Am 11. September 2001 ereignete sich der bis dato weltweit tödlichste Terrorangriff. Insgesamt verloren 2.996 Menschen unmittelbar ihr Leben. Sogar noch weitaus mehr Personen starben an den Folgen des Terroranschlags, beispielsweise auf Grund von Atemwegserkrankungen, die durch den Einsturz der Wolkenkratzer ausgelöst wurden. Mehr als 6.000 Menschen erlitten, teils schwere, Verletzungen.
Geplant von al-Kaida-Anführer Osama bin Laden entführten an jenem Dienstag 19 Islamisten vier Passagierflugzeuge. Die Selbstmordattentäter steuerten zwei Maschinen in die beiden Türme des World Trade Center zu New York City, wobei 2.753 Personen getötet wurden. Ein weiteres Flugzeug flog in das Pentagon in Washington D.C. und tötete 184 Menschen. Eine vierte Maschine stürzte über Pennsylvania ab, nachdem die Passagiere die Terroristen überwältigen konnten.
Mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in New York City, Washington D.C. und Pennsylvania sagte der radikale islamistische Terrorismus dem Westen unmissverständlich den Kampf an. Eine neue Zeitrechnung begann. Die USA nahmen die Herausforderung an, riefen unter Präsident George W. Bush den Krieg gegen den Terror aus. Streitbare Kriege in Afghanistan – zunächst gegen die für die Anschläge verantwortliche Organisation al-Kaida, später gegen die regierende fundamentalistische Taliban – und im Irak folgten.
Unter der Führung von Präsident Barack Obama wurde am 02. Mai 2011 bin Laden zur Verantwortung gezogen. In Abbottabad, Pakistan, spürten US-Spezialeinheiten den Terrorfürsten auf und erschossen bin Laden bei der Erstürmung seines Anwesens. Zum zwanzigsten Jahrestag des Terroranschlags erfolgte sodann der von Präsident Joe Biden befehligte, jedoch wenig durchdachte und letztendlich chaotische, Abzug der letzten in Afghanistan verbliebenen Truppen.
Die Taliban herrschen seitdem wieder über das Land, versprachen jedoch zuvor in Verhandlungen mit den USA keine Terrornetzwerke mehr auf ihrem Staatsgebiet zu dulden. Nichtsdestotrotz hielt sich Aiman al-Sawahiri, Nachfolger bin Ladens als al-Kaida-Chef, im August 2022 in der afghanischen Hauptstadt Kabul auf. US-Geheimdienste spürten ihn auf, ein US-Drohnenangriff eliminierte sodann al-Sawahiri. Gleichwohl aus der öffentlichen Debatte nahezu verschwunden, ist der Kampf gegen den weltweiten islamistischen Terrorismus auch 22 Jahre nach 9/11 noch lange nicht abgeschlossen.
Die Chronologie der Ereignisse
08:46 Uhr Ortszeit (14:46 Uhr MEZ): Flug AA 11 schlägt im Nordturm des World Trade Center ein.
09:03 Uhr (15:03 Uhr MEZ): Flug UA 175 schlägt im Südturm des World Trade Center ein.
09:37 Uhr (15:37 Uhr MEZ): Flug AA 77 fliegt in das Pentagon.
09:59 Uhr (15:59 Uhr MEZ): Der Südturm des World Trade Center stürzt ein.
10:03 Uhr (16:03 Uhr MEZ): Flug UA 93 stürzt bei Shanksville ab.
10:28 Uhr (16:28 Uhr MEZ): Der Nordturm des World Trade Center stürzt ein.
So berichteten deutsche Nachrichtensendungen
ZDF heute, 19 Uhr MEZ
ARD Tagesschau, 20 Uhr MEZ
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Im Jahr 2004 stürmte Frank Schirrmacher (†2014) mit seinem Buch „Das Methusalem-Komplott“ die Bestsellerliste. Der einstige Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung thematisierte hierin die demographische Entwicklung Deutschlands. Die Gesellschaft der Bundesrepublik werde, so Schirrmacher, zunehmend vergreisen, da die Geburtenrate konstant deutlich unter der Reproduktionsrate von 2,1 Geburten pro Frau liege.
Schirrmacher löste mit seinem Werk eine so breite Debatte aus, dass er vom Medium Magazin zum Journalisten des Jahres gewählt wurde. Der Verdienst von Schirrmacher lag darin ein breiteres Publikum für eine langfristige politische und gesellschaftliche Herausforderung zu sensibilisieren. Insbesondere die Sozialsysteme und die Wirtschaft werden zukünftig vor enormen Problemen gestellt werden.
Knapp zwanzig Jahre später haben Lösungsmöglichkeiten zur Abfederung des demographischen Wandels zwar Einzug in Wahlprogramme und in die Berichterstattung erhalten. Doch nachhaltige Veränderungen sind bis dato nicht zu vermelden. Der Sozialstaat wurde weder demographiefest umgebaut noch ist eine Trendwende bei den Geburtenzahlen festzustellen. Im Jahr 2022 sank die Geburtenrate in Deutschland sogar auf 1,46 Kinder pro Frau. Gleichbedeutend mit 7% weniger Neugeborenen im Vergleich zum Vorjahr.
In den USA haben die Alten das politische Sagen
Das Durchschnittsalter der in Deutschland lebenden Bevölkerung stieg folglich auf 44,7 Jahre im Jahr 2021 an. Auch das Medianalter der US-Amerikaner ist zuletzt angestiegen, liegt allerdings mit 38,8 Jahren im Jahr 2021 deutlich unter dem deutschen Schnitt. Die politische Führung der USA macht hingegen dem Methusalem, der mit 969 Jahren als der Ur-Vater schlechthin im Alten Testament beschrieben wird, alle Ehre.
Freilich sind an dieser Stelle Präsident Joe Biden und dessen Vorgänger Donald Trump zu nennen, die mit 82 Jahren respektive 78 Jahren im Januar 2025 jeweils eine zweite Amtszeit im Weißen Haus anstreben. Dabei sollte für nur 3% der US-Amerikaner laut einer repräsentativen Umfrage des Pew Research Center der amtierende US-Präsident älter als 70 Jahre alt sein. Für eine relative Mehrheit der US-Amerikaner (49%) sollte der Hausherr von 1600 Pennsylvania Avenue indes zwischen 50 und 59 Jahren sein.
73% der US-Amerikaner sind der Meinung, dass Präsident Biden zu alt für eine zweite Amtszeit sei. 47% der US-Amerikaner denken dies über Trump.
Quelle: Repräsentative Umfrage von The Wall Street Journal.
Umfragen, die – theoretisch – Rückenwind für die Präsidentschaftskandidatur von Nikki Haley geben. Die ehemalige US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen und Gouverneurin von South Carolina würde nämlich einerseits am Tag ihrer möglichen Amtseinführung am 20.01.2025 53 Jahre alt werden. Andererseits thematisiert Haley das Problem einer alternden politischen Klasse unaufhörlich:
Der U.S. Senat ist das privilegierteste Pflegeheim im Land.
Nikki Haley bei Fox News.
Mitch McConnell und Dianne Feinstein als Negativbeispiele
Was bei einer oberflächlichen Betrachtung wie eine Altersdiskriminierung klingen mag, ist doch gut begründet wie im weiteren Verlauf an den U.S. Senatoren Mitch McConnell und Dianne Feinstein aufgezeigt werden soll. Der Gesundheitszustand von McConnell sorgte zuletzt sogar für Schlagzeilen über die Landesgrenzen der USA hinaus, als der seit 2007 amtierende republikanische Fraktionsvorsitzende bei Pressekonferenzen im Juli für 20 Sekunden und im August für 30 Sekunden erstarrte.
Ob es sich hierbei um die Folgen einer Gehirnerschütterung handelte, die McConnell nach einem Sturz im März 2023 erlitt, ist unklar. Das Büro von McConnell versucht so wenig wie möglich über den Gesundheitszustand des 81-Jährigen mitzuteilen. Hinter verschlossenen Türen soll es diesbezüglich auch schon Kritik von Parteikollegen gegeben haben, schließlich ist der seit 1985 amtierende McConnell als Minderheitsführer der mächtigste Republikaner im U.S. Senat. Zudem stellt sich für die Republikanische Partei die Frage, wie das Alter von Präsident Biden im Wahlkampf thematisiert werden kann, wenn die eigenen Führungsfiguren wie Methusalem wirken.
Ebenso wenig von der Macht lassen kann trotz voranschreitendem Alters und schwindender Kräfte die demokratische U.S. Senatorin Feinstein. Die 90-Jährige vertritt ihren Bundesstaat Kalifornien seit 1992 im U.S. Senat, zuvor war sie zwischen 1978 und 1988 als Bürgermeisterin von San Francisco tätig. Spätestens seit dem Jahr 2020 lässt ihre kognitive Leistungsfähigkeit spürbar nach.
Bei öffentlichen Anhörungen wiederholte Feinstein Fragen mehrmals, ohne zu wissen, dass sie diese Fragen schon stellte. Bei Abstimmungen ist Feinstein auf Hilfe ihrer Kollegen und Mitarbeiter angewiesen. Erst als die innerparteiliche Kritik an ihr größer wurde, zog sich Feinstein als Ausschuss-Vorsitzende zurück. Im Februar 2023 folgte sodann der unfreiwillige Verzicht auf eine erneute Senatskandidatur im Jahr 2024.
Haley polarisiert mit ihren Vorschlägen
Wie also umgehen mit mächtigen U.S. Senatoren, die schon seit Jahrzehnten immer wieder als Volksvertreter nach Washington D.C. entsendet werden, jedoch weder mit ihrem fortschreitendem Alter noch mit ihren gesundheitlichen Beeinträchtigungen verantwortungsbewusst umgehen? Zur Problemlösung hat Haley einerseits eine Ausweitung der Amtszeitbeschränkung, die bislang auf Bundesebene nur für den Präsidenten gilt, auf Mitglieder des U.S. Kongresses gefordert. Politische Karrieren der Bidens, Feinsteins oder McConnells wären damit ein Riegel vorgeschoben.
Andererseits sollte es laut Haley zukünftig mentale Tests für gewählte Politiker ab einem Alter von 75 Jahren in Washington D.C. geben. Ein Vorschlag, der für Kontroversen in den USA sorgte. Doch ist es letztendlich eine mögliche Problemlösung, die auch die Verzweiflung gegenüber das oftmals wenig durchdachte Wahlverhalten der Bevölkerung widerspiegelt wie Haley bei Face The Nation unterstrich:
Wir müssen damit aufhören, Personen zu wählen, die gut in Bildern aussehen oder die ein Baby gut halten können. Wir müssen damit aufhören Personen zu wählen, weil wir sie mögen und weil sie schon ewig da sind. Wir brauchen Amtszeitbeschränkungen, weil wir neue Ideen benötigen, neue Lösungen.
Nikki Haley bei Face The Nation auf CBS.
Ob der Appell von Nikki Haley an die Wählerschaft und an den U.S. Kongress fruchten wird? Die Zeit für Reformen drängt. Denn schon Frank Schirrmacher stellte in seinem Werk „Das Methusalem-Komplott“ fest, dass mit einer alternden Gesellschaft auch ein Clash of Generations einhergehen könnte.
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„1600 Pennsylvania“ informiert über die aktuellsten repräsentativen Umfragen rund um US-amerikanische Politik (Pfeil nach oben/unten: Wert ist zum Vormonat gestiegen/hat abgenommen). Quellen, falls nicht anders angegeben, sind die auf Real Clear Politics veröffentlichten Durchschnittswerte der wichtigsten Umfrageinstitute.
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Harold Hamm lässt selbst den einstigen Immobilienmogul Donald Trump arm aussehen. Hamms Vermögen wird nämlich laut Forbes auf $49,3 Milliarden geschätzt. Der ehemalige US-Präsident kommt hingegen auf „gerade einmal“ $3 Milliarden. Infolgedessen ist es wenig verwunderlich, dass Amerikas Politiker um die Gunst des Magnaten der Öl- und Gasindustrie buhlen.
Trump muss Hamm jedoch nicht mehr um Wahlkampfspenden bitten. Der 77-jährige Unternehmer aus Oklahoma hat Trump nämlich schon im Mai mitgeteilt, dass der 45. US-Präsident seiner Auffassung nach die Präsidentschaftswahl 2024 nicht gewinnen könne. Hamm zog aus seiner Meinung die Konsequenz und wird Schecks an andere republikanische Präsidentschaftskandidaten ausstellen.
Negative Wahlbilanz für Trump
Gleichwohl Trump die Umfragen zu den republikanischen Vorwahlen dominiert, ist Hamms Auffassung gut begründet. Einerseits weist Trump nämlich eine negative Wahlbilanz auf. Zwar gewann Trump 2016 dank einer gut durchdachten Wahlkampfstrategie, es wurde sich auf den von Demokraten vernachlässigten Rust Belt konzentriert, die Präsidentschaftswahl. Doch schon damals votierten 2.868.686 mehr US-Amerikaner für die demokratische Kandidatin Hillary Clinton.
Vier Jahre später konnte Trump als Präsident zwar mehr als zwölf Millionen Wählerstimmen hinzugewinnen. Die Präsidentschaftswahl 2020 verlor Trump dennoch, da bei einer höheren Wahlbeteiligung der demokratische Herausforderer Joe Biden mit 81.268.924 Stimmen so viele Wähler auf sich vereinen konnte wie kein anderer Präsidentschaftskandidat vor ihm.
In Bezug auf die Wahlen zum U.S. Kongress zeichnet sich ein ähnliches Bild. Gleichwohl es üblich ist, das die Partei des Präsidenten bei Zwischenwahlen an Zustimmung verliert, blieb die Republikanische Partei auch im Jahr 2022 hinter ihren Erwartungen zurück. Zwar konnte die Mehrheit im U.S. Repräsentantenhaus errungen werden. Allerdings fiel diese weitaus geringer als erwartet aus. Des Weiteren schnitten bei den Wahlen zum U.S. Senat insbesondere die von Trump unterstützten Kandidaten vergleichsweise schlecht ab. Die Folge: Demokraten konnten ihre knappe Senatsmehrheit behaupten.
Anklagen als Bürde im Hauptwahlkampf
Neben Trumps durchwachsener Wahlbilanz erweisen sich andererseits die zahlreichen Anklagen gegen ihn als wenig vorteilhaft für einen möglichen Hauptwahlkampf gegen Präsident Biden. Bei Veröffentlichung dieses Beitrag wurde Trump bereits in drei Fällen angeklagt, weitere Anklagen gelten als wahrscheinlich.
Am 30.03.2023 entschied die Grand Jury von Manhattan im Fall der Pornodarstellerin Stormy Daniels, die Schweigegeldzahlungen erhielt, Anklage gegenüber Trump zu erheben. Gleichwohl solche Zahlungen in New York nicht strafbar sind, könnten diese dennoch nicht gesetzeskonform von statten gegangen sein. Explizit wird hierbei der Frage nachgegangen, ob Daniels‘ Schweigen Trump im Wahlkampf 2016 half. Dies wiederum würde eine unerlaubte Wahlkampfspende darstellen.
Am 08.06.2023 wurde Trump in sieben Punkten in der Affäre um Geheimdokumente angeklagt. Vorausgegangen war die Beschlagnahmung von geheimen Dokumenten durch das FBI in Trumps Privatanwesen in Mar-a-Lago, FL, im August 2022.
51% der US-Amerikaner sind der Meinung, dass die Vorwürfe gegen Trump rund um die versuchte Wahlbeeinflussung sehr schwerwiegend sind.
Repräsentative Umfrage von ABC News/ IPSOS.
Die dritte Anklage gegen Trump wurde am 01.08.2023 wegen des Versuchs der Wahlbeeinflussung erhoben. Explizit wirft die Anklageschrift Trump folgende Punkte vor: Behinderung eines offiziellen Verfahrens, Verschwörung zur Behinderung eines offiziellen Verfahrens, Verschwörung zum Betrug an den USA sowie Verschwörung, um andere an der Ausübung ihrer verfassungsmäßigen Rechte zu hindern.
Trump würde erneut anderen Themen „die Luft“ nehmen
Sollte die republikanische Basis erneut Trump als ihren Präsidentschaftskandidaten nominieren, wären die Themen des Wahlkampfs schon gesetzt. Es würde mehr über Trumps Anklagen, dessen Skandale und Verhaltensweisen diskutiert werden als über explizite politische Vorschläge zur Verbesserung der Lebensbedingungen in den USA.
Darüber hinaus könnte die Republikanische Partei kaum die Schwächen von Präsident Biden zu ihren Gunsten ausspielen. Beispielsweise sind die Zustimmungswerte des demokratischen Amtsinhabers teils noch niedriger als einst von Trump im Weißen Haus. Des Weiteren lassen die kognitiven Fähigkeiten von Biden auf Grund seines fortgeschrittenen Alters, er ist der erste Präsident über 80 Jahre, offensichtlich nach. Die juristischen Probleme des Präsidentensohnes Hunter Biden würden sich zudem im Vergleich zu Trumps Anklagen marginalisieren.
Wie sich Republikaner von Trump „befreien“ könnten
Trotz, oder in Bezug auf die juristischen Auseinandersetzungen auch wegen, all dieser Probleme, die mit einer erneuten Nominierung von Trump als Präsidentschaftskandidat der Republikanischen Partei auftreten würden, sind republikanische Politiker und Gönner angehalten smarte, vielleicht auch ungewöhnliche, Entscheidungen zu treffen. Dies trifft insbesondere auf die Größe des Kandidatenfeldes bei den Vorwahlen zu.
Rückblick: Im Jahr 2016 bewarben sich 17 Republikaner um die Präsidentschaftskandidatur. Moderate Politiker nahmen sich gegenseitig die Stimmen weg, so dass sich Trump letztendlich durchsetzen konnte. Für das Jahr 2024 haben schon 15 Republikaner ihre Ambitionen auf das Weiße Haus offiziell gemacht. Erneut würden sich moderatere Republikaner gegenseitig klein halten während Trump, der als Ex-Präsident diesmal auch einen Bonus bei der republikanischen Basis genießt, hiervon profitieren würde.
U.S. Senator Mitt Romney hat dieses Problem erkannt und in einem Gastbeitrag für The Wall Street Journal Spender dazu aufgerufen, Druck auf die Kandidaten auszuüben, die offensichtlich keinen Pfad zur Nominierung haben, sich vom Wahlkampf zurückzuziehen. Um eine Chance für die Verhinderung von Trump zu haben, so Romney, müsste es ein Rennen zwischen dem Ex-Präsidenten und nur einem weiteren Republikaner, der vom einstigen restlichen Teilnehmerfeld unterstützt werden sollte, geben.
Gesucht: Republikaner mit Rückgrat
Laut Romney sollten sich Republikaner ein Beispiel am Wahljahr 1968 nehmen. Damals stellten sich moderate Republikaner zunächst geeint hinter seinen Vater George, später hinter Nelson Rockefeller, um Richard Nixon zu verhindern. Der Plan scheiterte, doch blieb sich die Gruppe um Romney Senior und Rockefeller ihren politischen Ansichten treu.
Übersetzt auf den Wahlkampf 2024 bedeutet dies auch, dass sich neben Chris Christie, Mike Pence und Will Hurd auch andere Präsidentschaftskandidaten deutlich von Trump distanzieren sollten. Auch wenn laut einer repräsentativen Umfrage von CNN/SSRS 69% der Republikaner der Meinung sind, dass Bidens Wahlsieg illegitim war, ist es für jeden aufrichtigen Verfechter des demokratischen politischen Systems die Pflicht den eigenen Anhängern klar zu machen, dass die US-Präsidentschaftswahl 2020 regelkonform ablief.
Ich denke, dass manche Kandidaten Trump nicht kritisieren, weil sie denken, dass es politisch nicht schlau wäre. Manche Kandidaten wiederum sprechen für eine Stelle in einer möglichen Trump-Administration vor. Wiederum andere Kandidaten haben einfach nicht die physischen Möglichkeiten für eine Auseinandersetzung mit Trump.
Chris Christie über republikanische Mitbewerber, die das Thema Trump nicht öffentlich ansprechen wollen.
Gleiches gilt für die Bewahrung des Rechtsstaates. Trump gilt zwar wie jeder andere Angeklagte bis zu seiner (möglichen) Verurteilung als unschuldig. Dies sollte auch im Wahlkampf so betont werden. Doch ist es offensichtlich, dass Trump zumindest moralisches und politisches Fehlverhalten an den Tag legte. Milliardär Harold Hamm hat dies frühzeitig im Vorwahlkampf erkannt. Ob auch das republikanische Establishment aus seinen vergangenen Fehlern lernen wird?
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Das Gros des Teilnehmerfeldes zu den innerparteilichen Präsidentschaftsvorwahlen 2024 steht. Kandidaten reisen durch die frühen Vorwahlstaaten. Die erste Fernsehdebatte der republikanischen Kandidaten wird Ende August abgehalten. Der Vorwahlkampf nimmt an Fahrt auf. Das #uswahl2024 Update informiert vor diesen Hintergründen über die wichtigsten Ereignisse rund um Amerikas Entscheidung 2024.
Die Vorwahlen
An den republikanischen Präsidentschaftsvorwahlen nehmen bislang 15 Kandidaten teil. Eine Sonderseite informiert über die Teilnehmer (Klick hier). Bei den demokratischen Vorwahlen wird Präsident Joe Biden von Marianne Williamson und Robert F. KennedyJr. herausgefordert.
Ron DeSantis entlässt ein Drittel seiner Mitarbeiter
Ron DeSantis hat sein Wahlkampfteam verkleinert. Mindestens 38 Mitarbeiter, gleichbedeutend mit einem Drittel des gesamten Mitarbeiterstabs, wurden entlassen. Der Grund: Der Vorwahlkampf des Gouverneurs von Florida verläuft bislang weniger gut als von DeSantis und dessen Gönnern erhofft. In landesweiten Umfragen zu den republikanischen Vorwahlen kommt DeSantis zwar auf Rang Zwei. Doch in den vergangenen Wochen konnte Donald Trump seinen Vorsprung auf DeSantis deutlich ausbauen. Die Kampagne soll in den nächsten Wochen grundlegend umgebaut werden.
Spendeneinnahmen im 2. Quartal 2023
Zum 15.07.2023 mussten die Präsidentschaftskandidaten ihre Spendeneinnahmen im 2. Quartal des Jahres (April – Juni) öffentlich machen. Die meisten Spenden konnten Präsident Joe Biden und Trump generieren. Es gilt jedoch zu beachten, dass die meisten Teilnehmer der Vorwahlen erst während des zweiten Quartals ihre Kandidaturen verkündeten, so dass nicht der gesamte Zeitraum zum Sammeln von Spenden genutzt werden konnte.
Kandidat
Spendeneinnahmen
Bemerkung
Kandidatur verkündet
Präsident Joe Biden
$72,0 Millionen
davon sammelte die Demokratische Partei $52,1 Millionen für Biden
25.04.2023
Donald Trump
$35,0 Millionen
davon sammelte ein Super PAC $18,0 Millionen für Trump
15.11.2022
Ron DeSantis
$20,1 Millionen
24.05.2023
Vivek Ramaswamy
$7,7 Millionen
22.05.2023
Nikki Haley
$7,3 Millionen
14.02.2023
Robert F. Kennedy Jr.
$6,4 Millionen
05.04.2023
Tim Scott
$6,1 Millionen
22.05.2023
Chris Christie
$1,7 Millionen
06.06.2023
Doug Burgum
$1,5 Millionen
Burgum hat seiner eigenen Kampagne zusätzliche $10 Millionen geliehen
07.06.2023
Mike Pence
$1,2 Millionen
Mehr als ein Viertel der Spenden kamen aus Indianapolis, IN
07.06.2023
Francis Suarez
$1,0 Millionen
14.06.2023
Marianne Williamson
$920.000
04.03.2023
Asa Hutchinson
$743.000
26.04.2023
Alle Angaben ohne Gewähr.
Erste TV-Debatte im August
Am 23.08.2023 findet im Fiserv Forum zu Milwaukee, MN, die erste Fernsehdebatte zu den republikanischen Präsidentschaftsvorwahlen statt. Der ausrichtende Fernsehsender Fox News hat Bret Baier und Martha McCallum als Moderatoren benannt. Die Debatte beginnt um 21 Uhr ET (03 Uhr MEZ).
Zur Teilnahme sind nur Kandidaten berechtigt, die a) von mindestens 40.000 unterschiedlichen Personen (darunter 200 Spender aus 20 unterschiedlichen Bundesstaaten) eine Wahlkampfspende erhalten haben sowie b) in drei landesweiten Umfragen mindestens ein Prozent erhalten haben oder in zwei landesweiten Umfragen sowie in zwei Umfragen in frühen Vorwahlstaaten mindestens ein Prozent erzielen konnten. Kandidaten müssen c) zudem versichern, den zukünftigen republikanischen Präsidentschaftskandidaten in der Hauptwahl zu unterstützen.
Erste Vorwahl terminiert
Die erste republikanische Präsidentschaftsvorwahl wird am 15.01.2024 in Iowa stattfinden. Der Hawkeye State ist traditionell der erste Bundesstaat, der über die Präsidentschaftskandidaten der jeweiligen Parteien entscheidet. Die Demokratische Partei versucht für das kommende Wahljahr jedoch einen neuen Weg einzuschlagen und die Bürger von South Carolina zuerst wählen zu lassen. Das Vorhaben stößt jedoch bislang auf Umsetzungsschwierigkeiten. Auf einer Sonderseite werden die Vorwahltermine regelmäßig aktualisiert (Klick hier).
Republikaner werben beim Lincoln Dinner um Wählerstimmen
Die meisten republikanischen Präsidentschaftskandidaten warben beim traditionellen Lincoln Dinner in Des Moines, IA, um die Gunst der Wählerschaft. Lediglich Will Hurd und Asa Hutchinson nutzten bei dieser Veranstaltung die Chance, den in Umfragen führenden und skandalgeplagten ehemaligen Präsidenten Trump deutlich zu kritisieren.
So positionieren sich die Kandidaten zur Ukraine
Am 24.02.2022 erfolgte die vollumfängliche russische Invasion der Ukraine. Seitdem wehren sich die Ukrainer tapfer. Unterstützung erfährt die Ukraine in ihrem Freiheitskampf durch westliche militärische, humanitäre und finanzielle Hilfen. Mit der US-Präsidentschaftswahl 2024 könnte sich dieses Engagement jedoch grundlegend verändern. In einem ausführlichen Beitrag auf „1600 Pennsylvania“ wurden die Positionen der (wichtigsten) Präsidentschaftskandidaten zur Thematik herausgearbeitet (Klick hier).
Die Hauptwahl
Gibt es 2024 nur vier umkämpfte Staaten?
Die USA bestehen bekanntlich aus 50 Bundesstaaten. Doch laut einer Analyse von Larry Sabato’s Crystal Ball könnten bei der Präsidentschaftswahl 2024 nur vier Staaten umkämpft sein. Diese sind nach jetzigem Stand Arizona (11 Wahlmänner), Georgia (16), Nevada (6) und Wisconsin (10). Vor diesem Hintergrund gehen Demokraten mit wahrscheinlichen 260 und Republikaner mit 235 Wahlmänner in das Votum. Für die Wahl zum Präsidenten werden 270 Wahlmänner benötigt.
Was ist das beste Alter für einen US-Präsidenten?
Eine repräsentative Umfrage des Pew Research Center hat US-Amerikaner befragt, was ihrer Meinung nach das beste Alter für einen US-Präsidenten sei. Dies sind die Ergebnisse:
Alter des Präsidenten
Für __% US-Amerikaner das beste Präsidentenalter
30er
3%
40er
17%
50er
49%
60er
24%
älter als 70
3%
Für eine relative Mehrheit der US-Amerikaner sollte der Hausherr von 1600 Pennsylvania Avenue zwischen 50 und 59 Jahre alt sein. Präsident Biden ist gegenwärtig 80 Jahre, sein größter Herausforderer Trump 77 Jahre alt.
Gruppierung No Labels beunruhigt Demokraten
Die Gruppierung No Labels versucht für einen Mittelweg zwischen den extremen Positionen beider großer Parteien zu werben. Bei einer ersten Veranstaltung im Saint Anselm College in Manchester, NH, stellte No Labels 30 politische Anliegen explizit vor. Beispielsweise sollen Abtreibungen eingeschränkt, aber nicht verboten werden oder erneuerbare Energien gefördert, aber kein Verbot von fossilen Brennstoffen geben.
An der Veranstaltung nahmen auch der demokratische U.S. Senator Joe Manchin und der einstige republikanische Gouverneur Jon Huntsman teil, die damit Spekulationen um eine gemeinsame Präsidentschaftskandidatur für No Labels anheizten. Sollte die Gruppierung einen Drittkandidaten in die kommende Präsidentschaftswahl entsenden, würde davon laut repräsentativen Umfragen der Quinnipiac University sowie von CNN/SSRS der Kandidat der Republikanischen Partei profitieren.
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