei einer theoretischen Hauptwahl gegen Trump würde Präsident Biden gegenwärtig in fünf von sieben Swing States im Hintertreffen liegen. Präsident Biden führt lediglich die Umfrage für Nevada an, in Michigan gibt es ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Nimmt man alle sieben Swing States zusammen, kommt Trump auf 47%, Präsident Biden auf 43%.
Kennedy will als Unabhängiger Präsident werden
Robert F. Kennedy Jr. hat seine Teilnahme an den demokratischen Präsidentschaftsvorwahlen zurückgezogen. Seine Ambitionen auf das Weiße Haus gibt der Neffe von John F. Kennedy jedoch nicht auf. Kennedy will nun als Unabhängiger an der Präsidentschaftswahl 2024 teilnehmen. Eine reale Chance auf den Wahlsieg hat RFK Junior nicht, allerdings könnte er den Kandidaten der beiden großen Parteien wichtige Wählerstimmen streitig machen. Die Drittkandidaten in der Übersicht (Klick hier).
Juristische Auseinandersetzungen auch für Familie Biden
Trump wurde mittlerweile schon in vier Fällen angeklagt. Doch auch die Familie von Präsident Biden hat sich mit der Justiz auseinanderzusetzen: Präsidentensohn Hunter Biden wurde nämlich wegen illegalen Waffenbesitzes von einer Geschworenenjury des Bundesstaates Delaware angeklagt. Hunter Biden wird zur Last gelegt, eine Waffe besessen zu haben, obwohl ihm dies als Drogenkonsument verboten war.
Bildquellen: Creative-Commons-Lizenzen (via Google); Canva.com; eigene Grafiken. Zur besseren Lesbarkeit von Personenbezeichnungen und personenbezogenen Wörtern wird in der Regel die männliche Form genutzt. Diese Begriffe gelten für alle Geschlechter.
Simchat Tora. Der letzte der jüdischen Feiertage, die mit dem Laubhüttenfest beginnen. Ein Festtag, an dem der Zyklus der Lesungen aus der Tora, dem ersten Teil der hebräischen Bibel, erneut begonnen wird. Ein Feiertag, der sich bei den meisten Juden, egal ob konservativ oder liberal, einer großen Beliebtheit erfreut.
Doch am Simchat Tora des 07.10.2023 ist alles anders. Tausende Raketen werden vom Gazastreifen auf Israel abgeschossen. Mehr als 2.500 Hamas-Milizionäre durchbrechen den Grenzzaun zum Gazastreifen, dringen in israelisches Gebiet ein, verüben ein Massaker in 25 israelischen Gemeinden und auf einem Musikfestival. Mehr als 1.300 Zivilisten werden barbarisch hingerichtet. Mehr als 200 Personen werden von der Hamas als Geiseln genommen und nach Gaza verschleppt.
Steckbrief Hamas
Gründung
1987 als Zweig der islamistischen Muslimbruderschaft
Bedeutung des Namens
Begeisterung, Eifer, Kampfgeist
Art der Organisation
Palästinensisch national-islamistische Bewegung; Politische Partei; Terrororganisation (Qassam-Brigaden)
Ziele
Errichtung eines islamistischen palästinensischen Staates; Militärische Beseitigung Israels
An der Macht im Gazastreifen seit
2006 durch Wahl; 44% der Bevölkerung im Gazastreifen, gleichbedeutend mit der absoluten Mehrheit der Mandate, wählten die Hamas
Besondere Beziehung zwischen den USA und Israel
An jenem 07.10.2023 erlebte Israel sein eigenes, grausames 9/11. Es folgten Solidaritätsbekundungen mit dem jüdischen Staat, insbesondere von der westlichen freien Welt, vorneweg die Vereinigten Staaten Amerika. Ohnehin haben die USA ein besonderes Verhältnis zu Israel, unterstützten diese doch in ihrer Geschichte kein Land so stark wie Israel.
Laut dem Congressional Research Service erhielt Israel seit Bestehen $ 160 Milliarden (nicht inflationsbereinigt) an Unterstützungsleistungen von den USA. Die gegenwärtigen jährlichen Hilfen belaufen sich auf mindestens $ 3,8 Milliarden – darunter $ 500 Millionen für die Raketenabwehr. Die USA waren auch das erste Land, welches Israel im Jahr 1948 anerkannte.
Überparteiliche Kongressdelegation in Israel
Nach dem größten Massaker an der jüdischen Bevölkerung seit dem Holocaust führte sodann Chuck Schumer, Mehrheitsführer im U.S. Senat, eine überparteiliche Delegation auf einer Reise nach Tel Aviv an. Der aus New York stammende Demokrat Schumer ist selbst jüdischen Glaubens und hat es auf einen so hohen politischen Posten wie noch kein Jude vor ihm in den USA gebracht. Die Delegation wollte mit ihrer Reise die volle Solidarität der USA mit dem angegriffenen Staat Israel zum Ausdruck bringen.
Während der Israelreise der Senatoren Schumer, Mitt Romney (R), Bill Cassidy (R), Jacky Rosen (D) und Mark Kelly (D) erlebte die Delegation, was Israelis jeden Tag durchmachen müssen: Zunächst geht man seinen geplanten Tagesablauf nach, wird jedoch durch Sirenenalarm vor baldig einschlagenden Raketen der Hamas gewarnt. Ein sicherer Ort muss umgehend aufgesucht werden. Auch die Kongressabgeordneten mussten, wie auch Bundeskanzler Olaf Scholz wenig später, mehrmals in einem Bunker Schutz suchen.
Rashida Tlaib mit antisemitischer Hassrede
Schumers Parteifreundin Rashida Tlaib adressierte derweil im sicheren Washington D.C. eine Pro-Palästina-Kundgebung. Die Demonstration marschierte nicht nur unerlaubt auf das Grundstück des U.S. Kapitols, welche 305 Verhaftungen und drei Tätlichkeiten gegen Polizisten zur Folge hatte. Vielmehr gab die demokratische Abgeordnete Tlaib einmal mehr ihre antisemitische und antizionistische Einstellung preis.
Mit einem theatralischen Auftritt kritisierte Tlaib die Solidaritätsbekundung ihres Parteikollegen und Präsidenten Joe Biden mit Israel und warf den Israelis Völkermord an den Palästinensern sowie eine angebliche Besatzung des Nahen Ostens vor. Tlaibs Hassrede gegen Israel und in Teilen auch gegen die USA strotzten nur so von Verschwörungstheorien und falschen Informationen.
Tlaib ist überzeugte Antizionistin
Dass Tlaib die Tochter einer palästinensischen Einwandererfamilie, sie ist die älteste von 14 (!) Kindern und war mit einem Verwandten mütterlicherseits verheiratet, ist, entschuldigt ihr Auftreten nicht. Vielmehr ist Tlaib überzeugte Antizionistin und Antisemitin, wie ihre bisherige politische Laufbahn bestätigt.
In ihrem Abgeordnetenbüro hängt sogar eine Karte des Nahen Ostens, auf der Israel nicht mehr existiert. Dies passt zur Forderung Tlaibs nach einer Ein-Staaten-Lösung – mit Palästina als einzigen Staat, Israel wäre ausgelöscht. In der Vergangenheit bezeichnete Tlaib Israel, immerhin die einzige funktionierende Demokratie und einziger funktionierender Rechtsstaat im Nahen Osten, zudem als Apartheid-Staat.
Steckbrief Rashida Tlaib
Geburtsdatum
24.07.1976
Geburtsort
Detroit, MI
Ausbildung
Western Michigan University Cooley Law School (Jura)
Abgeordnete im U.S. Repräsentantenhaus seit
2019
BDS-Bewegung unterwandert Demokratische Partei
Tlaib steht ebenso wie ihre Parteifreundin Ilhan Omar und weiteren Angehörigen des The Squad, einem kontinuierlich wachsenden losen Zusammenschluss links-progressiver Demokratinnen, der antizionistischen BDS-Bewegung nahe. Diese Bewegung setzt sich dafür ein, dass der „Staat Israel ökonomisch, moralisch und politisch isoliert wird bis es die Besatzung Palästinas aufgibt“. Der Deutsche Bundestag stufte die BDS-Bewegung im Mai 2019 als antisemitisch ein.
Steckbrief Ilhan Omar
Geburtsdatum
04.10.1982
Geburtsort
Mogadischu, Somalia
Ausbildung
North Dakota State University (B.A. Politikwissenschaft)
Abgeordnete im U.S. Repräsentantenhaus seit
2019
Omar wiederum machte sich in einem Fernsehinterview sogar über die Ängste der US-Amerikaner in Bezug auf die Terroranschläge von al-Kaida, immerhin für 9/11 verantwortlich, lustig. Die Demokratien lehnt es ebenso ab die Terrororganisation zu verurteilen. Für ihre Nahostpolitik erhielt Omar sogar Unterstützung vom bekanntesten US-amerikanischen Neonazi David Duke, der einst als Leiter den rassistischen Knights of the Ku Klux Klan vorstand.
Israel hat die Welt hypnotisiert, möge Allah die Menschen erwecken und ihnen Helfen, die bösen Taten Israels zu sehen.
Ilhan Omar auf X (ehemals Twitter).
Nach den Angriffen der Hamas forderte Omar sogar die Einstellung aller US-Hilfen für Israel – eine typische Täter-Opfer-Umkehr. Trotz dieser extremistischen Einstellung wird Omar von ihrer eigenen Fraktion hofiert. 2019 änderte das U.S. Repräsentantenhaus mit den Stimmen der Fraktion der Demokratische Partei für die Hijab-Trägerin Omar sogar eine 181 Jahre lang bestehende Regel, die das Tragen von religiösen Kopfbedeckungen für Mitglieder des Parlaments untersagte.
Nach Israels 9/11 unterschrieben sodann auch 55 Abgeordnete der Demokraten einen Aufruf an beide Kriegsparteien, der einen Waffenstillstand und die Vermeidung ziviler Opfer forderte. Sollte letzt genannte Forderung noch eine Selbstverständlichkeit darstellen, die allerdings weder von der Hamas eingehalten noch von dieser Tatsache im Aufruf zu lesen ist, wird Israel ein Selbstverteidigungsrecht gegen islamistische Terroristen abgesprochen.
Wehret den Anfängen
Gleichwohl die Demokratische Partei für ihre Vielfältigkeit und diversen Strömungen bekannt ist, sollte es doch Grenzen hierfür geben. Extremisten gleich welcher Couleur sollten in keiner demokratischen Partei geduldet werden. Dass eine radikal eingestellte Minderheit auch einmal über die Mehrheit bestimmen kann, erlebt gegenwärtig bekanntlich die Republikanischen Partei. Eine Erfahrung, die mittlerweile zu einem Stresstest für die US-amerikanische Demokratie geworden ist.
Wie auch der ausgeführte Beitrag unterstreicht kommt der Antisemitismus des 21. Jahrhunderts in den USA wie in Europa primär von Personen mit einem Migrationshintergrund aus islamischen Ländern daher. Die Täter, wenngleich oftmals „nur“ verbalen Ausmaßes, sind mitten unter uns – und sterilisieren sich doch, oftmals mit medialer Unterstützung, als Opfer. Umso bedeutender ist es die richtigen Lehren aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts konsequent zu ziehen: Wehret den Anfängen. „Nie wieder“ ist nämlich jetzt.
Bildquellen: Creative-Commons-Lizenzen (via Google); Canva.com; eigene Grafiken. Zur besseren Lesbarkeit von Personenbezeichnungen und personenbezogenen Wörtern wird in der Regel die männliche Form genutzt. Diese Begriffe gelten für alle Geschlechter.