Chancenlos und dennoch mit Hoffnung auf einen Gewinn

Was haben Will Hurd, Steve Laffey und Marianne Williamson gemeinsam? Alle drei US-Amerikaner nehmen an den Präsidentschaftsvorwahlen 2024 ihrer jeweiligen Parteien teil, weisen eine geringe landesweite Bekanntheit auf und sind chancenlos in das Weiße Haus einzuziehen. Doch warum beschreiten Politiker mit solch einem Profil dennoch den beschwerlichen Weg eines Vorwahlkampfes? Der nachfolgende Beitrag klärt über die möglichen unterschiedlichen Absichten auf – denn nicht jeder Präsidentschaftskandidat will auch ernsthaft Präsident werden.

Vorbereitung des nächsten politischen Karriereschritts

Mit der Teilnahme an den innnerparteilichen Präsidentschaftsvorwahlen können sich Kandidaten tatsächlich auch indirekt um andere politische Positionen bewerben. Insbesondere die Kandidatur für das Vizepräsidentenamt sowie um einen Posten in einer zukünftigen Administration sind vor diesem Hintergrund populär.

Im demokratischen Vorwahlkampf 2020 präsentierte sich beispielsweise der damalige junge Bürgermeister von South Bend, Indiana, vorteilhaft. Pete Buttigieg bekam infolgedessen einen Podcast-Vertrag in der Höhe von $100.000 und einen Buchvertrag. Als Gastgeber einer Late Night Show durfte Buttigieg ebenso auftreten. Weitaus lukrativer war für Buttigieg jedoch, dass ihn Präsident Joe Biden als Verkehrsminister in sein Kabinett berief.

Ebenso einen Platz am Kabinettstisch bekam zwischen 2017 und 2021 Dr. Ben Carson. Der Neurochirurg, der als weltweit erster Arzt siamesische Zwillinge erfolgreich trennte, entpuppte sich während der republikanischen Präsidentschaftsvorwahlen 2016 zunächst als wettbewerbsfähig, musste sich dennoch Donald Trump geschlagen geben. Dieser nominierte Dr. Carson später als Wohnungsbauminister.

John Hickenlooper wiederum nutzte seine Teilnahme an den demokratischen Vorwahlen 2020, um sich nach seinem Ausscheiden als Gouverneur von Colorado für ein landesweites Amt vorzubereiten. Seit dem Jahr 2021 vertritt er seinen Bundesstaat als U.S. Senator in Washington D.C.

Mit ihren gegenwärtigen Präsidentschaftskandidaturen dürften insbesondere der Milliardär Vivek Ramaswamy und der Bürgermeister von Miami, Francis Suarez, ihre politischen Karrieren weiter vorantreiben wollen. Beide Republikaner werden als mögliche Vizepräsidentschaftskandidaten oder als Minister in einer republikanischen Administration gehandelt.

Bewerbung für eine Karriere außerhalb der Politik

Doch nicht nur die politische Karriere kann mit einer Teilnahme an den innerparteilichen Vorwahlen forciert werden. Mit einem positiven Auftreten, insbesondere während der zahlreichen Fernsehdebatten, können sich Kandidaten für eine zukünftige Betätigung im TV bewerben.

Mike Huckabee, ehemaliger Gouverneur von Arkansas und Präsidentschaftskandidat 2008, bekam so einen Moderatorenvertrag bei Fox News. Für den konservativen Sender war Huckabee zwischen 2008 und 2014 tätig. Der erzkonservative Rick Santorum beschritt einen ähnlichen Weg: Ebenso im Jahr 2008 bewarb er sich um die republikanische Präsidentschaftskandidatur und landete letztendlich als politischer Kommentator beim liberalen Nachrichtensender CNN.

Schrei nach persönlicher Aufmerksamkeit

Eine Präsidentschaftskandidatur kann zum nächsten Karriereschritt innerhalb und außerhalb der Politik führen. Oder auch nur das Selbstwertgefühl eines Kandidaten kurzzeitig stärken. In der Vergangenheit erklärte eine Vielzahl an Politikern ihre Präsidentschaftskandidaturen, um nach dem Ausscheiden aus einem politischen Amt weiterhin relevant zu bleiben.

Als Exempel dienen an dieser Stelle die Kampagnen von Jim Gilmore und George Pataki, die 2016 an den republikanischen Vorwahlen teilnahmen. Beides ehemalige Gouverneure, die schon seit längerer Zeit nicht mehr politisch aktiv waren. Gilmore schied 2002 als Gouverneur von Virginia aus, Pataki 2007 als Gouverneur von New York. Im Präsidentschaftswahlkampf des Jahres 2024 lässt sich Asa Hutchinson, ehemaliger Gouverneur von Arkansas, in diese Kategorie einordnen.

Interesse für ein Thema verstärken

Vom Heiligen Augustinus stammt der Satz, dass „in dir brennen muss, was du in anderen entzünden willst“. Manche Politiker brennen so stark für ein explizites Thema, dass sie dafür ein (noch) größeres Publikum sensibilisieren wollen. Eine bessere Bühne als die Präsidentschaftsvorwahlen dürfte es hierfür kaum geben. Die mediale Aufmerksamkeit der demokratischen Präsidentschaftsvorwahlen 2020 versuchten der Milliardär Tom Steyer und Jay Inslee, Gouverneur von Washington, für ihre – einzigen – Themen Klima und Umwelt zu nutzen.

Kandidatur aus Idealismus

Schlussendlich gibt es auch Idealisten, die sich thematisch von keinen anderen Kandidaten vertreten fühlen. Zu dieser Kategorie gehören beispielsweise der parteilose, aber der demokratischen Senatsfraktion angehörende, demokratische Sozialist Bernie Sanders sowie der Libertäre Ron Paul. Beides Politiker, die während ihrer einstigen jeweiligen Vorwahlkampagnen eine oftmals junge, enthusiastische Randgruppe für sich gewinnen konnten, ohne jedoch ernsthafte Hoffnungen hatten von der Demokratischen oder Republikanischen Partei als Präsidentschaftskandidat nominiert zu werden.

Hoffnung auf Gewinn risikobelastet

Wie der Beitrag herausgearbeitet hat, gibt es neben dem eigentlichen Anliegen einer Präsidentschaftskandidatur, nämlich in das Weiße Haus einziehen zu wollen, weitere Gründe für solch einen Schritt. Diese Anliegen, die durch die Teilnahme an den innerparteilichen Vorwahlen erfüllt werden sollen, sind allerdings nicht frei von Risiko.

Ein (Vor-)Wahlkampf ist herausfordernd und in den USA sehr schmutziger Natur. Dass alte Familiengeschichten, Fehltritte und/ oder persönliche Finanzen von der Konkurrenz und Medien im Wahlkampf veröffentlicht werden, ist mehr Regel als Ausnahme. Doch zumindest für Hurd, Laffey und Williamson sind die Hoffnungen, die aus einer Teilnahme an den Präsidentschaftsvorwahlen entstehen können, größer, als die kommenden Torturen des Wahlkampfes.

Bildquellen: Creative-Commons-Lizenzen (via Google); Canva.com; eigene Grafiken.
Zur besseren Lesbarkeit von Personenbezeichnungen und personenbezogenen Wörtern wird in der Regel die männliche Form genutzt. Diese Begriffe gelten für alle Geschlechter.

Ein „Christ, Konservativer und Republikaner“ solidarisiert sich mit der Ukraine

Wenn Du im Hotel auf den Aufzug wartest, Tür sich öffnet, silbergrauer Herr aussteigt, freundlich grüßt, ich minutenlang im Kopf: Ich kenn den, woher kenn ich den. Dann schlagartig: Ex-US-Vizepräsident Mike Pence. Da schau her. Welcome to Kyiv.

Welt-Journalistin Tatjana Ohm, die gegenwärtig aus der Ukraine berichtet, auf Twitter.

Nicht nur die Journalistin Tatjana Ohm war am 29.06.2023 überrascht, als sie in der ukrainischen Hauptstadt Mike Pence antraf. Der ehemalige US-Vizepräsident bekundete mit seinem Überraschungsbesuch inmitten des größten Angriffskriegs auf europäischem Boden seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs seine vollste Solidarität mit der Ukraine.

Pence besuchte Orte der russischen Kriegsverbrechen

Dabei beließ es Pence nicht bei einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Volodymir Zelensky in Kyiv. Pence, der als erster Teilnehmer der Präsidentschaftsvorwahlen 2024 in die Ukraine reiste, wollte vielmehr ein noch besseres Verständnis davon bekommen, welche leidvollen Erfahrungen die ukrainische Bevölkerung durchmachen musste und weiterhin machen muss.

Ich bin hierher gekommen, weil es wichtig ist, dass US-Amerikaner verstehen (…), dass unsere Unterstützung für das ukrainische Militär in unserem eigenen nationalen Interesse ist.

Mike Pence im Interview mit Meet the Press, NBC News.

Vor diesem Hintergrund reiste Pence auch nach Moshchun, Bucha und Irpin. Städte, die zu Beginn der russischen Invasion im Jahr 2022 besetzt und verwüstet wurden. Städte, in denen Russen zahlreiche Kriegsverbrechen begingen. Orte, die mittlerweile als Synonym für die Gräueltaten der Russischen Föderation stehen. Pence kam in diesen Städten direkt mit ukrainischen Zivilisten ins Gespräch.

Pence fordert stärkere Unterstützung für die Ukraine

Durch diese Erfahrungen fühlte sich Pence in seiner Meinung bestätigt, dass die USA ihre Führungsrolle bei der Unterstützung für die Ukraine ausbauen sollten. Militärische Ausrüstung müsste der Ukraine laut Pence schneller von der Biden-Administration bereitgestellt werden. Schwerere Waffen, Stichwort Kampfjets, sollten zudem geliefert werden.

Pence versteht sehr gut, was Russland ist. Er versteht den Grund für diesen Krieg (…) Er weiß, dass es hier um die Werte geht, für die einst die USA gegründet wurden: Freiheit, Wettbewerb und Demokratie.

Mykhailo Podolyak, Berater des ukrainischen Präsidenten Zelensky, findet lobende Worte für das sicherheitspolitische Verständnis von Pence.

Gleichwohl unterstrich Pence in Interviews mit NBC News und CNN, dass es „nur“ der Verteidigungskrieg der Ukrainer sei. Folgerichtig würde auch er als US-Präsident keine US-amerikanischen Truppen entsenden. Doch sei es laut Pence der Kampf für die von Podolyak angesprochene Freiheit, der auch die USA angehe.

Antwort auf russische Aggression: Reagan-Doktrin 2.0

Pence sieht sich in seiner sicherheitspolitischen Einstellung in der Tradition von Ronald Reagan. Dieser begründete einst die nach ihm benannte Doktrin während des Kalten Krieges. Diese besagte, dass zur Schwächung von Regierungen pro-sowjetischer Staaten antikommunistische Guerilla-Gruppen unterstützt werden sollten. Wird diese Strategie auf das 21. Jahrhundert übersetzt, muss der Ukraine in ihrem Freiheitskampf gegen die russischen Aggressoren von der freien Welt unter Führung der USA geholfen werden.

Seit den Tagen von Ronald Reagan stehen US-Amerikaner an der Seite von denen, die ihre eigenen Freiheiten verteidigen.

Mike Pence im Interview mit Meet the Press, NBC News.

Pence will seinen Beitrag leisten, US-Amerikaner von der Sinnhaftigkeit der Hilfen für die Ukraine in ihrem Verteidigungskrieg gegen die russischen Invasoren zu überzeugen. Dahingehend hat Pence in Bezug auf die eigene Republikanische Partei bei den anstehenden Präsidentschaftsvorwahlen noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten.

Laut einer repräsentativen Umfrage von NBC News würden nämlich 52% der republikanischen Wähler einen Kandidaten weniger stark unterstützen, wenn dieser, wie Pence, mehr Hilfen für die Ukraine fordern würde. Nur ein Viertel der republikanischen Wähler würde einen Kandidaten, der sich deutlich hinter die Ukraine stellt, stärker unterstützen.

Pence ist ein Mann mit Prinzipien

Diese repräsentativen Daten zeigen, dass die Ukraine-Reise des ehemaligen US-Vizepräsidenten nicht aus wahltaktischen Gründen, sondern aus innerer Überzeugung geschuldet war. Unterstrichen wird diese These auch mit dem Fakt, dass sich Pence schon im März 2022 mit der Ukraine solidarisch zeigte: Knapp einen Monat nach Beginn des russischen Angriffskriegs besuchte Pence nämlich ukrainisches Grenzgebiet, um mit Flüchtlingen in Kontakt zu kommen.

Pence ist ein Mann mit Prinzipien, auch wenn diese seine eigenen Wahlchancen schmälern sollten. Einst beschrieb er sich selbst als ein „Christ, Konservativer und ein Republikaner – in dieser Reihenfolge“. In Bezug auf die Ukraine hat er seine christliche Nächstenliebe ebenso schon unter Beweis gestellt wie seine konservative Einstellung als selbsternannter „Reagan-Republikaner“, der die USA nicht nur in der Sicherheitspolitik „zur Rückkehr konservativer Prinzipien“ aufruft.

Es kann keinen Raum in der konservativen Bewegung für Putin-Verteidiger geben. Es kann in dieser Bewegung nur einen Raum für die Vorkämpfer der Freiheit geben.

Appeasement hat noch nie funktioniert, niemals in der Geschichte.

Mike Pence im Jahr 2022.

Doch ob die Basis der Republikanischen Partei der 2020er Jahre diese klassisch republikanischen Werte noch schätzt? Es deutet vieles daraufhin, dass der in der Regel so leise und freundlich, aber strikt konservativ auftretende Pence demnächst noch des Öfteren nahezu unbemerkt aus einem Aufzug an Journalisten vorbeigehen wird. Ein Wandel, an dem Pence nicht unschuldig ist, machte er doch im Jahr 2016 den politischen Außenseiter Donald Trump und dessen Populismus hoffähig.

Steckbrief Mike Pence
Geburtsdatum07.06.1959
GeburtsortColumbus, IN
AusbildungIndiana University School of Law (Jura)
Politischer WerdegangUS-Vizepräsident (2017 – 2021),
Gouverneur (2013 – 2017),
Abgeordneter U.S. Repräsentantenhaus (2001 – 2013)

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26.06.1963: Präsident John F. Kennedy in Berlin

Auf den Tag genau 15 Jahre war es nun her, dass die West-Alliierten die Luftbrücke zur Versorgung West-Berlins einrichteten, als John F. Kennedy am 26.06.1963 die Stadt besuchte. Mehr als zwei Millionen Berliner jubelten dem US-Präsidenten bei seiner gemeinsamen Fahrt im offenen Wagen mit Bundeskanzler Konrad Adenauer und dem Regierenden Bürgermeister Willy Brandt zu.

Adenauer nannte diesen frenetischen Empfang für den Anführer der freien Welt eine „Volksabstimmung auf Füßen“. In der Tat lechzte die Bevölkerung regelrecht nach Freiheit. Gleichwohl diese zwar im westlichen Berlin im politischen und ökonomischen Sinne gegeben war, lebte man dennoch in ständiger Bedrohung vor der kommunistischen Gewaltherrschaft, die sich unter Moskaus Kontrolle im Ostteil der Stadt sowie im angrenzenden, heute als Brandenburg bekannten, Umland breit machte.

Wenn es in der Welt Menschen geben sollte, die nicht verstehen (…), worum es heute in der Auseinandersetzung zwischen der freien Welt und dem Kommunismus geht, dann können wir ihnen nur sagen, sie sollen nach Berlin kommen.

US-Präsident John F. Kennedy bei seiner Rede am 26.06.1963 vor dem Rathaus Schöneberg.

Zwei Jahre vor Kennedys achtstündigem Besuch in West-Berlin, nämlich am 13.08.1961, veranlasste das Unrechtsregime der DDR den Bau der Berliner Mauer sowie den Ausbau der Grenzbefestigung zur Bundesrepublik Deutschland. Die 2,2 Millionen freien Bürger West-Berlins konnten somit nicht mehr ihre Freunde und Verwandten im Ostteil der Stadt besuchen.

Steckbrief zum Berlin-Besuch
von Präsident John F. Kennedy
Amtszeit als 35. US-Präsident1961 – 1963
Besuche in Berlin als PräsidentEiner: 26.06.1963 für acht Stunden
Warum Kennedy nach Berlin kamUm an das 15. Jubiläum zur Einrichtung der Luftbrücke zu gedenken sowie seine Solidarität mit den Berlinern zu bekunden
Berühmtester Satz in der Rede„Ich bin ein Berliner.“

Doch der eigentliche Grund für diese von der Regierung der DDR angeordnete Maßnahme war freilich ein anderer: Alle möglichen Wege in den Westen sollten versperrt werden. Die Bürger der DDR wurden eingesperrt, damit diese das totalitäre System der Unterdrückung, Bespitzelung und Mangelwirtschaft nicht mehr verlassen konnten.

Unter tosendem Applaus fand Präsident Kennedy vor dem Rathaus Schöneberg die passenden Worte für den menschenverachtenden Bau der Berliner Mauer:

Die Mauer ist die abscheulichste und stärkste Demonstration für das Versagen des kommunistischen Systems.

US-Präsident John F. Kennedy bei seiner Rede am 26.06.1963 vor dem Rathaus Schöneberg.

Präsident Kennedy unterstrich bei seinem Besuch in West-Berlin ebenso, dass es weder eine Zusammenarbeit mit kommunistisch regierten Ländern geben könne, noch wirtschaftlicher Fortschritt mit solch einem totalitären System möglich sei. Wer dies verneine, so Präsident Kennedy, „solle nach Berlin kommen.“ Dem Kommunismus, so der 35. US-Präsident weiter, gehöre sicherlich nicht die Zukunft. Prophetische Worte, wie sich 26 Jahre später mit dem Untergang kommunistischer Diktaturen in Mittel- und Osteuropa zeigen sollte.

Ein Leben in Freiheit ist nicht leicht, und die Demokratie ist nicht vollkommen. Aber wir hatten es nie nötig, eine Mauer aufzubauen, um unsere Leute bei uns zu halten.

US-Präsident John F. Kennedy bei seiner Rede am 26.06.1963 vor dem Rathaus Schöneberg.

Musste Präsident Kennedy 1961 in seinem ersten Amtsjahr noch tatenlos beim Bau der Berliner Mauer zusehen, gab er 1963 umso wichtigere moralische Unterstützung für die freiheitsliebenden Berliner. Er formulierte die Hoffnung, dass sich die „Freiheit überall in der Welt“ durchsetzen werde. Eine Hoffnung, für die jeden Tag aufs Neue, auch im 21. Jahrhundert, gegen Demagogen, Ideologen, Populisten und Diktatoren gekämpft werden muss.

Präsident Kennedy endete seine historische Rede vor dem Rathaus Schöneberg mit seinen berühmten, sogar auf Deutsch gesprochenen, Worten:

Alle freien Menschen, wo immer sie leben mögen, sind Bürger dieser Stadt Berlin. Und deshalb bin ich als freier Mensch stolz darauf, sagen zu können: Ich bin ein Berliner.

US-Präsident John F. Kennedy bei seiner Rede am 26.06.1963 vor dem Rathaus Schöneberg.

Bildquellen: Creative-Commons-Lizenzen (via Google); Canva.com; eigene Grafiken.
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Das Stimmungsbarometer 06/2023: Trump und DeSantis liegen in Umfragen vor Präsident Biden

„1600 Pennsylvania“ informiert über die aktuellsten repräsentativen Umfragen rund um
US-amerikanische Politik (Pfeil nach oben/unten: Wert ist zum Vormonat gestiegen/hat abgenommen). Quellen, falls nicht anders angegeben, sind die auf Real Clear Politics veröffentlichten Durchschnittswerte der wichtigsten Umfrageinstitute.

Repräsentative Umfragen aus D.C.

Weitere repräsentative Umfragen

Repräsentative Umfragen rund um die #uswahl2024

Nicht-repräsentative Umfrage auf Twitter

Bildquellen: Creative-Commons-Lizenzen (via Google); Canva.com; The White House;
U.S. Congress; eigene Grafiken.
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Miamis Bürgermeister will in das Weiße Haus

Adams, Kennedy, Bush, Clinton: Politiker-Dynastien sind in den Vereinigten Staaten von Amerika keine Seltenheit. Hatte es von den genannten Familien jeweils mindestens eine Person bis in das Weiße Haus geschafft, hat sich die Dynastie der Suarez bislang auf die kosmopolitische Stadt Miami im Süden Floridas beschränkt.

Xavier Suarez begründete Dynastie in Miami

Xavier Suarez, dessen Vater vom kommunistischen Regime in Havanna gefangen genommen wurde, emigrierte einst aus Kuba in die USA. 1985 wurde der Jurist zum Bürgermeister von Miami gewählt. Der als Demokrat registrierte Suarez erfreute sich bei den Bewohnern seiner Stadt höchster Beliebtheit, so dass er 1987 für zwei und 1989 für vier weitere Jahre wiedergewählt wurde.

Landesweite Aufmerksamkeit erhielt Suarez, als er sich weigerte dem südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela 1990 auf dessen USA-Reise zu begrüßen. Mandela nannte zuvor den kubanischen Diktator Fidel Castro, der die linke Partei African National Congress unterstützte, einen „Waffenbruder“.

1993 zog sich Xavier Suarez zunächst aus der Politik zurück, um mehr Zeit mit der Familie zu verbringen. Doch nur vier Jahre später trat er erneut als Bürgermeisterkandidat an und gewann. Die im Jahr 1997 begonnene Amtszeit endete allerdings schon ein Jahr später, da die Behörden den Anschuldigungen der Wahlfälschung nachgingen. Gegen Suarez selbst sollte sich der Verdacht nicht erhärten.

Hoffnungsträger Francis Suarez

Knapp zwanzig Jahre später sollte der im Jahr 1977 in Miami, Florida, geborene Sohn Francis in die Fußstapfen seines Vaters treten. Im Jahr 2017 wurde Francis Suarez, der im Gegensatz zu seinem Vater als Wähler der Republikanischen Partei registriert ist, mit 86% der Stimmen zum 43. Bürgermeister der Stadt Miami gewählt. Damit war Suarez der erste überhaupt in Miami geborene sowie der erste nicht in Kuba geborene Bürgermeister der Stadt seit dem Jahr 1996.

Steckbrief Francis Suarez
Geburtsdatum06.10.1977
GeburtsortMiami, FL
AusbildungUniversity of Florida Levin College of Law (Jura)
Politischer WerdegangPräsident der U.S. Conference of Mayors (2022 – 2023),
Bürgermeister Miami, FL (seit 2017)

Laut eigener Aussage setzt Suarez seine Prioritäten als Oberhaupt Miamis auf die Stärkung der Lebensqualität sowie auf dem Aufzeigen von Wegen zu Wohlstand und zu mehr Innovation. Vor diesen Hintergründen initiierte Suarez eine $400 Millionen teure Initiative, um die Auswirkungen des steigenden Meeresspiegels abzumildern sowie günstigeres Wohnen zu ermöglichen.

Ein gemeinsamer Artikel mit dem ehemaligen UN-Generalsekretär Ban Ki-moon 2019 steigerte die Bekanntheit von Suarez über Miami hinaus. Der Beitrag thematisierte Miamis Vorbereitungen auf die Auswirkungen des Klimawandels. Bei der Wählerschaft kam dieses Engagement offenbar gut an: 2021 wurde Suarez mit 78% aller abgegebenen Stimmen wiedergewählt.

Als Befürworter von Kryptowährungen, im November 2021 ließ sich Suarez sein Gehalt in Bitcoin auszahlen, sticht der Bürgermeister von Miami zudem aus dem republikanischen Kandidatenfeld hervor. Suarez‘ Vision: Die Abschaffung aller lokaler Steuern. Die daraus entstehenden Einnahmeeinbußen sollen durch einen Miami Coin wieder hereingeholt werden.

Dritter Kandidat aus Florida

Nach Ron DeSantis, Gouverneur von Florida, und Ex-Präsident Donald Trump ist Suarez der schon dritte Teilnehmer der republikanischen Präsidentschaftsvorwahlen 2024 aus dem Sunshine State. Zu den beiden Favoriten auf die Präsidentschaftskandidatur hat Suarez ein gespaltenes Verhältnis. Einerseits vermeidet er weitestgehend öffentliche Kritik an DeSantis und Trump. Andererseits gab er bei der Gouverneurswahl 2018 weder DeSantis noch bei den Präsidentschaftswahlen 2016 und 2020 Trump seine Stimme.

Dennoch wurde Suarez von der einflussreichen Beraterin und Meinungsforscherin Kellyanne Conway Trump als möglicher Vizepräsidentschaftskandidat empfohlen. Conway hält viel von Miamis Bürgermeister:

Suarez kann einmal Präsident werden. Es ist die Entscheidung der Wähler, wann dies sein kann.

Auch die Kampagne von Nikki Haley hat Suarez als möglichen running mate auf ihrer Liste. Doch bis die Republikanische Partei einen Präsidentschaftskandidaten nominiert hat, sind noch viele Veranstaltungen, Fernsehdebatten und Vorwahlen abzuhalten. Offiziell hat Suarez das Ziel, selbst in das Weiße Haus einzuziehen.

Doch wahrscheinlicher ist es, dass er 2024 die Rolle von Pete Buttigieg aus dem Jahr 2020 einnehmen wird: Als Bürgermister eine gute Rolle bei den Vorwahlen spielen, um in einer möglichen republikanisch geführten Administration einen Ministerposten zu bekommen. Suarez wäre nicht das erste Mitglied einer politischen Dynastie, welcher sich – zunächst – am Kabinettstisch wiederfinden würde.

Bildquellen: Creative-Commons-Lizenzen (via Google); Canva.com; eigene Grafiken.
Zur besseren Lesbarkeit von Personenbezeichnungen und personenbezogenen Wörtern wird in der Regel die männliche Form genutzt. Diese Begriffe gelten für alle Geschlechter.