Mit seinen 39,3 Millionen Einwohnern ist Kalifornien der einwohnerstärkste Bundesstaat der Vereinigten Staaten von Amerika. Eine Folge dieser hohen Population ist die Tatsache, dass der Golden State das größte Kontingent an Wahlmännern bei US-Präsidentschaftswahlen stellt. Von den insgesamt 538 Wahlleuten stammen alleine 54 aus Kalifornien. Trotz der politischen Bedeutung des an der US-Westküste gelegenen Staates stammte mit Richard Nixon erst einer der bislang 45 verschiedenen Präsidenten aus Kalifornien.
Der in Illinois geborene Ronald Reagan kann jedoch ebenso als ein aus Kalifornien stammender Präsident bezeichnet werden, zog dieser doch im Alter von 26 Jahren nach Los Angeles, um seine Schauspielkarriere zu beginnen. Infolgedessen machte Reagan auch seine ersten politischen Schritte in Kalifornien und amtierte zwischen 1967 und 1975 als 33. Gouverneur des Golden State. Im Jahr 1980 folgte die Wahl zum 40. US-Präsidenten. Seit Nixon und Reagan hat es jedoch kein (Wahl-) Kalifornier mehr in das Weiße Haus geschafft. Für Politiker der Republikanischen Partei wird sich dies mittelfristig auch nicht ändern, wird Kalifornien doch mittlerweile von der Demokratischen Partei dominiert.
Kann Harris ihre Wahlniederlage abschütteln?
Landesweite politische Karrieren beginnen für Republikaner kaum noch an der US-Westküste. Ganz anders sieht es freilich bei Demokraten aus, wie am Beispiel der ersten Vizepräsidentin zu erkennen ist. Zwischen 2021 und 2025 war die in Oakland geborene Kamala Harris nämlich nur „einen Herzschlag vom Präsidentenamt“ entfernt. Als Präsidentschaftskandidatin unterlag sie zwar 2024 Donald Trump. Doch nur Joe Biden konnte von allen bisherigen demokratischen Kandidaten mehr Stimmen auf sich vereinen (81,3 Millionen) als Harris (75 Millionen). Damit votierten 5,5 Millionen mehr US-Amerikaner im Jahr 2024 für Harris als 2008 für Barack Obama. Im Vergleich zu Obamas Wiederwahl 2012 und zu Hillary Clinton im Jahr 2016 erhielt Harris gar 9 Millionen mehr Stimmen.
Und doch liegt nach der verlorenen Präsidentschaftswahl ein Schatten über der politischen Zukunft der heute 61-jährigen Harris. Dies liegt nicht zuletzt darin begründet, dass die Demokratin ihrem republikanischen Kontrahenten in allen sieben Swing States unterlag. Zudem gesellen sich eine notorische Schwäche bei der Führung ihres Mitarbeiterstabs sowie eine ausbaufähige Selbstrepräsentation, die sich auch bei Harris‘ vergleichsweise schwacher Unterstützung von Afroamerikanern zeigte. Im Vergleich zu Biden 2020 war die Unterstützung von Seiten dieser Wählergruppe für Harris 2024 um sieben Prozentpunkte geringer.
Harris lotet eine erneute Präsidentschaftskandidatur aus
Nach dem Ausscheiden aus dem Vizepräsidentinnenamt am 20. Januar 2025 zog sich Harris zunächst einmal aus der Öffentlichkeit zurück. Im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres arbeitete die Demokratin ihre Wahlniederlage auf und schrieb mit 107 Days – so viele Tage dauerte nach dem Rückzug des damaligen Präsidenten Biden ihr Wahlkampf – ein Buch. Seit Beginn des Jahres 2026 tourt Harris aktiv durch die USA und stellt ihr Buch unter dem Titel A Conversation with Kamala öffentlichkeitswirksam vor. Bei den Veranstaltungen kritisierte die 49. US-Vizepräsidentin Trump mehrmals – freilich ohne diesen beim Namen zu nennen. Des Weiteren verurteilte Harris, eine Juristin und einstige Attorney General des Bundesstaates Kalifornien, die zunehmende Politisierung des Justizministeriums in der Ära Trump.
Während Harris wieder die nationale Aufmerksamkeit sucht, lotet sie eine neuerliche Präsidentschaftskandidatur aus. Beispielsweise arbeitet das Team Harris, welches sich von KamalaHQ in Headquarters umbenannt hat, mit der Nonprofit-Organisation People For the American Way zusammen, um insbesondere junge Wähler zu mobilisieren. Headquarters hat alleine auf X mehr als 1,1 Millionen Follower und erweiterte zudem seine Auftritte in den sozialen Medien um Accounts auf Substack und YouTube. Im vergangenen Präsidentschaftswahlkampf waren bekanntlich Republikaner in den sozialen Medien noch weitaus aktiver vertreten als Demokraten.
Umfragen zum jetzigen Zeitpunkt des Wahlkampfs sind mit Vorsicht zu genießen
Nachdem Harris bereits im Juli 2025 eine Kandidatur für das kalifornische Gouverneursamt ausschloss, arbeitet sie nun aktiv an einem politischen Comeback auf nationaler Ebene. In landesweiten repräsentativen Umfragen zur demokratischen Präsidentschaftsvorwahl 2028 – mit ersten Kandidaturen ist zu Beginn des Jahres 2027 zu rechnen – liegt sie gegenwärtig laut den auf Real Clear Politics veröffentlichten Werten der wichtigsten Umfrageinstitute sieben Prozentpunkte vor dem kalifornischen Gouverneur Gavin Newsom und 16 Prozentpunkte vor dem ehemaligen Verkehrsminister Pete Buttigieg. Doch Umfragen zu diesem frühen Zeitpunkt eines (kommenden) Wahlkampfs sind mit Vorsicht zu genießen, spiegelt sich hierin doch primär die Bekanntheit von Politikern wider. Als ehemalige Vizepräsidentin hat Harris vor diesem Hintergrund einen enormen Vorteil gegenüber ihren Parteikollegen.
Eine andere Umfrage, von der University of California in Berkeley durchgeführt, lässt indes im Team Harris die Alarmglocken schrillen: Unter Anhängern der Demokratischen Partei in ihrem Heimatbundesstaat Kalifornien liegt Harris nämlich abgeschlagen auf dem vierten Rang. Die Umfrage führt Newsom deutlich mit 28 % vor Alexandria Ocasio-Cortez (14 %) und Buttigieg (11 %) an. Harris kommt dagegen nur auf 9 %. Es liegt folglich noch viel Arbeit vor Harris, damit erstmals eine Frau am Resolute Desk des Oval Office sitzen kann. Den ersten Kalifornier im Weißen Haus seit Reagan könnte es indes auch mit Newsom geben.
| Steckbrief Kamala Harris | |
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| Vollständiger Name | Kamala Devi Harris |
| Geburtsdatum und Ort | 20.10.1964 in Oakland, CA |
| Ausbildung | Jura (University of California) |
| Karriere | US-Vizepräsidentin (2021 – 2025), U.S. Senatorin für Kalifornien (2017 – 2021), Attorney General Kalifornien (2011 – 2017), Bezirksstaatsanwältin San Francisco (2004 – 2011) |
Ein Beitrag von Kai-Uwe Hülss M.A.
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