„1600 Pennsylvania“ informiert über die aktuellsten repräsentativen Umfragen rund um US-amerikanische Politik (Pfeil nach oben/unten: Wert ist zum Vormonat gestiegen/hat abgenommen). Quellen, falls nicht anders angegeben, sind die auf Real Clear Politics veröffentlichten Durchschnittswerte der wichtigsten Umfrageinstitute.
Repräsentative Umfragen aus D.C.
Weitere repräsentative Umfragen
Repräsentative Umfragen rund um die #uswahl2024
Nicht-repräsentative Umfrage auf X (ehemals Twitter)
Wer gewinnt die US-Präsidentschaftswahl am 05.11.2024?
— 1600 Pennsylvania 🇺🇸 🇺🇦🇮🇱 (@Blog1600Penn) March 11, 2024
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U.S. Congress; eigene Grafiken. Zur besseren Lesbarkeit von Personenbezeichnungen und personenbezogenen Wörtern wird in der Regel die männliche Form genutzt. Diese Begriffe gelten für alle Geschlechter.
Innerhalb von 52 Vorwahlkampftagen, gleichbedeutend mit 25 abgehaltenen Vorwahlen, entschied Donald Trump die republikanischen Präsidentschaftsvorwahlen für sich. Bei der Demokratischen Partei stand derweil Joe Biden als Amtsinhaber ohne ernstzunehmende innerparteiliche Konkurrenz ohnehin schon als Präsidentschaftskandidat fest.
Gleichwohl die restlichen Vorwahlen bis zum Juni noch pro forma abgehalten werden müssen, beginnt der Hauptwahlkampf doch so frühzeitig wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr. Damals entschieden nach nur 46 Vorwahlkampftagen und 19 respektive 23 Vorwahlen Al Gore und George W. Bush ihre jeweiligen innerparteilichen Vorwahlen für sich. Die alljährliche Rede zur Lage der Nation von Präsident Biden am 07.03.2024 datierte somit den Beginn des kommenden achtmonatigen (!) Hauptwahlkampfes.
Die Ausgangslage für Präsident Biden
Präsident Biden beginnt den Hauptwahlkampf mit schlechten Umfragewerten. Lediglich 39,2% der US-Amerikaner sind laut den durchschnittlichen repräsentativen Umfragen der wichtigsten Institute mit der Arbeit des 46. US-Präsidenten zufrieden. Trump lag zum gleichen Zeitpunkt seiner Präsidentschaft bei 44,5%. VizepräsidentinKamala Harris wird indes noch negativer gesehen.
Landesweite Umfragen zur Präsidentschaftswahl im November, die zum jetzigen frühen Zeitpunkt lediglich als Stimmungsindikator dienen, sind für Präsident Biden ebenso ausbaufähig. Gegenwärtig liegt Präsident Biden im Durchschnitt mit zwei Prozentpunkten gegenüber Trump im Hintertreffen. In den entscheidenden Swing States hat Trump hingegen eine teils deutlichere Führung inne.
Ein Blick auf explizite politische Themen erklärt Präsident Bidens Umfragetief. Laut repräsentativen Umfragen des Pew Research Center beschreiben beispielsweise 78% der US-Amerikaner die illegalen Grenzübertritte von Mexiko in die USA, im Jahr 2023 über drei Millionen, als ein „großes Problem“. 80% der US-Amerikaner, inklusive Mehrheiten von Anhängern beider großer Parteien, stellen der Bundesregierung bei der Lösung der Migrationskrise ein schlechtes Zeugnis aus.
US-Amerikaner haben zudem wirtschaftliche Sorgen: 72% der US-Amerikaner sind auf Grund steigender Lebensmittelpreise sehr beunruhigt, 64% der US-Amerikaner machen sich Sorgen um die Finanzierung ihres Lebensunterhalts. Des Weiteren haben sich seit Amtsantritt von Präsident Biden die Befürchtungen von US-Amerikanern, Opfer eines Kriminaldelikts zu werden, vergrößert.
Politikbereich
Zustimmung zu Bidens Entscheidungen
Ablehnung zu Bidens Entscheidungen
Wirtschaft
40,5%
57,4%
Inflation
35,7%
62,5%
Kriminalität
38,3%
55,0%
Migration
30,6%
66,0%
Außenpolitik
37,0%
59,4%
Quelle: Durchschnittliche repräsentative Umfragewerte der wichtigsten Institute, zuerst veröffentlicht auf Real Clear Politics.
Infolgedessen sind laut einer repräsentativen Umfrage von The New York Times / Siena nur 18% der US-Amerikaner der Meinung, dass die politischen Entscheidungen von Präsident Biden ihnen persönlich geholfen hätten. 43% der US-Amerikaner sind der Auffassung, dass Bidens Politik ihnen geschadet hätte. Über Trumps Präsidentschaft zwischen 2017 und 2021 urteilen US-Amerikaner freundlicher: 40% gaben an, dass ihnen die Amtszeit des Republikaners persönlich geholfen hätte.
Republikaner sind des Weiteren enthusiastischer bezüglich ihres Kandidaten als Demokraten über Präsident Biden, dessen Nahostpolitik in den eigenen Reihen teilweise als zu freundlich gegenüber Israel kritisiert wird. Präsident Biden wird zudem zunehmend mit Fragen über sein fortgeschrittenes Alter und (möglichen) gesundheitlichen Problemen konfrontiert.
Die Rede zur Lage der Nation
Einen Fauxpass leistet sich das Weiße Haus schon vor Beginn der Rede zur Lage der Nation. Um den von Präsident Biden adressierten Freiheitskampf gegen den Autokraten Vladimir Putin zu unterstreichen, wurden die ukrainische First Lady Olena Zelenska sowie die Witwe von Alexei Nawalny, Julija Nawalnaja, in den U.S. Kongress eingeladen. Zelenska sagte verständlicherweise ab, wollte sie doch nicht neben der Witwe eines russischen Nationalisten und Imperialisten, der die völkerrechtswidrige Annexion der ukrainischen Krim begrüßte, sitzen. Eine Tatsache, die in Politik und Medien Westeuropas sowie der USA oftmals wegen mangelndem nötigem differenziertem Denken zum Fall Nawalny nicht erkannt wird.
Die Notwendigkeit weiterer US-Hilfen für die Ukraine unterstrich Präsident Biden auch ohne die vom Weißen Haus gewünschten Gäste. Gleich zu Beginn seiner Rede rief Präsident Biden zu einem Kampf gegen die Feinde der Demokratie im In- und Ausland auf. Die USA seien an einem Punkt wie im Jahr 1941 angekommen, so Präsident Biden, als Präsident Franklin D. Roosevelt den U.S. Kongress vor den Gefahren Adolf Hitlers aufwecken wollte. Heutzutage würde eine ähnliche Bedrohung von Putin ausgehen.
Vor diesem Hintergrund seien weitere US-Hilfen für die Ukraine notwendig, so Präsident Biden, um Russland zu stoppen. Dabei machte er, wie in seiner gesamten Rede, die Unterschiede mit seinem „Vorgänger“ deutlich, der Putin in einem Statement ja schon fast zu Invasionen weiterer Länder einlud. Präsident Biden machte zudem Trump, der aus wahlkampftaktischen Gründen agieren würde, für das Scheitern eines Kompromisses zur Eindämmung der Migrationskrise verantwortlich.
62% der US-Amerikaner, welche die Rede zur Lage der Nation im Fernsehen verfolgten, sind der Meinung, dass die Politik von Präsident Biden das Land in die richtige Richtung bewegen wird.
Quelle: CNN / SSRS.
Um die für Demokraten wichtige Wählergruppe von muslimischen und linken US-Amerikanern zu besänftigen, verkündete Präsident Biden die Einrichtung eines temporären Hafens im Gazastreifen, um den Palästinensern mehr humanitäre Hilfen zukommen lassen zu können. Um die Notwendigkeit dieses Vorhabens zu unterstreichen übernahm Präsident Biden die von der islamistischen Terrororganisation Hamas veröffentlichten zivilen Opferzahlen. Ebenso rief er Israel dazu auf, mehr humanitäre Verantwortung zu übernehmen.
Eigene Kernwähler sprach Präsident Biden ebenso an, indem er seine bisherigen Errungenschaften sowie künftigen Pläne in den Bereichen der Klima-, Gesellschafts-, Gesundheits- und Bildungspolitik vortrug. Seine Wirtschaftspolitik verteidigte Präsident Biden, führe diese doch zu einem Aufschwung nach der Pandemie. Präsident Biden warb zudem für Buy American, sprich für Produkte, die „von Amerikaner für Amerikaner in Amerika“ hergestellt werden. Des Weiteren forderte Präsident Biden höhere Steuern für Konzerne und Reiche.
Letztendlich mutierte die Rede zur Lage der Nation zu Präsident Bidens erster Wahlkampfrede im erneuten Duell mit Trump. Durch einen energischen Auftritt mit starker Stimme dürften zumindest für diesen einen Abend die Diskussionen um Präsident Bidens Alter verstummt worden sein. Um die Mehrheit der US-Amerikaner, die Präsident Biden kritisch sehen, für eine weitere Amtszeit zu überzeugen, dürfte die Rede der Lage der Nation jedoch höchstens ein Anfang gewesen sein.
Die republikanische Reaktion
Die offizielle Antwort der Republikanischen Partei auf Präsident Bidens Rede zur Lage der Nation wurde von der Senatorin Katie Britt gehalten. Dabei verkündete die 42-jährige Senatorin aus Alabama typische Positionen ihrer Partei – verpackte diese jedoch in einen zu theatralischen Auftritt.
MAGA Inc., ein Super Pac von Trump, ließ einen Werbespot, der Bidens Alter und Gesundheitszustand adressierte, für 24 Stunden auf den TV-Sendern MSNBC, CNN, Fox News und Newsmax schalten (siehe untenstehendes Video). Der Spot dürfte den Beginn einer Schlammschlacht um das Weiße Haus darstellen.
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Donald Trump ist die dritte republikanische Präsidentschaftskandidatur in Folge kaum noch zu nehmen. Nach Richard Nixon (1960, 1968 und 1972) wird Trump somit der erst zweite Republikaner sein, der seine Partei dreimal in eine Präsidentschaftswahl führt. Einzig juristische Streitigkeiten könnten Trump noch von einem erneuten Duell mit Joe Biden abhalten.
Der Hauptwahlkampf beginnt somit so frühzeitig wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Infolgedessen werden schon jetzt mögliche Vizepräsidentschaftskandidaten, die an der Seite Trumps in den Wahlkampf gehen könnten, diskutiert. Trumps Wahlkampfteam brachte zuletzt selbst einige Namen ins Spiel (siehe untenstehende Tabelle). Über diesen Personenkreis, der auch noch mit Gouverneurin Sarah Huckabee Sanders, Abgeordnete Elise Stefanik oder U.S. Senator Tom Cotton erweitert werden könnte, soll im nachfolgenden Beitrag informiert werden.
Name
Alter
Bisheriges höchstes politisches Amt
Bundesstaat
Byron Donalds
45
Abgeordneter
Florida
Tulsi Gabbard
42
Abgeordnete
Hawaii
Kristi Noem
52
Gouverneurin
South Dakota
Vivek Ramaswamy
38
–
Ohio
Ron DeSantis
45
Gouverneur
Florida
Tim Scott
58
U.S. Senator
South Carolina
Byron Donalds: Republikanischer Shootingstar
Der 45-jährige Byron Donalds gehört zu den Shootingstars unter den republikanischen Abgeordneten am Capitol Hill. Seit dem Jahr 2021 vertritt der in Florida lebende Afroamerikaner seinen Wahlbezirk im U.S. Repräsentantenhaus. Donalds gehört dem erzkonservativen Freedom Caucus ebenso an wie der Freedom Force, einem Zusammenschluss neugewählter republikanischer Abgeordneter, die gegen die angeblich schleichende Einführung des Sozialismus kämpfen. Donalds stimmte für die Anfechtung der US-Präsidentschaftswahl 2020.
Explizit setzt sich Donalds für wirtschaftliche Freiheit, Atomkraft und sauberes Wasser, ein bedeutendes Thema in seinem Wahlkreis, ein. Dem Green New Deal zur Eindämmung des menschengemachten Klimawandels erteilt Donalds eine Absage. Seine politische Karriere begann Donalds als Teil der Tea Party Bewegung, die als Reaktion auf die Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2008 entstand. Donalds, geboren und aufgewachsen wie Trump in New York City, hat einen Bachelor of Science in Finanzen und Marketing inne.
Was für eine VP-Kandidatur aus der Sicht Trumps von Byron Donalds spricht: Alter, Ethnie, Loyalität.
Was gegen eine VP-Kandidatur aus der Sicht Trumps von Donalds spricht: Keine Regierungserfahrung, ist wie Trump in Florida registriert.
Tulsi Gabbard: Die Sahra Wagenknecht der USA
Die 42-jährige Tulsi Gabbard errang Bekanntheit über die USA hinaus, als sie im Jahr 2020 an den demokratischen Präsidentschaftsvorwahlen teilnahm – und mit alten Denkmustern brach. Unter anderem warb die damals noch als Abgeordnete des U.S. Repräsentantenhaus (2013 – 2021) amtierende Gabbard für einen Abzug der US-Truppen aus dem Ausland. Militäroperationen der USA lehnt Gabbard nämlich aus eigenen Erfahrungen ab. 2004 meldete sie sich noch freiwillig für einen Einsatz im Irak in einer Sanitätseinheit, 2008 und 2009 war Gabbard Zugführerin einer Militärpolizeieinheit in Kuwait.
Im Jahr 2022 verließ die auf Hawaii lebende Gabbard die Demokratische Partei, da diese laut Gabbard Rassismus gegen Weiße fröne und die Ideologie der wokeness propagiere. Nach Beginn der vollumfänglichen russischen Invasion der Ukraine veröffentlichte Gabbard ein Video auf Twitter (heute: X), welches die Verschwörungstheorie verbreitete, dass die USA Labore für biologische Forschungsprojekte betreiben würden. Die Russische Föderation benutzte dieses Video zur Begründung ihres Angriffskrieges. Gabbard und Trump tauschen sich mittlerweile regelmäßig zur Sicherheitspolitik aus.
Was für eine VP-Kandidatur aus der Sicht Trumps von Tulsi Gabbard spricht: Alter, Geschlecht, sicherheitspolitische Einstellung.
Was gegen eine VP-Kandidatur aus der Sicht Trumps von Gabbard spricht: Keine Regierungserfahrung, ehemalige Demokratin, Individualität.
Kristi Noem: Konservative mit Regierungserfahrung
Kristi Noem gehört zu den beliebtesten Republikanerinnen unter konservativen US-Amerikanern. Seit dem Jahr 2019 amtiert die 52-Jährige als Gouverneurin des Bundesstaates South Dakota. Zuvor war Noem, die ihre politische Karriere in der Tea Party Bewegung begann, zwischen 2011 und 2019 Abgeordnete des U.S. Repräsentantenhauses.
Noem setzt sich aktiv für den Lebensschutz und für ein weitestgehend unbeschränktes Recht auf Waffenbesitz ein. Gleichgeschlechtliche Eheschließungen lehnt sie ab. Während der Coronavirus-Pandemie verhängte Gouverneurin Noem die geringsten Einschränkungen unter allen Bundesstaaten, was neben ihrer politischen Einstellung jedoch auch mit der ländlich geprägten Struktur South Dakotas zu tun hatte: Deutschland ist nur 1,5mal größer als South Dakota, doch in dem US-amerikanischen Staat leben gerade einmal 890.000 Menschen.
Was für eine VP-Kandidatur aus der Sicht Trumps von Kristi Noem spricht: Geschlecht, Regierungserfahrung, konservative Einstellung.
Was gegen eine VP-Kandidatur aus der Sicht Trumps von Noem spricht: Kommt aus einem sicher republikanisch wählenden Bundesstaat.
Vivek Ramaswamy: Der Mini-Trump
Der 38-jährige Unternehmer Vivek Ramaswamy versuchte sein erstmaliges politisches Glück als Teilnehmer bei der republikanischen Präsidentschaftsvorwahl 2024. Dabei mutierte Ramaswamy, insbesondere während der Fernsehdebatten, zu einer jüngeren Kopie von Trump. Zeitweise gute Umfragewerte konnte Ramaswamy jedoch nicht in einen Erfolg bei der ersten Vorwahl in Iowa ummünzen, so dass er seine Präsidentschaftskandidatur frühzeitig beendete. Seitdem unterstützt Ramaswamy leidenschaftlich die Kampagne von Trump.
Was für eine VP-Kandidatur aus der Sicht Trumps von Vivek Ramaswamy spricht: Alter, Ethnie, Loyalität, politische Einstellung.
Was gegen eine VP-Kandidatur aus der Sicht Trumps von Ramaswamy spricht: Keine Regierungserfahrung, steht gerne selbst im Rampenlicht.
Ron DeSantis: Trumps Ziehsohn auf Abwegen
Im Jahr 2022 wurde Ron DeSantis mit einem Erdrutschsieg als Gouverneur von Florida wiedergewählt. Ein Duell mit Trump um die republikanische Präsidentschaftskandidatur zeichnete sich ab. Doch dann begann DeSantis‘ lange Fehlerkette, begonnen mit einem von ihm zu stark zugespitzten Kulturkampf bis hin zu einer mangelhaften Organisation seiner Wahlkampagne.
Nach der Vorwahl in Iowa zog DeSantis seine Teilnahme an den republikanischen Präsidentschaftsvorwahlen zurück, kritisierte jedoch weiterhin seinen einstigen Unterstützer Trump. Gleichwohl DeSantis auf der Liste möglicher Vizepräsidentschaftskandidaten von Trumps Kampagne steht, gilt es als fraglich, ob der Gouverneur von Florida hierfür überhaupt bereitstehen würde.
DeSantis‘ Vorstellungsartikel „Ron De Santis und sein Projekt Make America Florida“ zur republikanischen Präsidentschaftsvorwahl (Klick hier).
Was für eine VP-Kandidatur aus der Sicht Trumps von Ron DeSantis spricht: Alter, Regierungserfahrung, politische Einstellung.
Was gegen eine VP-Kandidatur aus der Sicht Trumps von DeSantis spricht: Illoyalität, ist wie Trump in Florida registriert.
Tim Scott: Der fröhliche konservative Kämpfer
U.S. Senator Tim Scott versuchte während der republikanischen Präsidentschaftsvorwahlen 2024 eine optimistische konservative Botschaft zu verbreiten. Damit setzte sich der Afroamerikaner aus South Carolina von seinen Konkurrenten deutlich ab, zeichneten diese doch eher ein dunkles Bild von den USA. Schon vor der ersten Vorwahl merkte Scott jedoch, dass für ihn noch nicht die Zeit für eine erfolgreiche Präsidentschaftskandidatur gekommen sei, so dass er seit seinem Ausstieg Ex-Präsident Trump unterstützt.
Scotts Vorstellungsartikel „Ein fröhlicher Kämpfer mit Ambitionen auf das Weiße Haus“ zur republikanischen Präsidentschaftsvorwahl (Klick hier).
Was für eine VP-Kandidatur aus der Sicht Trumps von Tim Scott spricht: Ethnie, Loyalität, Lebensgeschichte.
Was gegen eine VP-Kandidatur aus der Sicht Trumps von Scott spricht: Keine Regierungserfahrung, kommt aus einem sicher republikanisch wählenden Bundesstaat.
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Seit zehn Jahren führt die Russische Föderation Krieg gegen die Ukraine. Kam es im Jahr 2014 zunächst zur völkerrechtswidrigen Annexion der ukrainische Halbinsel Krim durch Russland sowie zu ersten militärischen Auseinandersetzungen im Donbas zwischen der ukrainischen Armee und von Moskau unterstützten „Separatisten“, folgte am 24.02.2024 die vollumfängliche russische Invasion der Ukraine.
Seit mittlerweile zwei Jahren begehen russische Soldaten Kriegsverbrechen an Ukrainern. Zivilisten, auch Frauen und Kinder, werden von Russen gefoltert, vergewaltigt, massakriert. Doch, und gerade auch deswegen, kämpfen Ukrainer weiter um ihr territoriales und kulturelles Überleben. Denn Russland führt, eigentlich unvorstellbar im 21. Jahrhundert, ganz offen einen Vernichtungskrieg gegen das ukrainische Volk.
Vor diesem Hintergrund zieht der nachfolgende Beitrag eine Bilanz zu zwei Jahren russischem Angriffskrieg auf die Ukraine. Dabei wird unter anderem die bisherige Unterstützung des Westens unter Führung der Vereinigten Staaten von Amerika bilanziert, die gesellschaftliche Stimmung in den USA betrachtet und die Position der Präsidentschaftskandidaten zur Thematik unter die Lupe genommen.
Wie stark haben die USA bislang die Ukraine in ihrem Freiheitskampf unterstützt?
Laut dem Kiel Institut für Weltwirtschaft haben die USA die Ukraine in den ersten beiden Kriegsjahren mit 67,7 Milliarden € unterstützt. Davon entfielen 42,2 Milliarden € auf militärische, 1,5 Milliarden € auf humanitäre und 24,0 Milliarden € auf finanzielle Hilfen. Diese Unterstützungsleistungen entsprechen 0,3% des US-amerikanischen Bruttoinlandsprodukts. Kein anderes Land hat bislang die Ukraine in absoluten Zahlen so stark unterstützt wie die USA.
Zum Vergleich: Deutschland hat der Ukraine bislang militärische Ausrüstung im Wert von 17,2 Milliarden € (Rang 2), 2,9 Milliarden € humanitäre Hilfen sowie 1,4 Milliarden € finanzielle Unterstützung zugesagt. Für Geflüchtete wurden monetäre Mittel in der Höhe von 21,4 Milliarden €, einen ähnlichen Betrag brachte auch das ökonomisch schwächere Polen auf, aufgewendet. Alle deutschen Leistungen zusammen entsprechen 0,6% des BIP. Die meisten Anstrengungen in Bezug auf das eigene Bruttoinlandsprodukt wandten Estland (3,6% des BIP) und Dänemark (2,4% des BIP) auf.
Wie denken US-Amerikaner über den russischen Angriffskrieg und die US-Hilfen für die Ukraine?
Laut repräsentativen Umfragen des Pew Research Center sind 74% der US-Amerikaner der Meinung, dass der Krieg in Osteuropa im nationalen Interesse der USA sei. 59% der US-Amerikaner weisen an dem Krieg ein persönliches Interesse auf. Im Vergleich mit dem gegenwärtig ausgetragenem Konflikt zwischen der islamistischen Terrororganisation der Hamas und Israel ist das Interesse für den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine geringer.
Laut einer repräsentativen Umfrage von Gallup sprechen sich nur 18% der US-Amerikaner für mehr Waffenlieferungen an die Ukraine aus. 29% der US-Amerikaner finden die qualitative wie quantitative Militärhilfe in dem Ausmaß, wie diese in den ersten beiden Jahren vonstatten ging, so in Ordnung. 31% der US-Amerikaner, darunter überproportional viele Anhänger der Republikanischen Partei (48%), sind der Auffassung, dass die USA bisher zu viele Waffen an die Ukraine lieferten.
Wie sieht es mit zukünftigen US-Hilfen für die Ukraine aus?
Die bisherigen genehmigten US-Hilfen für die USA wurden zu Beginn des Jahres 2024 aufgebraucht. Präsident Joe Biden hat infolgedessen für das Haushaltsjahr 2024 ein Gesamtpaket von $ 105 Milliarden für die Ukraine, Israel, Taiwan sowie für die Grenzsicherung beim U.S. Kongress angefragt. Aus diesem Paket sollen $ 61,4 Milliarden für die Ukraine verwendet werden.
Das Paket kann jedoch seit Wochen nicht verabschiedet werden, da sich beide Parteien nicht auf einen Kompromiss zur Behebung der Migrationskrise verständigen können und SpeakerMike Johnsonwegen innerparteilichen Drucks vom MAGA-Flügel kein unabhängiges Votum über US-Hilfen für die Ukraine ansetzen will.
This visit is a solid message from the United States and the American people. It shows that the U.S. support… pic.twitter.com/hjSYvmzFWd
— Volodymyr Zelenskyy / Володимир Зеленський (@ZelenskyyUa) February 23, 2024
Welche Erfolge kann die Ukraine bislang vorweisen?
Nach zwei Jahren Krieg hat die Ukraine einige Erfolge zu verbuchen. Das Land ist weiterhin souverän. Die russischen Truppen wurden kurz vor Kyiv zurückgeschlagen, der Oblast Charkiw im Nordosten des Landes wurde ebenso weitestgehend befreit wie die Großstadt Kherson im Süden. Dennoch besetzen die russischen Truppen weiterhin ein Fünftel des ukrainischen Territoriums und konnten zuletzt die Kleinstadt Awdijiwka erobern. Zu einem weiteren Erfolg der Ukraine gehört die Auflösung der russischen Blockade ukrainischer Häfen am Schwarzen Meer.
Welche Position nehmen die Präsidentschaftskandidaten zum Krieg ein?
Die Ukrainer sind bereit ihr eigenes Land selbst zu verteidigen, die USA schnüren gemeinsam mit ihren Verbündeten die hierfür überlebensnotwendigen Waffenpakete. Ohne das diesbezügliche Engagement von Präsident Bidenwürde es wohl keine freie Ukraine mehr geben. Präsident Biden wird nicht müde zu betonen, dass er die Ukraine „so lange unterstützen will, wie es nötig ist“.
Diese Wortwahl unterstreicht zwar, dass die USA die Ukraine, zumindest offiziell und falls nötig, langfristig unterstützen würden. Doch suggeriert es auch, dass Präsident Biden nicht dazu bereit ist, der Ukraine die gesamte nötige militärische Ausstattung zur Verfügung zu stellen, um alle besetzten Gebiete befreien zu können.
Die oberste Priorität von Präsident Biden ist vielmehr, dass Russland seinen Angriffskrieg auf die Ukraine nicht auf weitere NATO-Länder ausweitet. Um dies zu erreichen hat Präsident Biden sogar ukrainische Gebietsabtretungen für in Ordnung befunden, solange ein restlicher souveräner ukrainischer Staat weiterbestehen würde.
Das Ziel der territorialen Begrenzung des Krieges ist verständlich. Mit dem Zeigen von Stärke wäre die Zielerreichung allerdings erfolgsversprechender. So urteilt beispielsweises Dr. Stefanie Babst, ehemalige leitende Mitarbeiterin des Internationalen Stabs der NATO, dass „zu wenig, zu langsam“ an militärischer Ausstattung geliefert werde. Präsident Biden hält jedoch weiterhin an seiner bisherigen Ukraine-Politik fest.
Donald Trump wiederum würde es laut eigener Aussage schaffen den „Krieg innerhalb von 24 Stunden zu beenden“. Um dies zu erreichen brachte Trump Gebietsabtretungen von Seiten der Ukraine ins Spiel, da nach seiner Aussage ja ohnehin schon „russischsprachige Gebiete“ existieren würden. Die US-Hilfen für die Ukraine sieht Trump infolgedessen skeptisch. Diese würden den Krieg vielmehr verlängern und noch weitere Opfer fordern.
Zuletzt schlug Trump allerdings US-Hilfen als Darlehen für die Ukraine vor, was wiederum seine Inkonsistenz in diesem Themenbereich unterstreicht. Gegenüber europäischen Hilfen für die Ukraine hat Trump nichts einzuwenden, in den vergangenen Wochen forderte er sogar verstärkte europäische Waffenlieferungen an die Ukraine.
Wie lernfähig war bislang der Westen im Umgang mit Russland?
Wenig. West-Europa lässt sich weiterhin von einem naiven Russland-Bild leiten. Dementsprechend wird wenig Eigenverantwortung in Bezug auf die langfristige und nachhaltige Stärkung des eigenen Militärs und bezüglich eigener Waffenlieferungen an die Ukraine an den Tag gelegt. Bis März 2024 versprachen die Länder der Europäischen Union der Ukraine beispielsweise die Lieferung von 1 Million Schuss Munition – geliefert wurden bislang nur 300.000 Schuss Munition. Anstatt sich selbstkritisch mit diesem Versagen auseinanderzusetzen, wird mit dem Finger zu oft auf die USA gezeigt.
Doch auch die Biden-Administration ist nicht ohne Fehler. Zu häufig wird, wie auch in West-Europa, von „Putins Krieg“ gesprochen, so dass einerseits die russische Bevölkerung aus der Verantwortung genommen wird. Die überwältigende Mehrheit der Russen unterstützt nämlich die Aggression gegen die Ukraine. Andererseits wird hierdurch die historische Komponente außer Acht gelassen, gehen russische imperialistische Bestrebungen ja nicht auf Vladimir Putin, sondern auf das Zarenreich zurück. Der russische Imperialismus ist infolgedessen tief in der Gesellschaft verwurzelt.
Diese Fehleinschätzungen hat Präsident Biden bislang ebenso wenig korrigiert wie die zurückhaltende Position bei der Lieferung von Waffen und die mangelnde Definition des Kriegsziels. Den russischen Aggressor wird die Ukraine nämlich nicht vollständig aus dem eigenen Land drängen können, wenn das Weiße Haus weiterhin die hierfür notwendigen Waffen, obwohl ausreichend im Bestand, nicht liefert.
Weiterführende Leseempfehlungen
Auf „1600 Pennsylvania“ wurden schon zahlreiche Beiträge zum russischen Angriffskrieg auf die Ukraine publiziert. Auf eine Auswahl soll an dieser Stelle erneut hingewiesen werden:
„Richard Nixons Blick in die Glaskugel“ (Klick hier): Schon im Jahr 1994 warnte der einstige US-Präsident Richard Nixon vor dem russischen Imperialismus und vor einem erneuten großen Krieg in Europa.
„Ignorierte Warnungen“ (Klick hier): Nicht nur Richard Nixon sah schon in den 1990er Jahren den historisch gewachsenen russischen Imperialismus als Bedrohung für den Weltfrieden. Auch in den 2000er Jahren warnten unter anderem George W. Bush, Mitt Romney oder John McCain vor einem weiterhin aggressiv auftretendem Russland. Doch die Warnungen wurden, insbesondere von den politisch Verantwortlichen in Berlin, ignoriert.
„Boltons ungehörte Warnung“ (Klick hier): Eine Schlüsselrolle bei der vollumfänglichen russischen Invasion der Ukraine spielte Alexander Lukashenko, da nur über dessen Republik Belarus die russischen Truppen auf dem kürzesten Weg gen Kyiv marschieren konnten. Dies war auch möglich, da der Westen in den Beziehungen zu Belarus, insbesondere nach den Massendemonstrationen des Jahres 2020, zu kurzfristig dachte und keine langfristige Strategie erarbeitete. John Bolton, einst Nationaler Sicherheitsberater unter Präsident Trump, sah die strategische Bedeutung von Minsk frühzeitig.
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Die vollumfängliche russische Invasion der #Ukraine jährt sich in diesen Tagen zum zweiten Mal.
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