„Die US-Wahl wird neue Standards setzen!“

Die Nominierungsparteitage der Demokraten und Republikaner stellen alle vier Jahre nicht nur einen – vorläufigen – Höhepunkt auf dem Weg zur Präsidentschaftswahl dar. Auch werden diese Veranstaltungen gerne von deutschen Politikern, Wahlkampfmanagern und Politikexperten besucht, um Anregungen für ihre eigene Arbeit zu bekommen.

Im neuesten HIGH-FIVE-Interview sprach #Blog1600Penn mit Karsten Dietel, Experte für den politischen Einsatz von Social Media, über seinen Besuch des republikanischen Parteitages:

Deine Eindrücke vom republikanischen Nominierungsparteitag in Cleveland?

13918467_10209974894838731_1040760290_oKarsten Dietel: Der Parteitag der Republikaner war ein unglaubliches Event. Eine Sportarena voll mit tausenden begeisterten Delegierten, ein riesiger Medienrummel mit Berichterstattern aus aller Welt, lautstarke Demonstrationen für und gegen Trump vor der Halle und vier Tage voller enthusiastischer Reden und teils skurriler Auftritte – eine einzige Politikshow.

Was sind die signifikantesten Unterschiede zu deutschen Parteiveranstaltungen?

Dietel: Parteitage in den USA und Deutschland lassen sich nur sehr schwer vergleichen; schon allein deshalb, weil die Parteien in den jeweiligen Systemen eine völlig unterschiedliche Rolle spielen.

Was aber sofort auffällt, ist der Show-Faktor. Während bei Parteitagen in Deutschland die inhaltliche Arbeit großen Raum einnimmt und allenfalls noch die Reden der Parteivorsitzenden größere Strahlkraft entwickeln, sind amerikanische Parteitage durchinszenierte Show-Events.

Im Zentrum steht der Spitzenkandidat und seine Eignung zum Präsidenten. Ziel der viertägigen Veranstaltungen ist es, ein möglichst positives Bild des Kandidaten und seiner Vorstellung für die Präsidentschaft zu zeichnen.

Neben Reden von Weggefährten und Fürsprechern dürfen Hochglanz-Spots, Jubelschilder, eine überdimensionale Bühne und selbstverständlich rot-weiß-blaue Luftballons nicht fehlen.

Welche Anregungen nimmst Du aus den USA für deutsche Wahlkämpfe mit?

Dietel: Ich persönlich war fasziniert, welche hochprofessionelle Show in Cleveland bei den Republikanern und eine Woche später in Philadelphia bei den Demokraten abgeliefert wurde und wie diese Show wiederum zu einer breiten Debatte über unterschiedlichste Punkte der einzelnen Programme in der medialen Berichterstattung geführt hat.

US-Wahlkämpfe warten traditionell mit neuen technischen Trends auf. Was sind die neuesten Entwicklungen?

Dietel: Die Kampagnen lassen sich naturgemäß während des Wahlkampfes kaum in die Karten schauen. Es ist aber offensichtlich, dass sich für die Wahlkampfführung modernster Mittel und Techniken bedient wird.

Der Wahlkampf in den USA ist extrem Daten getrieben. Wer ein Trump-Shirt kaufen will, muss selbstverständlich auch seinen Namen und seine E-Mailadresse hinterlassen, damit er später wieder kontaktiert und um eine Spende für die Kampagne gebeten werden kann.

IMG_4694Die Kampagnen versuchen ihre identifizierten Zielgruppen mit passgenauen digitalen Werbebotschaften zu erreichen und ihre Wahlkampfhelfer mit so viel Daten-Wissen wie möglich auszustatten, um sicher zu gehen, dass sie beim Canvasing auch wirklich an die richtigen Türen klopfen und nicht ihre Zeit mit einem Stammwähler des politischen Gegners „vergeuden“.

Die Sozialen Netzwerke sind ohnehin fester Bestandteil der Kampagnen – alles was Traffic auf die eigene Website bringt und ein positives Image des Kandidaten vermittelt, wird genutzt.

Trump ist der unangefochtene Twitter-König. Er schafft es, mit 140 Zeichen eine „kostenlose“ mediale Berichterstattung auszulösen, die auf allen Kanälen hoch und runter läuft. Clinton setzt auf eine wesentlich durchinszenierteren Social Media Auftritt, der Facebook, Instagram und Snapchat wunderbar integriert.

Deine Einschätzung: Wer zieht nach Barack Obama in das Weiße Haus ein?

Dietel: Schwierig. Ich bin mir nicht sicher, ob es Hillary Clinton so einfach haben wird, wie es die Meinungsumfragen oft suggerieren. Wenn Trump es tatsächlich schafft, viele bisherige Nichtwähler zu mobilisieren, gibt es vielleicht eine Überraschung. Eines ist sicher: die US-Wahl wird neue Standards setzen, wieder einmal!

Vielen Dank für die interessanten Einsichten in den US-Wahlkampf!

Die Fragen stellte Kai-Uwe Hülss.

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