Brandherd Obamacare

Es geht ein Riss durch die Vereinigten Staaten. 450 Kilometer lang. Bis zu 1800 Meter tief. Die Rede ist natürlich vom Grand Canyon, einem der beliebtesten Ausflugsziele in den USA und einer der größten Schluchten der Welt.

So imposant dieses Naturschauspiel auch ist, der Riss durch die politische Landschaft der USA ist weitaus größer. Das Ringen um den Affordable Care Act, wie Obamas Gesundheitsreform offiziell heißt, spiegelt seit Jahren die Spaltung des Landes wider.

Prestigeprojekt Obamas

Gleich zu Beginn seiner Präsidentschaft setzte Barack Obama die Gesundheitsreform auf die politische Agenda. Trotz der damaligen frisch geplatzten Immobilienblase und der darauffolgenden weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise.

Der Zeitpunkt dieser Kraftanstrengung – Versuche einer Gesundheitsreform scheiterten in den Vorjahren, unter anderem von Hillary Clinton als First Lady initiiert, mehrmals – galt nicht nur bei Republikanern als fraglich.

Auch Obamas eigene Berater rieten dem Präsidenten – zunächst – von einer Reform im Gesundheitsbereich ab. Obama ließ sich jedoch davon nicht abhalten und wollte die ihm zwei Jahre anhaltenden Mehrheiten im Kongress nutzen und Geschichte schreiben.

Umsetzungsprobleme

Nach langem Kampf setzte Präsident Obama seine historische Gesundheitsreform, von Gegnern als „Obamacare“ verspottet (mittlerweile wird der Begriff auch von Obama gebraucht), durch. 20 Millionen Amerikaner freuten sich endlich krankenversichert zu sein. Doch der Preis hierfür war hoch.

In einem durch die Wirtschaftskrise aufgeheizten Umfeld setzte Obama erst gar nicht auf die nötige Zusammenarbeit mit dem konservativen Amerika und deren politischen Vertretung am Capitol Hill. An der weiterhin steigenden Polarisierung trägt neben der republikanischen Blockadehaltung auch Obama einen Anteil.

Zudem gelang die Umsetzung der Gesundheitsreform holprig. Erst funktionierte monatelang die für die Registrierung nötige Website nicht. Dann wurde kurz vor der Präsidentschaftswahl 2016 öffentlich, dass die Beiträge für Obamacare um bis zu 100 Prozent steigen werden (durchschnittliche Kostensteigerung: 25 Prozent).

Auch Bevölkerung gespalten

Die Folge ist eine geteilte Meinung über den Affordable Care Act in der Bevölkerung. Neuesten repräsentativen Umfragen zufolge lehnen laut Real Clear Politics knapp 50 Prozent der US-Amerikaner die Gesundheitsreform ab. Der Zustimmungswert liegt bei 45,7 Prozent.

Die geteilte Auffassung richtet sich an Hand der Parteilinien aus. Während Dreiviertel der demokratischen Anhänger Obamacare unterstützen, sieht nur jeder zehnte Republikaner die Gesundheitsreform positiv.

Nach den Wahlen im November 2016 haben Republikaner mit Donald Trump einen Parteikollegen im Weißen Haus und zudem die Mehrheiten in beiden Kongresskammern halten können. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Gesetz nun rückgängig gemacht wird, ist als hoch anzusehen. Erste Vorbereitungen wurden im in dieser Woche neu konstituierten Kongress schon getroffen.

Ungeheuerlicher Vorgang

Derweil unterstützen moderate Demokraten sogar diverse Änderungen am Affordable Care Act. Zur Erinnerung: Selbst Clinton warb im Präsidentschaftswahlkampf für eine umfassende Reform. Ob Republikaner auf Moderate in der demokratischen Partei, die für ihre Zusammenarbeit eine Verlangsamung der Gesetzesaufhebung fordern, jedoch eingehen werden, gilt mehr als fraglich.

Dies liegt nicht zuletzt an der Tatsache, dass führende Politiker beider Parteien in dieser Woche die Diskussion um Obamacare weiter eskalieren ließen. So begab sich Präsident Obama auf einen seiner seltenen Besuche am Capitol Hill – um sich lediglich mit demokratischen Abgeordneten zu treffen.

Getrieben von der Angst um sein innenpolitisches Vermächtnis empfahl Obama seinen Parteigenossen nicht mit Republikanern zusammenzuarbeiten. 14 Jahre nach Obamas berühmter Worte, dass es „kein konservatives und liberales Amerika, sondern nur die Vereinigten Staaten von Amerika“ gebe, klingt dies wie Hohn und Spott.

Auf der anderen politischen Seite besuchte der gewählte Vizepräsident Mike Pence den U.S. Kongress – und traf sich ebenso nur mit Parteikollegen. In Bezug auf Obamacare schwor Pence die republikanischen Abgeordneten darauf ein, dass die öffentliche Kommunikation davon sprechen soll, dass der „von Demokraten verursachte Scherbenhaufen behoben werden muss“.

Kann totale Eskalation noch abgewendet werden?

Die schon seit acht Jahren stattfindenden gegenseitigen Anschuldigungen und Blockadehaltungen scheinen in die nächste Runde zu gehen. Die Leidtragenden sind einmal mehr US-Amerikaner.

Gegen eine weitere Eskalation stemmt sich derweil der konservative (!) demokratische Senator Joe Manchin aus West-Virginia, der auf Eigeninitiative doch noch ein Treffen mit Mike Pence bekam um über die Gesundheitspolitik zu sprechen.

Ob der Riss zwischen Demokraten und Republikaner noch tiefer wird, liegt nicht zuletzt auch an den Vermittlerqualitäten des gewählten Präsidenten Trump, der in Bezug auf Obamacare eine Mittlerrolle zwischen Demokraten und Republikanern einnehmen könnte.

Auf Twitter forderte Trump die beiden Parteien schon zur Zusammenarbeit auf, um „eine Gesundheitsvorsorge zu erstellen, die wirklich funktioniert – kostengünstiger und qualitativ besser“. Eine nachhaltige Lösung für alle Parteien und Beteiligte zu erstellen, wäre wohl der größte Deal im Leben des Donald Trump.


Hintergrund

Obamas Gesundheitsreform plant Trump aufzuheben und durch ein weniger kostenintensiveres Programm zu ersetzen. Gut funktionierende Bereiche von Obamacare, beispielsweise der Krankenversicherung für Kinder, will Trump beibehalten. Trumps Standpunkt unterscheidet sich in diesem Punkt von der allgemeinen republikanischen Auffassung, die Obamacare ersatzlos streichen würde.


Dieser Artikel erschien auch bei The Huffington Post Deutschland

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#Blog1600Penn Update: Automobilhersteller Ford von Trump überzeugt

#Blog1600Penn bringt euch über die wichtigsten Ereignisse der vergangenen Tage auf den aktuellen Stand.

Ford investiert in Standort USA

Der Automobilhersteller Ford hat seine Pläne verworfen ein neues Werk in Mexiko zu eröffnen. Stattdessen werden nun in den nächsten vier Jahren am Standort Michigan $ 700 Millionen investiert und zusätzlich 700 neue Arbeitsplätze geschaffen. Ford zeigte sich von Trumps wirtschaftspolitischen Plänen überzeugt.

115. U.S. Kongress konstituiert

Am Dienstag hat sich der neugewählte U.S. Kongress konstituiert. Der Republikaner Paul Ryan wurde zudem als Sprecher des Repräsentantenhauses wiedergewählt.

Megyn Kelly nicht mehr bei Fox News

Die beliebte Fernsehmoderatorin Megyn Kelly, unter anderem durch ihre Auseinandersetzungen mit President-elect Trump bekannt, verlässt den konservativen Fernsehsender Fox News. Kelly wird ab sofort bei NBC News zu sehen sein.

UN-Resolution gegen Israel

Da sich die USA, im Gegensatz zu 2011, enthielten, hat der UNO-Sicherheitsrat kurz vor Weihnachten eine Resolution gegen den israelischen Siedlungsbau in den Palästinensergebieten angenommen.

Die Haltung von Präsident Obama sorgte daraufhin in Israel und den USA für Missstimmungen. President-elect Trump versicherte daraufhin den israelischen Freunden vollste Solidarität.

US-Botschafter im Interview

Der scheidende US-Botschafter in Deutschland, John B. Emerson, sprach mit FOCUS Online über  Terrorismus, Flüchtlingskrise und President-elect Trump. 

Der Tweet zum Machtwechsel

Der wohl humorvollste Tweet zum Machtübergang zwischen Präsident Obama und President-elect Trump stammt von Politikwissenschaftler Ian Bremmer:

Wichtige Termine in 2017

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Rand Pauls spezielles Fest

Alle Jahre wieder feiern im Dezember Christen Weihnachten und Juden das Lichterfest, auch als Hanukkah bekannt. Für den republikanischen Senator Rand Paul sind diese Festtage jedoch nicht genug.

In Anlehnung an die Fernsehserie „Seinfeld“ zelebriert Paul Jahr für Jahr am 23. Dezember „Festivus“ in den sozialen Netzwerken mit nicht ganz ernst gemeinten – politischen – Nachrichten. #Blog1600Penn hat euch die besten Tweets zusammengestellt.

Paul über Trumps Personalvorschläge:

Paul über den designierten Energieminister Rick Perry, dem bei der republikanischen Vorwahl 2012 der Name des Ministeriums nicht einfiel, dem er nun vorstehen soll:

Paul über den konservativen Fernsehsender Fox News:


 

#Blog1600Penn Update: Frohe Weihnachten!

#Blog1600Penn bringt euch über die wichtigsten Ereignisse der vergangenen Tage auf den aktuellen Stand.

Neuauszählungen

Viel Aufregung um nichts könnte der Aufruhr um die von Jill Stein geplanten Neuauszählungen in Michigan, Wisconsin und Pennsylvania tituliert werden. Wurden die Neuauszählungsbestrebungen in Pennsylvania und Michigan von Richtern für unzulässig erklärt, bestätigte die Neuauszählung in Wisconsin Trumps Sieg.

Das Wahlmännergremium hat derweil Donald Trump auch offiziell zum nächsten Präsidenten der USA gewählt. 

US-Außenpolitik zwischen Obama und Trump

Lesenswertes Interview des Tages-Anzeiger mit dem US-amerikanischen Politikwissenschaftler Ian Bremmer über die US-Außenpolitik zwischen Barack Obama und Donald Trump.

Terrorgefahr in Europa

In Ankara wurde der russische Botschafter in der Türkei ermordet, in Zürich kam es zu einem Schusswechsel bei einer islamischen Gemeinde und in Berlin ereignete sich ein Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt mit vielen Toten.

President-elect Trump meldete sich auf Twitter zu Wort und rief die „zivilisierte Welt“ dazu auf im Umgang mit der weltweiten islamistischen Terrorgefahr umzudenken.

Die gute Nachricht an Weihnachten

Einmal Superman sein ist der große Wunsch des an Krebs erkrankten fünfjährigen Kaheem. Der US-Kongress hat ihm nun seinen Traum erfüllt:

Sketch der Woche: Weihnachten im Trump Tower
Treffen sich Putin, Tillerson und President-elect Trump – der neueste Sketch von Saturday Night Live:
Frohe Weihnachten!

Am Endes dieses Updates möchte es sich #Blog1600Penn nicht nehmen lassen euch allen ein frohes, besinnliches und friedliches Weihnachtsfest zu wünschen!

2016weihnachten

Wahlmännergremium bestätigt Trumps Wahl

Donald Trump hat verloren. Zumindest was die landesweit absolute Stimmenanzahl bei der US-Präsidentschaftswahl angeht. Doch der Vorsprung von mehr als 2,5 Millionen Wählerstimmen für Hillary Clinton verteilte sich ungleich auf die einzelnen Bundesstaaten, so dass Trump die Mehrheit der Wahlmännerstimmen auf seiner Seite wusste.

Am Montag ist nun das für das 21. Jahrhundert ominöse Wahlmännergremium zusammengekommen, um den 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten auch offiziell zu bestätigen.

Auf Grund von Morddrohungen und Petitionen gegen eine Wahl von Trump ist dieses ansonsten eigentlich unspektakuläre Aufeinandertreffen der 538 Wahlmänner in ihren jeweiligen Hauptstädten der Bundesstaaten und dem District of Colombia dennoch ein besonderes Ereignis gewesen.

Und tatsächlich haben sich vereinzelte Wahlmänner gegen das Votum ihres Bundesstaates entschieden. Von den 38 Wahlmännern aus Texas entfielen auf Trump „nur“ 36 Stimmen. Für Ron Paul und John Kasich votierten die übrigen beiden texanischen Wahlmänner.

Ein Wahlmänneraufstand gegen Trump blieb jedoch aus. Im Gegenteil: Die Mehrheit der Abweichler kamen aus Staaten, die sich im November für Clinton entschieden. Von den 12 Wahlmännern aus dem Bundesstaat Washington, den Clinton gewann, hielten sich gleich Vier nicht an das Votum der Bevölkerung.

Am 6. Januar wird das Abstimmungsergebnis der Wahlmänner offiziell verkündet. Die Mehrheit ist Trump jedoch gewiss. Am 20. Januar 2017 folgt mit der Amtseinführung der finale Akt auf dem Weg in das Weiße Haus für den Immobilienmogul. Donald Trump hat gewonnen.