Die Krise der etablierten Anderen

Vier Monate vor der ersten Vorwahl in Iowa dreht sich bei der republikanischen Partei alles um politische Außenseiter. In nationalen Umfragen vereinen Trump, Fiorina und Dr. Carson zusammen 50 Prozent der Stimmen. Für die Inhaber politischer Ämter bleibt somit wenig Raum zur Profilierung.

Insbesondere auch auf Grund der Tatsache, dass Donald Trump in den vergangenen Monaten die gesamte Medienaufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Kandidaten, die sich einst vom Bewerberfeld durch ihr Auftreten oder politische Agenda abgesetzt hatten, verblassen nun weitestgehend.

Chris Christie ist hierbei zu nennen. Der Gouverneur von New Jersey ist für seine direkte Art und für die deutliche Aussprache von unbequemen Nachrichten bekannt. Folgerichtig lautet Christies Wahlkampfmotto „Telling It Like It Is„, frei übersetzt als „so sagen, wie es ist“.

Im Vergleich zu Trump erscheint Christie jedoch als zu brav. Eine Eigenschaft, die man bis vor kurzem mit Sicherheit nicht dem New Jerseyan zugeschrieben hätte. Dass mit Perry und Walker schon zwei Gouverneure vorzeitig aus dem GOP-Rennen ausgeschieden sind, wird Christie zusätzlich zu denken geben.

Ein weiteres Beispiel ist Rand Paul. Konnte dessen Vater Ron vor vier Jahren noch Begeisterung entfachen und Achtungserfolge bei den Vorwahlen feiern, scheinen die Fussstapfen des Vorzeigelibertären für den jungen Senator Rand zu groß.

Pauls Umfragen verschlechtern sich zusehends, der Spendenfluss versiegt zudem. Lediglich $2,5 Millionen konnte Pauls Kampagne im dritten Quartal eintreiben. Im Vergleich hierzu sammelte Dr. Carson im gleichen Zeitraum fast das Zehnfache an monetärer Unterstützung ein.

Ein Rand Paul unterstützender Super PAC hat nun sogar weitere Aktionen eingefroren, bis sich Paul auf seine Stärke zurückbesinnt: der Verkündung libertärer Positionen in Reinform. War dies einst die Stärke von Ron Paul, ist das politische Programm von Rand mittlerweile weichgespült. Eine Mobilisierung der Basis, wie aktuell im linken politischen Spektrum bei Bernie Sanders, ist damit schwer zu erreichen.

Besinnt sich Paul doch einmal auf seine Stärken, wird ihm nun wenig Beachtung geschenkt. Bestimmte Rand Paul einst durch stundenlanges Dauerreden im Parlament die Schlagzeilen, werden mittlerweile Aktionen, wie das Vernichten der Steuerverordnung per Kettensäge (siehe obiges Bild), kaum noch Beachtung geschenkt. Aufmerksamkeit ist Paul derzeit nur noch sicher, wenn er von Donald Trump, wie bei der letzten TV-Debatte, beleidigt wird.

Christie und Paul sehen schweren Zeit entgegen, ist das Kriterium für die Zulassung zur nächsten GOP-Hauptdebatte in den aktuellsten Umfragen einen Durchschnittswert von drei Prozent erzielt zu haben. Christie liegt derzeit genau bei diesem Wert, Paul bei gerade einmal 2,3 Prozent.

Noch schlechter erging es Scott Walker. Vom einstigen Liebling der Wähler in Iowa wurde er in kürzester Zeit in Umfragen bis auf Rang zehn durchgereicht. Finanzielle Probleme gaben dem Gouverneur von Wisconsin letztendlich den Rest. Walkers Aufgabe folgte prompt.

Walker, Christie und Paul sind auf ihre jeweils eigene Weise anders, als die weiteren im politischen Geschäft etablierten Kandidaten (Bush, Rubio…). Doch als Inhaber von politischen Ämtern heben sie sich von den politischen Neulingen (Trump, Fiorina, Dr. Carson) zu wenig ab, werden quasi mit ihren eigenen „Waffen“ geschlagen.

Der bisherige republikanische Vorwahlkampf ist somit auch die Geschichte von der Krise der etablierten Anderen.


Rand Paul vernichtet die Steuerverordnung:

Chris Christies erstes Wahlkampfvideo:


 

Stimmungsbarometer 9/15: Politische Außenseiter dominieren das GOP-Rennen

Nachdem der Vorwahlkampf mit dem Besuch von Papst Franziskus im US-Kongress für einen Moment inne gehalten hat, wird nun der heiße Herbst eingeläutet. Im Oktober findet nicht nur die dritte republikanische TV-Debatte statt, sondern auch Hillary Clinton, Bernie Sanders & Co. müssen sich erstmals miteinander messen. Ob Vizepräsident Joe Biden an der ersten demokratischen Debatte teilnehmen wird, ist weiterhin fraglich.

Die Grundlage für das Stimmungsbarometer 9/15 sind die durchschnittlichen Umfragewerte von Real Clear Politics für den Zeitraum zwischen dem 26.08. und 22.09.2015. Alle Angaben in Prozent und ohne Gewähr. (Grün/ Rot = Zum vorherigen Stimmungsbarometer an Prozentpunkten gewonnen/ verloren)


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Hillary Clintons Vorsprung auf Bernie Sanders und Joe Biden ist auch in diesem Monat weiter geschmolzen. Im wichtigen Vorwahlstaat New Hampshire liegt Sanders mittlerweile sogar in Führung. Ob Hillary mit ihrer neuen Strategie, mehr TV-Auftritte und mehr Menschlichkeit zu zeigen, eine Trendwende einleiten kann?

NATIONAL

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VORWAHL IOWA – TOP 3

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VORWAHL NEW HAMPSHIRE – TOP 3

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REPUBLIKANER

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Das republikanische Bewerberfeld wird derzeit von politischen Außenseitern bestimmt. Mit dem Immobilienmogul Donald Trump, dem Neurochirurg Dr.
Ben Carson
und der ehemaligen CEO von HP, Carly Fiorina, haben sich gleich drei politische Neulinge an die Spitze der Republikaner gesetzt.

NATIONAL

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Rick Perry und Scott Walker haben ihre Kandidaturen zurückgezogen.

VORWAHL IOWA – TOP 3

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VORWAHL NEW HAMPSHIRE – TOP 3

GOPNH915


GENERAL ELECTION – HILLARY CLINTON VS. TOP 3 DER GOP

Auch bei möglichen Duellen in der general election zwischen Hillary Clinton und den derzeit in nationalen Umfragen führenden Republikanern muss die Demokratin an Prozentpunkten einbüßen. Zwar liegt sie gegenüber Trump und Fiorina weiterhin in Front. Den Vergleich mit Dr. Carson würde Hillary aktuell jedoch knapp verlieren.

Nachfolgend der Vergleich zwischen Hillary und den derzeit führenden Republikanern:

CLINTON VS. TRUMP

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CLINTON VS. Dr. Carson

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CLINTON VS. Fiorina

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#GOPDebate: Fiorina zählt Trump an

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In Kooperation mit Bildmaterial von CNN International

Rund um die zweite Debatte der republikanischen Präsidentschaftsbewerber schwebte der Geist von Ronald Reagan, dem Säulenheiligen aller US-Konservativen. Wie könnte es auch anders sein, fand das Aufeinandertreffen doch  in der Ronald Reagan Presidential Library in Simi Valley, Kalifornien, statt.

Doch beim Wettstreit um die Nachfolge des 40. Präsidenten wurde Reagans geistlicher Nachlass schon im Vorfeld von dessen Nachfahren wenig Beachtung geschenkt. Als elftes Gebot ging Reagans „Du sollst nicht schlecht über deine republikanischen Parteifreunde reden“ in die Geschichte ein.

Doch spätestens seit dem Einstieg von Donald Trump ist von diesem Rat in der republikanischen Partei wenig zu spüren. Zumal sich dieser Eindruck verstärkt, nachdem Jeb Bush, Bobby Jindal und Co. in den vergangenen Wochen zum Gegenangriff übergegangen sind.

Und wie könnte es anders sein sahen 22,9 Millionen Amerikaner, eine Rekordeinschaltquote für CNN, zum Auftakt eine Attacke von Trump auf Paul. Der Multi-Milliardär stellte in herablassender Art die Anwesenheit von Paul bei der Hauptdebatte auf Grund derzeitiger schlechter Umfragewerte in Frage. Doch überraschenderweise sollte dies eine der wenigen Offensivaktionen von Trump werden.

SIMI VALLEY, CA - SEPT 15: The CNN Republican Candidate Debate at the Reagan Presidential Library on September 16, 2015. Jake Tapper will be the moderator for the CNN Republican Presidential Candidate Debate from the Library on the 17th.

Carly Fiorina überzeugte mit smarten Angriffen auf Donald Trump

Zum ersten Mal im noch frühen Vorwahlkampf geriet Donald in die Defensive. Insbesondere Jeb Bush und Carly Fiorina setzten Attacken auf den derzeit in nationalen Umfragen führenden Republikaner. Fiorina, die nach ihrem starken Auftritt bei der ersten Debatte erstmals bei der Hauptdebatte teilnehmen durfte, genoss den größten Applaus des Publikums.

Mit smart gestalteten Angriffen auf Trump und detaillierten Antworten konnte sich die ehemalige CEO von Hewlett-Packard von den restlichen Kandidaten absetzen. Spannend wird zu sehen sein, ob sich ihr positiver Auftritt auch in den Umfragen widerspiegeln wird.

Einen Aufschwung erhofft sich auch Lindsey Graham, der die kleine Debatte der in nationalen Umfragen zwölf bis 15 platzierten Republikaner dominierte. Im Gegensatz zu seinem blutleeren Auftritt bei der ersten TV-Debatte überzeugte Graham diesmal durch seinen ausgewiesenen Humor und Argumenten, die außenpolitische Falken wie auch das Establishment ansprechen dürften.

SIMI VALLEY, CA - SEPT 15: The CNN Republican Candidate Debate at the Reagan Presidential Library on September 16, 2015. Jake Tapper will be the moderator for the CNN Republican Presidential Candidate Debate from the Library on the 17th.

Marco Rubio (dritter von links) mit einem souveränen Auftritt

Weniger humorvolle Zeiten sieht sich der Gouverneur von Wisconsin, Scott Walker, gegenüber. Einst galt er als großer Mitfavorit auf die republikanische Präsidentschaftskandidatur, sind in den letzten Wochen seine Umfragewerte stark gesunken. Ein enttäuschender Auftritt bei der Hauptdebatte, garniert mit der kürzesten Redezeit, werden seine Kampagne vor weiteren, vielleicht sogar unüberwindbaren, Herausforderungen stellen.

Anders stellte sich ein weiterer Hoffnungsträger dar: Marco Rubio. Überzeugte der junge Senator aus Florida schon in der ersten Debatte, konnte er nun auch in Kalifornien an seine souveräne Leistung anknüpfen. Schlussendlich werden von der zweiten GOP-Debatte neben einer lebendigen Diskussion die vielseitigen Angriffe auf Donald Trump in Erinnerung bleiben.

Dementsprechend wurde einerseits Trumps wenig tiefgründiger politischer Sachverstand mehrmals auf die Probe gestellt. Andererseits wurde der Immobilien-Mogul mit seinen eigenen Waffen geschlagen, indem Trumps Kritik an Kandidaten im Vorfeld der Debatte nun – vorwiegend von Bush und Fiorina – perfekt gekontert wurde.

SIMI VALLEY, CA - SEPT 15: The CNN Republican Candidate Debate at the Reagan Presidential Library on September 16, 2015. Jake Tapper will be the moderator for the CNN Republican Presidential Candidate Debate from the Library on the 17th.

Spannendes Duell: Donald Trump gegen Jeb Bush

So auch am Ende der Debatte, als sich die Kandidaten einen möglichen Codenamen beim Secret Service geben sollten. Bush nutzte diese Chance geschickt und ritt eine letzte Attacke auf Trump: „Mein Codename wäre Ever-ready [Immer-bereit], das ist sehr viel Energie, Donald“. Eine Anspielung auf Trumps Aussage, dass Bush energielos sei.

Trump reagierte souverän, lächelte und bot Bush einen Handschlag an. Jeb nahm dieses Angebot an und schlug – kräftig – ein. Der Geist von Ronald Reagan schien doch noch in die Präsidentenbibliothek eingekehrt zu sein. Oder war es von Seiten Bushs doch nur der Gedanke, dass die Entzauberung des Donald Trump an diesem Abend begonnen hatte?



Die besten Zitate des Debattenabends

Forty years ago I smoked marijuana, and I admit it. (Jeb Bush)

The marijuana that kids are smoking today is not the same as the marijuana that Jeb Bush smoked 40 years ago. (Carly Fiorina)

Your brother gave us Barack Obama. (Donald Trump zu Jeb Bush)

There will always be a Bush or Clinton for you if you want to go back to war in Iraq. (Rand Paul)

I think women all over this country heard very clearly what Mr. Trump said. (Carly Fiorina als Antwort auf Trumps sexistischen Kommentar über ihr Aussehen vor der Debatte)

One, thanks, CNN, for having people at this debate (Lindsey Graham; bei FOX News mussten die schlechterplatzierten Kandidaten ohne Publikum diskutieren)

I wasn’t the best law student. By the end of this debate it’d be the most time I’d spent in any library. (Lindsey Graham; die Debatte fand in Ronald Reagans Präsidentenbibliothek statt)

In my world, Hispanics are Americans. (Lindsey Graham)

That’s the first thing I’m going to do as president: We’re gonna drink more. (Lindsey Graham)


REDEZEITEN DER KANDIDATEN IN DER HAUPTDEBATTE (IN MIN.)

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alle Angaben ohne Gewähr


KANDIDATENBEURTEILUNG

Jeb Bush: Hatte zweifelsohne starke Momente, jedoch auch eine länger Schwächephase in der Mitte der Debatte

Dr. Ben Carson
: Gewohnt ruhiger, souveräner Auftritt

Chris Christie: Leidenschaftlich

Ted Cruz
: Eher unauffällig

Carly Fiorina: Souverän, mit smarten Angriffen auf Donald Trump

Mike Huckabee
: Wenig Redezeit, eher unauffällig

John Kasich
: Wenig Redezeit, eher unauffällig

Rand Paul
: Wenig Redezeit, hatte es schwer sich in die Debatten mit einzubringen

Marco Rubio
: Staatsmännisch, rhetorisch überzeugend, hielt sich aus persönlichen Angriffen gegenüber seinen Mitbewerbern heraus

Donald Trump
: Befand sich überwiegend in der Defensive, wenig inhaltliche Tiefe, schwieg zwischenzeitlich für 37 (!) Minuten

Scott Walker
: Enttäuschender, unauffälliger Auftritt


SIMI VALLEY, CA - SEPT 15: The CNN Republican Candidate Debate at the Reagan Presidential Library on September 16, 2015. Jake Tapper will be the moderator for the CNN Republican Presidential Candidate Debate from the Library on the 17th.

Arnold Schwarzenegger, ehemaliger Gouverneur von Kalifornien, gehörte zu den Gästen


Bild-Credit: © 2015 CABLE NEWS NETWORK. A TIME WARNER COMPANY. ALL RIGHTS RESERVED.

Stimmungsbarometer 8/15: Trump kommt Clinton gefährlich nahe

Während Hillary Clinton weiter von ihrer eMail-Affäre verfolgt wird und an Zustimmung einbüßen muss, haben sich nach der ersten TV-Debatte  im republikanischen Bewerberfeld einige Veränderungen ergeben.

Grundlage sind die durchschnittlichen Umfragewerte von Real Clear Politics für den Zeitraum zwischen dem 30.07. und 16.08.2015. Alle Angaben in Prozent und ohne Gewähr.
(Grün/ Rot = Zum vorherigen Stimmungsbarometer an Prozentpunkten gewonnen/ verloren)


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Hillary Clinton führt weiterhin mit großem Abstand in nationalen Umfragen das demokratische Bewerberfeld an. Jedoch ist auch in diesem Stimmungsbarometer ihr Vorsprung auf Bernie Sanders geschmolzen. Im wichtigen Vorwahlstaat New Hampshire ist Clintons Führung nur noch marginal – in der letzten CNN/ORC-Umfrage lag Sanders sogar vor Hillary.

NATIONAL

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Vizepräsident Joe Biden hat sich weiterhin noch nicht offiziell über eine mögliche Kandidatur entschieden.

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VORWAHL NEW HAMPSHIRE – TOP 3

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REPUBLIKANER

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Der Höhenflug von Donald Trump geht auch im Stimmungsbarometer 8/15 weiter. Mittlerweile konnte sich der Multi-Milliardär an die Spitze des republikanischen Bewerberfeldes setzen.

Carly Fiorina, John Kasich und Dr. Ben Carson konnten von ihren guten Auftritten bei der ersten TV-Debatte profitieren und haben folglich an Zustimmung gewonnen.

NATIONAL

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VORWAHL IOWA – TOP 3

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VORWAHL NEW HAMPSHIRE – TOP 3

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GENERAL ELECTION – HILLARY CLINTON VS. TOP 3 DER GOP

Bei den möglichen Duellen in der general election zwischen Hillary Clinton und den derzeit in nationalen Umfragen führenden Republikanern liegt die Demokratin weiterhin in Front. Jedoch hat Clinton auch gegenüber Trump in den vergangenen Wochen an Prozentpunkten einbüßen müssen. Im RCP-Durchschnitt hat sie noch einen Vorsprung von 10,4 Prozentpunkten – bei der letzten CNN/ORC-Umfragen waren es sogar nur sechs Prozentpunkte.

Nachfolgend der Vergleich zwischen Hillary und den derzeit führenden Republikanern:

CLINTON VS. Trump

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CLINTON VS. Bush

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CLINTON VS. Dr. Carson

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#GOPDebate: Fiorina tritt aus dem Windschatten

Der Hype um Multimilliardär Donald Trump hat für eine Rekordeinschaltquote bei der ersten TV-Debatte der republikanischen Präsidentschaftsbewerber geführt. 24 Millionen Amerikaner verfolgten den Schlagabtausch – ein Rekordwert für eine Debatte in den Vorwahlen.

Und gleich in den Anfangsminuten stand der polarisierende Immobilienmogul im Mittelpunkt der Debatte zwischen den in Umfragen zehn besten abschneidenden Republikaner. Auf die Frage des Moderators, ob ein hier im Raum vertretener Kandidat bei einer Vorwahlniederlag sich vorstellen könnte, als unabhängiger Kandidat zur Präsidentschaftswahl anzutreten, hob lediglich eine Person den Arm: Donald Trump. Und dies ohne zu zögern.

Das Publikum quittierte dies mit Buh-Rufen, die Stimmung kochte schon zu Beginn hoch. Als Rand Paul sogleich auf Angriff gegenüber seinem Konkurrenten überging, war jegliches Abtasten beendet. Die heiße Phase hat schon ein halbes Jahr vor dem ersten Urnengang in Iowa begonnen.

Im weiteren Verlauf der ersten GOP-Debatte hat kein Bewerber seine Kandidatur durch unqualifizierte Aussagen oder durch eine schlechte Vorbereitung frühzeitig zerstört – im Gegensatz zu den Vorwahlen vier Jahre zuvor. Bei der Vielzahl an Bewerbern war dies auch kaum möglich, war die Redezeit zwischen fünf und zehn Minuten pro Kandidat doch stark begrenzt.

Folglich konnte am Ende des Abends auch kein klarer Sieger ausgerufen werden. Lediglich John Kasich, der als Gouverneur von Ohio bei dieser Debatte in Cleveland ein Heimspiel hatte, überraschte durch ein souveränes Auftreten und wartete mit detaillierten Fakten auf. Nachdem sich Kasich in den letzten Wochen durch verbesserte Umfragewerte in letzter Sekunde in die Hauptdebatte katapultiert hatte, dürfte die erste GOP-Debatte ihm weiteren Auftrieb geben.

Den einzigen weiteren verbalen Schlagabtausch gab es zwischen Chris Christie und Rand Paul. Keine Überraschung, dauern ihre Streitigkeiten insbesondere in sicherheitspolitischen Fragen schon seit Längerem an.

Die Überraschung des Abends gab es in der sogenannten kleinen Debatte zwischen den derzeit in Umfragen elf bis 17 platzierten. Carly Fiorina überzeugte auf ganzer Linie. Die ehemalige Chefin von Hewlett-Packard kritisierte in rhetorisch überzeugender Art den derzeitigen Umfrage-Führenden Donald Trump bezüglich dessen Verbindungen zu den Clintons sowie seine wenig konstanten politischen Meinungen.

In der zunächst viel belächelten Vordebatte konnte sich Fiorina entscheidend von ihren Mitbewerbern absetzen und ihren nationalen Bekanntheitsgrad erweitern. In den sozialen Medien erreichte sie die mit Abstand beste Frequenz. Der erste republikanische Debattenabend hat Carly Fiorina aus dem Windschatten der bisher besten zehn Kandidaten treten lassen. Ob sich dies auch in Umfragen widerspiegeln wird?


Die besten Zitate des Debattenabends

I’ve been challenged by so many people, and I don’t frankly have time for total political correctness (…) And to be honest with you, this country doesn’t have time either. (Trump)

Probably the Russian and Chinese government know more about Hillary Clinton’s email server than the United States Congress. (Walker)

If I’m our nominee, how is Hillary Clinton gonna lecture me about living paycheck to paycheck? I was raised paycheck to paycheck. (Rubio)

You know, I was asked by an NPR reporter once why don’t I talk about race that often. I said, “It’s because I’m a neurosurgeon.” And she thought that was a strange response . . . I said, “You see, when I take someone to the operating room, I’m actually operating on the thing that makes them who they are. The skin doesn’t make them who they are. The hair doesn’t make them who they are. And it’s time for us to move beyond that because (…) our strength as a nation comes in our unity. (Dr. Carson)

Since [Donald Trump] has changed his mind on amnesty, on health care and on abortion, I would just ask, what are the principles by which he will govern? (Fiorina)

I didn’t get a phone call from Bill Clinton before I jumped in the race (…) maybe it’s because I hadn’t given money to the foundation or donated to his wife’s senate race. (Fiorina)


Kandidatenbeurteilung

Jeb Bush: Wirkte teilweise unsicher

Dr. Ben Carson
: Zu Beginn der Debatte mit sehr wenig Redezeit, starkes Schlussplädoyer

Chris Christie: Fiel insbesondere durch seinen Schlagabtausch mit Paul auf

Ted Cruz
: Eher unauffällig

Mike Huckabee
: Eher unauffällig

John Kasich
: Souveränes, staatsmännisches Auftreten

Rand Paul
: Wenig Redezeit, jedoch angriffslustig

Marco Rubio
: Guter Auftritt, insbesondere rhetorisch überzeugend

Donald Trump
: Gewohnt selbstbewusstes Auftreten, wenig inhaltliche Tiefe

Scott Walker
: Eher unauffällig


Videos

Die TV-Debatte der in Umfragen besten zehn Kandidaten in voller Länge:
http://www.youtube.com/watch?v=PFFmNLhDzD8

Die TV-Debatte der in Umfragen 11 bis 17 platzierten:
http://www.youtube.com/watch?v=0VjHw1m_Orw


Redezeiten der Kandidaten in der Hauptdebatte (In Min.)

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alle Angaben ohne Gewähr