Stimmungsbarometer 11/2015: Der langsame Aufstieg des Ted Cruz

Während Hillary Clinton bei den Demokraten einen komfortablen Vorsprung genießt, kommt in den republikanischen Vorwahlkampf etwas Bewegung. Ted Cruz schließt allmählich zur Spitzengruppe auf, Dr. Ben Carson verliert leicht an Zustimmung und selbst Mitt Romney trägt seinen Part zum Stimmungsbarometer bei!

Die Grundlage für das Stimmungsbarometer 11/15 sind die durchschnittlichen Umfragewerte von Real Clear Politics für den Zeitraum zwischen dem 29.10. und 22.11.2015. Alle Angaben in Prozent und ohne Gewähr. (Grün/ Rot = Zum vorherigen Stimmungsbarometer an Prozentpunkten gewonnen/ verloren)


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Nach Bidens Entscheidung nicht in den Vorwahlkampf einzusteigen, hat Hillary Clinton nun ihren Vorsprung auf Bernie Sanders klar ausbauen können. Dies hat zur Folge, dass sich HRC schon jetzt vermehrt auf die general election konzentriert: Bei Wahlkampfveranstaltung erwähnt sie Sanders mit keinem Wort. Clintons Fokus liegt nun bei den republikanischen Konkurrenten.

NATIONAL

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VORWAHL IOWA – TOP 3

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VORWAHL NEW HAMPSHIRE – TOP 3

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Nach „ausbaufähigen“ Aussagen zu außenpolitischen Themen verliert Dr. Ben Carson erstmals wieder an Zustimmung, in Iowa musste er zudem seine Spitzenposition abgeben. Nahezu unbemerkt gewinnt Ted Cruz immer mehr an Beliebtheit, in der aktuellsten Umfrage für die Vorwahl in Iowa konnte er sogar zu Donald Trump aufschließen.

NATIONAL

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Bobby Jindal hat seine Kandidatur zurückgezogen.

VORWAHL IOWA – TOP 3

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VORWAHL NEW HAMPSHIRE – TOP 3

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Außenseiter dominieren weiterhin den GOP-Vorwahlkampf. Die Verunsicherung im Establishment ist folglich groß, so dass wieder vermehrt über einen Wahlkampfeintritt von Mitt Romney, Präsidentschaftskandidat aus dem Jahr 2012, diskutiert wird. Gleichwohl Romney dies ablehnt, hat eine repräsentative Umfrage ergeben, dass der Mormone mit 31% die Vorwahl in New Hampshire derzeit klar gewinnen würde – Trump käme lediglich auf 15%.


GENERAL ELECTION – HILLARY CLINTON VS. TOP 3 DER GOP

Bei möglichen Duellen in der general election zwischen Hillary Clinton und den derzeit in nationalen Umfragen führenden Republikanern setzen sich aktuell Dr. Carson und Marco Rubio gegen die ehemalige Außenministerin durch. HRC liegt bei diesen Vergleichen lediglich gegen Donald Trump in Front.

Nachfolgend der Vergleich zwischen Hillary und den derzeit führenden Republikanern:

CLINTON VS. TRUMP

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CLINTON VS. DR. CARSON

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CLINTON VS. RUBIO

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Die Leiden der Hillary C.

Als Hillary Clinton im April ihre Bewerbung um die demokratische Präsidentschaftskandidatur offiziell verkündete, galt sie als die unangefochtene Favoritin. Als einstige First Lady, Senatorin und Außenministerin brachte sie nicht nur immense politische Erfahrung mit in den Wahlkampf.

Auch ihre Popularitätswerte lagen im positiven Bereich (66 Prozent Zustimmung im Jahr 2012). Hillarys Zeit als oberste Diplomatin der Vereinigten Staaten hatte hierbei sicherlich einen bedeutenden Anteil. Die Nominierung schien für Clinton reine Formsache zu sein. Zumal ihre innerparteiliche Konkurrenz wenig angsteinflössend schien.

Der Aufstieg des Bernie Sanders

Vier Monate sind seit Clintons Kampagnenstart vergangen. Vier Monate in denen Massen mobilisiert wurden, tausende Amerikaner Wahlkampfkundgebungen beiwohnten. Nur kreiste diese – positive – Aufmerksamkeit nicht um Hillary, sondern um Bernie Sanders. Clintons-Traumwelt hat Risse bekommen.

Freilich sagt die Teilnehmerzahl von Wahlveranstaltungen wenig über tatsächliche Wahlabsichten aus. Ron Paul und Mitt Romney können hiervon ein Lied singen. Nichts desto trotz ist der Aufstieg des 73-jährigen Sanders bemerkenswert. Zumal er mittlerweile im wichtigen Bundesstaat New Hampshire in Umfragen vor Hillary liegt.

Wie konnte es ein unabhängiger Senator mit sozialistischem Anstrich schaffen, die große Favoritin so derart in Bedrängnis zu bringen?  Insbesondere vor dem Hintergrund, dass Amerikaner in der Regel Sozialisten meiden wie der Teufel das Weihwasser.

Hillarys e-Mail-Affäre

Die Gründe für Hillary Abschwungsphase sind vielfältiger Natur. Im Zentrum hiervon steht die e-Mail-Affäre. Anstatt wie vorgeschrieben eine Regierungsadresse und -server als Außenministerin zu verwenden, schrieb HRC ihre e-Mails über ihren privaten Account. Gespeichert wurden die Nachrichten auf einem Privatserver in ihrem Haus.

Wieder einmal konnte der Eindruck nicht verwehrt bleiben, dass sich die Clintons über dem Gesetz sehen. Dass Hillary zuletzt über ihre eigene Affäre scherzte und bei der Aufklärung des Sachverhaltes nur zögerlich mithalf verstärkte diesen Eindruck zusätzlich.

Bei ihren Wahlkampfauftritten sieht sich HRC laut eigener Aussagen nicht mit diesem Skandal konfrontiert. Repräsentative Meinungsumfragen sehen dies anders. Amerikaner verlieren immer mehr an Vertrauen gegenüber der Demokratin.

Hillary bleibt Nummer 1 der Demokraten – vorerst

Nun bleibt abzuwarten, ob HRC auch klassifizierte e-Mails auf ihrem Server speicherte. Selbst strafrechtliche Ermittlungen stehen im Raum. Allein diese Möglichkeit verunsichert die demokratische Partei, steht doch neben Hillary bisher kein präsidentieller Kandidat des Establishments bereit – ist Sanders doch spätestens bei der general election als zu weit links im politischen Spektrum zu verorten, um realistische Chancen auf einen Wahlsieg zu haben.

Trotz dieser Turbulenzen führt Hillary Clinton weiterhin unangefochten die nationalen Umfragen an, wenngleich ihr Vorsprung geschmolzen ist. Des Weiteren ist es noch sehr früh im Vorwahlkampf. Ein guter Zeitpunkt, um bestehende Unstimmigkeiten zu lösen, doch noch gestärkt in die erste Vorwahl im Februar zu gehen und einen Stolperstein für eine mögliche general election aus dem Weg zu räumen.

Dafür müsste sich Hillary jedoch – abermals – neu erfinden, sich erden. Denn ihre Krise ist hausgemacht und ihr Krisenmanagement ausbaufähig. So hat HRC ein Vakuum in der demokratischen Partei entstehen lassen, das gefüllt werden will. Vizepräsident Joe Biden steht bereit, lotet einen dritten Anlauf nach 1988 und 2008 gen Oval Office aus. Der demokratische Vorwahlkampf könnte doch noch spannend werden.

KANDIDATUR VERKÜNDET: Carly FIORINA (R)

Mitt Romney galt im Präsidentschaftswahlkampf 2012 als wenig einfühlsamer, kalter Geschäftemacher. „Kandidat ohne Eigenschaften“ titulierte gar die Süddeutsche Zeitung. Zwar steigt Romney im Jahr 2016 nicht wieder in das Rennen um das Weiße Haus ein. Dafür jedoch eine mitfühlendere Version des gläubigen Mormonen: Carly Fiorina.

Die gelernte Wirtschaftswissenschaftlerin konnte einen MBA am renommierten MIT erwerben. Fiorina kommt folglich, wie schon Romney, aus der Wirtschaft. Zwischen 1999 und 2005 war sie Chefin von Hewlett-Packard – mit einer fragwürdigen Bilanz. Dementsprechend war Fiorina maßgeblich an der Fusion zwischen HP und Compaq beteiligt, welche als Fehlentscheidung gilt.

Auch hat sie der Abbau von cirka 30.000 Stellen pünktlich zu ihrem Präsidentschaftsvorwahlkampf eingeholt. Auf Grund der Tatsache, dass Fiorina die Website carlyfiorina.org nicht registrierte, wird diese nun von einer dritten Person betrieben – um auf eben jene Entlassungen unter Fiorina aufmerksam zu machen.

Die 60-jährige Carly Fiorina gewann somit gleich zu Beginn ihrer Kampagne an Aufmerksamkeit, wenngleich wenig Positive. Ebenso musste sie sich ihren Wahlkampfstart mit gleich zwei weiteren republikanischen Kandidaten teilen: Dr. Ben Carson und Mike Huckabee verkündeten ebenfalls zu Beginn der KW 19 ihre Bewerbungen.

Ein schlechter Beginn also für Fiorina, die derzeit ohnehin unter ferner liefen bei Umfragen zur republikanischen Präsidentschaftskandidatur läuft. Dabei zeichnet sie sich bei Republikanern dadurch aus, dass Hillary Clinton bei einem möglichen – aber eher unwahrscheinlichen – Zweikampf mit ihr um 1600 Pennsylvania die Genderkarte nicht spielen könnte. Mit Kritik an der Clinton-Dynastie hält sich Fiorina somit auch nicht zurück.

Fiorina will des Weiteren damit Punkten, dass sie nicht aus dem eingesessenen Politikbetrieb stammt. Politisch ist die einstige Beraterin von John McCain im 2008er Wahlkampf als sozialkonservativ zu verorten. Fiorina kritisiert Obamas Gesundheitsreform, eine liberale Klimapolitik und Netzneutralität.

Alles andere als eine zweite politische Niederlage, 2010 verlor Fiorina die Senatswahl gegen Barbara Boxer (D) in Kalifornien, wäre für die scharfzüngige und streitlustige Texanerin eine Überraschung.


Erster Wahlwerbespot:


Website: www.carlyforpresident.com
Facebook: facebook.com/CarlyFiorina?fref=ts
Twitter: twitter.com/CarlyFiorina


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Kein Romney-Hattrick

In den vergangenen Wochen wurde über einen dritten Anlauf von Mitt Romney, republikanischer Präsidentschaftskandidat 2012, in das Weiße Haus einzuziehen, spekuliert. Doch diesen Spekulationen setzt der ehemalige Gouverneur von Massachusetts am Freitag ein Ende.

„Ich habe entschieden, dass es am besten ist, anderen Anführern der Partei die Möglichkeit zu geben, unser nächster Kandidat zu werden.“ (Mitt Romney)

Die Erklärung im Wortlaut findest du hier.

Der 6-jährige Wahlkampf des Mitt Romney ist in der Netflix-Produktion „Mitt“ eindrucksvoll dokumentiert: